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Schwarz-Indien

Jules Verne: Schwarz-Indien - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
booktitleSchwarz-Indien
authorJules Verne
translatorunbekannt
firstpub1878
year1878
publisherA. Hartleben Verlag
addressWien, Pest, Leipzig
titleSchwarz-Indien
created20060201
senderngiyaw@googlemail.com
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Zweiundzwanzigstes Capitel.

Die Legende vom alten Silfax.

Sechs Monate nach diesem Ereignisse ward die so entsetzlich unterbrochene Vermählung Nell's und Harry Ford's in der Kapelle St. Gilles gefeiert. Nachdem der ehrwürdige Pfarrer Hobson den Segen über sie gesprochen, kehrten die jungen Eheleute, welche noch Trauerkleider trugen, nach der Cottage zurück.

James Starr und Simon Ford leiteten, jetzt jeder Sorge bar, die der Trauung folgende Festlichkeit, welche sich bis zum anderen Tage ausdehnte.

Dabei fand auch Jack Ryan, der wieder einmal in seinem Kostüm als Piper auftrat, Gelegenheit, unter den Beifallsbezeigungen der ganzen Versammlung zu spielen, zu singen und zu tanzen.

Am nächsten Tage begannen dann, unter der Leitung des Ingenieurs James Starr, die gewohnten Grubenarbeiten wieder.

Es erscheint fast überflüssig, besonders zu bemerken, daß Harry und Nell sehr glücklich wurden. Diese beiden, durch so außergewöhnliche Prüfungen gestählten Herzen gewährten sich gegenseitig die vollste Befriedigung.

Simon Ford, der Ehren-Obersteiger von Neu-Aberfoyle, rechnete darauf, mit seiner Madge auch noch die goldene Hochzeit zu feiern, was auch der Letzteren einziger Wunsch für dieses Leben war.

»Und warum denn nicht auch noch die zweite goldene Hochzeit?« sagte Jack Ryan. »Zweimal fünfzig Jahre wäre für Sie auch noch nicht zu viel, Herr Ford.«

»Du hast recht, mein Sohn,« erwiderte ruhig der alte Obersteiger. »Wäre es denn ein Wunder, in diesem unübertrefflichen Klima von Neu-Aberfoyle, dem die Witterungsunbill der Außenwelt fremd ist, etwa zweihundert Jahre alt zu werden?«

Sollten die Bewohner von Coal-City wirklich die noch nicht dagewesene Feier eines hundertjährigen Ehejubiläums erleben? Das wird die Zukunft lehren.

Jedenfalls zeigte es sich, daß ein Vogel, der Harfang des alten Silfax, hier ein ungewöhnliches Alter erreichte. Er kreiste fortwährend in dem dunklen Gebiete umher. Nach dem Tode des Greises entfloh er, obwohl Nell ihn zurückzuhalten versuchte, auf einige Tage. Außer daß ihm, ebenso wie seinem früheren Herrn, die Gesellschaft der Menschen nicht besonders zusagte, schien es auch, als bewahre er Harry gegenüber fortwährend eine gewisse Gehässigkeit und als sähe und verabscheue dieser eifersüchtige Vogel in ihm immer noch den Entführer Nell's, dem er diese während der Auffahrt durch jenen Schlund vergeblich abzustreiten gesucht hatte.

Später sah ihn Nell nur von Zeit zu Zeit wieder, wenn er über dem Malcolmsee schweigend seine Kreise zog.

Wollte er seine Freundin aus früherer Zeit wiedersehen? Suchte sein scharfer Blick zu den ungemessenen Tiefen zu dringen, in welche der alte Silfax versank?

Beide Anschauungen fanden ihre Anhänger, denn der Harfang lebte in Legenden fort und gab Jack Ryan Stoff zu mancher phantastischen Erzählung.

Dank diesem lebensfrohen Burschen, singt man noch heute in den Thälern Schottlands die Legende von dem Vogel des alten Silfax, des früheren Büßers der Kohlenwerke von Aberfoyle.

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