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Schwarz-Indien

Jules Verne: Schwarz-Indien - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
booktitleSchwarz-Indien
authorJules Verne
translatorunbekannt
firstpub1878
year1878
publisherA. Hartleben Verlag
addressWien, Pest, Leipzig
titleSchwarz-Indien
created20060201
senderngiyaw@googlemail.com
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Fünftes Capitel.

Die Familie Ford.

Zehn Minuten später verließen sie endlich den Hauptstollen.

Der junge Bergmann und sein Begleiter hatten eine Lichtung erreicht – wenn man diesen Namen einer großen, dunklen Höhle beilegen darf, welche des Tageslichtes allerdings nicht ganz vollständig entbehrte. Durch die Öffnung eines verlassenen, die ganzen oberen Erdlagen durchdringenden Schachtes gelangte ein sparsamer Lichtschimmer auch bis in diese Tiefe. Mittels desselben Schachtes vollzog sich auch die Lufterneuerung der Grube Dochart, da die wärmere Luft des Innern durch diesen hoch hinauf führenden Schlot abfloß.

Ein wenig Luft und Licht drang also selbst unter dies mächtig darüber lagernde Schiefergestein bis zu jener Lichtung.

An der nämlichen Stelle arbeiteten früher mächtige, zum Betriebe der Grube Dochart gehörige Maschinen; – jetzt hauste seit zehn Jahren schon Simon Ford sammt seiner Familie in dieser unterirdischen, aus dem Schieferfelsen gebrochenen Wohnung, die der alte Obersteiger mit Vorliebe seine »Cottage« nannte.

Im Besitze einer gewissen Wohlhabenheit, welche er einem langen, arbeitsamen Leben verdankte, hätte Simon Ford recht wohl unter der Sonne des Himmels, inmitten lachender Bäume in einer beliebigen Stadt des Landes wohnen können; er und die Seinigen zogen es jedoch vor, das Kohlenwerk nicht zu verlassen, wo sie sich bei ihren übereinstimmenden Gedanken und Neigungen glücklich fühlten. Ja, ihre fünfzehnhundert Fuß unter dem Boden Schottlands versenkte Cottage gefiel ihnen ganz besonders. Abgesehen von manchen anderen Vortheilen hatten sie hier nicht den Besuch der Agenten des Fiscus, der »Stentmalers« zu befürchten, welche die lästige Kopfsteuer eintreiben.

Zu jener Zeit trug Simon Ford, der alte Obersteiger der Grube Dochart, noch ungebeugt die Last seiner sechzig Jahre. Groß, stark und gut gewachsen, konnte er für einen der besten »Sawneys« des Bezirkes gelten, der den Regimentern der Highlanders so manchen schönen Rekruten zuführte.

Simon Ford stammte aus einer alten Bergmannsfamilie, deren Stammbaum bis in die ersten Zeiten, als man anfing, die Kohlenlager Schottlands auszubeuten, hinaufreichte.

Ohne mit Hilfe der Archäologie nachzuweisen, ob die Griechen und Römer schon die Steinkohle kannten, ob die Chinesen schon vor der christlichen Zeitrechnung ihre Kohlenschätze benutzten; ohne darüber zu grübeln, ob der mineralische Brennstoff seinen französischen Namen (houille) von dem eines Hufschmiedes Houillos, der im zwölften Jahrhundert in Belgien lebte, entlehnt hat, so kann man doch mit Bestimmtheit behaupten, daß die Kohlenbassins Großbritanniens zuerst in geregelten Betrieb genommen wurden. Schon im elften Jahrhundert vertheilte Wilhelm der Eroberer die Ausbeute der Werke von Newcastle unter seine Waffengefährten. Aus dem dreizehnten Jahrhundert existirt ferner eine von Heinrich III. ausgefertigte Concession zum Abbau der »Meerkohle«. Gegen Ende desselben Jahrhunderts geschieht auch schon der Kohlenfelder von Schottland und des Districtes von Galles Erwähnung.

Zu jener Zeit stiegen die Vorfahren Simon Ford's zuerst in die Eingeweide der caledonischen Erde hinab, um dieselben vom Vater auf den Sohn niemals wieder zu verlassen. Alle waren nur einfache Arbeiter und fast wie Galeerensklaven an den Abbau der Kohlen gefesselt. Man huldigt sogar der Anschauung, daß die Bergleute der Kohlenminen, ebenso wie die Salzsieder jener Zeit, wirklich Sklaven gewesen seien. Noch im achtzehnten Jahrhundert war diese Ansicht in Schottland so verbreitet, daß man während des Krieges der Prätendenten fürchtete, es könnten sich die zwanzigtausend Bergleute von Newcastle empören, um eine Freiheit zu erringen – die sie nicht zu besitzen glaubten.

Doch wie dem auch sei, jedenfalls zählte sich Simon Ford mit einem gewissen Stolze zu den Kohlenbergleuten Schottlands. Er hatte mit eigener Hand ebenda gearbeitet, wo seine Vorfahren einst Haue, Zange und Axt handhabten. Mit dreißig Jahren schon schwang er sich zum Obersteiger der Grube Dochart, der bedeutendsten unter den Werken von Aberfoyle, empor und versah lange Jahre hindurch seinen Dienst mit unermüdlichem Eifer. Nur der eine Kummer bedrückte ihn, daß die Kohlen führenden Schichten ärmer wurden und eine vollständige Erschöpfung in nahe Aussicht stellten.

Eifrig widmete er sich der Aufsuchung neuer Adern in allen Gruben von Aberfoyle, welche ja in unterirdischer Verbindung standen, und hatte auch das Glück, im Laufe der letzten Betriebsjahre einige solche zu entdecken. Sein bergmännischer Instinct leistete ihm hierbei die besten Dienste, und der Ingenieur James Starr wußte ihn recht wohl zu schätzen. Man könnte sagen, er prophezeite fast die Kohlenadern in der Tiefe, wie das Hydroskop etwa die Quellen unter dem Erdboden verräth.

Doch, wie gesagt, es kam die Zeit, da es mit den Vorräthen der Kohlengrube zu Ende ging. Alle Sondirungen ergaben nur negative Resultate. Die Adern waren ihres Inhaltes total entleert. Der Betrieb stockte. Die Bergleute verschwanden.

Sollte man wohl glauben, daß das für den größten Theil derselben ein wahrhaft erschütterndes Ereigniß war? Wer da weiß, daß der Mensch im Grunde die gewohnte Noth und Sorge liebt, wird darüber weniger erstaunen. Simon Ford ging es vor Allen tief zu Herzen. Er, ein Bergmann durch und durch, hing mit tausend Ketten an seiner Grube. Seit seiner Geburt hatte er sie bewohnt und wollte sie auch nach Einstellung der Arbeiten nicht verlassen. Er blieb also. Sein Sohn Harry besorgte alle Bedürfnisse des unterirdischen Haushaltes, er selbst aber war in zehn Jahren kaum zehnmal an das Tageslicht gekommen.

»Da hinauf gehen? Was soll ich dort oben?« pflegte er zu sagen, und verließ so gut wie niemals sein dunkles Heim.

In dieser im Übrigen ganz gesunden Umgebung mit ihrer immer gleichmäßigen Temperatur fühlte der alte Obersteiger weder etwas von der Hitze des Sommers, noch von der Kälte des Winters. Auch die Seinigen befanden sich wohl dabei. Was konnte er weiter wünschen?

Eigentlich war er aber doch recht betrübt. Er sehnte sich zurück nach dem Leben und der Bewegung, welche früher in dem so eifrig betriebenen Werke herrschten. Dabei trug er sich immer mit einer gewissen fixen Idee.

»Nein, nein,« wiederholte er sich hartnäckig, »die Grube ist noch nicht erschöpft!«

Jedermann wäre gewiß schlecht angekommen, der in Gegenwart Simon Ford's hätte in Zweifel ziehen wollen, daß das alte Aberfoyle doch noch einmal von den Todten auferstehen könne. Noch niemals hatte er die Hoffnung aufgegeben, ein neues Kohlenflötz zu entdecken, das der Grube wieder ihre frühere Bedeutung verleihen werde. O, im Nothfalle hätte er gern selbst Haue und Schlägel wieder in die Hand genommen und seine alten, aber noch immer kräftigen Arme hätten sich an dem harten Felsen versucht. So durchstreifte er, theils allein, theils mit seinem Sohne, die weiten Stollen und Gänge, forschte und suchte, um einen Tag wie den anderen ermüdet, aber nie verzweifelt, nach seiner Cottage zurückzukehren.

Seine würdige Lebensgefährtin war die große und starke Madge, »the good wife«, die »gute Frau«, wie die Schotten zu sagen pflegen. Ebensowenig wie ihr Gatte hatte Madge die Grube verlassen wollen. Sie theilte nach jeder Hinsicht dessen Hoffnungen und Bekümmernisse. Sie ermuthigte ihn, feuerte ihn an und sprach immer mit einem solchen Ernste, daß ihre Worte das Herz des alten Obersteigers erwärmten.

»Aberfoyle ist nur eingeschlafen, Simon,« sagte sie. »Gewiß, Du hast recht. Das ist nur die Ruhe, nicht der Tod!«

Madge fühlte ebenfalls keine Sehnsucht nach der Außenwelt. Alle Drei kannten kein anderes Glück als ihr stilles Leben in der dunklen Cottage.

Hierher folgte also James Starr der an ihn ergangenen Einladung.

Simon Ford erwartete den Gast vor seiner Thür und ging dem früheren »viewer«, als Harry's Lampenlicht ihm seine Ankunft verrieth, entgegen.

»Willkommen, Herr James!« rief er mit einer Stimme, daß es von den Schieferfelsen widerhallte. »Seien Sie hochwillkommen in der Cottage des alten Obersteigers. Wenn es auch fünfzehnhundert Fuß unter der Erde liegt, so ist das Haus der Familie Ford doch deshalb nicht minder gastfreundlich.«

»Wie geht es Euch, wackerer Simon,« fragte James Starr, und drückte seinem Wirthe die Hand.

»Ganz gut, Herr Starr. Wie sollte es denn anders sein, hier, wo wir vor jeder Unbill der Witterung gesichert leben? Ihre Dämchen da oben, welche nach Newhaven oder Porto-Bello gehen, um dort während des Sommers etwas Luft zu schnappen, thäten besser, ein paar Monate in den Gruben von Aberfoyle zuzubringen. Hier würden sie sich keinen Schnupfen holen, wie in den feuchten Straßen der Hauptstadt.«

»Ich widerspreche Euch hierin gewiß nicht,« antwortete James Starr, erfreut, den alten Obersteiger noch unverändert wieder zu treffen. »Wahrlich, ich möchte mir die Frage vorlegen, warum ich mein Haus in der Canongate nicht gegen eine Cottage hier in der Nähe der Eurigen vertauscht habe.«

»Zu dienen, Herr Starr. Einen von Ihren früheren Bergleuten kenne ich, der ganz entzückt darüber wäre, zwischen sich und Ihnen nur eine dünne Scheidewand zu wissen.«

»Und Madge?« . . . fragte der Ingenieur.

»Die gute Frau befindet sich wenn möglich noch besser als ich!« erklärte Simon Ford. »Sie wird hoch erfreut sein, Sie an ihrem Tische zu sehen. Sie wird sich wohl selbst übertroffen haben, um Sie gebührend zu empfangen.«

»Nun, nun, wir werden's ja sehen, Simon,« sagte der Ingenieur, dem übrigens nach dem langen Wege die Aussicht auf ein gutes Frühstück recht gelegen kam.

»Haben Sie etwas Hunger, Herr Starr?«

»Gewiß, die Reise hat mir Appetit gemacht. Ich bin durch ein abscheuliches Wetter gekommen.«

»Ah so, es regnet wohl da oben!« bemerkte Simon Ford mitleidig lächelnd.

»Ja, Simon, und die Wellen des Forth sind heute ebenso unruhig wie die eines Meeres.«

»Nun wohl, Herr James, hier bei mir regnet es niemals! Ihnen brauche ich diese Vortheile ja nicht auszumalen. Da sind wir an der Cottage. Nochmals nenn' ich Sie herzlich willkommen!«

Simon Ford, dem Harry nachfolgte, ließ James Starr in die Wohnung eintreten. Dieselbe bestand in der Hauptsache aus einem geräumigen Saale, den mehrere Lampen erhellten und von welchen die eine an dem angestrichenen Deckbalken hing.

Die schon mit einem sauberen Tuche bedeckte Tafel in der Mitte des Raumes schien nur auf die Gäste zu warten, für welche vier lederüberzogene Stühle bereit gestellt waren.

»Guten Tag, Madge,« sagte der Ingenieur.

»Guten Tag, Herr James,« erwiderte die wackere Schottin aufstehend um ihren Gast zu empfangen.

»Es freut mich so sehr, Sie wiederzusehen, Madge.«

»Es ist wohl stets eine Freude, Herr James, Leute zu sehen, denen man sich immer gütig und wohlwollend erwies.«

»Die Suppe wartet, Frau,« fiel Simon Ford ein. »Wir dürfen sie nicht warten lassen und Herrn James noch weniger. Er bringt einen Bergmannshunger mit und soll sich überzeugen, daß unser Junge es der Cottage an nichts fehlen läßt. Da fällt mir ein, Harry, fügte der alte Obersteiger gegen seinen Sohn gewendet hinzu, Jack Ryan war hier, Dich zu besuchen.«

»Ich weiß es, Vater, wir begegneten ihm im Yarow-Schachte.«

»Er ist ein guter, lustiger Kamerad,« sagte der alte Simon. »Aber es scheint ihm da oben zu gefallen, er hat kein richtiges Bergmannsblut in den Adern. Nun zu Tische, Herr James, wir wollen tüchtig frühstücken, denn möglicherweise dürften wir erst spät zum Essen zurückkommen.«

Als der Ingenieur sich nebst den Anderen schon niederlassen wollte, nahm er nochmals das Wort.

»Einen Augenblick, Simon,« begann er; »wünscht Ihr, daß ich recht nach Herzenslust zulange?«

»Das wird uns die größte Ehre sein, Herr James,« antwortete Simon Ford.

»Nun gut, so darf keine Ungewißheit auf mir lasten. Ich habe vorher zwei Anfragen an Sie zu stellen.«

»Bitte, fragen Sie, Herr James.«

»Ihr Brief verspricht mir eine für mich interessante Mittheilung?«

»Gewiß wird sie das sein.«

»Für Euch?«

»Für Sie und für mich, Herr James, doch möchte ich sie Ihnen erst ach dem Essen und an Ort und Stelle offenbaren.«

»Simon,« fuhr der Ingenieur fort, »seht mich ordentlich an . . . so . . . gerade in die Augen. Eine interessante Mittheilung? . . . Ja! . . . Gut! . . .«

»Ich frage jetzt nicht weiter,« setzte er hinzu, als hätte er die erwünschte Antwort schon in den Augen des alten Obersteigers gelesen.

»Und die zweite?«

»Wißt Ihr vielleicht, Simon, wer das hier an mich geschrieben haben könnte?« antwortete der Ingenieur und zeigte Jenem den anonymen Brief.

Simon Ford nahm das Schreiben und las es aufmerksam durch.

Dann zeigte er es seinem Sohne.

»Kennst Du diese Handschrift?« fragte er.

»Nein, Vater,« erwiderte Harry.

»Und dieser Brief trug auch den Poststempel von Aberfoyle?« erkundigte sich Simon Ford weiter.

»Ganz wie der Eure,« bestätigte James Starr.

»Was denkst Du hierüber, Harry?« sagte Simon Ford, über dessen Stirn ein leichter Schatten lief.

»Ich meine, Vater,« antwortete Harry, »es wird irgend Jemand ein Interesse daran gehabt haben, Herrn James' Besuch bei Dir zu hintertreiben.«

»Aber wer in aller Welt?« rief der alte Bergmann. »Wer hat vorzeitig von meinen Gedanken Kenntniß haben können? . . .«

Simon Ford versank in nachdenkliches Träumen, aus dem ihn erst Madge's Stimme wieder weckte.

»Bitte, nehmen Sie Platz, Herr Starr,« sagte sie, »die Suppe wird kalt. Für jetzt wollen wir uns über diesen Brief den Kopf nicht zerbrechen!«

Auf die Einladung der Frau hin nahm Jeder seinen Platz ein, James Starr gegenüber Madge, und Vater und Sohn zu beiden Seiten derselben.

Es gab eine vortreffliche schottische Mahlzeit. Man aß zuerst einen »Holchpotch«, eine Suppe mit Fleisch in kräftiger Bouillon. Nach des alten Simon's Urtheil übertraf Niemand seine Gattin in der Bereitung des Hotchpotch.

Dasselbe war der Fall mit dem »Cockyleeky«, eine Art Ragout von Huhn mit Lauch zubereitet, das wirklich alles Lob verdiente.

Das Ganze ward mit ausgezeichnetem, aus den besten Quellen Edinburghs bezogenem Ale befeuchtet.

Das Hauptgericht aber bildete ein »Haggis«, der nationale Pudding aus Fleisch und Gerstenmehl. Dieses prächtige Gericht, welches Burns seiner Zeit zu einer der schönsten Oden begeisterte, hatte freilich das Schicksal alles Schönen auf der Erde: es ging wie ein Traum vorüber.

Madge verdiente die aufrichtigsten Lobsprüche ihrer Gäste.

Das Frühstück endete mit einem Dessert von Käse und »Cakes«, das sind sehr fein zubereitete Haferkuchen, zu welchen kleine Gläschen mit »Usquebaugh«, einem sehr schönen Kornbranntwein, der fünfundzwanzig Jahre, also gerade so alt wie Harry war, gereicht wurden.

Diese Mahlzeit nahm eine volle Stunde in Anspruch. James Starr und Simon Ford hatten nicht nur tüchtig gegessen, sondern auch geplaudert, vorzüglich von der Vergangenheit der Werke von Aberfoyle.

Harry verhielt sich mehr schweigend. Zweimal hatte er die Tafel, ja sogar das Haus verlassen. Offenbar quälte ihn seit dem Ereigniß mit dem Stein eine gewisse Unruhe, und er wollte die Umgebung der Cottage im Auge behalten. Der anonyme Brief konnte auch nicht gerade dazu beitragen, ihn zu beruhigen.

Als er sich einmal entfernt hatte, sagte der Ingenieur zu Simon Ford und Madge:

»Ihr habt da wirklich einen braven Sohn, meine Freunde!«

»Ja, Herr James, ein gutes und dankbares Kind«, bestätigte der alte Obersteiger.

»Gefällt es ihm hier bei Euch in der Cottage?«

»Er würde uns nicht verlassen.«

»Habt Ihr schon daran gedacht, ihn einmal zu verheirathen?«

»Harry und heirathen!« rief Simon Ford. »Wen denn? Etwa ein Mädchen von da oben, welches in Feste und Tänze vernarrt ist, und ihren heimatlichen Clan doch unserer Höhle vorziehen würde? Das kann Harry selbst nicht wollen!«

»Du wirst aber nicht verlangen,« ließ sich Madge vernehmen, »daß sich unser Harry niemals eine Frau nimmt . . . .«

»Ich werde gar nichts verlangen,« fiel ihr der alte Bergmann in's Wort, »doch das eilt ja nicht! Wer weiß, ob wir eine für ihn finden . . .«

Harry trat wieder ein und Simon Ford unterbrach seine Worte.

Als sich Madge vom Tische erhob, folgten die Anderen ihrem Beispiele und setzten sich kurze Zeit an die Thür der Cottage.

»Nun, Simon,« begann der Ingenieur, »ich bin ganz Ohr.«

»Herr James,« erwiderte dieser, »ich bedarf Ihrer Ohren weniger als Ihrer Beine. – Fühlen Sie sich gekräftigt?«

»Vollständig, Simon. Ich bin bereit, Euch zu folgen, wohin es immer sei.«

»Harry,« sagte Simon Ford zu seinem Sohne, »zünde uns die Sicherheitslampe an.«

»Ihr braucht Sicherheitslampen!« rief James Starr erstaunt, »trotzdem eine Entzündung schlagender Wetter in der kohlenleeren Grube doch nicht mehr zu besorgen ist?«

»Ja wohl, Herr James, aus Vorsicht!«

»Möchten Sie mich nicht auch in eine Bergmannsblouse stecken, mein wackerer Simon?«

»Noch nicht, Herr James, noch nicht!« erwiderte der alte Obersteiger, dessen Augen ganz eigenthümlich erglänzten.

Harry, der in das Haus zurückgegangen war, erschien eben wieder mit drei Sicherheitslampen.

Er überreichte die eine dem Ingenieur, seinem Vater die zweite und behielt die dritte selbst in der linken Hand, während er mit der rechten einen langen Stock ergriff.

»Nun denn, vorwärts,« mahnte Simon Ford, und rüstete sich mit einer tüchtigen Spitzhaue aus, welche neben der Thür der Cottage lag.

»Vorwärts,« wiederholte der Ingenieur. »Auf Wiedersehen, Madge.«

»Gott sei mit Euch!« sagte die alte Schottin.

»Etwas Abendbrot, Frau, hörst Du,« rief Simon Ford zurück; »wir werden Hunger haben, wenn wir zurückkommen, und Deinem Imbiß alle Ehre anthun!«

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