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Sieben Erzählungen

Franz Stelzhamer: Sieben Erzählungen - Kapitel 7
Quellenangabe
authorFranz Stelzhamer
titleSieben Erzählungen
senderharald.aichmayr@netway.at
created19990604
modified20170619
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Ein Himmelsmärlein

Schwül war der Tag. Die Blumen des Feldes lechzen und die Gräser der Heide beugen sich vom Staub gedrückt. Tiefaufathmet das regsame Schnittervolk und wischt sich den Schweiß vom braunen Angesicht; im lassen Wandel fördert sich der Wanderer und sehnt sich inniger denn je nach der fernen Heimat, wo sein friedliches Haus zwischen schattenreichen Bäumen steht. – Das größere Vieh auf der Huth liegt käuend im Buschwerk hingestreckt und wehrt emsig den unersättlichen Fliegenschwarm ab; sich selbst beschattend lechzen die Lämmer auf offenem Plan; der Chor der Vögel ist verstummt, und öd' und schmachtend wie ein ausgebrannter Tempel liegt das Land weitum.

Doch tröstlich, ihr Thierlein, tröstlich, ihr Blumen und Gräser, und ihr duldenden Menschen allzumal! Tröstlich! denn seht, wie es im Westen dort gleich einem mächtigen Wolkengebirge sich thürmt; leuchtend ist der Saum seines Gipfels, tiefblau und dunkel seine Mitte und der Grund, worauf es steht, ist schwarz. Oder ist es in düsterer Vermummung ein zürnender Titan der Urzeit?! Ha, wie er wächst, der finstere Riese, wie unverzagt sein geharnischt Haupt den Pfeilen der Sonne entgegen trotzet, wie sein bleigrauer Mantel sich dehnt durch die Himmelsbläue – wie er funkelnde Blicke schießt, wie sein grollendes Wort, sein mächtiger Fußtritt dumpf hallet durch das weite Himmelsgewölbe! Seht, schon kämpft er mit Phöbus, dem Lichtgebornen, dessen flammende Pfeile scharf niederhageln auf sein Schlachtgewand; sein Helmbusch lodert in heller Gluth, entzündet vom Flammenschild des raschen Sonnengottes; doch vergebens; – mit hochgeschwungener Keule zertrümmert der Furchtbare das Gottesschild, daß Himmel und Erde aufleuchtet in jähem Gewitterschein; zahllos wachsen des schwarzen Würgers Schaaren aus dem Grunde des Meeres empor; ihre Rosse dampfen und stampfen, daß die Lüfte dröhnen und die Bäume des Waldes erbeben; die goldbepanzerten Reitet des Gottes werden überwältigt und sinken; nur ein Restchen entfliehet in eiligem Jagen ostwärts nach der flammenden Sonnenburg – die Schwarzen verfolgend nach mit wildem Rasen, daß die zertretenen Lüfte heulen, daß der schlummernde See aufschäumt und die friedliche Waldung wimmert! – Darauf wird die Sonnenburg mit feuriger Kugel bespielet und mit prasselnden Kränzen bedroht, daß das Gemäuer kracht. Zum Sturm singen die Schwatzen einen gräßlichen Schlachtgesang und zermalmen die zackigen Felsenwände – des Daches Sparten, die Säulen der Wände werden versengt und die Burg verwüstet bis in den Grund.

– Sieh! dort lodert ein Pfeiler: – die tausendjährige Eiche. – Roß und Reiter triefen von Schaum und Schweiß, daß die geblähten Wolken bersten und ihre Flut fast das Land ertränkt. – Der Kampf ist vollendet. – Da jauchzen die schwarzen Sieger die Triumphhymne, daß die Erde erschaudert und die Vesten des Himmels zittern.

Ausgehaucht ist des Herzens Grimm und mächtig auch verhallet der Jubel; die meisten der Reiter strecken sich ausruhend nieder über das weite Himmelsgefield, nur einzelne kühne Truppen streifen, Beute suchend, über die Wallstatt und zücken das Schwert zum Todesstoß über die annoch Lechzenden da und dort, schmücken sich mit den goldenen Ringen und Ketten derselben, tauschen ihre finstern Waffen um gegen das schimmernde Wehrgehäng, traben dann zurück im eitlen Prunk zu den Ihrigen und sinken gleichfalls auf die breiten Kissen der Ruh', nichts ahnend und nichts träumend von dem, was geschehen könnte und bald geschieht. –-

Seht, im Westen wird es hell und heller; der weisere Sonnengott tritt sacht und lauschend aus dem Hinterhalt, den er im tollen Gedränge gesucht hatte; er winkt mit seinem Heldenaug die ringsum zerstreuten Seinen zusammen, und sie eilen auf schimmerndem Lämmergewölk, seinem Winke folgsam, schnell und geräuschlos heran; mit leisem Ruck entblößen sie ihre Schwerter, daß die Erde im fröhlichen Widerschein erfunkelt. – Der Gott ist wieder erstanden! jubelt es durch die Regionen, er rüstet sich die Schmach zu rächen! – Des Menschen ganzes Herz schlägt dem Wiedererstandenen freudig entgegen; die Blumen und Gräser nicken ihm heiteren Gruß; die verstummten Vögel des Waldes erwachen wieder, und die muntere Schwalbe schwirrt spionierend durch die Lüfte und verkündigt der leuchtenden Schaar den günstigen Augenblick zum Wiederangriff.

Der Gott hört es; und muthig und rasch sprengt er vor – sein zerborstener Schild ist wieder ganz geschmiedet und blank; er schwingt ihn und sein Racheschwert, daß die Wolken auffiammen, und die Häupter der Berge erglühen, und hui, gehts fort in hurtigem Flug über die schwebenden Nebelbrücken im hohlen Himmelsraume – das flüchtigste Aug vermag nicht dem eilenden Sonnengott zu folgen! –

Schon ist er dort, wo die schwarzen Würger in üppigen Träumen schwelgen. – Erst steht er und überblickt den Haufen, dann winkt er den Seinen und auf den Wink stürzen sie hin über die Schläfer und ertränken sie im Meere ihrer Strahlen; kein Getöse, kein Schlachtlärm wird gehört, nur emporringen siehst du manchen Starken wie sich in Brünsten der Qualm emporringt durch die Flammen. Vergebens! Der Gott siegt, und die Freudenröthe seiner Wangen verherrlicht den Himmel und verklärt die Erde; Schwalben und Lerchen taumeln jubilierend dem Sieger entgegen, und der tausendstimmige Chor der andern Vögel schallet ihm Preis entgegen; die Blumen streuen ihm süßen Duft, und dem Wald entschwingt sich ein leiser Hall der Verwunderung; die lebenden Wesen athmen so leicht und empfinden so wonnig, und des Menschen Herz, von diesem Schauspiel ermuntert und ermuthigt, hofft auf – daß gleicher Weise auch einst das Licht der Wahrheit siegen werde über die Finsternis des Wahnes.

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