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Gutenberg > Heinrich Kruse >

Seegeschichten

Heinrich Kruse: Seegeschichten - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
booktitleSeegeschichten
authorHeinrich Kruse
year1880
firstpub1880
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
titleSeegeschichten
pages168
created20150304
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Dänholm.

Fischer.
        Junge, das Segel gefaßt! Hoch auf! Nun ist es gewendet.
Setze das kleine noch bei! Wir müssen uns sputen. In Stralsund
Schließet der Wächter des Hafens den Baum, sobald es nur dämmert.
 
Knabe.
Das war heut noch ein Fang!
 
Fischer.
                                                Ja, das tröstet doch noch, wenn man manchmal
Fischet und fischt und nichts am Ende nach Hause zurückbringt,
Als ein zerrissenes Netz, das triefend vom Maste herabhängt.
Wie wird Mutter sich freuen! Die See trieb heute die Schäfchen
Ueber die Weide; da fängt es sich gut, doch muß man sich mühen.
Da ist der Dänholm schon.
 
Knabe.
                                            Ihn erblicket doch immer zuletzt noch, 7
Wer von der Stadt fortschifft; den, welcher zur Heimat zurückkehrt,
Grüßet er wieder zuerst mit den Wipfeln des Wäldchens.
 
Fischer.
                                                                                          Die Frauen
Pflegen bis dort zu begleiten den Mann mit ihren Verwandten.
Und so vergeß ich es nicht, wie Vater zuletzt von uns wegging.
Mutter, sie saß, ihr Jüngstes im Schoß, auf dem Ufer und strickte,
Und ich spielte herum. Als dämm'rig es ward, und das weiße
Segel man nicht mehr sah in der Ferne, erhob sie sich endlich,
Holte den Athem dabei so tief aus der Brust, und ich sagte:
»Mutter, was grämest Du Dich um Vater? Er geht ja in Krieg nicht.«
»Ja wohl geht er in Krieg,« so sprach sie, »in jeglichem Jahre
Gegen das schreckliche Meer, und einmal kommt er nicht wieder.
Als vor nun zwei Monden zum Zingst wir hinübergefahren,
Unsere Freundschaft dort zu besuchen, so ging ich zur Kirche,
Fand sie geschlossen und lehnte mich still an die Mauer des Friedhofs.
Schon kam einer herauf nach dem andern die Stiege des Ufers;
Aber es waren nur Kinder und Frau'n, da die Männer des Sommers
Alle zur See fort sind; denn sie geben nicht viel auf den Pflug dort.
Lieber Himmel, was ist denn der Zingst, als wandernde Dünen,
Wo Strandhafer nur wächst? Drum pflügen sie lieber die Wellen. 8
Und ich sah auf die Frau'n, daß alle gekleidet in Trauer.
Da war keine dabei, der nicht im vergangenen Jahre
War ein Bruder geblieben zur See, der Vater, der Gatte,
Oder ein blühender Sohn. Da fuhr es mir heimlich das Herz durch:
Auch du nähest dir bald, Dorothea, die dunkelen Kleider!«
Und sie konnte nicht mehr sich der bitteren Thränen enthalten:
»Dann kehrt Vater nicht mehr, dann haben wir Hunger und Kummer.«
Also sprach sie, und faßte mich an, und wandte sich heimwärts.
Wie sie gesprochen, geschah's. Bald lag mein Vater bei Schottland,
Alle die Seinen umher. Dran denk' ich, so oft ich die Insel
Seh' und das buschige Ufer. Doch macht es mit nichten mich traurig;
Denn das ist nun einmal nicht anders. »Zu schiffen ist nöthig,
Doch nicht nöthig zu leben!« So steht's in der Schiffergesellschaft.
 
Knabe.
Das ist, Vater, ein kerniger Spruch! Und es freut sich ja Jeder,
Wer vom Sunde befähret die See, wenn er wieder den Holm sieht.
Wißt Ihr, wie er mir däucht? Wie der Maibusch, den man heraussteckt
Am Wirthshaus, der uns sagt: Hier kehret man ein! so ladet
Freundlich er Jeden zur Stadt, die hinter dem Laube hervorblickt.
Vater, verspracht Ihr nicht oft davon zu erzählen, vom Dänholm, 9
Warum so man genannt vor Zeiten die liebliche Insel?
Immer vertröstet Ihr mich. Heut, dächt' ich, am fröhlichen Tage –
 
Fischer.
Donner und Hagel! Die Leinen gepackt! Wir gerathen auf Steine!
Taugenichts, gieb Acht! Nun, nun, ich war nur erschrocken.
 
Knabe.
Seht, hier bind' ich die Schoten mir fest. So setz ich mich still hin;
Denn Ihr laßt Euch ja doch, das weiß ich, das Ruder nicht nehmen.
 
Fischer.
Ist mein ewiges Lied: Zu gar nichts bist Du zu brauchen!
Immer gelehrt und verkehrt! Wie das Kukuksei mir in's Nest kam!
 
Knabe.
Aber nun thut, wie Ihr es verspracht, und berichtet vom Dänholm.
 
Fischer.
Höre mir zu, so ward mir erzählt, so erzähl' ich es wieder.
Wo Du die Kirchen da siehst und die Spitzen, die sieben, vom Rathhaus,
Wohnten nur wenige Fischer vordem, und ruderten über,
Wer nach Rügen verlangte, der heiligen Insel der Heiden,
Wo von den Küsten und Inseln sie rings hinwallten zu opfern.
Doch dann kamen die Deutschen in's Land und bekehrten die Heiden. 10
 
Knabe.
Wenden, so hießen die Völker damals an unseren Küsten;
Drum sind die Wendischen Städte geheißen die Städte der Ostsee,
Die, wie ein Kranz um die Schale gelegt, rings blühten am Wasser,
Dort, wo Lübeck thront und das siebenthorige Rostock,
Bis wo der Preuße den Bernstein sucht nach dem Sturm aus dem Seegras.
 
Fischer.
Nicht zum letzten der Sund, der günstig gelegen und sicher;
Unsere Stadt liegt ja gleich Tyrus im Wasser; denn landwärts
Gehn drei Teiche herum, und es rollt auf der anderen Seite
Brandend die See. Doch wer hätte gedacht, daß das ärmliche Fährdorf
Also höbe dereinst sein Haupt vor den Städten der Hansa,
Daß wohl Fürsten es gleich dort thaten die Bürger? Ein Rathsherr
Ließ zum Trangang sich von dem Haus am Markt, wo er wohnte,
Bis in die Kirche den Weg mit dem köstlichsten Laken belegen,
Scharlach, in London gewebt. So zog er mit stolzem Gefolge
Bis vor den Priester auf Tuch. Und dem übermüthigen Ehweib
Mußten – ich will nicht sagen, wofür – fortwährend die Mägde
Schier aus Rigischem Flachse die saubersten Bündel bereiten.
Aber das Weib trieb also hernach es mit Buhlen und Hoffart, 11
Daß ihr zuletzt nichts mehr von alle der Herrlichkeit nachblieb,
Als ein silberner Teller. Den nahm sie, und stand an der Kirchthür,
Hielt ihn hin und sprach: »Um Gottes Willen,« so bat sie,
»Schenket der armen reichen Frau einen Pfennig zu leben!«
Und hat eine der Mägde sie da barmherzig mit Linnen
Sich zu bekleiden beschenkt: »Ich spann's von dem Flachs, den Ihr wegwarft.«
Soll wohlfahren ein Gut, so ist es nicht allzugeringe;
Ist es bestimmt zu Grunde zu geh'n, so ist es zu viel nicht.
 
Knabe.
Seht, da blicket die Sonne noch einmal hinter dem Strand auf.
Wie sie die Segel durchglüht! Doch erzählet nur weiter von Stralsund.
 
Fischer.
Ja, wie hab' ich gehört von dem Alten so manche Geschichte,
Wenn er verkürzen sich wollte die Weile des müssigen Winters!
O, wie grauste mir da bei dem furchtbaren grauen Gespenste,
Welches erscheint auf dem Schiff, das auf einsamem Ocean umtreibt,
Während die Mannschaft verschmachtet vor Hunger und Krankheit. Da geht es
Auf und ab, von dem Bugspriet an, und weiter um Einen 12
Schritt an jeglichem Abend. So weit es gelangt auf dem Decke,
Muß in derselbigen Nacht darunter, was Leben hat, sterben,
Mensch und Thier. Da schleppen entsetzt sich die kranken Matrosen
Weiter und weiter nach hinten die Hängematten; doch endlich
Setzt es zum Ruder sich hin – und Alles ist still auf dem Schiffe.
Und was hatt' er für Fahrten erlebt! Doch ich wollte erzählen.
Als mit der Stadt es zuerst ein Ansehn hatt' und Gedeihen,
Litten es Bugslav nicht und Casimir, Fürsten von Pommern,
Ueberfielen den Ort und brannten und brachen ihn nieder.
Darauf theilten sie sich in den Raub und zogen von dannen.
Aber die Stadt lag öde, so daß, weil nirgends die Schwalben
Fanden ein Dach, sie bauten ihr Nest auf den Masten der Schiffe.
Und nicht lange hernach, da der Ort sich in etwas erholte,
Konnten's den Sundischen Leuten nicht gönnen die Herren von Lübeck,
Traten mit Macht auf's Land und zerstörten die Stadt uns noch einmal.
So viel Arbeit gab's, um die Stadt zum Sunde zu gründen!
Aber Du schwebst in der Luft wie ein Vogel da über dem Kiele.
Siehe Dich vor!
 
Knabe.
                          Achtzehn! Neunzehn!
 
Fischer.

                                                              Was machst Du? 13
 
Knabe.
                                                                                          Ich zähle.
Wie viel Kähne der Fischer, mit rothen Segeln und weißen,
Blinken von nah und von fern! Man ermüdet, beginnt man zu zählen.
Wenn auch manchen die Stadt durch waldige Ufer verdeckt wird,
Steuern doch alle zum nämlichen Ziel, zum Hafen von Stralsund,
Wie ein Schwan hinrudert zum Nest, das im Röhricht versteckt liegt.
Sieh, wie der schillernde Schaum vor dem tanzenden Kiele herausspritzt!
 
Fischer.
Neu drauf bauten die Bürger sich an und ließen vom Lande
Nur drei Dämme zur Stadt, und die Brücken mit hängenden Ketten
Zogen am Abend sie auf. Dahinter erbauten sie Zwinger
Und Wykhäuser und Thore, die drohend in's Land mit den Warten
Wehrten den Feinden den Weg; doch sperrten sie nicht ihn dem Unglück.
Einst am Ostertag, als kaum erst graute der Morgen,
Stieg, wie er pflegte, der Pfeifer hinauf mit seinen Gesellen
Oben nach Sanct Marien.
 
Knabe.
                                        Da droben, wie lieblich verschlungen
Sieht man da Land und Meer und Küsten und Buchten und Inseln! 14
 
Fischer.
Und indessen sie spielen, bemerkt der Gesell, der nach Norden
Bläst zu der Luke hinaus, was Weißliches stehen im Sunde,
Sagt es den Andern, und eh' mit dem Lied sie zu Ende gekommen,
Sehen sie Segel auf Segel bereits aufziehen. Sie ahnen
Gleich nichts Gutes davon und ziehen mit Macht an den Glocken,
Die in dem Trallwerk hängen, um aufzuschrecken die Bürger.
Da hat Manche vergessen die Ostereier zu sieden!
Jeglicher kam vor die Thür und frugen einander: »Wo brennt es?«
Doch da es kundbar ward, daß nicht vom Feuer das Unglück,
Sondern vom Wasser uns drohe, so rannten sie Alle zum Hafen.
Siebenzig Schiffe und mehr mit der Löwenflagge des Dänen
Sahen sie ziehn auf die Stadt und näher schon kommen und näher.
Da war groß im Sunde die Noth. Sie hatten nicht Schiffe.
Früh wie das Eis aufging, war Alles nach Schonen zum Fischfang
Weggesegelt bereits, mit den Andern die rüstigste Jugend.
Und kein einziges Schiff war anders im Hafen vorhanden,
Als auf den Helgen im Bau, halbfertig, mit nackenden Rippen.
Nichts als Jammern und Angst war rings im Hafen; die Männer
Rannten umher und schrieen nach Waffen, und wußten nicht Abwehr,
Wenn an die offenen Brücken die Macht anlegte der Feinde.
Und gleich hätten die Dänen die Stadt in dem Schrecken genommen,
Wenn sie nicht erst an die Insel gelegt, um zu essen und trinken 15
Und sich zu stärken zum Streit. Und die Obersten traten an's Ufer
Rath zu halten, wie jetzt, da sie spürten am Läuten und Lärmen,
Daß sie bemerkt in der Stadt, am besten geschehe der Angriff.
Aber im Sunde verzagte bereits schier Alles, im Schurzfell
Also der Handwerksmann wie in Marderschaube der Rathsherr.
Nur abwärts rathschlagten die Fischersleute zusammen,
Was vielleicht noch zu thun, und der Aelteste trat vor die Menge
Endlich und sprach: »Wir wollen in Gottes Namen es wagen!«
Und so schritten sie gleich an das Ufer und lösten die Taue,
Aeltliche Leute die meisten – denn Fischen ist nur so ein Halbdienst,
Ehrlich, doch spärlich, zuletzt – die wohl sich des Wassers verstanden.
Bald auch kamen die Knaben mit eisenbeschlagenen Stangen
Und was sonst sie zusammengerafft, Bootshaken und Piken.
Damit stiegen sie ein. Drauf hißten sie schweigend das Segel.
Frisch blies hinten der Wind, sie fuhren zur waldigen Insel.
Und schon strahlte die Sonne; da lag vor ihnen die Flotte
Wie ein Berg von Silber, so klar, mit den schwellenden Segeln.
Jenseits sahen die Dänen erstaunt, was die Fischer begannen,
Eilten sogleich auf die Schiffe zurück, nach dem Kampfe begierig,
Welcher alsbald sich erhob; doch ungleich war er für Beide.
Denn leicht konnten die Fischer das Ruder gebrauchen und hierhin
Wenden und dorthin den Kahn, und soweit hatten sie Vortheil
Ueber den Dänen, der träg auf mächtigem Schiff sich bewegte; 16
Aber sie konnten hinauf nach den hohen Verdecken nicht reichen.
Dazu waren die Dänen mit besserer Wehre versehen,
Männer in Eisen und Seehundsfell, mit Halbarden und Hämmern,
Welche sie schwangen zum Streit; auch schossen sie scharf mit der Armbrust.
Und sie kämpften herab als wie von der Mauer und lehnten
Ueber den Bord sich mit großem Geschrei. Auch führten sie Steine,
Die in den Strom vor der Stadt sie zu werfen gedachten, zu stören
Stralsund's Seeschifffahrt; die wälzten sie nieder von oben.
Da war übel zu sehen der Kampf für die Unsern; es wurden
Viele der Sundischen Böte versenkt, und die andern entflohen.
Wie sie langsam kamen daher mit zerrissenen Segeln,
Ging ein großes Geschrei aus dem Volk im Hafen zum Himmel;
Aber es thaten die Frau'n sich hervor und standen am Bollwerk,
Riefen sie zorniglich an sich zu wehren, und schalten die Männer.
Auch ein Weib, ein Mädchen noch fast, und säugend ihr Erstes,
Kam, aus dem Schlafe geschreckt, mit fliegenden Haaren gelaufen,
Drängte sich vor, und schrie so laut, daß es Alle vernahmen:
»Soll mein herziges Kind ich im Morden und Brennen verlieren,
Besser, ich werf' es sogleich in's Wasser und stürze mich selbst nach!«
Also sprach sie, das muthige Weib, und mit kräftigen Armen
Hob sie das Knäblein empor, das zurück sich wandte mit Wimmern. 17
Alle entsetzten sich drob, und Jeder gedachte der Seinen,
Wandten die Kähne zurück, das Herz voll Muth und Verzweiflung.
Denn schon war es die äußerste Noth; schon hatten die Dänen
Anzustimmen begonnen aus heiseren Kehlen das Siegslied,
Und sie bewegten sich schon vor der Insel. Sie kamen geschwommen
Gleich einer anderen Stadt, und das Königsschiff, das voranfuhr,
Wie ein Kirchthurm stand es empor, mit wehenden Bannern.
Auf das hielten die Fischer vereint, als wär' es besprochen,
Drängten sich unter den hohen geschnitzten und goldenen Spiegel.
Und sie ersahen es sich und klommen hinauf zu den Luken,
Stiegen hinein. Das sahen mit Staunen die anderen Schiffe,
Wollten es wehren, und segelten mühsam herbei; es erhob sich
Aber ein Sturm: ihn sandte der Herr, um die Seinen zu retten.
Denn es verwirrten die Schiffe sich arg und stießen zusammen.
Mann für Mann aufstiegen bereits aus dem Bauche die Fischer,
Griffen mit spitzigen Haken herum, und stürzten die Feinde
Nieder zu Boden, und spießten sie dann wie Aale von oben.
Blasses Entsetzen befiel die Besatzung; sie sahen die Feinde
Steigen aus eigenem Schiff, und wußten nicht, wie es geschehen,
Hielten die Waffen nur vor und starrten noch, während sie fielen.
Und nun klettern die Fischer herauf von jeglicher Seite,
Immer noch schweigend dabei und mordend. Wie Schnitter am Abend,
Wenn schon unter die Sonne: es gilt! so mähten sie mächtig.
Aber die anderen Schiffe, die ihre gewappneten Ritter 18
Sahen zu Boden geschlagen von Leuten mit bastenen Schuhen,
Leuten, die still sonst geh'n mit Korb und Haken zum Fischmarkt,
Waren erschreckt, und kämpften schon hart mit dem Sturm und versanken.
Und da das Banner des Reichs auf dem Königs-Schiffe gefallen,
Ließen sie ab und nahmen die Flucht; doch es folgten die Unsern.
Hast Du im Frühling gesehn, wenn die sämmtlichen Fischer des Flusses
Sich zum Treiben vereint, und das Netz am Ziele gestellt ist?
Fast ist mit Nachen das Wasser verdeckt; so fahren sie abwärts,
Störend den friedlichen Fluß mit Stangen und rufend und lärmend:
Also hielten mit Jubelgeschrei nun die Sundischen Treibjagd.
Uebel gerieth da die Flucht in der Enge den dänischen Schiffen,
Und wir nahmen die meisten. Die aber das Weite gewannen,
Deren doch wenig, entfloh'n, um übel empfangen zu werden,
Als sie zu Haus anlangten. Sie hatten verloren den Reichsschatz:
Denn wo er Schiffe nicht hat, kann nichts ausrichten der Däne.
Unablässiges Siegesgeschrei erfüllte die Enge,
Ging von der Insel zur Stadt, von der Stadt vielstimmig zur Insel.
Hierher kamen gemach mit der Beute die Fischer und zählten
Ihre Gefangenen nach und warfen die mancherlei Waffen 19
So kaltblütig an's Land, als wären es Fische gewesen,
Welche man liest aus dem Netz, und des Meer's seltsame Gestalten.
Als sie die Haufen gethürmt, so traten sie all' an das Ufer,
Fielen auf's Knie, und dankten dem Gott, der die Stärke des Schwachen –
Was war das für Geräusch?
 
Knabe.
                                            Nur Rabengekrächz' auf dem Drigge.
 
Fischer.
Sind Seeraben, die Fische die Meng' aus dem Wasser sich holen.
Gierige Brut! Man sollte sie all' wegschießen, die Räuber!
 
Knabe.
Aber erzählt doch zu Ende.
 
Fischer.
                                            Ja so, von den tapferen Fischern!
Dänholm nannten die Insel sie drauf, das ist Insel der Dänen,
Die einst Strela hieß und den Namen gegeben der Stadt hat.
Darauf kehrten sie heim, voraus ihr prunkendes Hauptschiff.
Wie wenn es stürmt aus Nord, und ein Wallfisch nahet dem Strande,
Auf Untiefen geräth und spritzt, daß die Menschen es merken, 20
Rasch hinfahren und ihn todtschlagen und ziehn an das Ufer,
Ueber die Beute sich freuend: so schleppten die Fischer das Hauptschiff.
Erich, der dänische Prinz, war gefangen und mußte sich lösen
Also schwer, daß daraus wir uns bauten das mächtige Rathhaus.
Daran prangte, gehau'n in den Stein, dreispitzig der Haken,
Mit dem unsere Fischer die Dänen am Holme geschlagen.
Ja, der Fischerhaken – der Stral, wie man sagte vor Zeiten –
Wurde das Zeichen der Stadt, im Osten gefürchtet und Norden.
Niemand soll sich verachten, mein Kind. Ich muß Dir das sagen,
Denn Du trachtest nach oben hinaus, und es sollte mir leid thun,
Wenn Du Dich niedrig geboren zu sein einst schämtest. Wir sind nur
Arm und gering; doch haben die Stadt einmal wir gerettet.
 
Knabe.
Nicht bloß wurde gekämpft denn um Salamis, dorten allein nicht
Setzten dem Feinde sie nach, wie Fischer nachstoßen dem Thunfisch!
O du lieblicher Holm, du Heldenhügel im Meere,
Siehe, so bist du mit nichten die kleinste der baltischen Inseln;
Denn auf dir ist Großes geschehn, und gepriesen vor allen,
Wenn mein Wort es vermag, soll einst dein Name noch werden!
 
Fischer.
Wenn Du die Insel umgehst, umkreisend das hohe Gestade, 21
Zählst Du der Schritte gerade so viel, wie die andere Insel
Mißt, auf welcher die Stadt ihr Haupt zum Himmel erhebet.
 
Knabe.
Nachbarlich liegen sie so und wie zwei Schwestern zusammen,
Und wenn immer der Kampf um Stralsunds Mauern getobt hat,
Wurde geröthet von Blut auch der grünende Bord, wo die Welle
Ruhig an's Ufer nun schlägt und bespület die moosigen Kiesel.
So als Wallenstein vor der Stadt lag, welcher der Ostsee
Herrn sich nannte bereits, doch herein nicht konnte nach Stralsund,
Welches der Schlüssel dazu: denn die Meerumgürtete trotzte.
Ueber zum Dänholm waren die Kaiserlichen gefahren,
Um zu beschießen die Stadt. Da bemannten die Fischer die Jachten,
Ohne Befehl zu erwarten, und legten sich rund um die Insel,
Schossen so feindlich darein, daß die Kugeln dem Herrn Feldmarschall
Schlugen in's Boot, und im Schrecken er gleich an den Wampen zurückfuhr.
Hat Hans Arnim geheißen. Sie haben ihn tüchtig gehänselt!
 
Fischer.
Wo kommt Dir denn die Wissenschaft her von dem Allen? 22
 
Knabe.
                                                                                            Es wird uns
In der Lateinischen Schule erzählt am Tag vor dem Feste.
 
Fischer.
Schule und Schule und Schule! Das weiß doch – Ja, in den Bänken
Sitzen, verdamm' mich! die Jungen nun lieber, als sonst in den Masten.
Als mein Vater noch lebte – der brauchte nicht Netze zu flicken,
Sondern er fuhr ein Schiff, und den flinkesten Segler vom Sunde.
Einmal saß er so da, ganz traurig, und seine Genossen
Fragten ihn, was ihn denn quäl'. Ihn niedergeschlagen zu sehen,
Waren sie gar nicht gewohnt. »Ach,« seufzt' er da, »hol' es der Henker!
Sagt, wie soll ich es machen? Da komm' ich zu meinem Patrone,
Ob er was hätte für mich. Gleich fragt er: »Ihr bringt doch die Rechnung
Ueber vergangenes Jahr? Ihr schriebt mir doch endlich die Rechnung?«
Sag' ich: »Der Wind ist Ost.« »Nein,« sagt er, »wir sprechen von Rechnung.«
Sag' ich: »Das Wetter ist gut. Sonst habt Ihr mir nichts zu befehlen? 23
Und wie steht's mit den Frachten?« Da merkt' er nun wohl, daß die Rechnung
Wieder nicht fertig geworden, und schalt und tobte wie unklug.
Das ging länger nicht so wie sonst, daß am Ende des Jahres
Brächte der Schiffer dem Rheder so viel und so wenig er möchte,
Machte ein X für ein U. Ich sollt' ihm werden wie Andre
Bis zum Pfennig gerecht. Ich sollt' ihm schaffen die Rechnung!
Damit ließ er mich stehn.« »O,« sagten die Freunde zu Vater,
»Wenn Du mehr auf dem Herzen nicht hast, da wäre noch Rath für!«
Und so schrieben sie Alles ihm auf für die Rechnung und ließen
Ihn zu kurz nicht kommen. Damit geht Vater zum Kaufmann.
»So, da ist sie, die Rechnung; und hier bring' auch ich das Geld mit,
Wie auf Rechnung es steht.« So setzt er den Sack mit dem Gelde
Ab auf den steinernen Tisch. Da lächelte freundlich der Rheder:
»Seht, so ist es ja gut, Ihr eigensinniger Alter!
Geld und Rechnung, es stimmt auf ein Haar. So ist Alles in Ordnung.«
»Je, ich weiß doch nicht, Herr!« entgegnete Vater. »Da hab' ich
Noch ein Säckchen gebracht. Ich weiß nicht, wem es gehöret;
Doch mir, Herr Commercienrath, das weiß ich, gehört's nicht.«
Und so stellt er das Geld auf den Marmortisch zu dem andern.
Groß sah an ihn der Herr. Dann sagt' er: »Wir wollen es lieber
Doch beim Alten nur lassen!« und warf das Geschreibsel in's Feuer. 24
Da war Treu auch noch und Redlichkeit unter den Menschen!
Ist ein herrlicher Mann, mein seliger Vater gewesen,
Hoch und stark, wie die Menschen denn sind an unserer Küste;
Doch die Verwegenheit hat ihn gestürzt. Da die Blitze schon zuckten,
Fuhr er mit Mars und Top und völligen Segeln und Wimpeln.
Noch hat da ihn gewarnt ein anderer Schiffer von Stralsund,
Der hart neben ihm fuhr – sie riefen sich ab mit dem Sprachrohr.
Vater, er achtet es nicht. Doch der Andere reffet in Eile,
Bis kein Linnen zu sehn. Da fährt ein Sturm wie die Nacht auf,
Wirft auf Seite das Schiff, daß die Masten die Wellen berühren.
Als sich das Schiff aufrichtet, und heiter der Himmel geworden,
War kein Segel zu schau'n in der Runde. Sie fuhren zur Stelle,
Wo mein Vater gelegen: da trieben noch wenige Planken.
So hat arm und zu Waisen gemacht uns ein einziges Wölkchen.
Vor dem Gewitter, da muß man den Hut abnehmen, so sag' ich.
Sieh' auch ab und an nach dem Himmel, ob Wolken heraufziehn,
Daß wir die Segel noch reffen, bevor uns fasset der Windstoß.
Sind gar häufig im Sunde, die Bö'n, und man kentert im Umsehn.
 
Knabe.
Horch, wie patschen da mitten im Kahn, im durchlöcherten Raume,
Unser heutiger Fang, die goldig getüpfelten Schollen
Und, ein seltener Gast, sechs silberne schöne Makrelen! 25
 Fischer.
Ist doch Sünd' und Schande, wenn oft, da man naß ist und müde,
Feilschet die Köchin im Putz um den Schilling, welcher der Herrschaft
Doch zu Gute nicht kommt und unter die Schürze gesteckt wird.
Aber was wollt' ich doch noch –?
 
Knabe.
                                                      Wenn Ihr anfanget zu reden,
Vater, so ist es beinah, als wenn Windhosen sich bilden;
Alles, was ihm nahkommt, wird fort in den Strudel gerissen.
 Fischer.
Wie ist wenig geplagt doch unsere Jugend gewesen,
Und wie haben wir ruhig gelebt in der friedlichen Heimat,
Wo sich die Wiese verläuft in die See, ein smaragdenes Ländchen,
Wohl für Rinder geschickt und die wandernde Hütte des Schäfers.
Heerden und Felder besorgten sie still nach der Weise der Väter,
Und noch für Alle genug gab Nahrung das weite Gefilde.
Nun drängt Einer dem Andern vorbei nach neuem Erwerbe;
Unsere Sprache vergeht; neu werden und fremde die Sitten;
Alles verändert sich jetzt und wird mit Künsten getrieben.
Habe 'nen Neffen, 'was hart von Kopf, doch der prächtigste Junge.
Wie er zur Prüfung kommt im Gottstischrocke, vor Angst nicht
Rechts mehr wissend, noch links, da fragt ihn einer der Herren: 26
»Willst Du den Belt durchsegeln, mein Sohn, wie mußt Du da steuern?«
Nun, mein Neffe, er stottert denn dies und das, und so schrammt er
Mitten durch Fühnen hindurch, ist wahr, da auf dem Papier er
Nicht zu segeln versteht. Da machen die Herren ein Wesen,
Sagen, sie könnten ihm nicht ein Schiff zu steuern erlauben.
Als nun der Junge, der arme, zu mir in stiller Verzweiflung
Kommt und Alles erzählt, so geh' ich mit ihm zu dem Herrn hin,
Welcher die Dreiecks macht. »Wenn's da ist, sieht er es auch schon!«
Sag' ich zu Dem, und denke noch loszueisen den Jungen;
Aber es wirft sich der Herr in seine gelehrteste Miene:
»Schiff und Leute sind nicht zu vertrau'n unwissenden Menschen,
Da steht Leben, mein Freund, auf dem Spiel!« Und er blickte verächtlich
Auf mich Laien herab, der weder die kubischen Wurzeln,
Noch die quadratischen kennt, noch irgend Wurzeln von andrer
Art, als die gelben vom Darß. »Ach,« sag' ich zum Examinator,
»Der kennt Fühnen doch besser, als Sie, das können Sie glauben.«
Alles umsonst. Da sag' ich: »Empfehl' mich und wollte, die Herren
Gingen mal selber zu Schiff.«
                                                Warum? Und wie ich das meinte?
»Nun, ich stehe dafür, wir hörten nicht wieder von Ihnen.«
Früher, da wurden die Menschen erprobt; nun prüft man die Leute.
Ja, als ich jung war, war des Seemanns Schule die See noch! 27
Nie kam Vater nach Hause, er brachte denn etwas den Seinen,
Einen gewaltigen Hummer mit muschelbewachsenen Scheeren,
Englische Messer den Kindern und zierliche Nadeln der Mutter,
Oder was sonsten es war, womit er die Herzen erfreute.
Einmal bracht' er denn auch von Porto, in irdene Krüge
Und Sägspähne verpackt, die fleischigsten röthlichen Trauben,
Und so lang und so groß, wir mußten sie hängen auf Stangen,
Wie aus Kanaan einst die Männer sie trugen zu Moses.
Wetter, die machten das Maul mir wässern! Ich wollte sogleich auch
Fort mit Vater zu Schiff; denn es lud auf Portugal wieder.
Mutter erschrak gar sehr; denn es lieben die Mütter die See nicht,
Sagte, ich sei nicht gescheidt, und drohte zuletzt mit der Ruthe,
Das an die Ehre mir griff; denn ich war neun Jahre geworden.
Aber was hab' ich zu thun? Ich verkrieche mich hinter die Kisten,
Lieg' und hungere da, bis das Schiff auf offenem Meer schwankt,
Und dann komm' ich an's Licht. Mein Vater, der eben herab will,
Weiß nicht, wie ihm geschieht. Doch ohne ein Wörtchen zu sagen,
Holt er, o weh, mit dem Stricke dir aus, den er grad' in der Hand hat,
Und so deckt er mich zu. – Nie stäubte man besser ein Kleid aus;
War nur Schade dabei, daß grade darinnen ich steckte.
Aber er freute sich doch im Herzen und nannte mich Blitzjung.
Und dann nahm an die Hand er den weinenden Knaben und führte
Mich zur Cajüte hinab und fütterte mich mit dem Besten, 28
Gab mir getrocknete Feigen und schenkte mir feurigen Wein ein,
Daß ich es gar nicht begriff, warum er zuvor mich geschlagen.
Und ich frug ihn danach. »Das war nur von wegen der Mutter,
Um mein Theil doch zu thun; sonst sagte sie mir auf den Kopf zu,
Daß wir Beide zusammengesteckt. Wie schön, daß Du da bist!«
Uebelkeit spürt' ich nicht mehr, sie war von den Schlägen vertrieben.
Wer war froher als ich? Wie leuchteten Himmel und Meer mir!
 
Knabe.
Aber ich wollt' Euch ja vom Wallenstein noch erzählen.
Rund um den Dänholm lagen die Fischer mit Jachten und Kähnen,
Kreuzten und hielten die Wacht. Nichts ließen wir ab von der Insel
Oder heran. Da saßen sie nun wie die Mäus' in der Falle,
All das Croatische Volk, das geplagt beim Bauern der Muthwill,
Wo nichts ihnen genügte. Nun lernten sie Leder benagen.
Also mußte man schließlich auf Sundische Böte sich setzen,
Und fortgehen, so wie man gekommen, nur etwas gemagert.
Ruhmlos zogen sie ab, wie Friedland selber am Ende,
Der sich doch hoch und theuer vermaß, wenn mit Ketten am Himmel
Wäre geschlossen die Stadt, so wollt' er herunter sie holen.
Heut noch feiert man fröhlich bei uns ja den Tag, wo er abzog.
Das ist der Wall'nsteinstag und der röthste im ganzen Kalender. 29
Während im Land und auf Rügen sie mähen und binden und fahren,
Hören sie ferne das Feiergeläut von den Thürmen in Stralsund.
Dann sind festlich die Straßen beflaggt, und es haben die Fischer
Wieder die Böte bemannt. Nicht hängt ein triefendes Netz heut
Wieder am Mast, heut ziert ihn ein Kranz mit flatternden Bändern.
Kriegerisch schmettern die Hörner vorauf und die stolzen Trompeten.
Das ist der Siegeszug, der jährlich erobert den Dänholm.
Singend ein Lied auf die Väter dabei und die wackeren Fischer
Segeln sie rund um die Insel herum, in fröhlicher Wettfahrt.
Und ein Schießen dabei, als wäre von Neuem der Feind da!
 
Fischer.
Munter! Wir sind gleich da. Dort kommt schon hinter dem Kloster
Unsere Wohnung hervor. Sie hängt auf der bröckligen Mauer
Nur wie ein Schwalbennest, und ich muß auf der Leiter hinaufgehn,
Will ich den Umweg nicht durch den doppelten Hof und den Kreuzgang.
Aber da seh' ich den Hafen und Alles, was aus- und was einläuft,
Seh' fern schäumen das Meer; von dem kann mal ich nicht lassen.
Steht nicht geschrieben, es hätt' auf dem Wasser geschwebet im Anfang 30
Gottes Geist? Und mir däucht, noch heut schwebt frischer er drüber. –
Heut war wohl es zuletzt, daß Du beim Fischen geholfen;
Denn Du sollst Dich der Wissenschaft weihn, so sagen die Herren,
Sollst nach Greifswald gehn und studiren, daß Dir der Kopf raucht.
Da sie die Kosten bezahlen, so laß ich's verwundert geschehen.
Nur, so sagt' ich den Herrn, nur erwartet nicht, daß ich noch danke,
Weil er mir schlägt aus der Art. Gern hätt' ich, er bliebe ein Seemann.
Mein Großvater und sein Großvater, so viel ich gehöret,
Fuhren sie alle zur See, und mein urältester Ahnherr
War ein Seehund wohl. Drum gehn wir nicht gut auf dem Lande.
Aber wir müssen die Kinder so nehmen, wie Gott sie gegeben;
Sonst mag Einer aus Holz sie sich schnitzen nach seinem Gefallen.
Gehe denn hin, mein Sohn, wie Petrus und fische nach Menschen.
 
Knabe.
Ja, mich freut es, daß Jesus sich Jünger erwählt aus den Fischern,
Schlicht und verständig und fromm; ich glaube, sie glichen Euch, Vater.
 
Fischer.
Wer auf dem Meer fährt, lernt Gott preisen! So heißt es im Psalter. 31
 
Knabe.
Seht, wie pranget die Stadt auf dem Schein der geschwundenen Sonne!
 
Fischer.
Ja, so ist es mit uns, wir glänzen nur auch so von sonst noch.
 
Knabe.
Nun, wir haben bis heut doch noch unsere Rechte behauptet,
Geben uns selber Gesetze und können, als wären wir Fürsten,
Münzen noch schlagen mit unserem Stral –
 
Fischer.
                                                                      Ach, Possen! Das Münzhaus
Dient nun als Pferdestall.
 
Knabe.
                                          Man muß uns doch immer noch ehren.
Wem muß Abends in's Haus man bringen die Schlüssel der Festung?
Nicht dem, der sie befehligt im Namen des Königs! Den Bürgern,
Welche sie tapfer beschirmt, sind ewig die Thore vertrauet.
Also befahl es der freudige Held, Carolus der Zwölfte,
Als tief aus der Türkei in vierzehn Tagen der König
Ohne zu rasten und ruhn und durch drei feindliche Heere
Kam von Bender geritten in's treue und jubelnde Stralsund. 32
Und wir sägten das Eis und retteten so ihn nach Schweden.
Wie er befohlen, so bringt man noch heute die Schlüssel der Tore
Stets zum regierenden Consul der Stadt.
 
Fischer.
                                                                  Ja freilich! Das thut's auch!
Lieber, so bin ich herum an der See in der Jugend gekommen,
Habe die Städte gesehen der herrlichen Hansa: die Mutter
Lübeck sitzet als Wittib und ihre Kinder als Waisen;
Wisby lieget im Schutt; noch stehen die Pfeiler, am Boden
Liegen die hohen Gewölbe; es bau'n auf dem nackenden Felsen
Wieder die Fischer die Hütten: so kreisen die menschlichen Dinge.
Siehe, wir gleiten so eben noch ein; schon bläst es vom Thurme.
 
Knabe.
»Ehre sei Gott in der Höh!« Nun verweht es, nun hört man es wieder,
Sanft und feierlich schön, als käm' es herunter vom Himmel.

 


 

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