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Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten

Georg Weerth: Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten - Kapitel 6
Quellenangabe
typereport
booktitleSkizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten (Sämtliche Werke, 3. Bd.)
authorGeorg Weerth
firstpub1957
year1957
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
titleSkizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten
pages3-475
created20050926
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IV
Eine Reise ins Innere des Landes

»Graus war die Nacht, und um den Giebel der Pächterwohnung heulte Sturm!« Diesen herrlichen Anfang zu einem schauerlichen Roman muß ich in meiner Jugend irgendwo gelesen haben. Seiner hohen Schönheit wegen blieb er mir im Gedächtnis, und nichts war natürlicher, als daß er mir auf der Reise von London nach Birmingham einfiel, wo ich wahrscheinlich 120 Meilen auf der Eisenbahn fuhr, ohne etwas anderes zu sehen als eine abscheuliche rote Nase, die mir gegenüber Platz genommen hatte. Kamen wir an Häusern vorbei, so fielen bisweilen einige Streiflichter in den Wagen hinein, und für einen Moment trat dann die rötliche Naturschönheit meines Nachbars in all ihrem Farbenglanze aus der Dunkelheit hervor. Die Sache machte sich so frappant, daß mir ein anderes menschliches Wesen, das sich zufällig im Wagen aufhielt, jedesmal, wenn wir uns einem neuen Lichte näherten, einen Stoß mit dem Arm versetzte, als wollte es bemerken: »Geben Sie acht, mein Herr! Gleich kommt ein Licht! Geben Sie acht, die rote Nase!« Glückliche Stunde! – Aber alles vergeht; auch der Eigentümer der roten Nase schlief zuletzt ein: sein Kopf sank auf die Brust herab, und die Nase verkroch sich in der Hemdkrause. »Hier in Birmingham bleiben wir vier Stunden liegen!« sagte eine freundliche Stimme, als wir endlich stillhielten, und eine Sekunde nachher entführte man mich bereits samt meinem Mantelsack und schleppte mich der Stadt zu.

Zeus Kronion! In Birmingham, wo du keine einzige gute Seele kennst, wo alles aufhört, was nach Deutschen riecht – lieber Junge, du hast noch wenig gereist –, wenn dir dort mal etwas passierte! Und der Gedanke stieg in seiner Schrecklichkeit sehr beunruhigend vor meinem Geiste herauf, als ich meinem Führer durch mehrere dunkle Gassen folgte. Bald lieferte er mich an ein ziemlich schlechtes Wirtshaus ab. Drei Mädchen, eben nicht schön und wunderbar, empfingen mich, und nach einigen flüchtigen Beratungen wurde ich in ein Zimmer des obern Stockwerks transportiert. Wunderlich sah es dort aus. Der rote Teppich war sehr zerrissen, die Tapeten alt und verdorben; auf dem Tische lag eine Gitarre ohne Saiten, in der Ecke standen ein paar Reitstiefel, und oben unter der Wanddecke war ein Bindfaden gezogen, auf dem Apfelschnitzel getrocknet wurden. Die drei Frauenzimmer erschienen nach einiger Zeit wieder und servierten den Tee. Es wurde mir sehr unfreundlich zumute, und unwillkürlich faßte ich in das Sofa hinter mich, um nach irgend etwas zu suchen; ich wußte selbst nicht warum; sieh da, etwas Schweres geriet mir in die Hände, vielleicht, und es lief mir kalt über den Rücken – vielleicht eine Kiste mit Dolchen oder Pistolen... Da entfernten sich die drei Frauenzimmer, blickten mich noch einmal mit sonderbarlichen Augen an, und unten hörte ich eine tiefe, tiefe Baßstimme sprechen und die Frauenzimmer kichern und lachen.

Ich brachte meinen Fund aus der Sofaecke hervor: es war ein Kistchen, mit Leder überzogen; erwartungsvoll öffnete ich es und fand darin – fand eine Bibel! Zu meinem nicht geringen Erstaunen eine hübsche, korrekte Londoner Ausgabe, printed: Strand 54, im Jahre 1842. Um ein Abenteuer schien es mir nun in jenem Hause geschehen zu sein; ruhig schlürfte ich den Tee herunter und schlug das hübsche Buch auf, um zu sehen, wie sich das Wort Gottes in englischer Sprache ausnehme.

Als ich aber die Stelle fand, wo geschrieben steht: »Und ihre Kamele sollen ihnen geraubt werden, und ich will sie zerstreuen nach allen Winden« – da hörte ich plötzlich ein dumpfes Geräusch im Nebenzimmer, als wenn zwei Menschen in einen heftigen Wortwechsel gerieten, und lauschend näherte ich mich der Tür, welche die zwei Gemächer voneinander trennte. Sie war nicht verschlossen, und leicht gelang es mir zu öffnen, ohne daß von der andern Seite etwas bemerkt wurde. Da hörte ich denn zu meiner großen Belustigung, in Birmingham, in dem Hause, wo ich mir einige Augenblicke vorher noch so verlassen und so unendlich weit von aller Hilfe vorkam, ich hörte deutsche Worte, und, o Wunder, welche Worte! Zierliche Verse: Jamben. Ich hörte genau, wie vom König Philipp die Rede war, der Herzog Alba sprach, und Don Carlos ließ etwas von Ritterstolz fallen und von dem »zwischen Vater und Sohn stellen«, und immer toller und hitziger wurde der Diskurs, man sprach von Blut und Rache, es war kein Zweifel mehr, es zitierte jemand den göttlichen Herrn Schiller!

Da konnte ich denn doch nicht unterlassen, den Kopf ins Zimmer hineinzustecken, um mich nach dem nächtlichen Deklamator etwas umzusehen. Es war eine lange, hagere Gestalt in Hemd und Unterhosen, die auf dem Rande des Bettes saß; glatt hingen die blonden Haare an den Schläfen hinunter, und beim Scheine einer tief heruntergebrannten Kerze schimmerten bisweilen ein Paar deutsche blaue Augen. Ziemlich gut wußte der junge Mensch seine Stimme zu ändern; Herzog Alba nahm sich hübsch aus, noch besser aber Carlos, für den der Deklamator eine besondere Vorliebe zu haben schien, denn jedesmal strich er bei seinen Worten recht träumerisch mit den dünnen Fingern über die Stirn herüber. Mit einem Worte, es war ein unglücklicher Deutscher, der in Birmingham, in einer schlechten Wirtschaft, nachts um 12 Uhr den »Don Carlos« auswendig lernte! – »Und ihre Kamele sollen ihnen geraubt werden, und ich will sie zerstreuen nach allen Winden!« Ach Gott! Mein dünner Landsmann sah recht unglücklich aus; hatte er je eine Herde Kamele, so war er selbst jedenfalls das einzige Stück, was davon übrigblieb, und nach allen Winden zerstreut kam er mir auch vor. Oh, es muß schrecklich sein, so als langer, blonder Mensch mit Schillers »Don Carlos« unter dem Arm durch ferne Länder zu streifen! Und weshalb legte sich der Unglückliche nicht lieber ins Bett? Weshalb sich den süßen Schlaf rauben? Er dauerte mich, der Arme. Ich ergriff einen der großen Reitstiefel, welche in meinem Zimmer lagen, und als der blonde Jüngling gerade mit recht ausdrucksvoller Stimme ausrief: »Sieh, Herzog Alba, da stehst du nun in deines Nichts durchbohrendem Gefühle!« – puff, da flog der Reitstiefel mit schrecklichem Geprassel an den Wänden herum! –

Ich habe auf meinem ersten wie auf allen späteren Streifzügen durch England das Vergnügen gehabt, die Schönheiten Birminghams nur bei Nacht zu genießen. Die große Dunkelheit verhinderte mich daher stets, über jenen merkwürdigen Ort recht ins klare zu kommen. Viele andere englische Fabrikstädte, deren ich leider genug bei hellem Tage sehen mußte, nehmen sich gewöhnlich in einiger Entfernung wie große Maulwurfhügel aus. Inwendig sind sie gewöhnlich sehr schmutzig.

Ein Franzose würde drei Tage in einer englischen Fabrikstadt leben und dann – sterben; ein Italiener hielte es etwa vierzehn Tage aus – und würde sich eine Kugel vor den Kopf schießen; ein polnischer Jude spräche nach drei Wochen: »Es ist genug!« – und hängte sich bei seinem Barte auf; nur ein Deutscher schämt sich nicht, oft länger als ein volles, rundes Jahr darin zu verweilen, ohne nur einmal gründlich verrückt zu werden.

Ich nehme den Fall an, daß wir eben mit der königlichen Post in einer solchen schrecklichen Gegend ankämen. Wir steigen vom Wagen; die Nasen sind rot, die Hände wurden kalt, die Füße frieren. Wo ist ein Wirtshaus? Dort! Es heißt »Die Sonne«. Gut, wir wollen uns an dieser Sonne wärmen und treten ein. In der Tür erblicken wir ein blasses Gesicht, dessen Besitzer ein Kellner ist. Der junge Mann trägt Schuhe, weiße baumwollene Strümpfe, eine helle Krawatte, und die dolchspitzen Zipfel des schwarzen Frackrocks hängen ihm bis auf die dünnen Waden hinunter. Er zeigt uns das Schlafzimmer. Wir steigen hinauf, verwickeln uns einige Male mit den Füßen in dem alten Teppich, der die Treppe bedeckt, wir stolpern und kommen endlich an Ort und Stelle.

Dort suchen wir uns ein höchst angenehmes Äußeres zu geben; wir streichen den Reif aus den deutschen Locken, waschen unsere Hände in Unschuld und Regenwasser, werfen einen Blick umher, rufen aus: »Freundlich, sehr freundlich! Das Bett ist gut, die Nacht wird schön!« – und steigen wieder in den untern Raum des Hauses hinab. Hier treten wir in ein ziemlich großes Gemach. Auf dem Fußboden Teppiche, von der Decke herunter Kronleuchter. Auf den Tischen bemerkt man Zeitungen und Teetöpfe, auf den Stühlen Engländer. Wir stellen uns einige Augenblicke an den Kamin, um das Ganze überschauen zu können. Wir stehen eine Viertelstunde und fangen an, uns sehr zu langweilen. Niemand spricht ein Wort, wir sehnen uns nach Mitteilung, wir lassen endlich ein Herz, wir nähern uns dem ersten besten und sagen, um nicht gleich von vornherein sehr geistreich zu scheinen: »Nicht wahr, mein Herr, sehr schönes Wetter heute, sehr schönes Wetter gewesen?« Der Engländer sieht uns an, sieht wieder in seine Teetasse, spricht kein Wort.

Auch gut, denken wir, und gehen zu dem zweiten. »Nicht wahr, dear Sir«, sagen wir, »Aufruhr in Frankreich, haben Sie schon gelesen?« Der Engländer sieht uns an, sieht wieder in seine Teetasse, spricht kein Wort. Wir wandern zu dem dritten, und wenn wir gerade in Yorkshire sind, sagen wir: »Lieber Herr, wie befindet sich doch der Landprediger zu Wakefield?« Der Engländer sieht uns an, sieht wieder in seine Teetasse, spricht kein Wort. Da steigt eine gelinde Wut in uns auf. »Ihr Briten, ihr Geschöpfe Gottes, seht, an einem frühen Morgen zogen wir von der Heimat aus; auf den belgischen Eisenbahnen bekamen wir Ohrenbrausen, in Antwerpen ennuyierte uns die Kathedrale, auf dem Kanal lebten wir in beständiger Furcht vor der Seekrankheit, in London prellte man uns an zwanzig Orten, auf euern Eisenbahnen sahen wir nichts als eine rote Nase, auf eurer königlichen Post sind uns die Füße erfroren. Hört, ihr Insulaner, ihr Eingeborenen! Wir kommen heute abend in dieser ›Sonne‹ an, in diesem Gasthaus, wir wollen uns nach all den Mühseligkeiten der Reise pflegen und erquicken, wir suchen, was uns lieber ist als Brot und Wein, wir suchen das Labsal des Wortes – und ach, ihr habt es uns versagt! Hört! Ihr Kinder Alt-Englands, ihr seid entweder stolz oder dumm; Gott weiß es; am Ende seid ihr nur klug genug, um viel Geld zu verdienen! Wir verachten euch – sela!«

Kaum sind wir indes mit unserm halblaut gemurmelten Monolog fertig, da fällt uns auch plötzlich ein, wo wir sind. Die Londoner Erinnerungen steckten uns noch zu sehr im Kopfe, wir dachten noch an den freundlichen Alten auf dem Verdeck des »Wilberforce«, an den höflichen Direktor auf der Stock Exchange und an so viele andere Leute, die uns in Babylon leutselig entgegenkamen. Wir vergaßen, daß uns die Lokomotive ein paar Hundert Meilen weit ins Land hineinschleuderte, wo alle Kultur ein Ende hat; und erst jetzt sehen wir mit Schrecken ein, daß wir wirklich mitten unter die Barbaren der Industriedistrikte geraten sind und daß von dem ernsten Fabrikanten nicht das zu erwarten ist, was wir bei einem Londoner Flaneur schätzen lernten.

Wir suchen uns also, so gut es geht, über die allgemeine Windstille der Konversation zu trösten; wir greifen in die Rocktasche, ziehen unsere Zigarrendose hervor und bemächtigen uns einer echten Bremerin, die wir so glücklich waren, durch die Douanen hindurchzuschleppen; natürlich als rechtschaffene Leute gegen einen enormen Zoll! Wir reißen der »Times« den Kopf ab, falten das glatte Papier und sind eben damit beschäftigt, die braune Bremerin an der äußersten Spitze anzuzünden, da werden wir durch einen Schrei des Entsetzens unterbrochen. In der Ecke des Zimmers richtet sich der Kellner in baumwollenen Strümpfen empor, sein blasses Gesicht ist noch fahler geworden, er hält die Hände über den Kopf ausgestreckt gleich Moses in der Schlacht gegen die Amalekiter. Jetzt macht er einen Schritt vorwärts; ihm folgt die Wirtin, welche den Schrei ausstieß, der Sohn des Hauses macht den Schluß – und ist sprachlos. Alle drei stürzen auf uns los, den andern Gästen entfallen die Teelöffel. »Er raucht! Er raucht!« raunt einer dem andern zu, und bald sind wir von dem erschrockenen Trio umringt. Die Wirtin faltet bittend die Hände, der Kellner erfaßt sanft unsern Arm, der Sohn des Hauses zittert, und ehe wir uns nur besinnen können, sind wir bereits aus dem Gemach entfernt und in ein Rauchzimmer abgeführt. Der Kellner verschließt sorgfältig die Tür. Dort sind wir nun allein mit unserm Grimm und der Zigarre. Wir nähern uns wieder dem Kamin, setzen uns in einen Lehnstuhl, welcher nicht wie gewöhnlich vier Beine hat, sondern wie eine Wiege eingerichtet ist, und schaukeln uns hin und her, unserm Schmerz überlassen!

Nach geraumer Zeit fällt es uns ein, daß der Abend noch sehr lang ist; wir wissen bereits, daß es in einer Fabrikstadt weder Theater, Gesellschaften noch irgend etwas Ähnliches gibt, was man besuchen könnte; »den Uhland aus der Reisetasche zu ziehen«, haben wir auch keine Lust; sind wir doch nach England gekommen, um Volk, Sitten und Sprache kennenzulernen; wir beschließen also eine Promenade. – Die Straßen sind ziemlich gut erleuchtet; bald sind wir in dem belebtesten Stadtteil, und vor uns aufgetürmt liegen all seine Wunder. Rechts ein Laden mit neuen Stiefeln, links ein Laden mit Beefsteak, rechts ein Laden mit Hosenträgern, links ein Laden mit gerupften Kapaunen und so fort und so weiter, eine Straße nach der andern, Hunderte, Tausende von Häusern voll.

Plötzlich stehen wir am Rande eines tiefen Tales. Unser Auge sucht hinabzudringen, ein dicker, schwarzgrauer Nebel verdeckt alles; unheimlich schimmern Lichter und hellodernde Feuer darin, und ein wirres Getöse schlägt betäubend an unser Ohr. Nur die Reihen der Schornsteine, welche sich schlank wie Minarette über die Dächer der Häuser erheben, zeigen an, daß dies der Ort ist, wo das Rasseln der Räder, das Schnurren von Millionen Spindeln sich mit den Seufzern der geplagten Arbeiter mischt, daß hier die Stelle ist, wo jene Masse von Waren erzeugt wird, die der Brite auf seinen Flotten in alle Welt sendet.

Verwundert stieren wir hinab in diesen düstern Grund; es ist, als wenn der leibhaftige Teufel dort unten sein Wesen triebe, als wenn tausend heulende Zwerge und Kobolde nach der Peitsche des Meisters tanzen müßten; das ist ein Sprudeln und Zischen und Rasseln und Dröhnen – und wie wir lauschen, da scheint auch der Angstruf der geplagten Seelen zu uns heraufzudringen; es ist, als hörten wir den Gesang von Galeerensklaven in wehmütigen Tönen durch den Donner der Brandung schallen – sie sind es! Es ist der Gesang jener Unglücklichen, die man schon in frühster Jugend an die Maschinen fesselt –

»Skelette von Jungfrau'n und Knaben füll'n
Die Höllen des König Dampf.«

Entsetzt wenden wir uns fort von diesem geisterhaften Tale und geraten auf einen freien Platz.

Es ist heute Markttag gewesen; die Leute aus der Umgegend stehen noch in kleinen Gruppen zusammen und handeln. »Wie ein Nagel in der Wand also steckt die Sünde zwischen Käufer und Verkäufer«, sagte der weise Salomo. Die Welt ist seitdem älter geworden, wohl tausend Jahre und darüber, wer weiß, wie es jetzt aussieht? Ein Engländer hält den Sonntag heilig, vom Morgen an bis nachts um 12 Uhr; 10 Minuten nachher, wie die Sage geht, soll sich der ganze Mensch aber plötzlich ändern, und die Nationen der Welt wissen davon zu erzählen.

Lassen wir das. Wir wollen uns lieber über die Gesichter der geschäftigen Handelsleute freuen. Wahrlich, sie sind ziemlich interessant! Die spitzen Nasen, die schlauen Mundwinkel, die kleinen blinzelnden Augen, wie herrlich alles zueinanderpaßt! Und nun der runde Filzhut, der schäbige Frackrock und hin und wieder die braunen Manchesterjacken, wie lustig sie durcheinanderwogen! Die guten Leute gehören nicht zu den Londoner Matadoren, es sind nur die kleinen geschäftigen Ameisen im Innern des Landes.

Noch eine halbe Stunde dauert das Treiben fort, da ist der letzte Handel geschlossen, alles schleicht nach Hause; die Straßen werden leer und öde, Nebel und Rauch brechen in finstern Massen in die Stadt ein, es ist gänzlich Nacht geworden. Der todmüde Arbeiter ißt halb im Schlafe sein Abendbrot, der Fabrikherr kauert am Kamine, den Kopf in eine Zeitung begraben, die Läden werden allmählich geschlossen, der Tag ist aus. Zwölf bis vierzehn Stunden hat man gearbeitet und in wilder Hast dem Gelderwerb nachgejagt – was Wunder, daß da die Arme schlaff hinunterhangen, daß die Geister müde und tot sind, daß nicht einmal die Kraft mehr da ist, die Stunde der Erholung zu genießen, daß man nur zusammensinken, nur schlafen kann bis zu einem neuen Morgen, der ebenso traurig beginnt, wie der vorhergehende Abend schloß!

Doch kommen Sie; wir sind lange genug auf der Erde gewesen, wir wollen wieder in die »Sonne« steigen! Die Sonnenwirtin, der Sonnenkellner und der Sohn vom Hause haben uns während der Promenade durch die Stadt den Tee bereitet. Auf dem Tische steht schon ein kolossales Stück Beef, gesottene Eier und geröstetes Brot; wir lassen uns nieder, aber, weiß Gott! es will uns gar nicht schmecken. Ein etwas gutmütiger Mensch schämt sich ordentlich, in einer Fabrikstadt, wo es so viele unglückliche Hungerleider gibt, gut zu Tisch zu sitzen!

Fast überall läßt es sich gut leben; aber in einer englischen Fabrikstadt – ein Franzose stürbe schon am dritten Tage darin, er würde es sicher! Er fände ja keine Gesellschaft, er könnte ja nicht sprechen! Und der Italiener würde sich erschießen, weil er oft in zwei Monaten keinen blauen Himmel sähe; und der polnische Jude würde sich erhängen – wer weiß, weshalb! Nur den Deutschen, den man überall auf der ganzen Erde findet, trifft man auch hier jahraus, jahrein. Der Deutsche stirbt nie aus. Er gewöhnt sich an alles, und seine stille Gemütlichkeit trägt er mit sich über Land und Meer.

Von Birmingham ließ ich mich nach der West Riding der Grafschaft Yorkshire schieben und war entzückt über diese reizende Landschaft. Ich habe zwei Jahre lang in diesem Teile Englands gewohnt und sehne mich immer wieder danach zurück, wenigstens nach dem Landleben in dieser Gegend. Überall die prächtigsten Hügel, die lieblichsten Täler und die lachendsten Felder! Aus allen Schluchten sprudeln kleine Gewässer, rauschen durch die Felsen und verlieren sich unter den Zweigen der Erlen und in dem smaragdenen Grün der Wiesen. Ein Kranz von knorrigen, krausbelaubten Eichen zieht sich gewöhnlich um die Seiten der Berge, die selten sehr hoch sind und sich in den sanftesten Abstufungen der Ebene entgegenschmiegen. Dazu sind Berge und Täler übersät mit Dörfern und Landhäusern, an denen man den Efeu in lustigsten Ranken emporwuchern läßt und die fast immer von den zierlichsten Gärten umgeben sind. Die Bauart der Häuser ist im höchsten Grade einfach; da sie aber sämtlich aus weißem Sandstein aufgeführt sind, ein Material, was man in reicher Menge durch die ganze Gegend findet, so haben sie das nettste und reinlichste Ansehen, was man sich denken kann. Das kleinste und einfachste Haus, wenn es aus diesem Sandstein gebaut ist und noch nicht viele Jahre zählt, nimmt sich namentlich auf dem wunderschönen Grün der Wiesen und Bergesmatten stets wie ein Schlößchen aus.

Außerdem weht auf diesen Höhen in Yorkshire die reinste und schönste Luft; sie streut Rosen auf die Wangen aller Landmädchen, und man ist ordentlich verwundert über die vielen blühenden Gesichter, die man bei den Engländern auf dem Kontinent ja gerade am allermeisten vermißt.

Die herrliche Ordnung, welche in der Einteilung und Umzäunung der Felder, in der Anlage der Wege und in der Benutzung der Wiesen und Gewässer herrscht, macht, daß man die ganze Gegend nur mit zufriedenem Auge überschauen kann.

Die Jahreszeit war schon sehr vorgeschritten, als ich zuerst in Yorkshire ankam; nur einzelne Wiesen schienen sich noch gegen die Hand des herannahenden Winters zu wehren und schimmerten lieblich grün.

Die Leute, die neben mir auf der Kutsche saßen, freuten sich nicht weniger über ihr schönes Land wie ich selbst, trotzdem, daß sie es vielleicht schon hundertmal gesehen hatten. Die Röcke bis obenhin zugeknöpft, Hals, Mund und Kinn in einem dicken Tuche verborgen und die Hände in den Hosentaschen, saßen sie so steif auf den Bänken, die oben auf dem Verdeck des Wagens angebracht waren, daß man nicht anders meinte, als Pfähle vor sich zu sehen. Wollte jemand seinen Nachbarn während der Unterhaltung ansehen, da mußte er auch den ganzen Körper herumdrehen, denn die Hälse waren so fest umschnürt, daß eine einfache Kopfbewegung fast unmöglich wurde.

Die Unterhaltung drehte sich fast ausschließlich um die Anlage neuer Eisenbahnen, mit denen man alle größern und kleinern Städte verbinden wollte, so daß das Reisen auf einer Kutsche bald der Vergangenheit angehören würde. Da meine Nachbarn fast sämtlich kleine Handelsleute und Fabrikanten waren, die von einem benachbarten Wochenmarkte in ihre Ortschaften zurückkehrten, so kannten sie jede Wiese, jeden Berg und jeden Wald in der ganzen Gegend und machten während der Reise eine über die andere Wette in betreff des Terrains, welches die Eisenbahndirektionen für ihre Bahnen wählen würden.

Einer von ihnen fragte mich, ob ich aus dem Zollverein wäre, und da ich dies bejahte, so wurde er gar nicht müde, sich nach allen möglichen Einzelheiten dieser großen Völkergesellschaft zu erkundigen. Eisenbahnen und Dampfschiffe blieben natürlich das Hauptthema, und als ich ihm versicherte, daß Vetter Michel fast gar keine Kutschen und Postwagen mehr kenne und sich fast den ganzen Tag in Kohlen- und Tabaksdampf hülle, da wurde seine Sehnsucht nach diesem gebildeten Lande so groß, daß ich ihm bis auf Heller und Pfennig ausrechnen mußte, wieviel man zu einem Streifzug in die gesegneten Gefilde meiner Heimat brauchen würde. Er geriet dann aber wieder in den hellsten Enthusiasmus, als er seines eigenen Landes gedachte; Alt-England, meinte er, sei doch die Krone von allem, was es auf der Welt gäbe, und so beredt wußte er mir die Schönheiten der verschiedenen Grafschaften zu schildern, daß ich ihm zuletzt in allem recht gab und mit in das Lob Großbritanniens ausbrach, was den guten Mann bis zur Rührung erfreute.

Als es endlich Nacht wurde, versicherte er mir, daß er sich von ganzem Herzen darüber ärgere, daß heute der Mond nicht am Himmel stehe, denn jetzt könnte ich die Kanäle nicht mehr sehen und die neuen Kirchtürme und seine Bleicherei – – da sprang er vom Wagen hinunter und eilte seinem Gehöfte zu.

Daß der Mond nicht am Himmel stand, tat mir ebenso leid wie meinem guten Reisegefährten.

Ich liebe den Mond. Nicht, weil er mich einmal zu einer erbärmlichen Elegie begeisterte; nein, ich liebe den Mond nur seines holden Selbst wegen und habe deswegen eine unauflösliche Freundschaft mit ihm geschlossen; der Mond ist meine Leidenschaft, ich schwärme für ihn, und fast möchte ich glauben, daß er eine ebenso große Zuneigung zu mir gefaßt hat. Ich habe sogar die besten Gründe, um dies zu vermuten. Mache ich ihm Vorwürfe und sage: »Mond, schäme dich, du bist voll!« – da schämt er sich und gibt seinen zunehmenden Lebenswandel auf, um nach kurzer Zeit schon wieder als ein vernünftiges längliches Gestirn am Himmel herumzuspazieren.

In Deutschland sah ich den Mond zuletzt, als er gerade untergehen wollte. »Halt!« rief ich ihm zu. »Ich reise jetzt nach England, Gott weiß, wie es mir dort ergehen wird; alte Bekannte findet man nicht überall; wie wäre es, teurer Freund, wenn du dich zu einer gleichen Reise entschlössest, wenn wir über einige Wochen bei einer Flasche Burton-Ale wieder zusammenträfen, wenn wir uns plötzlich in einer Grafschaft Alt-Englands wiedersähen? Sprich, was meinst du? Bringe deine Familienverhältnisse in Ordnung, und, lieber Mond, sei kein Narr, streife ebenfalls über den Kanal hinüber. Man reist ja heutzutage so schnell; am Morgen in Köln, am Abend in Antwerpen, den folgenden Tag bist du schon in London und amüsierst dich in der darauffolgenden Nacht im Park zu Windsor! Topp!« Da verschwand der Mond hinter den Bergen.

Tage und Wochen vergingen; da wandelte ich eines Abends in einer kleinen Stadt Yorkshires umher und führte keinen andern Gedanken, als eine hübsche Wohnung zu mieten, in der ich während der nächsten Zeit ruhig und ungestört die drei ersten Kapitel des »Tristram Shandy« lesen könnte. Viele schöne Häuser lagen zu beiden Seiten der Straße, hellerleuchtete Läden und dann und wann auf grünen Rasenplätzen eine Kirche, eine Kapelle oder ein Bethaus. Lange wollte sich aber kein Gebäude zeigen, von dem ich vermuten durfte, daß es mich in seinen Räumen aufnehmen würde.

Bald war ich am Ende der Straße und blieb unwillkürlich vor dem letzten Hause stehen. »Sollst du, oder sollst du nicht?« Die guten Leute können höchstens ein verächtliches Gesicht schneiden und dich deiner Wege gehen heißen; also frisch die Klingel gerührt!

Ich schritt an die Tür: »Woodcock« las ich auf einem Schilde; also »Schnepfe« zu deutsch. »Laßt uns bei dieser Schnepfe einkehren!« – und im Innern des Hauses tönte gleich darauf ein lustiges Klingeln. Noch ein Augenblick, und die Tür wurde geöffnet. Ein junges Mädchen streckte mir den Kopf entgegen und sprach einige Worte, die ich nicht verstand. Ich gab übrigens auch gar nicht darauf acht, denn plötzlich stiegen so viele glückliche Pläne, so herrliche Schlüsse und Folgerungen in mir auf, daß ich genug mit mir selbst zu tun hatte und in Gedanken versunken stehenblieb.

Wo ein junges Mädchen im Hause ist, da können ein Paar schöne Augen darin sein; wo schöne Augen sind, wird es auch rote Lippen geben; wo rote Lippen sind, kann ein Kuß nicht fehlen; wo man küßt, da liebt man; wo man liebt, da laß dich ruhig nieder! Ergo, ich miete diese Wohnung! Ergo, ich bleibe hier! Ergo – »Ach, verzeihen Sie, teure Miss«, denn die Miss stand noch immer in der offenen Haustür und wartete mit einiger Ungeduld ab, daß ich meine Wünsche kundgäbe. – »Verzeihen Sie, nicht wahr, hier wohnt die Frau Schnepfe?« – »Yes!« sagte die Miss. – »Very well!« erwiderte ich und wollte eben die zierlichste Redephrase beginnen, da passierte mir ein Zufall, den ich von allen Möglichkeiten der Welt am wenigsten erwartet hatte.

In vollem Glanze strich nämlich zu derselben Minute mein sehr geliebter Freund aus Deutschland, der Mond, über die Dächer der Häuser und blickte lächelnd in die Gasse herunter. Man kann sich meine Freude denken. »Also hast du Wort gehalten, treues Geschöpf, bist den vaterländischen Wäldern entlaufen und durch die salzige Flut mir nachgeschwommen? Tausend Dank! Sieh, ich bin eben im besten Zuge, mich in schöner Nähe niederzulassen; gestehe, dieses Mädchen ist wert, die Tochter einer Schnepfe zu sein; sieh diese braunen Haare, diese zaubrischen Augen, diesen schlanken Wuchs!« Und im Anschauen versunken, bemerkte ich gar nicht die steigende Verlegenheit des liebenswürdigen Kindes; endlich stampfte sie zornig mit dem kleinen Fuße, öffnete noch einmal weit die Tür, als wollte sie sagen: »Entweder – oder! Herein oder heraus! Ja oder nein!« Da wurde ich wach und wollte eben mein ganzes Herz ausschütten, als der Mond, der langsam in die Straße hereingetreten war und, mit seinem hellen Lichte über den Weg zitternd, eben seine Strahlen bis in den Hof vor dem Hause ergoß, jetzt auch plötzlich bis zur Türe drang und im Nu die jugendliche Schöne mitten in ihr holdes Gesicht küßte.

Während dieses kritischen Augenblickes griff ich unwillkürlich nach dem Türschlüssel, der von einer weichen Hand gehalten wurde, und hatte der Mond einen so raschen Angriff gewagt, weshalb konnte ich es nicht ebenfalls? Was dem einen recht ist, das ist dem andern billig! Hei, du schönes Schnepfenkind! Da hörte man ein seltsames Geräusch, und alles war vorüber. – –

Bei der Frau Schnepfe wohnte ich sehr gut. Mein Wohnzimmer ging nach dem Garten hinaus, der sehr reinlich gehalten wurde und also eine angenehme Aussicht darbot. Im Innern war alles sehr komfortabel eingerichtet. Teppich, Sofa, Lehnstuhl, sämtlich in bestem Zustande; auf dem kleinen Tisch an der einen Seite chinesische Krüge und Vasen, an der andern Seite der Kamin, in welchem ich trotz der gelinden Witterung stets ein helles Feuer unterhielt.

Eine englische Wohnung ist nichts ohne den hellflammenden Kamin. Bücher, Pfeifen und Fidibus lagen auf den Stühlen umher.

Ich wäre fast glücklich in diesem Bereich gewesen, leider hatten aber meine Hausleute erfahren, daß ich ein Deutscher sei, leider bildeten sie sich ein, alle Deutschen seien musikalisch und ganz närrisch fond of music, und nun hörte auch das Singen den ganzen Tag nicht auf! Kaum war ich morgens um 8 Uhr mit andächtiger Seele dem Bette entstiegen und bereitete mir den Tee, froh darüber, an dem jungen Tage noch nichts Böses getan zu haben, da hatte auch schon der älteste Sohn meine Nähe verspürt. Er legte die Zeitung fort und setzte sich an das Piano. Zuerst ein Vorspiel in sanften Tönen und feierlichen Akkorden – es ging vortrefflich vonstatten; es war der Anfang irgendeines Stückes, das er sich schon seit Jahren einzupauken suchte; er spielte sogar rasch und fertig, wenn er glücklich die eigentliche Melodie erreicht hatte; jetzt war er in der Mitte des Notenblattes, zwei-, dreimal gerieten schon die Finger auf die unrechten Tasten, eine gewisse Bangigkeit ergriff ihn – man konnte es deutlich hören; die Töne stolperten durcheinander wie Bauernjungen, welche die Kirchentreppe hinunterpurzeln. Es ging nicht mehr, die Verzweiflung kam; immer wilder und schneller jagten die Hände über das stöhnende Instrument, die Verwirrung wurde mit jedem Augenblick größer, das Piano ächzte, als litte es an der galoppierenden Schwindsucht, die Melodie tat noch einen Sprung, aber es war auch der letzte, denn sie verendete plötzlich mit einem herzzerreißenden Schrei, mit der entsetzlichsten Dissonanz.

Der musikalische Brite sah ein, daß er sich noch nicht zur Vollendung durchgerungen hatte – und schwieg. Ich atmete erquickt auf und träumte eben von der Glückseligkeit, jetzt allen Schrecknissen entgangen zu sein, da begann die heilige Musika von neuem. Kann man keinen Walzer trommeln, so kann man doch wenigstens das »God save the Queen!« aufspielen. So dachte der älteste Sohn und ließ seiner Begeisterung freien Lauf. Das Nationallied war die Losung zu einem allgemeinen Jubel. Im untern Räume des Hauses schlug die Küchenmagd nach dem Takt mit den Löffeln zusammen, die Frau Schnepfe gab ihre Morgenbefehle und sang in demselben Tone, die schöne Tochter trillerte wie eine Bachstelze, und der Hausvater, der gerade zu seinen Geschäften aus der Tür ging, murmelte noch auf der Straße: »God save, God save the Queen!«

Wehe dem, der dies Konzert anhören mußte! Erhabener Geist, du gabst ihnen alles; du hast ihnen Shakespeare und Milton gegeben, du gabst ihnen die Westminsterabtei, damit sie alle großen und kleinen Menschen komfortabel begraben können, du gabst ihnen Flotten und Meere, du gabst ihnen Indien und China, du hast sie groß gemacht vor allen Völkern. Erhabener Geist, du gabst ihnen alles – nur keine Musik! Die Engländer können weder singen noch spielen. Ein Engländer lernt eher eine Million Pfund Sterling verdienen als eine schöne Melodie behalten. Nur zwei oder drei Lieder, die ihnen schon an der Wiege gesungen wurden, nehmen sie mit ins Leben hinein, das andere bleibt ihnen verschlossen. Daß dies wirklich der Fall ist, beweist das ewige Wiederholen auch nur dieser zwei oder drei Lieder; es beweisen dies die wenigen Ausnahmen, welche als musikalische Talente unter dem Volke, unter dem so zahlreichen Volke auftauchten, und es beweisen dies die ungeheuren Anstrengungen, welche der Engländer macht, um nur ein kleines bißchen musikalisch zu erscheinen.

Aber das ist ja auch ganz einerlei. Es muß einem indes in England auffallen, wie die Menschen, bei aller ihrer Unfähigkeit zum Gesange, immer auf die lächerlichste Weise behaupten, auch hierin den Nationen den Rang abgelaufen zu haben. Jeder Engländer wird darauf schwören, sie hätten den größten Komponisten der Welt, weil Carl Maria von Weber bei ihnen begraben gewesen sei.

Die Sucht, musikalisch zu sein, scheint sich in England bis auf das Tierreich zu erstrecken. – Unter meinem Fenster weidete auf dem Bleichplatz ein schneeweißer Esel. Dieses ausgezeichnet schöne Tier war mir schon bei meinem Eintritt in das Haus der Frau Schnepfe vorzüglich lieb geworden. Noch mehr bewunderte ich es übrigens, seit ich in »Punch« las, man habe die Entdeckung gemacht, die Esel seien unsterblich. »Freilich«, fügte der Redakteur hinzu, »die Leute denken nicht an eine Ausnahme, welche in der Geschichte vorkommt: sie denken nicht an den toten Esel in ›Yoricks empfindsamer Reise‹!« Wie dem auch sei, genug, mir war es von der höchsten Bedeutung, einen weißen unsterblichen englischen Esel zu meinem Nachbar zu haben; denn möglicherweise konnte dieser doch unsterblich sein. Die Grazie, mit welcher das liebe Vieh durch die Blumen wandelte, die Anmut, mit welcher mein Esel in den Morgenhimmel hinaufblickte, hatten mir gleich in den Kopf gesetzt, es müsse etwas sehr Besonderes hinter ihm verborgen sein. Lange konnte ich mit mir nicht einig darüber werden; da stehe ich eines Tages, als der älteste Sohn eben sein Piano zur Veränderung malträtiert, am Fenster und zähle, wie oft er das »God save the Queen!« wiederholt, und rufe im höchsten Zorne: »Schon hundertundeinmal! Das ist stark! Nein, alles hat seine Grenzen!«, als mich eine kräftige Baritonstimme unterbricht. Erschrocken springe ich auf. »Weiß Gott, ich irrte mich, nein, hundertundzweimal!« Da sehe ich aber, wie schmählich ich mich getäuscht habe. Es war der weiße Esel, der, von musikalischer Wut ergriffen, seinen loyalen Gefühlen im Gesange Luft machte, und es klang auf ein Haar wie das »Gott segne –«, was mir noch in den Ohren fortsummte.

Einst kam Miss Woodcock oder, mit andern Worten, Fräulein Schnepfe zu mir herein und erkundigte sich, wo eigentlich Deutschland läge. – Deutschland? Deutschland? Das solltest du kennen! Ich besinne mich einen Augenblick: »Ach, jawohl, es liegt seitwärts, etwas nach der linken Seite hin, wissen Sie.« – »Indeed?« ruft das junge Mädchen aus. »Das muß ein närrisches Land sein!« – Wieso?« frage ich. – »Sehen Sie, lieber Herr, ich habe hier etwas über Deutschland; mein Bruder brachte einige Zeitungen mit, ich sehe nie hinein, aber weil Sie ein Deutscher sind und in unserm Hause wohnen, so suchte ich nach, um etwas über Ihr Vaterland zu erfahren, und ich habe gefunden!«

Da legte das freundliche Kind den großen Bogen auf den Tisch, rückte einen Lehnstuhl heran, setzte sich hinein und fuhr bald mit dem Zeigefinger durch die weitläuftigen Spalten. »Deutschland! Hier ist es, sehen Sie!« – »Wolfsjagden in Germany«, lese ich. »Deutschland, von unermeßlichen Wäldern bedeckt, zeichnet sich vor allen andern Gegenden durch seine herrlichen Jagden aus. Manch tüchtiger Nimrod wandelt dort noch unter den grünen Buchen, und nichts gibt es, woran er lieber seinen Mut erprobt als an dem Fang der Wölfe. Diese gefräßigen Tiere rennen in Herden von 40 bis 50 Stück fortwährend durch die Täler, und nicht zufrieden mit dem, was sie den Hirten rauben, wagen sie sich sogar in die Dörfer und erwürgen kleine Kinder. Ist solch ein Anfall geschehen, da läßt der erste Konstabler des Ortes eine Mannschaft zusammentreten. Man bewaffnet sich und setzt den Wölfen nach. Nicht selten ist es, daß man ihrer einige erschlägt; die Ohren werden ihnen dann abgeschnitten und dem Gouvernement ausgeliefert, welches eine Prämie darauf gesetzt hat.«

Es fuhr mir ein kalter Schauder durch alle Glieder; ich drehte das Blatt herum und sah nach dem Namen der Zeitung. Es war »Tom Spring's Life in London«.

»Und das nennen Sie närrisch, meine liebe Miss?« Das junge Mädchen schaute mich verwundert an. – »Aber ist es denn wirklich wahr?« – »Allerdings ist es wahr; es gibt sehr viele Wölfe in Deutschland!«

Sie verbarg ihr kleines Gesicht in beiden Händen.

Die schöne Schnepfentochter schwieg einige Augenblicke; da legte sie plötzlich die Hand vertrauensvoll auf meinen Arm, sah mich mit ihren großen Augen recht feierlich an und fragte: »Sagen Sie mir doch, lieber Herr, if you please, kennt man in Deutschland auch schon die Bibel?«

»Seit kurzem!« antwortete ich. – »Indeed?! Aber ist es auch dieselbe Bibel?«

»Ganz dieselbe, auf ein Haar!« – »Oh, das ist beautiful!« rief meine Hausgenossin und tanzte vor Freude in der Stube herum. »Jetzt habe ich die Deutschen noch einmal so lieb!«

Das Geständnis, daß man in Deutschland die Bibel kennt, hatte meine Lage im Hause der Frau Woodcock um ein bedeutendes geändert. Am selben Abend hörte ich die Familie im großen Speisezimmer eine eifrige Unterredung führen; mehrere Male wurde mein Name genannt, und als ich ein wenig horchte, konnte ich deutlich vernehmen, wie der älteste Sohn sagte: »To be sure, er kennt nicht nur die Bibel, nein, er hat sie sogar unter seinen eigenen Büchern, und mit meinen Augen habe ich gesehen, daß er darin herumblätterte.« Die ganze Familie begrüßte diese Nachricht mit dem lautesten Jubel.

Vierundzwanzig Stunden waren seitdem verflossen; ich hatte mir den Kopf hin und her zerbrochen, um zu verstehen, was es mit der Geschichte auf sich haben möchte. Endlich erriet ich's, nein, es wurde zur völligen Gewißheit: man wußte zwar, daß ich aus Deutschland kam, wo alles noch wild und voller Wölfe ist, aber man wußte auch, daß ich trotzdem eine gewisse religiöse Grundlage mit nach England brachte; auf dieser wollte man weiter fortbauen, es koste, was es wolle! Es war kein Zweifel mehr, man wollte mich episkopalisch bekehren! Die ersten Anstalten waren bereits gemacht. Mein »Tristram Shandy«, in dessen zweites Kapitel ich eben mit Macht hineinsteuerte, war aufgeschlagen auf dem Tische liegengeblieben. Am nächsten Morgen fand ich ihn sanft beiseite geschoben, und siehe da, eine Pilgrimsgeschichte mit goldenem Schnitt blickte darunter hervor.

Kaum hatte ich einige Seiten darin gelesen, da rührte der Sohn der Schnepfe im Nebenzimmer das Piano zu einem Chorale. Merkwürdigerweise ging es besser als je damit; er kam fast bis zum Schluß, und nur die Gewohnheit mochte es tun, daß die Melodie dennoch zuletzt in das »Gott segne die Königin!« überschlug. Als er hierdurch mein Gemüt in die gehörige Stimmung versetzt zu haben glaubte, trat der älteste Sohn mit einem holden Lächeln zu mir herein. Sonntagsfrack und Weste saßen ihm herrlich, und das spitze Kinn bewegte sich graziös über dem Rande der weißen Krawatte. Er drückte mir seine Freude aus, daß ich schon so früh mit der Pilgrimsgeschichte beschäftigt sei, und bemerkte noch, daß ich überhaupt stets gut in England gelitten sein würde; denn gern hätten sie gesehen, daß ich dem bösen Beispiel anderer Fremden nicht gefolgt sei und seit dem Einzug in ihr Haus keine Karten berührt habe. Dann lud er mich ein, seine Familie in die Pfarrkirche zu begleiten.

In der Pfarrkirche war alles herrlich. Voran schritt Master Woodcock mit seiner Gattin. Dann kam der älteste Sohn mit dem jüngern Bruder, zuletzt ich mit der schönen Fanny. Die Orgel brauste, die Engländer sangen. Wir standen in dem großen Kirchenstuhl. Master Woodcock schüttelte mir die Hände und rief: »You see, das ist unsre altenglische Kirche.« Der Sohn legte mir sein Gesangbuch vor, Fanny blickte mich mit triumphierenden Augen an; aber voller Entzücken, einen Deutschen aus dem wilden Lande der Wölfe zur Seligkeit episkopalischen Kirchendienstes eingeführt zu haben, riß die Frau Schnepfe ihren eigenen Wollsack vom Sitze und legte ihn mir unter...

Zwei Stunden englischen Gottesdienstes gehören zu den schönsten Amüsements neuerer Zeit. Rechts und links stehen die Haupthähne der kleinen Bourgeoisie, die Leute, die während der Woche so gern Sand in den Zucker streuen, die Kalkwasser mit Milch vermischen und den edelsten Wein mit noch viel edlerem Schnaps taufen; sie haben sich für heute einmal gründlich die Hände gewaschen und erscheinen in den Kirchenstühlen feierlich schwarz wie Stare und steif wie Böcke.

Ringsum auf den Galerien sammeln sich die höhern Klassen der Gesellschaft; Fabrikanten, welche Götzenbilder exportieren; Bankiers, die das Skalpieren besser verstehen wie die Mohikaner des Westens; Makler, die gewiß in den Himmel kommen, weil sie den Teufel um jede Seele, also auch um die eigene prellen werden, und Advokaten, die so berüchtigt sind, daß man die Kinder mit ihrem Namen bange macht.

Zwischendurch setzen sich die lieblichen Gattinnen dieser sauberen Gemahle, duftend nach Rosinen und Korinthen, lächelnd wie faule Orangen und keusch wie Kaninchen. Und immer voller wird die Kirche. Jeden läßt man hereintreten; nur die Bettler, welche keinen Kirchenstuhl bezahlen können, werden vor die Tür geworfen.

Da erscheint der Herr Pastor. Es ist ein würdiger Mann, der gern am Abend bei einer Flasche Portwein in Eisenbahnaktien spekuliert; er hat das Alte und das Neue Testament im Kopfe, und räuspernd stellt er sich auf die Hinterbeine und schnarrt seinen Text. Da erhebt sich die ganze fromme Gemeinde; man wackelt mit den Köpfen, man wendet sich rechts und links hin, man verdreht die Augen, und säuselnd beginnen sie ihren Davidschen Psalm.

O liebliches Säuseln! – Wie wird mir! Bin ich auf Erden? Sitze ich unter Sterblichen? Sind dies dieselben Leute, welche sechs Wochentage lang so trefflich zu schreien, zu schwatzen, zu lügen, zu betrügen, zu stehlen und zu fluchen wissen? – Nein, es ist nicht möglich! Ich bin im Himmel, ich höre die himmlischen Heerscharen singen; sie jauchzen von Liebe und Glauben und Entsagung und göttlicher Barmherzigkeit – und wenn mich Fannys weiche Hand nicht an die süße Wirklichkeit erinnert hätte, ich glaube, ich hätte mich in jener Episkopalkirche in einen Engel des Himmels aufgelöst und wäre hinaufgeflogen in eine andere, bessere Welt.

Mehrere Tage waren seit jener schrecklich schönen Stunde verstrichen, und eben saß ich einsam in meiner Stube und dachte darüber nach, wie alles in der Welt langweilig werden kann, da tritt Herr Woodcock herein. »Ich gebe Ihnen mein Wort darauf«, sagte ich ihm, »der ›Vicar von Wakefield‹ ist ein herrliches Buch!« – »Aber es ist eine Fiction«, erwiderte der älteste Sohn, »und alles, was eine Fiction ist, mag es noch so gut sein, es kann doch wieder schlecht darum stehen.« – »Das sollen Sie mir nicht umsonst gesagt haben!« erwiderte ich ihm, und schnell waren wir im entsetzlichsten Streite. »Sie haben den ›Vicar of Wakefield' geschmäht, und das vergesse ich Ihnen nicht!« Da drehte ich mich zornig auf dem Stuhle herum, und der Herr Woodcock verließ ebenso zornig das Zimmer. Seit jenem Augenblick waren wir geschiedene Leute. Ich sann auf Rache. Die Pilgrimsgeschichte hatte ich bereits in einen großen Bogen blaues Papier gewickelt, einen Bindfaden darum gewunden und beiseite gelegt. Ein abscheulich häßlicher Engel von Holz, den man mir auf den Kamin gesetzt hatte, war ebenfalls entfernt; ein Kartenblatt – Pique Dame – hatte ich an den Spiegel gesteckt und meinen »Tristram Shandy« aufgeschlagen auf den Tisch gelegt. So ausgerüstet, wollte ich allen fernem Bekehrungsversuchen widerstehen; denn darin, daß ich diesen widerstand, sollte eben meine Rache ihren Anfang nehmen.

Was es für ein Ende nehmen würde, konnte ich nicht wissen, jedenfalls mußte es aber eine allgemeine Hausrevolution nach sich ziehen. Schon zeigten sich drohende Symptome: Fanny war seit drei Tagen nicht mehr in meinem Zimmer erschienen; Frau Schnepfe präsentierte mir den Tee mit abgewandtem Gesicht; der Hausvater Woodcock lief auf der Straße an mir vorüber und tat, als wenn er mich gar nicht sähe. Der älteste Sohn rührte das Piano nicht mehr. – Was aber allem die Krone aufsetzte, das will ich jetzt erzählen.

In dem Leben und den Meinungen des unvergleichlichen Tristram Shandy war ich bis zum Schluß des dritten Kapitels vorgerückt, da überwältigte mich die Macht der Begebenheiten, ich konnte nicht weiter.

Stunden-, abendelang brütete ich über den letzten Zeilen, und diese hießen folgendermaßen: »›Aber ach!‹ fuhr er fort und schüttelte seinen Kopf zum zweiten Male, indem er eine Träne fortwischte, welche von seiner Wange herunterrieselte, ›ach, meines Tristrams Mißgeschick begann schon neun Monate vor seiner Geburt!‹ – Meine Mutter, welche in der Nähe saß, blickte auf, aber sie wußte nicht besser als ihre Backside, was mein Vater meinte, aber mein Onkel Mr. Toby Shandy, dem die Geschichte oft erzählt wurde, verstand ihn very well!«

Diese Stelle schien mir von solcher Bedeutung zu sein und von so hochtragischer Wirkung, daß ich beschloß, ein eigenes Studium darüber zu beginnen. Um sie mir recht einzuprägen, schrieb ich also die Passage in deutscher, englischer und französischer Sprache sauber und nett an den Gipfel eines Blattes Propatria-Papier.

Es war in der Mitte des Monats Dezember, als ich um Mitternacht meiner Schlafstube zueilte. Die Angst beflügelte meine Schritte, denn eben war mir zu meinem Schrecken eingefallen, daß ich am Nachmittag das besagte Blatt auf dem Waschtisch hatte liegenlassen. Ich trat ein. Eine dumpfe Schwüle drang mir entgegen, geisterhaft flackerte das tief heruntergebrannte Talglicht und warf irre Streifflammen in einen zerbrochenen Spiegel, aus dem mir tausend höhnische Gesichter zuzugrinsen schienen. Jetzt stand ich vor dem verhängnisvollen Tische. Still wie ein unschuldiges Lamm ruhte mein Propatria-Bogen neben der Wasserflasche. Schon stieg die Hoffnung in mir auf, niemand habe ihn bemerkt, alles sei glücklich vorübergegangen, da wirbelte die Flamme meiner Kerze höher empor und ließ mich in den Abgrund meines ganzen Unheils schauen. Ein fingerbreiter Strich mit roter Kreide durchschnitt meine Übersetzungen und Notizen von oben bis unten, und bei der Stelle, wo es in dem armen »Tristram Shandy« heißt: »Meine Mutter, welche in der Nähe saß, blickte auf, aber sie wußte nicht besser als...«, da erblickte ich zu meinem Jammer die vernichtenden Donnerworte, ebenfalls in roter Kreide: »O horrible, most horrible!« (O schrecklich, sehr schrecklich!)

Es war kein Zweifel mehr, man hatte mein Manuskript entdeckt, man hatte es gelesen; es war aus, es war vorbei, und die üblen Folgen meiner Nachlässigkeit stiegen drohend vor meinem Geiste empor.

Morgen mit dem Frührot wird der Master Woodcock kommen, begleitet von seiner ganzen Familie. Da wird der älteste Sohn sprechen: »Vertreibt ihn, den Fremdling, denn er hat über meinen Choral gelacht.« Da wird Fanny sagen, die schöne Fanny, mit Tränen in den Augen: »Hebe dich von dannen, der du im Lande der Wölfe geboren bist!« Da wird die Frau Schnepfe ausrufen: »Entfleuch, der du ein Kartenblatt im Wappen führst!« Und da wird Master Woodcock mit großen Schritten herbeilaufen, er wird den Zeigefinger auf meinen Propatria-Bogen legen und zum Schlusse beginnen: »Ziehe hin! – Sieh, Jüngling aus Deutschland, wir glaubten dich auf einem guten Wege, wir liebten dich und führten dich in die grauen Hallen unserer Episkopalkirche. Wir dachten, es würde Früchte bringen, und freuten uns, als wir vernahmen, du schriebest Betrachtungen über jene Pilgrimsgeschichte. Aber du bist entlarvt, nicht pilgrimsche Betrachtungen, nein, unnütze Gedanken über ... hast du zu Papier gebracht. Wir sind geschieden!«

Und ehe ich mich des versehe, werde ich samt meiner Bagage vor der Türe stehen, und der weiße unsterbliche englische Esel wird mir den Abschiedsgruß singen. Aber das soll nimmer geschehen!

Und voll Zorn zog ich meinen Mantelsack unter dem Bett hervor, nahm Kleider und Wäsche, packte alles miteinander ein, legte Bücher und Pfeifen darüber, trank den Rest aus einer Flasche Porter, welche unten im Hause stand, näherte mich noch einmal Fannys Zimmer. »Schlaf wohl, liebes Mädchen«, rief ich hinein, »träume von den deutschen Wölfen!«, stellte dann das Talglicht an die hölzerne Engelstatue, so daß der Rauch gerade die Nasenspitze schwärzen konnte, nahm dann meinen Mantelsack unter den einen Arm, den »Tristram« unter den andern, ließ die Miete für den laufenden Monat auf dem Tische zurück, öffnete leise die Tür – »Ade, Frau Schnepfe!« – und wandelte die stille Straße hinunter.

An der nächsten Ecke empfing mich mein teurer Freund aus Deutschland, der Mond, den ich mit lautem Jubel begrüßte und der sich sofort bereit erklärte, mich auf meiner fernern Wanderschaft zu begleiten.

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