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Schwankende Gestalten

Rudolf Stürzer: Schwankende Gestalten - Kapitel 16
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchwankende Gestalten
authorRudolf Stürzer
year1926
firstpub1926
publisherBurgverlag
addressWien
titleSchwankende Gestalten
pages196
created20140617
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Eine Preisfrage

In der Stehweinhalle, am dritten Tisch links vom Eingang, hält Herr Schinagl seinem Freunde Stagelberger einen längeren Vortrag.

»Also, pass' auf! A Wanz'n is do a Haustier, net? So wia a Katz' oder a Hund oder Hendl'n oder Kinigln, und alles, was in meiner Wohnung is, g'hört mir, des is do klar! Also g'hör'n aa meine Wanz'n mir, und i kann mit eahna tuan, was i will, net? I kann s' töt'n, i kann s' aa außischmeiß'n – meine Wanz'n san mei Eigentum, net? Aber wann i ane außischmeiß, und sie fallt an auf 'n Huat, und er bringt mir s' wieder z'ruck, so muaß i s' wieder z'rucknehma, des is do klar, net?«

»Wann ana so blöd is und tragt s' z'ruck, dann muaßt du s' freili wieder nehma; aber wer schmeißt denn überhaupt a Wanz'n außi?«

»O ja – das kann schon vurkumma! Schau d'r nur amal in der Fruah a Straß'n an, überall beut'ln s' die Fetz'n aus, und kana paßt auf, ob net a Wanz'n dabei is!«

»No und wia willst denn das kenna, daß de Wanz'n grad justament bei an bestimmt'n Fenster außabeutelt wird?«

»Ah, wann ma aufpaßt, kennt ma's schon!«

136 »San denn de Wanz'n anzeichn't, hab'n s' vielleicht gar an G'stütsbrand wia die ärarischen Roß? Dann derfst aa kane außischmeiß'n!«

»I schmeiß' ja aa meine Wanz'n net außi, weil i an Ghörtsi hab', aber andre tuan's, und jetzt kumm i erst auf das, was i sag'n hab' woll'n. Also paß auf! I geh da neuli durch a Gass'n, auf amal siech i ober meiner was wachln, und glei drauf gspür' i, wia ma was auf mein steif'n Huat fallt; no, i nimm mein Huat owa und schau, und richtig, in d'r Kremp'n kräult a murdstrumm Wanz'n! Also i geh' glei mit'n Huat in der Hand in erst'n Stock auffi zu der Wohnung, wo ausbeut'lt wurd'n is, i hab' den Huat allerweil drahn müass'n, daß ma die Wanz'n net owafallt, i läut' an, es kummt a Dienstmadl außa, und wia i de gsehgn hab', hab' i schon g'wußt: de Wanz'n g'hört dazua! No, i sag: Se, Freiln, da is Ihna zuvor a Wanz'n owig'fall'n beim Ausbeut'ln, i bring s' Ihna wieder z'ruck, aber Se müass'n besser achtgeb'n, es kann amal an Unrecht'n treff'n! Hätt'st g'hört, was ma de für a Gosch'n ang'hängt hat! »Mir hab'n kane Wanz'n, trag'n S' Ihnare Wanz'n nur schön ham, ah, so was war no net da, jetzt gibt's gar schon Wanz'nhausierer in Wean, de am die Käferln ins Haus bringen!« I sag': Se, Freiln, von Hausier'n is da ka Red', i hab' 137 selber Wanz'n gnua daham, i brauch' kane fremd'n – no ja, es is ja ka Schand, wann ma's sagt, in die schönst'n Häuser hab'n die nobligsten Leut' Wanz'n, mei Großmuatta hat allerweil g'sagt: Mir scheint, in Wean gibt's sogar Wanz'n in der Burg, mei Großmuatta war an die Viecher gar net g'wöhnt, sie war aus Passau . . .«

»No also, was is denn mit deiner Wanz'n gschehgn – hast s' anbracht?«

»Na, des Madl macht an Bahöll, drauf kummt die Frau aussa, i steh' da und muaß den Huat allerweil drah'n, denn wia die Wanz'n 's warme Zimmer g'spürt hat, hat s' vom Huat owa woll'n, de is d'r in d'r Kremp'n wia a Wies'l umagrennt! Aber die Frau hat aa glei g'schrian, i soll schau'n, daß i aussi kumm, sie braucht ka Wanz'n, und von ihr is s' net, weil s' überhaupt kane hab'n, no und so furt. I hab' s' nur so ang'schaut und hab' dann g'sagt: Se, Frau, wann Se sag'n, daß Se kane Wanz'n hab'n, is des fürs Erste schon a Lug, und zweitens trag' i ja kane Wanz'n mit Fleiß spazier'n! De da is von Ihnan Fenster owag'fall'n und mir auf'n Huat, und wann Se s' net z'rucknehmen, dann werd'n ma schon sehgn, was Neuchs gibt – i geh' von da mit dera Wanz'n auf die Polizei! Das Ausbeut'ln is verboten, und 's Wanz'n aussischmeiß'n aa! Also, was is: woll'n S' oder woll'n 138 S' net? Da is s' a bißl freundlicher word'n und hat g'sagt, das muß ein Irrtum sein, das Tierchen is vielleicht von der oberen Partei im zweiten Stock, die is so viel schmutzig, bei ihr kommt so was nicht vor, i soll nur hinaufgeh'n und denen oben es sagen. – Guat, denk' i ma, wart', di reit' i eine! I hab' ja ganz guat g'wußt, daß die Wanz'n vom erst'n Stock war, aber weil de gar so tan hat, hab' i ma denkt: machst an Wirb'l. Also i geh' in zweit'n Stock auffi, klopf' an, es kummt a älterer Herr aussa, schaut mi ganz zurni an, und i halt eahm mein' Huat hin und zag auf die Wanz'n. »Bitt' schön, g'hört das Viecherl vielleicht Ihnen, es is mir zuvor auf'n Huat g'fall'n, wia da ausbeutelt wurd'n is.« Der Herr hat gar ka Wurt aussabracht, er hat mi nur groß ang'schaut, und i hab' gsehgn, er hat die Federn vor mir. »Na, na, sag' i, i bin gar ka Narr, i bring' Ihna nur Ihna Eigentum z'ruck, die Frau unter Ihna hat g'sagt, die Wanz'n is bestimmt von Ihna –, weil 's bei Ihna aa danach ausschau'n soll, daß de Wanz'n ganz guat von Ihna sein kann!« Hätt'st d'r den gsehgn! »Was, die alte Scheppern sagt, de Wanz'n is von mir? Bei mir soll's ausschau'n? Wo dera ihr Wohnung die reinste Wanz'nkist'n is? Es is eh a Wunder, daß s' amal ausbeut'lt hab'n, des kummt bei denen 139 eh nur alle heiligen Zeit'n amal vur, so was Schlampert's existiert im ganz'n Haus net!« – No, er red't si immer mehr in Zurn, i steh' da und drah mein Huat, die Wanz'n war ganz d'rschrock'n vur dem Gschra, also bin i wieder owi, hab' wieder ang'läut't und hab' g'sagt: Se, der Herr da drob'n hat des und des g'sagt – drauf is die Alte auf 'n Gang außa, hat auffig'schrian, er hat owag'schrian, und auf amal war a Krawall, ma hat nur allerweil g'hört: De Wanz'n g'hört Ihna, na, de Wanz'n g'hört schon Ihna, sie schaut Ihna eh ganz ähnli, Ihna Wohnung is a Saustall, Ihna Wohnung is a Wanz'nbrüatarei, Se zücht'n a eigene Rass', de kennt ma schon im ganz'n Haus – no und so weiter, die ganz'n Partei'n war'n rebellisch, und i hab' net aufpaßt auf mein Huat, und wia i wieder hinschau, war die Wanz'n net mehr da! No, i hab' jetzt nix mehr z' tuan g'habt, net? Und bin ganga, i hab' vurher nur zu dem Dienstmadl g'sägt: De Wanz'n is ma owig'falln, sie soll acht geb'n, daß neamd drauftritt, sunst is das Viecherl hin – aber de hat sauber ausg'haut, hat mi an Wanz'ntandler g'haß'n, und i bin schuld an dem Wirbel, und die Gnädige hat si aa umdraht und is auf mi los und hat woll'n, daß i mei Wanz'n wieder aufklaub' und z' Haus trag', und der Herr von ob'n hat aa g'schrian: i soll no 140 amal auffikumma, er wird mein Huat mitsamt meiner Wanz'n einbrenna, dann is aa die Hausmasterin kumma, mei Liaber, a Trumm von ana Hausmasterin, vur lauter Schnauf'n, weil s' so gach über d' Stiag'n auffa is, hat s' gar net red'n könna, i hab' ihr schnell g'sagt: da droben raff'n s' um a Wanz'n, und bin außi beim Temp'l.«

»Hörst, das is aber a Idee von dir, daß d' die Wanz'n auffitrag'n hast . . .«

»No, erlaub' du mir, de Wanz'n war ja net mei Eigentum, de hat sicher dera Alt'n g'hört, i derf ihr do ihr Eigentum net furttrag'n – und dann kann i do net mit ana Murdstrumm Wanz'n am Huat den ganz'n Nachmittag in Wean spazier'n geh'n, des is do klar, net?« 141

 

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