Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Joseph von Lauff >

Sinter Klaas

Joseph von Lauff: Sinter Klaas - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorJoseph von Lauff
titleSinter Klaas
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
year1921
firstpub
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100820
projectid3ce496a7
status1
Schließen

Navigation:

10

Es war acht Tage später.

Wie heute die Landschaft so fein war, durchsichtig wie Kristall, lieblich wie eine junge Braut, freundlich wie eine junge Knospe, die sich zu entfalten gedachte! Ein Spiegel konnte nicht reiner und blanker sein. Das Gegenständliche rückte greifbar näher. Nur in weiter Ferne grenzte ein zarter Duftstreifen den Horizont ab. Vom Paternosterdeich aus sah man die Wisseler Basilika, die Türme von Rees, die Sankt Adelgundiskirche von Emmerich, die blauen Wälder von Moyland. Darüber hinaus zogen die Klever Höhen ihre sanften Linien durch die friedliche Ebene.

Alles gab sich freier und sonniger als noch vor wenigen Tagen. Die Stachelbeersträucher begannen zu leuchten. Die dicken Pfingstrosen arbeiteten sich mit breiten Trieben aus dem warmen Erdreich, in den Gärten blühte der Krokus, unter den Bocksdornhecken war es blau von Veilchen geworden, und um die braungoldigen Äste der Pappeln flockte ein smaragdgrüner Schimmer.

Dores Schweißgut stand vor der Haustür, vigilierte mit seinen Korinthenäugelchen nach den ersten Schwalben, die die Luft wie Pfeile durchschossen, und meinte: »Um die Wahrheit zu sagen, nu kann man bald die ersten Spargels mangieren.« Auch Pitt Lörksen war eitel Wonne und grunzendes Behagen, machte seinen Morgenspaziergang über den Markt, wo die strammen Bauernweiber aus der Umgegend Butter und Grünkram feilhielten, und taxierte ihre Waren nach den gespannten Blusen und den festen und schöngerundeten Strümpfen, die der liebe Herrgott in seiner besten Geberlaune aus den kurzen Röcken hervorwachsen ließ, während Cornelis seine Gaudaer Tonpfeife rauchte, sein Schälchen Kaffee schlürfte und eifrigst dabei war, den neu belebten Fortbestand der Solopartie in Erwägung zu ziehen. Das Schicksal seines heimgegangenen Freundes hatte ihn aufs tiefste ergriffen. Immer und immer wieder mußte er an diesen Ehrenmann denken. Aber was half ihm das alles? Grübeln brachte nicht weiter. Trauern noch weniger, und da der Verstorbene allzeit darauf gehalten hatte, die gemütlichen Spielabende im ›Dicken Tommes‹ aufs emsigste zu pflegen, so war es schon aus diesem Grunde der Nachfahren verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, die weitere Gedeihlichkeit dieser Abende auch für die Zukunft sicherzustellen. Der vierte Mann mußte herbeigeschafft werden, unter allen Umständen, ohne langes Besinnen, wobei allerdings zu berücksichtigen war, daß nur einer in Frage kommen konnte, der wert und würdig erschien, den verwaisten Stuhl zu besetzen. So einer wie der Trumpfkönig war nicht alle Tage zu haben. Da mußte man schon mit der Laterne suchen und den richtigen Instinktus besitzen, wie er, Cornelis, gerne zu sagen pflegte, und so saß er denn in seiner gemütlichen Koje, äugelte den bläulichen Rauchwölkchen nach und suchte den passenden Talgstumpf für sein Laternchen zu finden.

Plötzlich hellte sein Geist auf.

Der angeforderte Kern kam zum Vorschein, ähnlich wie eine blanke Kastanie aus ihrem Igelgewand.

»Auf Parol,« sagte er freudig und schlug auf den Tisch, daß das Kaffeegeschirr klirrte und aufhoppelte, »der oder keiner!« und so behende wie ein Mehlkäfer in frischer Weizenkleie, so fixbeinig machte er sich auf die Strümpfe, um den schönen Gedanken an das Herz seiner Freunde zu legen und zu einem ersprießlichen Abschluß zu bringen.

Es war um die Frühschoppenzeit, als er losmarschierte.

Dores Schweißgut stand noch immer vor seiner Haustür, sah nach den Schwalben und verzehrte im Geiste ein Gericht delikater Spargel mit blauroten Köpfen, in ausgelassener Butter natürlich, als Cornelis ihm zuwinkte und näher herantrat.

»Dores, ich hab' 'ne großartige Idee. Die will ich im ›Dicken Tommes‹ bei 'ner Bouteille verzapfen. Selbstverständlich, Pitt muß dabei sein.«

»Unleugbar!« erklärte Grünober. »Dann komm man; denn er ist immer zu finden, wo das dickste Fleisch unterm Zeug steckt,« und als sie gleich darauf den Wochenmarkt abpatrouillierten, da brauchten sie nicht lange zu suchen; denn siehe: bei 'ner umfangreichen Mamsell aus Neu-Luisendorf, weiß wie ein Spanferkel und frisch wie ein Borsdorfer Apfel, machte er eindringlichst Konversation und mußte ihr auch etwas sehr Angenehmes gesagt haben, denn sie erklärte ihn für einen ganz schlimmen und ausgetragenen Windhund, drängelte sich ihm aber dicht an die Rippen, daß alle Nähte ihrer straffen Bluse wie allerliebste Liebesgötter kicherten und krachten.

»Immer leschär!« versetzte Trumpfsieben und legte ihr den Arm um die Taille. Dabei pfiff er wie ein Kanarienvogel.

»Pfui!« sagte Grünober und wandte sich ab.

Cornelis jedoch sah über die menschliche Schwäche hinweg, zitierte den Schwerenöter zu sich heran und machte ihn in großen Zügen mit dem bekannt, was er vor hatte.

So gingen sie denn einträchtiglich dem Stammtisch und der Bouteille entgegen, und als sie über den Bordstein traten, flüsterte ihnen Cornelis einen Namen heimlich ins Ohr, der sie wie ein elektrischer Funke berührte.

»Das wäre pompös!« meinte Grünober,

»Da käme Malthus vor Freude direkt in den Himmel,« ergänzte Pitt Lörksen, »ohne zuerst ins Fegefeuer zu müssen.«

»Meine ich auch,« sagte Cornelis, und damit verschwanden die drei in den gastlichen Räumen des ›Dicken Tommes‹, um den vierten Mann bei einer Flasche ›Langkork‹ pflichtig und dingfest zu machen.

Lena van den Birgel, die der ganzen Szene auf dem Wochenmarkte beigewohnt hatte, machte runde Augen und verliebte Nasenlöcher. Vieles ging ihr durch den Sinn, auch das, was ihr noch vor einigen Tagen mit Pitt Lörksen passiert war. Heute dachte sie sachlicher darüber, nicht mehr so voreingenommen und krötig. Sie schätzte ihn höher ein. Sein Benehmen der Neu-Luisendorfer Mamsell gegenüber imponierte ihr, und abgesehen von einigen Anzüglichkeiten, die sie selber damals hatte einstecken müssen, glaubte sie in ihm einen Mann von Komplaisanzen gefunden zu haben, wenn er auch singen mußte: »Auch ich war ein Jüngling im lockigen Haar«, wobei er die Betonung auf das ›war‹ zu legen hatte, aber sonst ... noch immer schien er kregelen Geistes und tapfer bei Wege, und so ging sie denn mit dem Vorhaben nach Hause, sich das Anerbieten des emeritierten Schnapsbrenners und Kappesbauern überlegen zu wollen. Vielleicht ließe sich eine angenehme Lösung noch finden. Man mußte nur abwarten, nichts übereilen und alles dem lieben Gott überlassen. Aber dann wieder ... Da war noch ein zweiter, da war noch Schnurr Schnapp von der Waterkant, der ihr seit einigen Tagen auffällig den Hof machte und sich alle Mühe gab, ihre Gunst zu gewinnen und seiner Werbung einen reellen Boden zu geben. Auch nicht so übel! Der Mann hatte das Seine gelernt, war gebildet, trug ein türkisches Mützchen und wartete immer mit den feinsten Redensarten auf, wenn er seine Kunden bediente. Und Legenden konnte dieser frische und ernsthafte Seladon erzählen. Legenden, die so schön und glitschig waren wie seine Barbierfinger! wenn der Pastor auch sagte: »Das sind faule Geschichten, verlumpte Geschichten und nur geeignet, die Sitten zu verderben und den orientalischen Halbmond auf die katholischen Kirchen zu pflanzen.« Und das wollte der Herr Pastor unter keiner Bedingung. Aber schön waren sie doch, diese Fabliaus, und wenn Schnurr Schnapp von der Waterkant sie anpräsentierte, dann lief einem ein angenehmes Kribbeln und Krabbeln den Rücken hinunter. Das alles mußte berücksichtigt werden, und so kam sie denn zu der gediegenen Ansicht, ihn nicht außer Wettbewerb zu stellen und den Fall überlegen zu wollen.

Sie strahlte ordentlich vor innerer Freude, warf sich forsch in die Bluse und mit dem löblichen Vorsatz, dem neuen cavaliere servente gegenüber Gott vor Augen und den Beiderwandrock trocken und proper zu halten, beeilte sie sich, zu Jette zu kommen.

So war denn der heutige Frühlingstag so recht dazu angetan, alle Welt zu vergolden und glücklich zu machen.

Nur auf Op gen Oort lagen noch immer die Schatten der Trübnis. Das erhoffte Licht wollte nicht kommen, obgleich die Mutter alles aufbot, Sonne und Behagen in die Zimmer zu lassen. Die Schatten blieben und spannen ihre grauen Strähnen um Hof und Äcker. Hans Harkort konnte sich noch immer nicht finden. Seit dem Begräbnistage verursachten die alten Wunden aufs neue brennende Schmerzen. Der Geist der Verdüsterung regte sich wieder. Die Anlage zur Schwermut, die bei ihm heimlich geschlummert hatte, trat offen zu Tage, und Stunden kamen über ihn, die seinen Geist mit brutalen Erinnerungen zerfleischten. So schön, wie sie früher gewesen waren, so entsetzlich schwer lasteten sie heute auf ihm. Trostworte verfingen nicht mehr. Seine Gedanken froren. Das Herz war ihm auseinander gerissen. Das alte Leid hatte ihn zurückgefordert und ließ nicht ab, ihn zu quälen, immerfort und mit ausgeklügeltem Behagen. Die schöne Frau stand ihm stündlich vor Augen, sah in seine Träume hinein und schien die Arme zu breiten. Und doch war sie ihm für immer verloren. Darüber war er sich völlig im klaren. Unübersteigbare Mauern türmten sich auf, und die Pforte, die hindurchführte, war doppelt und dreifach verrammelt. Davor stand ein Cherub. Des Haupt brannte wie Feuer, und das Schwert, das seine Hände umspannten, leuchtete wie eine brandrote Zunge. Der Wächter des Paradieses schilderte wie aus Eisen gegossen, abweisend, unnahbar, und sein Blick war Vernichtung.

Vor diesem Blick bangte Hans Harkort wie vor dem eines Dämons.

So traf ihn die Mutter, als er um die vierte Nachmittagsstunde von den Feldern heimkehrte. Den Krückstock vor sich gestemmt, den schneeweißen Kopf rückwärts geworfen, barhaupt und mit weitgeöffneten Augen, so erhob sich ihre graue Gestalt inmitten des Hofes.

Seine Schritte kamen näher.

Jetzt stand er vor ihr.

»Hans,« sagte sie vorwurfsvoll, »du kommst von der Wisseler Scheid her?«

»Ja, ich komme von der Wisseler Scheid her.«

»Immer dasselbe. Das solltest du nicht tun, denn von dort aus sieht man die Wassermühlen wie in Greifnähe liegen.«

Sie erhielt keine Antwort.

»Es ist besser,« fuhr sie unbeirrt fort, »eine Hand voll mit Ruhe zu nehmen, denn beide Fäuste voll mit Mühe und Jammer. Du aber, du schaffst dir nur Mühe und Jammer.«

»Mutter, es wird sich schon geben.«

»So nicht. Auf diese Weise nicht, und geht das so weiter, dann werde ich an die Worte erinnert, die da lauten: Ich wandte mich und sahe alle, die unrecht leiden unter der Sonne, und siehe: da waren die Tränen derer, so Unrecht duldeten, und hatten keine Tröster; und die ihnen unrecht taten, waren zu mächtig, daß sie keinen Tröster haben konnten. Da lobte ich alle, die schon gestorben waren, mehr als die Lebendigen, die noch das Leben besaßen. Das will mir das Herz abdrücken.«

»Mutter, du quälst dich mehr als nötig.«

»Das sagst du so leichthin. Ich aber habe Ursache dazu und Gründe in Hülle und Fülle. In dir ist Not und Angst, in mir die Vorsehung. Ich sehe dich dulden, denn meine Augen, so tot sie auch sind – den Jammer eines Kindes sehen sie immer, und ich dachte mir schon: das dir übertragene Herrenrecht würde nicht nur dem Hof, sondern auch dir selber zum Heile gereichen.«

»Dem Hof kommt's zugute,« sagte er tonlos.

»Das weiß ich, aber die Hauptsache ist: du leidest maßlos und sollst doch gesunden.«

»Ich kann meine Gedanken nicht wie ein Henker erwürgen.«

»Das brauchst du auch nicht, aber sie in Zucht und Ordnung halten, das solltest du können, denn wer seine Leidenschaften nicht anseilt, der gibt sich selber verloren. In Gott ist Friede. Du aber betrachtest die Welt mit gottfernen Augen, und der Gekreuzigte sagt doch: Wer mich verleugnet vor sich und den Menschen, den werde ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater, und Jesus Sirach verkündet: Wehe den Verzagten; denn sie wollen nicht glauben. Darum werden sie auch wenig beschirmet. Wir wollen lieber in die Hände des Herrn fallen, denn in die Hände der Menschen. Von ihnen ist kein Heil zu erwarten.«

Er lachte bitter auf.

»Was soll das,« fragte sie leise, und ihre Hand fuhr mit einer jähen Bewegung zum Herzen. »Ehre deinen Vater, und vergiß nicht, wie sauer du deiner Mutter geworden bist!« Und sie blickte ihn an, als wenn sie ihn sähe, und sagte: »Ich wollte, du machtest deinen Frieden mit dir, auf daß du glücklich würdest – sonst geh' ich zugrunde.«

Da wurde sein Gesicht wie die Scheunenwand. Mit einem verhaltenen Schrei griff er zur Schläfe und begehrte auf: »Es ist doch alles verpfuscht und verhauen,« und wandte sich und ging langsam dem Herrenhaus zu.

»Hans!« sagte sie traurig und hörte auf seine sich verlierenden Schritte und schüttelte den Kopf und rief über den Hof fort: »Jansenius!«

Da kam Jansenius, der Oberknecht, aus dem Pferdestall, wo er die Raufen bestellt hatte. Er war ein langsamer, aber ein anstelliger und bedachtsamer Mensch, drahtig und wie ein Starker gewachsen. In Ehrfurcht kam er seines Weges gegangen, lüftete die Schirmmütze und sagte: »Hier bin ich. Womit kann ich dienen, Madam?«

»Zufrieden mit dem heutigen Tagewerk?«

»Merci, alles im Blei.«

»Und die Leute, sind sie schon von den Feldern zurück?«

»Alle, Madam. Nur die auf der Wisseler Scheid vespern im Freien.«

»Wann geht's wieder hinaus?«

»Um fünfe.«

»Und wann wird Feierabend gemacht?«

»Um sieben. Bis dahin ist sichtiges Wetter.«

»So kommt, ich habe mit den Leuten zu reden,« und da gingen die beiden dem weißen Giebel zu, wo die Gesindeleute beim Kaffeetisch saßen – sie wie eine graue Königin, nicht tastend und zaghaft, sondern aufrecht und sicher und erhobenen Hauptes ... und als sie an den Pferdeställen vorbeikamen, klang ihnen ein helles und freudiges Wiehern entgegen.

»Das ist die Lotte,« sagte die Blinde. »Die kennt mich. Mit ihr bin ich immer ins Hochamt gefahren,« und sie trat in den Stand und fuhr dem Tier mit liebevoller Hand über Hals und Kruppe. »Du Treues, du Gutes und ihm ans Herz gewachsen!« Es rührte sich nicht und ließ sie gewähren. Nur seine Haut wurde von einem kaum merklichen Zittern gefältelt.

»Mußt gut mit ihm sein,« sprach sie ihm freundlich zu, »und Geduld mit ihm haben, wenn er mehr als gewöhnlich seine einsamen Wege reitet. Dann wird er auch wieder. Sonst kann ich den anderen Tag nicht mehr finden,« und leise Worte vor sich hinmurmelnd, verließ sie den Stand, ging über den Hof und lenkte ihre Schritte dem Gesindehaus zu.

Als sie eintrat, erhoben sich Knechte und Mägde.

»Tag, alle zusammen!«

»Tag, Madam!« und sie wandte sich an den Oberknecht und fragte: »Wie ist das mit ihm? Hat er Euch noch gar nichts gesagt?«

»Was denn gesagt?«

»Daß auf Op gen Oort sich neues begeben?«

Jansenius schüttelte den Kopf.

»Nein,« sagte er in seiner bedachtsamen Weise, »mir nichts gesagt und den anderen auch nichts gesagt.«

»So soll es hiermit geschehen,« und sie stellte den Krückstock vor sich hin, legte die Hände darauf und redete mit vernehmlicher Stimme: »Das Weib soll schweigen in der Gemeinde. So heißt es, denn es ist für gewöhnlich nicht Weibes Art, in geschäftlichen Dingen und Verwaltungssachen das Wort zu führen und die Ellbogen auseinanderzulegen. Ich für meine Person mußte es tun, denn die Verhältnisse waren stärker als ich und wollten es, daß es also geschehe. Das ist seit einigen Tagen besser geworden, und ich bin nur erschienen, um als Herrin von euch Abschied zu nehmen.«

Ein leises Flüstern erhob sich.

»Ich habe Hartes ertragen und Schweres erduldet.« fuhr sie fort, indem sie den Stab etliche Male auf und nieder bewegte, »und viele Stunden sahen in mein Leben herein, von denen ich gewünscht hätte, sie wären mit anderen Gesichtern gekommen. Als Adam Harkort auf die Hobelspäne mußte, hatte ich tiefe Not mit Knechten und Mägden. Sie boten einem die Zeit nicht mehr, versäuerten den Tag und waren plump wie die Kälber. Sie sprachen ihr Gebet zum Fenster hinaus, scheuten die Arbeit, aber scheuten sich nicht, verbotene Freuden in gemeinsamer Kammer zu suchen. Das schrie gen Himmel und brachte die Zucht auseinander. So nahm alles den Krebsgang auf Op gen Oort, und die Äcker verkamen. Später schloß sich die Wunde; denn als Jansenius eintrat, als ihr euch verdingtet und mein Sohn zu regieren begann, konnte ich mich wieder der Meisterschaft freuen und meine Stunden segnen; denn die Melkeimer glänzten wie früher, die Striegelstriche lagen so glatt nebeneinander, als wären sie bei einem Rechenmeister in die Lehre gegangen, die verkehrte Bettgängerei hörte auf, und die Roggen- und Weizenschläge warfen fünfundvierzigfältige Frucht ab. Eine hellere Zeit dämmerte herauf. Gott war sichtlich mit mir und bei mir, und daß er es war, das hab' ich euch und meinem Sohn zu verdanken.«

Ein unterdrücktes Schluchzen war um sie.

Jansenius stierte fest auf den Boden und zählte die einzelnen Estrichsteine, die die Gesindestube nach Länge und Breite bedeckten.

Die übrigen schoben sich ehrerbietig heran, um jedes Wort besser von den Lippen der Blinden nehmen zu können.

»Ich kann euch nicht sehen,« fuhr diese fort, »und habe euch im Leben niemals gesehen, aber das fühle ich: ihr seid alle prächtige Menschen. Ihr versteht mich, und ich verstehe euch, und ich hoffe zu Gott, wir werden uns auch später verstehen. Und weil es so ist –« und ihre Stimme nahm zu an Innigkeit und Liebe – »weil aus Abgestorbenem wieder Lebendiges wurde, weil ich weiß, es geht alles seinen geregelten Fortgang, seinen Weg, der ins Helle und nicht ins Dunkle hineinführt, so nahm ich den Fluch von Äckern und Wiesen, von Sparren und Scheunen, von jeglichem, was die Sonne bescheint –- und von dem Haupt meines Sohnes ... und über alles soll er sein wie ein Starker, der über sein eigenes Feld geht, der seinen eigenen Knechten und Mägden befehligt, der ein Freier ist unter Freien und der da gebietet: Das geschieht heute, und das geschieht morgen, und der keinem verpflichtet ist als nur sich und seinem Gewissen; deun Hans Harkort, mein Sohn, ist Herr von Op gen Oort seit einigen Tagen geworden, und sein ist die Macht über alles, was ich ihm übertragen habe von Rechts wegen.«

Ein beifälliges Gemurmel wogte gegen die blinde Frau an, die einen tiefen Atemzug machte und jeden einzelnen mit ihren erloschenen Blicken zu umfassen suchte.

»Ihr aber – denkt daran ... euch soll er halten, wie ich es getan habe. Mangel sollt ihr nicht leiden, sondern auf Heller und Pfennig empfangen, wie die Ordnung es vorschreibt. Dem dreschenden Ochsen darf man das Maul nicht verbinden und der sammelnden Hand nicht die Ähren mißgönnen. Liebe zeugt Liebe, und Wohltun schafft willfährige Menschen. Ihr sollt eure Sonn- und Feiertage haben und schmuck in eurem Zeug einhergehen, nicht fühlen, nicht wissen, daß es einen Unterschied gibt zwischen Dienen und Herrschen. Gemeinsame Arbeit, gemeinsame Feste! Kein Bangen und Fürchten, sondern Vertrauen und wechselseitiges Geben und Nehmen! so werdet ihr finden: die Blüte von Op gen Oort ist unsere eigene Wohlfahrt geworden. Das sagt auch denen, die sich auf der Wisseler Scheid noch befinden, damit sie es wissen. Dafür aber« – und ihre Worte nahmen zu an Glanz und Metall – »dafür aber sollt ihr weder rechts noch links sehen, euch nicht beeinflussen lassen durch heimliche Reden, nicht von dem Unkraut sammeln, das der böse Sämann in den Acker hineinstreut. Gebt Gott, was Gottes, und dem Herrn, was dem Herrn. Nicht sitzen sollt ihr auf den Bänken, wo die Spötter das große Wort führen und die Revoluzer ihren Fusel verzapfen, nicht halten zu denen, die euch mit falschen Lehren zu betören suchen. Folgt meinem Sohn! Sein Wort sollt ihr ehren und ihm freundlich begegnen, auf daß ihm die Stunden nicht sauer werden und seine Sinne sich heitern. Dann kommt das versunkene Lachen auch wieder. So werdet ihr euch gegenseitig willig finden, gut und gerecht und miteinander leben wie unter dem Glanz einer schönen und glücklichen Sonne. So, und nun geht an die Arbeit!«

Und da standen die Leute, Knechte und Mägde, noch ganz benommen von dem, was sie gehört hatten, und sahen die Blinde an, nickten ihr zu, wischten sich über die Augen und wollten still auseinandergehen.

Da aber trat Jansenius vor, machte ein stummes Zeichen und streckte sich auf in seiner unbeholfenen, aber rührenden Einfalt.

»Madam!« sagte er mit seiner schweren und zitternden Sprechart, »daß ich hier rede, ist nur um dessentwegen, um Euch zu danken und Euch den Abschied zu bieten. So nehmen wir denn Abschied von Euch als Herrin von Op gen Oort, aber nicht als Madam. Die bleibt Ihr, und was Ihr gesagt habt, dem stimmen wir zu, als wäre es aus dem Beichtstuhl oder direkt aus dem Himmel bezogen. Unsere Augen sehen für Euch, unsere Hände sorgen für Euch, und wenn mal die Zeit kommt ... aber davon will ich gar nicht mal reden, sondern mich freuen, daß wir Euch noch unter uns haben, und was ich jetzt noch auf dem Herzen besitze, das will ich direkt aufs trockene bringen, ohne langes Getu, denn der Weg geradeaus ist von jeher der kürzeste und beste gewesen. Es gibt Stunden, da kann man vor Gottvertrauen versinken. Eine solche Stunde ist bei mir, und so sage ich denn, ich, Hermann Jansenius, zugleich im Namen der übrigen: Wir wollen den neuen Herrn als solchen anerkennen, ihn lieben, ihm dienen und alles so tun, wie er es für sachlich und richtig befindet, weil wir uns immer gesagt haben: Der oder keiner, denn sein Wort ist wie das Kredo im Hochamt und seine Arbeit wie die des Sämanns im Evangelium, die vor Feuer und Wasser nicht ausweicht. Offen und ehrlich wollen wir zu ihm halten, nicht drängeln und nörgeln, sondern uns so betragen, wie es braven Menschen geziemt. Dann wird auch wohl die Not wieder von ihm gehen und er sich freuen können wie in früheren Tagen. Dieses versprechen wir heilig, ohne Ansehen der Person oder aus einem anderen Grunde. Will dieses auch auf meine erste heilige Kommunion nehmen und mit einem wahrhaftigen Amen beschließen.«

Da drängten sich alle an die Blinde heran, sagten ihr artige Worte, gaben ihr die Hand und gingen bedachtsam und rudelweis auseinander, während die Alte, von Jansenius begleitet, ihren Rundgang wieder aufnahm und an den Ausgang des weitläuftigen Gehöftes gelangte.

Von hier aus lief der Blick über endlose Felder, die sich erst bei den Deichen verloren. Linker Hand erhob sich der Giebel der großen Scheune, weißgekalkt und mit einem blühenden Pfirsich bekleidet. Vor rosigem Schaum war kein grünes Blättchen zu sehen. Eitel Karmin und süßes Duften! Warm und wohlig ruhte die späte Nachmittagssonne auf dem Frühlingswunder. Eifrige Bienen näselten ab und zu, und des Summens war kein Ende.

Die Blinde wandte den Kopf und horchte auf das emsige Fliegen, das nicht aufhören wollte.

»Mir ist so, als ob der Pfirsich schon blühte,« sagte sie leise.

»Das tut er, Madam, und so tapfer ist es ihm noch niemals gelungen. Setzt kein Frost ein, haben wir mit 'ner vollen Ernte zu rechnen. Auch das mit die Felder – lauter Pracht und Herrlichkeit! Ein heuriges Häschen kann sich kommod in der jungen Sommerfrucht bergen. Man hat schon den warmen Brotgeschmack zwischen den Zähnen. Und die Wintersaat erst! Kein Korn setzte aus, keine Scholle blieb übersehen. Alles sattgrün und mastig und wie mit dem Richtscheit gemessen. Bleibt's dabei, müssen wir im Herbst auf den Stoppeln schobern und mieten. Die Scheunen tun's nicht mehr und die Dreschmaschinen erst recht nicht.«

»Dieser Segen!« sprach sie verloren dazwischen, »und ich kann ihn nicht sehen! und möchte so gerne ... ja, ich möchte so gerne ...«

Ihre Worte verrieselten wie trockener Sand zwischen den Fingern, und ihre Gedanken nahmen wieder den herben und dornigen Weg auf, der zu ihrem Einzigen führte, als sie unversehens aufhorchte und fragte: »Kommt da nicht jemand?«

»Wer sollte denn kommen?«

»Auf dem Kommunalweg sind Schritte, langsame und freundliche Schritte. Ich höre sie deutlich.«

Der Knecht hob die Schultern.

Auch er horchte hinaus.

»Ja!« sagte er endlich, »da kommt wer,« und als er einige Schritte vortrat, so daß er den schmalen Weg, der in einer großen Schleife und an Feldern und Weidenkoppeln vorbei nach Op gen Oort führte, verfolgen konnte, da sah er, wie eine schwarze Gestalt sich auf ihm vorwärts bewegte.

Als sie näher kam, wandte er sich und sagte feierlich: »Ich glaube, Madam, wir kriegen Besuch.«

»Von wem denn?«

»Von 'nem geistlichen Herrn.«

»Ah!« fuhr sie auf. »Andreas! der Freund meines Sohnes. Gut, daß er kommt. Er hat es schon lange versprochen.«

»Dann kann ich wohl retour machen und mich an die Arbeit begeben?«

»Mit Gott denn, Jansenius! und nochmals besten Dank für die freundlichen Worte.«

»Ist gerne geschehen,« und damit ruckte der prächtige Mensch an der Schirmmütze, ging durch die Scheunengassen hindurch dem hinteren Hof zu, um sich von hier aus nach der Wisseler Scheid zu begeben.

Währenddessen kam der junge Kleriker still seines Weges, glitt mit sanften Augen über die Saat fort oder folgte den Lerchen, die sich von Zeit zu Zeit aus den Roggen- und Weizenschlägen erhoben.

»Der da kommt,« sagte die Blinde lächelnd vor sich hin, »ist wie ein Bote des Herrn. Er hat weiße Hände und weiße Gedanken, und seine Blicke erinnern an die des Nazareners ...« und als er vor ihr stand, rief sie mit bewegter Stimme: »Andreas!«

»Der bin ich, Frau Harkort, und ich freue mich innig, endlich wieder den Fuß auf Ihren Grund und Boden setzen zu können, ich, der frühere Schmiedejunge aus Keppeln und nunmehriger zweiter Kaplan im hiesigen Kirchspiel.«

»Das weiß ich,« sagte sie gütig und tastete nach seinen Händen. »Herzlich willkommen! Als Ihr zum letztenmal hier wart, da lebte mein Mann noch.«

»Ja, da lebte er noch, und Ihr ...«

»Wie ist es Euch denn ergangen in all den Jahren, Andreas?«

»Gesundheitlich gut. Das übrige liegt in den Händen der Kirche. Sie ist unsere Sorgerin und Mutter. Sie bietet uns die Zeit, gibt uns unser tägliches Brot, und wenn wir straucheln, ist sie unsere Mittlerin und Fürsprecherin. Wem es gegeben ist, sich ihrer Satzung zu fügen, hat den Himmel auf Erden und lebt ein schnurgerades Leben, das keine Abwege duldet. Mir ward es gegeben, in diesem Sinne zu handeln, wenn auch Stunden kamen, die meine Seele bedrängten. Aber diese Stunden ... ich rang sie nieder wie in der schönen Legende der heilige Georg den Lindwurm bekämpfte, um seine Mission zu erfüllen. Meine erste Pfründe war kärglich. Auch die zweite. Allein der Generalvikar wollte mir wohl, und so bin ich denn auf die hiesige Stelle verschlagen.«

»Das freut mich, denn Ihr verdient sie, Andreas.«

»Es ist mein Verdienst nicht, Frau Harkort. Viele meiner Mitbewerber, die besser denn ich sind, hatten das nämliche Anrecht. Es ist lediglich Gottes Fügung gewesen.«

»Und Ihr seid zufrieden, Andreas?«

»Zufrieden und glücklich.«

»Wäre Hans doch auch zufrieden und glücklich!« sagte sie schmerzlich. »Aber immer dieses Quälen und Sinnen – das ist es, was mir die Tage verleidet.«

»Drum bin ich gekommen, Frau Harkort. Ich hörte davon. Auch sah ich bei unserem letzten Begegnen: er sucht noch immer und kann seine Ruhe nicht finden. Das zermürbt den Menschen, und Thomas von Kempen hat recht, wenn er die innewohnenden Schmerzen tiefer bewertet als solche des Leibes. Vielleicht kann ich helfen, ihm den Balsam spenden, den seine Seele bedarf. Schon von Jugend auf waren wir innig befreundet, eine wechselseitige Zuneigung, die sich auf dem Seminar stetig vertiefte und immer anregender wurde, obgleich sich unsere Lebensziele schieden wie Feuer und Wasser. Letzteres schließt keinen Vorwurf in sich ein und soll auch keinen solchen beschwören, denn es steht mir nicht an, mich als Richter aufzuwerfen über das Tun und Lassen meines Bruders in Christo. In jedes Menschen Brust schlummern andere Ziele und andere Beweggründe. Die irdische und die überirdische Liebe haben keine gemeinsamen Pole. Aber Gott, der Herr, hat sie beide eingesetzt, wie er die Sakramente eingesetzt hat. Kein Fehl ist an ihnen. Beide können ins Himmelreich führen.«

»Ihr sprecht lieb und gütig, Andreas.«

»Ich spreche nur das, was die Stunde gebietet, wie mir ums Herz ist,« und inniger werdend, fragte er leise: »Er arbeitet doch, meine liebe Frau Harkort?«

»Von morgens bis abends. Ohne ihn wäre hier alles zuschanden geworden. Das Korn wächst ihm unter den Händen, das Vieh gedeiht, und was die anderen nicht haben – ich meine die von Wisselward, von Brienen und Till – haben wir doppelt und dreifach. Unsere Speicher brechen unter dem Segen der Äcker, unter der Fülle des vorigen Jahres. Und was das beste ist: er und ich, wir haben unseren Frieden gemacht und unsere Herzen wieder gefunden. Nichts mehr steht zwischen uns. Die starre Mauer ist niedergerissen. Wir reichten uns die Hände, Andreas. Der Fluch des Vaters, der noch auf ihm lastete – ich habe ihn von ihm genommen und meinen Sohn gesetzt über Knechte und Mägde und über jeglichen Teil, der mir gehörte vor Gott und den Menschen, und ich bin des zuversichtlichen Glaubens: auch er, der die Verdammnis gegen ihn ausstieß, der ihm sein Erbe nahm und ihn zum Bettler machte – auch er wird die Hände breiten und sagen: Ich bin durch den Kummer Gottes gegangen, damals, als ich im gerechten Zorn und Unwillen die Hand wider ihn hob und ihm die väterliche Scholle entzog; nun schreite ich durch sein Erbarmen und Lieben ... Weib, und das habe ich dir zu verdanken.«

Ihre heißen Worte erstickten.

»Das sind doch erfreuliche Dinge, Frau Harkort,« sagte er leise, »Dinge, die im Herrn leben und den stetigen Segen verbürgen.«

»Freilich sind sie das! Sie sind mein bestes und heiligstes Besitztum geworden und muten an, als wären sie aus der Bibel genommen. Seit dieser Stunde bin ich auch zufrieden und glücklich. Aber das andere, Andreas, das andere!« und in leidenschaftlicher Bewegung hatte sie die Hände des jungen Klerikers ergriffen. »Andreas, meine Augen sind blind und sind es schon Jahre um Jahre. Keine Kunst konnte sie retten. Auch er nicht,« und mit einer wehen Geste deutete sie auf das Herrenhaus, um das der Spätnachmittag seine rosigen Schleier zu wirken begann. »Nein, das konnte auch Hans nicht. Daß ich Gottes Werk nicht mehr kenne und Gottes Erde nicht mehr und alles das nicht, was er uns Menschen in seiner Allbarmherzigkeit und Güte vermachte – daran ist der da nicht schuld; denn er war nicht zum Priester geschaffen. Wer die Hostie aufhebt und segnet, wer da hingeht, um Gottes Öl auf Gottes Lampe zu gießen, wer da sagt: Kommet zu mir, auf daß ich die Sünden hinwegnehme, die ihr begangen, der muß es tun mit einer großen und stolzen Botschaft im Herzen. Fehlt ihm diese vom Himmel überkommene Sendung, so durstet er ewig, wird er nie über die Schwelle des Allerheiligsten treten. Wahrlich – er hatte sie nicht, und so konnte er mir auch das graue Dunkel nicht nehmen und die toten Augen zu keinem neuen Leben erwecken. Das begreife ich heute, und weil ich es tue, bin ich zufrieden im Herrn, daß er sein aufgezwungenes Gelöbnis nicht hielt und die Soutane von sich wies. Sie wäre ihm nicht und mir nicht zum Segen geworden.«

»Sie werden recht haben, Frau Harkort.«

»Ich habe recht, mein lieber Andreas. Aber das weitere ... Nicht, daß ich klagte um mich, daß ich mich am Holz meiner Blindheit zerquälte. Ich habe mein inneres Licht und mein inneres Leben – und hier diese Augen, so tot sie scheinbar auch sind, sie sehen doppelt und dreifach. Sie sehen das Leid meines Sohnes, und weil sie es sehen, möchte ich retten und helfen ... Andreas!« – und ihre Stimme zitterte wie vor verhaltenem Schmerz – »ich sehe bis in seine Seele hinein – und sehe das Schlimmste und sehe, daß er im roten Martereisen der Liebe hängt – und sehe, daß er am Weibe verblutet ... und Ihr ...«

Ihre Worte zerfaserten in einem unterdrückten Schluchzen.

»So geht denn hinein, sucht ihn aufzurichten, sprecht ihm Trost zu, vielleicht könnt Ihr helfen.«

Er nickte stumm vor sich hin.

Sie gab seine Hände frei, und da schritt Andreas Lobbers dem Herrenhaus zu, gefaßt und insichgekehrt, während die Blinde auf derselben Stätte haftete, erhobenen Hauptes, über sich das tiefblaue Himmelreich, neben sich den rosigen Blütenschaum des Pfirsichs und vor sich das leuchtende, junge Frühlingsgrün der endlosen Felder – eine blinde Frau in all den glühenden und farbigen Wundern.

 

 << Kapitel 9  Kapitel 11 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.