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Soll die plattdeutsche Sprache gepflegt oder ausgerottet werden?

Ludolf Wienbarg: Soll die plattdeutsche Sprache gepflegt oder ausgerottet werden? - Kapitel 9
Quellenangabe
typeessay
authorLudolf Wienbarg
titleSoll die plattdeutsche Sprache gepflegt oder ausgerottet werden?
publisherHoffmann und Campe
year1834
firstpub1834
correctorreuters@abc.de
senderpg-us#12660
created20080806
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Im vorherigen Abschnitt habe ich besonders oder ausschließlich nur auf die durch die herrschende plattdeutsche Sprache verhinderte und daher auch trotz dem Unterricht im Hochdeutschen verfehlte Bildung des Landmanns Rücksicht genommen.Was könnte ich anführen, wollte ich von der niedrigsten Klasse norddeutscher Städte sprechen, die sich, wie der Hamburger Pöbel in Schnapps und unreinstem Plattdeutsch wälzt. Es ist aber auch schwer, wenn von der gewerbtreibenden Klasse, der großen Bevölkerung norddeutscher Städte die Rede ist, die Hemmung und Stockung zu verkennen, welche die plattdeutsche Sprache, wo sie dem täglichen Umgang angehört, über die Köpfe verhängt. Man stößt sich da, wo der Block liegt, nur sind die Pfähle, welche den engen plattdeutschen Ideenkreis in der Stadt wie auf dem Lande begrenzen und umpflöcken, hier mehr roh, dort mehr spießbürgerlich abgeschält und holländisch überpinselt, das ist der Unterschied. Doch giebt es besonders aus größeren norddeutschen Städten, eine erfreuliche Thatsache zu berichten. Viele aus den mittleren achtbaren Ständen, Handwerker u.s.w. haben in neuer und neuester Zeit angefangen, sich und ihren Familien eine andere Stellung zur hochdeutschen Sprache und Kultur zu geben, als von ihren Vätern und Vorfahren eingenommen wurde. Rühmlich ist es, was diese für ihre Kinder thun, mit wie viel Opfern sie oft ihren Lieblingen Gelegenheit verschaffen, sich für ihren künftigen Stand so zu befähigen, daß sie nicht, wie jetzt noch die Meisten aus dieser Klasse, mit leeren Händen und offenen Mäulern den Strom der Einsichten, Ideen, Kenntnisse und Bestrebungen an sich vorüberrauschen sehen, der Europa, Amerika, die Welt erfüllt. Rühmlich und verständig zugleich, denn es leitet sie der richtige Takt in der Beobachtung, daß Besitz und Vermögen in der Welt immer mobiler werden, daß im raschen Wechsel der Dinge, außer dem blinden Glück, worauf zu rechnen Thorheit wäre, Verstand und Kenntnisse, die ächten Magnete sind, um den aus den Taschen der Erwerbenden und Genießenden lustig hin und her wandernden Besitz anzuziehen, zusammenzuhalten und zu vermehren.


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