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Anastasius Grün: Schutt - Kapitel 6
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke Band VI
authorAnastasius Grün
editorAnton Schlossar
firstpub1835
year1907
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleSchutt
pages3-100
created20060911
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Fünf Ostern.

1.
                    Im Orient, wo – wie aus blühndem Hage
Ein spielend Kinderpaar rotwangig grüßt –
Das heitre Märchen und die sinn'ge Sage
In Rosenwäldern zwischen Blumen sprießt,

Dort gibt manch rauher Hirte dir die Kunde:
Es walle Jesus Christus, ungesehn,
Zu Ostern jährlich um die Morgenstunde
Im Auferstehungskleid auf Ölbergs Höhn

Und seh' hinab nach seines Wandelns Tale,
Das ihm ein Kreuz und Leichentuch einst wies;
Wo Zion stolz geprangt im goldnen Strahle,
Granitnes Bollwerk, das sein Fluch zerblies!

Und Ostern war es einst; der Herr sah nieder
Zur kahlen Flur, verödet und ergraut,
Rings Trümmer, Asch' und Staub und Trümmer wieder
Und Schutt auf Schutt, soweit das Auge schaut!

Er weiß, es sind dies nur die wirren Schollen
Durchwühlten, neugepflügten Ackerlands,
Wo einst die Saatenwogen fluten sollen,
Und winden sich der goldne Garbenkranz!

Er sieht daraus den Baum der neuen Lehre
Mit tiefer Wurzel, ries'gem Säulenschaft
Sich steigend wölben über Land und Meere
Und weithin streuen Schatten, Früchte, Kraft!

Des Tods Triumphzug ging durch diese Gründe,
Rings keine Spur von eines Menschen Pfad,
Kein Vogel singt, es rauscht kein Blatt im Winde,
Es weht kein Halm, es grünet keine Saat.

Daß doppelt groß der Sieg des Todes rage,
Lebt spärlich hier noch eines Lebens Schein:
Es seufzt, wie eines Dichters Leichenklage,
Des Kedrons Quelle zischend durchs Gestein:

»Einst streckt' ich wohlbehaglich meine Glieder
Im Blütenpfühl, auf weichem Silberkies,
Bis von Morias alter Feste nieder
In meinen Schoß der Sturm die Trümmer stieß!

Nun ich den Leib von Stein an Steine trage,
Muß ich wohl ächzen laut vor Schmerz und Zorn;
Nun die Gelenk' an Trümmern wund ich schlage,
Ist, gleich als blut' er, jetzt so rot mein Born.

Mein Born, so klar einst, weisend noch als Spiegel
Der Kön'ge Burg, den Tempel gottverklärt,
Palastbesäte, wallumkränzte Hügel
Und auch ein Volk, einst solcher Fülle wert!

O daß sich am Gestein zu Scherben schlüge
Der Spiegel, dem einst solches ward zu schaun,
Auf daß dies Bild des Tods er nimmer trüge,
Dies Bild verdorrter Fluren, voll von Graun,

Der Fluren, die bluttrunken als Hyäne
Der Menschen Besten, Titus, würgend sahn!
Ob er auch abends da geweint die Träne:
Nicht sei des Guten heut' genug getan?

Ob, als er trümmerfroh sein Beil ließ schimmern,
Die Hand ihm niemals bebte, ahnungsvoll:
Daß seine Mutter Rom von Zions Trümmern
Gesteinigt einst, erschlagen werden soll?

Nicht ahnt' er's! Denn dem Meere der Verheerung
Geböt' er wohl zu zügeln sonst die Wut,
Statt daß er, ein Neptunus der Zerstörung,
Rings aufbeschwor zum Sturm der Wogen Flut!

Ha, wie des Gottesfluches Worte, liegen
Gestein und Leichen übers Tal gesät,
Darüber Romas Aar in Siegesflügen
Als Leichenrabe, schwarzen Fittichs, weht.

Hier lag sie einst, die Königin der Städte,
Der Hügel vier bedeckt' ihr Riesenleib,
Vier goldnen Pfosten gleich am Königsbette,
Drauf ruht im Sonnenkleid das hohe Weib.

Fruchtreiche Gärten, ihr zu Füßen, standen
Als Blumenvasen rings ums Bett gereiht,
Und neben ihr die Palmenhügel sandten
Ihr Kühlung zu aus Fächern, grün und breit.

Des goldnen Tempels Kuppel krönte glänzend
Als heil'ge Krone ihrer Stirne Saum:
Nur eine Kron', ein Königshaupt bekränzend!
Ein Tempel Gottes nur im Erdenraum!

Und ihre beiden lichten, schönen Augen:
Die Söhn' und Töchter waren's ihres Lands;
Wer mag den Preis der Zwei zu richten taugen?
Wer sagt es, welches glomm in schönrem Glanz?

Den edlen Bau der königlichen Glieder
Hielt ihr ein dreifach Bollwerk fest umspannt,
Gleichwie von Gold und Erz ein schimmernd Mieder,
Um das ich mich als Demantgürtel wand.

Da liegt sie nun, die größte aller Leichen!
Vom Haupt fiel ihr die Kron' und barst am Stein!
Der Quadern Trümmer rings, die fahlen, bleichen,
Sind ihres Leibs zerfallenes Gebein!

Die Gräber nur, die sie in Fels einst hieben,
Sie halten jetzt noch, wie seit Jahren schon;
Sie sind rings um dies große Grab geblieben,
Termitenhügel um den Libanon!

Und als der alte Bau zusammenkrachte,
Flog weit des Standes Wolke, riesengroß,
Daß grau die Flur jetzt, die so grün einst lachte,
Und grauen Schleier trägt das ärmste Moos!

Da floh des Volkes Rest, lebend'ge Leichen,
Tod ohne Tempel, Satzung, Vaterland!
Da sah ich Baum und Strauch weithin erbleichen
Und morsch aufs Antlitz sinken in den Sand!

Fort flogen da der Büsche Nachtigallen,
Die Vögel all', weit übers ferne Meer;
Nicht ziemt es ihrem freud'gen Lied, zu schallen,
Wo alles schweigt und trauert ringsumher.

Fort zogen da die Rosen auch nach ihnen,
Bis an das blaue Meer, das: Halt! gebot;
Da blühn sie, gaukelnd, nun die reichen, grünen
Gestad' entlang, ein Blumenmorgenrot.

Fort zogen auch die bunten Jahreszeiten;
Kein Lenz ist, wo nichts keimt, nichts grünt und glüht,
Es will kein Herbst die kahle Flur durchschreiten,
Denn kein Verwelken gibt's, wo nichts geblüht.

Fort alle Farben, fort auch alle Töne,
Und alles, alles Leben fortgedrängt!
Ich blieb allein zurück als eine Träne,
Die an dem Auge der Vernichtung hängt.«

 
2.
Und wieder Ostern war es einst, und wieder
Sah Christus von des Ölbergs Höhn zu Tal;
Auf alle Fluren sank der Lenz schon nieder,
Nur hier blieb alles wüst und grau und kahl.

Gleich wie die Schwalbe wohl die Brandesstelle
Des einst so schönen Hauses bang umschwebt
Und doch, ob mitverbrannt auch ihre Zelle,
Das neue Nestchen an die Trümmer klebt;

So wagte mählich an die Trümmerreste
Der Mensch sich wieder hier, und ins Gestein
Baut' er sich Hütten, Häuser und Paläste,
Bis er es wachsend sah zur Stadt gedeihn.

Und wie manch Samenkorn, manch Stäubchen Erde
Der Wind aufs öde Brandgemäuer weht,
Daß aus der Todesasche Leben werde,
Wenn Moos und Strauch darüber grünend steht;

So wollte hier der Mensch zum Gärtlein schmücken
Mit Erde reich'rer Fluren diesen Sand
Und trug ein Stücklein Lenzes auf dem Rücken
Ins öde Tal, daraus ihn Gott verbannt.

Wenn einer wallt am Kirchhof durch der Brüder
Zerfallne Leichen, Stein vorbei zu Stein,
Kalt rieselt der Gedank' ums Haupt ihm nieder:
Staub warbst du einst, Staub wirst du wieder sein!

Wenn diese Stadt ihr Auge wollte lenken
Auf Schutt und Trümmer rings, draus ihr Entstehn,
Sie müßte auch wie jener Wandrer deuten:
Du wardst aus Trümmern, wirst in Trümmer gehn!

Sie denkt es nicht! Denn, horch! von ihren Zinnen
Schallt freudighell der Glocken voller Klang.
Wer fröhlich singt, mag nicht des Sterbens sinnen,
Und Glocken sind der Städte Lied und Sang.

Dort um den Dom aus grauem Felsgesteine,
Drin in den Hallen, draußen im Gefild
Schart sich in Helm und Panzer die Gemeine
Kampfrüst'ger, eh'rner Männer, rauh und wild.

Wie all' die Speer' aufs Marmorpflaster klirren!
Wie mutig draußen wiehert Pferd an Pferd!
Und Panzer glänzen, farb'ge Banner schwirren,
An jeder Lende hängt ein rasselnd Schwert.

Ha, liegen sie im Krieg mit ihrem Gotte,
Daß sie in Erz umlagern rings sein Haus?
Ha, will den Himmel stürmen gar die Rotte
Daß sie zum Tempel zieht gewaffnet aus?

Doch nein! Wie sie in Demut plötzlich nieder
Beim Orgelklang auf ihre Knie saust!
Es beugt das Haupt sich und die stolzen Glieder,
Und reuig schlägt ans Herz die Eisenfaust.

Das Christuskreuz, das heil'ge seh ich ragen
Hoch von des Domes Kuppeln, licht und frei,
Die Männer auch es all' am Busen tragen!
O daß auch er ein Dom des Gottes sei!

Sie hefteten in Farben aller Arten
Das Kreuz auf ihre Kriegesmäntel sich,
Wie wandelnde, lebend'ge Kreuzstandarten,
Zur Huldigung gesenkt jetzt feierlich.

Wie am Altar, wo tausend Ampeln flimmern,
Der Priester jetzt das Brot des Opfers bricht,
Seh' rot von Blut ich seine Hände schimmern,
Und traun, mich dünkt's, von Christi Blut ist's nicht!

Wie er beim Sanctus schlug der Brust entgegen,
Da klang ein Panzer unterm Meßgewand,
Und statt des Weihbrunnsprengels dann beim Segen
Schwang fast sein Schwert er, das daneben stand.

Zunächst am Altar, andachtsvoll geneiget,
Im samtnen Betstuhl kniet ein Mann allein,
Vor allen schön, selbst schön, aufs Knie gebeuget,
Fürwahr, noch schöner müßt' er aufrecht sein!

Des Mann's Gebet gleicht seinen heim'schen Eichen,
Die, stolz sonst fühlend ihres Marks Gewalt,
In Demut doch die Wipfel niederstreichen,
Wenn Sturm, die Orgel Gottes, drüber hallt:

»Vollbracht ist's! – Ach, wie alles Menschenstreben!
Kein Stein, drum nicht schon kämpfte Menschenwut,
Kein Strauch, an dem nicht Menschentränen kleben,
Kein Stäubchen Land, an dem nicht Menschenblut!

Wir knien jetzt an dem Grab, auf das in Tränen
Die Christenheit längst hielt den Blick gebannt,
So wie die Sonnenblume, die mit Sehnen
Gen Aufgang hält das Angesicht gewandt.

Aus Blumen aller Zonen reich gewunden,
Ein Totenkranz, sich senkend auf dein Grab,
So sind die Lande all' in uns verbunden,
Sich beugend, Herr, zu deiner Gruft hinab.

Das Kreuz, in dieses Tal einst starrend nieder,
Der Schande, Schmach und Untat blut'ger Pfahl,
Auf Golgatha erhöhten jetzt wir's wieder,
Glanzvoll und hoch, des Sieges herrlich Mal!

Von aller Kön'ge Kronen, allen Fahnen,
In alles Land, von allen Bergen dar,
Auf allen Masten, allen Ozeanen
Strahlt glorreich jetzt, was einst ein Galgen war!

Sein Zeichen muß jetzt Heldenpanzer schmücken,
Auf Domen flammen, hoch in Glanz und Pracht,
Als schönster Schmuck am Frauenbusen nicken
Und siegreich rauschen im Panier der Schlacht!

Als wir erhöht dein Mal in jenen Räumen,
Erhöhten, ach, wir selbst uns nebenbei,
Wie Priester, wenn sie Kön'ge salben, träumen,
Daß ihrer Huld Geschenk die Krone sei.

Sie brachten mir den Purpur, mich zu kleiden!
Nicht färbte rot die Schnecke Sidons ihn;
Ob dreifach auch getaucht ins Blut der Heiden,
Doch bleicht er grau einst, wie dies Tal, dahin.

Sie kränzten mich mit blankem Kronenbande!
Ob dreifach auch durchglüht sein goldnes Laub
In jener Städt' und Hütten rotem Brande,
Doch fällt, wie dieser Schutt, sie einst zu Staub.

Nur eine Krone wird hier ewig glänzen
Und ewig leuchten überm Tale hier:
Sie ward geflochten einst aus Dornenkränzen!
Weh, daß die Kron' ich trage neben ihr!

Wohl hat kein Echo Gott dem Tal gegeben,
Daß Psalm und Glocke lautlos uns verklingt!
Des Opfers Rauch will nicht zum Himmel schweben;
Wie kommt's, daß kriechend er am Boden ringt?

Ha, seh' ich die Gemeine, die zum Feste
Statt grüner Palmen blut'ge Schwerter trug,
Da ahn' ich hier auch Kains Opferreste,
Der seinen Bruder argen Grimms erschlug.

Da ahn' ichs, rings von allen Stirnen grelle
Muß auch des Brudermörders Blutmal schrein!
Ach, wär' ich jener Pilger an der Schwelle
Und trüg' ein Herz, wie er, so still und rein!

Wer trug ihn über die Gebirgesheere?
Wer reicht an Schwindelstegen ihm die Hand?
Wer lehrt' ihn schwimmen durch die weiten Meere?
Der hohe Glaube war's, der ihn gesandt!

Und sänk' er in dem Meer, es trüg' die Welle
Doch seine Leiche an den heil'gen Strand!
Und stürb' im Wandern er, sein Antlitz helle
Hielt ihm der Glaube, liebend, hingewandt!

Sein Pilgerstab vernahm kein Menschenröcheln,
Es trank kein Blut sein härener Talar;
Wie Fittiche die heiße Stirn umfächeln,
So weht ihm linden Trost der Glaube dar.

O daß mir keine Kron' am Haupte glühte,
Gleich ihm nur Muschelschalen an dem Hut!
Leer sind die Muscheln, da ihm im Gemüte
Tiefinnen hell des Glaubens Perle ruht.

O läg' mein Haupt, wie seins am Schwellensteine,
In lichte Träume sterbend eingewiegt!
Die bleiche Lilie sinkt im Erdenhaine,
Der Glaube zu den Himmelssternen fliegt.«

 
3.
Und wieder Ostern war's, vom Ölberg wieder
Sah Christus in das Tal zur Stadt hinab:
Das Kreuz, gestürzt ist's von den Zinnen nieder,
Nur eins steht schüchtern noch ob seinem Grab.

Hoch von Moscheenkuppeln, Minareten
Prangt goldnen Strahls der Halbmond übers Land;
Der Ruf des Muezins gebeut zu beten,
Wo stolz einst Salomonis Tempel stand.

Dem Stein gilt's gleich, welch Zeichen man ihm wählte,
Ob er als Tempel, Dom, Moschee euch dien';
Vom Menschen lernt' er's ab, daß gleich ihm's gelte,
Tritt Mönch, Levite oder Derwisch ihn.

Der Moslim riß herab aus Himmelsfernen
Den Mond, zu schmücken seinen Erdenraum;
Der Christ hob von der Erde zu den Sternen
Sein Kreuz, gezimmert nur aus ird'schem Baum.

Zerstäubt, vermodert längst des Kreuzes Fechter.
Kein Psalm, kein Glockenklang in weiter Luft!
Nur Mönche blieben, hütend noch als Wächter,
Wie treue Doggen, ihres Herren Gruft.

Dies leere Grab, sie kauften es mit Golde,
Krambuden schlug der Heide drinnen auf;
Dem müden Pilger beut um schnöde Solde
Er Platz für seine beiden Knie' zu Kauf.

Der Ostern Fest ist's heut! Auf allen Bahnen
Ziehn fromme Christenpilger wohl heran,
Durch alle Lande reiche Karawanen
Und rüst'ge Schiff' auf aller Meere Plan?

Nein! Öd' und leer sind noch des Domes Hallen,
Darin zerstreut nur einzle Beter knien!
Vielleicht daß draußen noch vor'm Tor sie wallen?
Blick' um dich, Auge, wo die Wandrer ziehn?

Kein Pilger hier! Nur Beduinen jagen
Auf flinken Rossen durch das Heideland;
Kein Pilger dort! Die Christenschiffe tragen
Des Kaufherrn Gold und Ballen nur zum Strand.

Sieh dort bemoost vier Trümmerwände ragen,
Längst eingebrochen ist Gewölb' und Dach;
Ein Kirchlein Gottes war's in alten Tagen,
Jetzt stürzt es mählich seinen Bauherrn nach.

Es sprießen grüne Terebinthen drinnen,
Sie stehn die letzten, treuen Beter hier,
Es wölbt ihr Laub zu Kuppeln sich und Zinnen,
Es ragen ihre Stämm' als Säulenzier.

In ihrem Schatten ruht ein müder Waller,
Olivenfarbe trägt sein Angesicht,
Wahrzeichen trägt auch er der Pilger aller:
Den Stab und Staub, – doch Christi Zeichen nicht!

Er ist ein Körnlein jener Handvoll Samen,
Die einst der Sturm von diesem Boden hob
Und in die Länder säte aller Namen
Und weit hinaus in alle Winde stob!

Ein Jude ist's, ein Ast vom Wunderstamme,
Gefällt, zerschmettert längst, doch nicht verdorrt!
Des Markes Kern versengt von Blitzesflamme,
Des Wipfels Zweige grünend fort und fort!

Und wie ums Haupt beim Laubeswehn ihm schwanken
Bald Sonnenlichter, bald die Schatten dicht,
So gaukeln drin die Bilder und Gedanken,
Bald mitternächtig schwarz, bald sonnenlicht:

»Die Lerche steuert pilgernd in den Lüften
Dem Lenze nach und seiner Blütenspur;
Der Hirte wandert von enthalmten Triften
Zu frischem Weideplatz auf reichrer Flur.

Nicht, gleich der Lerche, folg' ich Frühlingsspuren,
Und doch wie sie, so wandr' ich fort und fort!
Nicht, gleich dem Hirten, such' ich schönre Fluren,
Und doch wie er bin ich bald hier, bald dort!

Der Hirsch, den ihr mit Hunden ließet hetzen,
Der rennt durch Busch' und Felder fort und fort;
Er rennt noch immer fort in scheuen Sätzen,
Wenn Treibers Hand und Rute längst verdorrt!

Ich säe nicht, ich pflüge keinen Boden,
Mich schreckt kein Hagel, denn ich ernte nicht.
Doch beut mir jedes Land von seinen Broten,
Und meinem Durste nie der Quell gebricht!

Des Nordens Eiche und des Südens Palme
Hat um das Haupt schon Schatten mir gestreut;
Der Wüste Sand, der Alpen duft'ge Halme,
Sie halten mir des Schlummers Bett bereit.

Ich wohn' in engen Gassen, dunklen Schlüften,
Wohin der Christ uns aus den Städten stieß;
Er ahnt es nicht, wie selbst in Drachenklüften
Des Weibes Kuß, des Kindes Lächeln süß!

Ich lerne keine von den Sprachen allen,
Nur meine trag' ich durch die ganze Welt;
Natur der Staare ist's, die Sprache lallen
Des Peinigers, der sie gefangen hält.

Mir blüht kein Vaterland. Die Brüder ringen
Durchs Leben sich, zerstreut, im Wandrerkleid!
Und doch sind wir ein Volk! In eins verschlingen
Gemeinsam Elend uns, gemeinsam Leid!

Vom Manne, der nicht sterben kann, die Sage
Lallt manch ein Christenkind, vom Ahasver.
Es wallt vorbei der Völker Sarkophage
Mein Volk, unsterblich, tränenlos, wie er!

Nicht weiß ich's, dämmern uns des Fluchs Gerichte,
Strahlt Segen uns aus der Geschicke Buch?
Aus unsrer Töchter schönem Angesichte
Les' ich sogar den leisen Hauch von Fluch!

Pflanzt in den Süd ein Reis von Nordens Tannen,
Wenn's nicht verdorrt, sprießt's doppelt grün und groß;
Wollt in den Nord ihr Südens Lorbeer bannen,
Erfriert er nicht, verkrüppelt doch sein Sproß.

In allen Zonen doch, Gepräg' aus Steine,
In Farb' und Bildung bleibt mein Antlitz gleich;
So heiß ist Südens Brand nicht, daß er's bräune,
So kalt kein Norden, daß er's tünche bleich!

Die Christen sahn's, da mocht' es ihnen dünken,
Es sei wohl eisenfest auch unser Leib,
Daß unser Blut ihr Schwert sie ließen trinken,
Uns niederdolchten Greis und Kind und Weib!

Die Christen sahn's und unsres Leibes Glieder
Hielt da wohl auch für feuerfest ihr Wahn,
Daß sie uns Haus und Hütten brannten nieder
Und unter uns den Holzstoß schürten an!

Was zürnen sie? Weil einst, was noch sie üben,
Gerichtet einen Sünder wir nach Fug!
Wenn das er lehrte, was sie tun und trieben,
Traun, war's kein Unrecht, was ans Kreuz ihn schlug!

Ihr schmäht, daß wir den Blick zum Mammon wenden;
Wie wir ihn suchen, suchet ihn auch ihr.
Nur tappt ihr plump nach ihm mit schweren Händen,
Mit leichter Wünschelrute winken wir.

Verachtet mich, doch will Triumph ich stimmen!
Zertritt mich, Christ, wie einen Wurm der Flur!
Muß ich mich unter deinen Sohlen krümmen,
Ist's doch vor Schmerz nicht, nein, vor Wollust nur!

Voll Lust ja denk' ich's unter deinen Füßen,
Wie deines Priesters halb du bist, halb mein;
Wie wir uns beid' in dich zu teilen wissen,
Sein soll das Jenseits, mein das Diesseits sein!

Ich denk's, daß meines Volks ein Mann darf winken,
Und Demant und Juwel, entfärbend sich,
Aus deines Königs stolzer Krone sinken,
Der dich auch treten kann, so wie du mich.

Braust hoch zu Roß dahin, im Goldesschimmer,
In Purpur wallend, schwingend das Panier!
Ich lieg im Kot und weiß, ihr seid nicht immer
So stolz und bückt euch noch herab zu mir.

Entfalt, o Christensaat, dein Prunkgefieder
Und schlag dein schimmernd Farbenrad als Pfau!
Des Regenbogens Leuchten spiegle wider,
Des Sternenhimmels Funkeln gib zur Schau!

Gern mag der Pfau im Sonnenglanz sich blähen,
Doch schämt er seines eklen Fußes sich.
Ich bin der Fuß, magst ihn mit Scham besehen,
Doch trägt nur er dein Prunkgebäud' und dich!

Und beugt der Unsern einer auch dem Quelle
Sein Haupt zur Weih' in eures Glaubens Bund,
Meint ihr, ihn lockt des Paktols reinre Welle?
Ich mein, er ahnt das Körnlein Golds am Grund!

Ha, jauchze nur, o Petrus, wenn gelungen
Solch Fischzug ist dem Netz in deiner Hand!
Denk' an das Krokodil und seine Jungen
Die heimisch auch zu Wasser und zu Land!

Und gönnst du, Christ, uns einst auch deine Fluren,
Gibst du uns Freiheit, Recht, Gesetz zurück,
Ein Krieg, den die Jahrtausende sich schwuren,
Den endigt nicht ein Friedensaugenblick!

Hier ist mir wohl! Hier sind wir gleich, wir beiden,
Verschmäht, getreten gleich, in diesem Land!
Doch unterm Tritte selbst des schnöden Heiden
Reich' ich dir nicht zum Frieden meine Hand.

Genug der Rast! Wie labt des Schlummers Bronnen!
Laßt sehn, wie die Geschäft' am Grab dort stehn.
Kauft Goldmonstranzen, Rosenkranz, Madonnen!
Kauft Kreuze, schmucke Kreuze, blank und schön!«

 
4.
Und wieder sah der Herr vom Ölberg nieder;
Ein Ostermorgen glänzt aufs Talgefild!
Ihn grüßen keine Glocken, keine Lieder,
In Lüften nur wehn Festesschauer mild.

Noch strahlt der Halbmond von den Zinnen allen,
Fest wie ein Ätherbild, siegreich und klar;
Doch auch das Kreuz am Grab ist nicht zerfallen,
Und nicht gewichen seiner Mönche Schar.

Doch nimmer treue Doggen sind's, umkreisend
Als Wächter ihres Herren Leichenstein;
Schakale nur, die Zähn' einander weisend,
Sich würgend um ein Grab und Totenbein.

Zersplittert in des Wahnes Sekten, fachten
Statt Friedenslampen Hassesglut sie an;
Nie fochten Kreuz und Mond so blut'ge Schlachten,
Als hier der braun' und graue Kuttenmann!

Altar und Kanzel werden Schanz' und Festen,
Feldlager ist der Dom, drin kampferglüht
Roms Mönch im Norden steht, der Kopt' im Westen,
Der Griech' im Ost, Armenier im Süd.

Des Pascha drohend Antlitz muß es wahren,
Daß nicht ihr Blut besudle den Altar:
Gebietend hält der Stock des Janitscharen
In Eintracht hier der Friedenslehrer Schar.

Dort in dem Klostergarten, rings umfangen
Von breiten Mauern, wie von Schanzen wohl,
Als ob vor eines Feindes Sturm sie bangen,
Berennend ihre Rosen, ihren Kohl;

Dort liegt ein greiser Mönch auf seinen Knien,
Mit weißem Bart, vom Morgenwind umweht,
Und zwischen Rosen, die vor Andacht glühen,
Wetteifernd sprießt gen Himmel sein Gebet:

»Schön seid ihr, der Provence grüne Tale,
Mein Heimatland, mir oft im Traum gegrüßt,
In das, gleichwie in eine goldne Schale,
Der Reben Born von sonn'gen Hügeln fließt;

Auf das des Ölbaums grüne Wälderkrone
Sich wie ein Kranz des ew'gen Friedens legt:
An dessen Herzen laut in hellem Tone
Der volle Pulsschlag frischer Quellen schlägt!

Ihr Haine von Orangen und Granaten,
Du grüne Trift, du farbig Blumenried!
Du endlos Gartenland, voll reicher Saaten,
Du wonnig Erbreich von Musik und Lied!

Doch schöner sind, o Zion, deine Tale,
Ein Hymnus aus Gestein, der schweigend klingt,
Wo schwebend über Schutt und Trauermale
Der Todesengel Hallelujah singt!

Ja, schöner ist dein fahl Gefild, zertreten
Vom Tritte der Geschlechter, die's durchwühlt,
Stumm wie die Lippen des Anachoreten,
Durch deren Ernst kein leises Lächeln spielt.

Ja, schön bist du, wie einer Mutter Leiche,
Ans Herz das Kreuz geschmiegt noch goldesklar!
Noch strahlt ein Ahnen durchs Gesicht, das bleiche,
Daß einst ihr Schoß der Welt Geschick gebar!

Und freudig soll mein morsch Gebein versinken
Einst in dein graues Leichentuch, o Tal,
Säh' nur mein brechend Auge wieder blinken
Von allen Zinnen hoch des Kreuzes Strahl!

Und ließest du auf allen Bergen wieder,
Herr, deine Oriflamme siegreich stehn,
Der Glocken Klang, der Christenpilger Lieder
Anstatt der Blumen übers Grab mir wehn!

Zwar als du jüngst in deiner Gottheit Schöne
Im Traum mir nah, rief donnergleich dein Zorn:
Hinweg, Unwürd'ge, ihr der Zwietracht Söhne,
Nicht fürder schändet hier des Friedens Born!

Ich pflanzte, reichen Schirms sich zu entfalten,
Einst meinen Fruchtbaum in den Erdenhain;
In tausend Äste habt ihr ihn zerspalten,
Und jeder Zweig will selbst ein Baum nun sein!

Es losten, als sie sahn am Kreuz mich ragen,
Um mein Gewand die Söldner unverweilt;
Doch ruchlos habt ihr selbst mein Grab zerschlagen
Und frech in seine Trümmer euch geteilt!

Ihr, die in meinem Dom um eine Stufe,
Um eine Pfort' ihr wild in Hader schwellt,
Wißt, daß der Erdball rings zu mir die Stufe,
Und meine Pforte rings die weite Welt!

Ihr, die ihr um ein Altarlämpchen streitet,
Ihr Blinden ahnt in eurer Nacht es kaum,
Daß, meines Lichtes voll, sich glänzend breitet
Rings um und über euch der Erde Raum!

Gewürm, bleib' an den morschen Steinen kleben,
Und nage fort am modernden Gebein!
Mein Wort, es quillt lebend'ges, volles Leben,
Und nicht gefesselt ist's an toten Stein!

So sprachst du Herr. Doch was mein Aug' in Tränen
Längst von dir flehte, hast du jetzt gesandt!
Es baute kühn ein Heer von Gottfrieds Söhnen
Sich Zelte in der Pharaonen Land!

In ihrem Blick die alte Schlachtenweihe,
Ums Haupt des alten Ruhmes Widerschein,
In Arm und Brust die alte Kraft und Treue!
Da wird wohl auch der alte Glaube sein!

Heiß glüht die Sonne! Doch ihr Haupt zu kühlen,
Gebricht's an frischen Siegespalmen nie.
Des Nilstroms Katarakte stäubend spülen
Des neuen Ruhmes Taufe über sie.

Dort steht der Feldherr auch! – Meint ihr, es biete
Hesperiens Gartenland ihm Kränze nur?
O seht, wie jetzt, sein Haupt zu kränzen, blühte
Als Lorbeerwald Sahara's sand'ge Flur!

Du hast, o Herr, ihm in den Arm gegossen
Von deiner Kraft, die Lebans Zedern bog,
Du hast sein Haupt mit deinem Geist umflossen,
Der einst in Flammenzungen niederflog.

Ich weiß es, seines Degens Feuerrute
Schwang über Murad Bei allein er nicht,
Und mit des Mamelucken Übermute
Geht nicht allein sein Zürnen ins Gericht.

Ich weiß, als Straße nur zu Zions Tale
Liegt ihm die Wüste vor den Augen da;
Ich weiß, der Pyramiden Riesenmale
Sind ihm die Staffeln nur zu Golgatha!

Da wird einst stehn, den Halbmond zu den Füßen,
Das goldne Kreuz hoch in der Hand, der Held,
Die graue Flur den grauen Mantel grüßen:
Er deckt, wie sie, die Größe einer Welt!

Auf Golgatha läßt ruhn er seine Aare
Ums Kreuz, des Sieg den schönsten Kranz ihm gab.
Die andern Kränze nimmt er aus dem Haare
Und legt sie nieder aufs befreite Grab!«

So sprach der Mönch. Und horch, die fernen Hügel
Erdröhnen dumpf, wie ehrner Heere Gang;
Und horch, in Lüften rauscht's wie Adlerflügel,
Wie ferner Waffenhall und Schlachtgesang.

Ja, seine Heere sind's! – Doch raschen Zuges,
Im Siegesglanz, ziehn sie vorbei, vorbei!
Ja, seine Adler sind's! – Doch stolzen Fluges
Rauscht ihres Fittichs Schlag vorbei, vorbei!

 
5.
Und Ostern wird es einst, der Herr sieht nieder
Vom Ölberg in das Tal, das klingt und blüht;
Rings Glanz und Füll' und Wonn' und Wonne wieder,
So weit sein Aug' – ein Gottesauge – sieht!

Ein Ostern, wie's der Dichtergeist sieht blühen,
Dem's schon zu schaun, zu pflücken jetzt erlaubt
Die Blütenkränze, die als Kron' einst glühen
Um der noch ungebornen Tage Haupt!

Ein Ostern, wie's das Dichteraug' sieht tagen,
Das überm Nebel, der das Jetzt umzieht,
Die morgenroten Gletscherhäupter ragen
Der werdenden Jahrtausende schon sieht!

Ein Ostern, Auferstehungsfest, das wieder
Des Frühlings Hauch auf Blumengräber sät;
Ein Ostern der Verjüngung, das hernieder
Ins Menschenherz der Gottheit Atem weht!

Sieh, welche Wandlung blüht auf Zions Bahnen!
Längst hält ja Lenz sein Siegeslager hier;
Auf Bergen wehn der Palmen grüne Fahnen,
Im Tale prangt sein Zelt in Blütenzier!

Längst wogt ja über all' den alten Trümmern
Ein weites Saatenmeer in goldner Flut,
Wie fern im Nord, wo weiße Wellen schimmern,
Versunken tief im Meer Vineta ruht.

Längst über alten Schutt ist unermessen
Geworfen frischer Triften grünes Kleid,
Gleichwie ein stilles, freundliches Vergessen
Sich senkt auf dunkler Tag' uraltes Leid.

Längst stehn die Höhn umfahn von Rebgewinden,
Längst blüht ein Rosenhag auf Golgatha.
Will jetzt ein Mund den Preis der Rose künden,
Nennt er gepaart Schiras und Golgatha.

Längst alles Land weitum ein sonn'ger Garten;
Es ragt kein Halbmond mehr, kein Kreuz mehr da!
Was sollten auch des blut'gen Kampfs Standarten?
Längst ist es Frieden, ew'ger Frieden ja!

Der Kedron blieb. Er quillt vor meinen Blicken,
Ins Bett von gelben Ähren eingeengt,
Wohl noch als Träne, doch die dem Entzücken
Sich durch die blonden, goldnen Wimpern drängt!

Das ist ein Blühen rings, ein Duften, Klingen,
Das um die Wette sprießt und rauscht und keimt,
Als gält' es jetzt, geschäftig einzubringen,
Was starr im Schlaf Jahrtausende versäumt,

Das ist ein Glänzen rings, ein Funkeln, Schimmern
Der Städt' im Tal, der Häuser auf den Höhn;
Kein Ahnen, daß ihr Fundament auf Trümmern,
Kein leiser Traum des Grabs, auf dem sie stehn!

Die Flur durchjauchzt, des Segens freud'ger Deuter,
Ein Volk, vom Glück geküßt, an Tugend reich,
Gleich den Gestirnen ernst zugleich und heiter,
Wie Rosen schön, wie Cedern stark zugleich.

Begraben längst in des Vergessens Meere,
Seeungetümen gleich in tiefer Flut,
Die alten Greu'l, die blut'ge Schergenehre,
Der Krieg und Knechtsinn und des Luges Brut.

Auf Golgatha, in eines Gärtchens Mitte,
Da wohnt ein Pärlein, Glück und Lieb' im Blick;
Weit schaut ins Land, gleich ihrem Aug', die Hütte,
Es labt ja Glück sich gern an fremdem Glück!

Einst, da begab sich's, daß im Feld die Kinder
Ausgruben gar ein formlos, eisern Ding;
Als Sichel däucht's zu grad und schwer die Finder,
Als Pflugschar fast zu schlank und zu gering.

Sie schleppen's mühsam heim gleich seltnem Funde,
Die Eltern sehn es, – doch sie kennen's nicht,
Sie rufen rings die Nachbarn in der Runde,
Die Nachbarn sehn es, – doch sie kennen's nicht.

Da ist ein Greis, der in der Jetztwelt Tage
Mit weißem Bart und fahlem Angesicht
Hereinragt, selbst wie eine alte Sage;
Sie zeigen's ihm, – er aber kennt es nicht.

Wohl ihnen allen, daß sie's nimmer kennen!
Der Ahnen Torheit, längst vom Grab verzehrt,
Müßt' ihnen noch im Aug' als Träne brennen.
Denn was sie nimmer kannten, war ein Schwert.

Als Pflugschar soll's fortan durch Schollen ringen,
Dem Saatkorn nur noch weist's den Weg zur Gruft;
Des Schwertes neue Heldentaten singen
Der Lerchen Epopee'n in sonn'ger Luft!

Einst wieder sich's begab, daß, als er pflügte,
Der Ackersmann wie an ein Felsstück stieß,
Und, als sein Spaten rings die Hüll' entfügte,
Ein wundersam Gebild aus Stein sich wies.

Er ruft herbei die Nachbarn in der Runde,
Sie sehn sich's an, – jedoch sie kennen's nicht!
Uralter, weiser Greis, du gibst wohl Kunde?
Der Greis besieht's, – jedoch er kennt es nicht.

Ob sie's auch kennen nicht, doch steht's voll Segen
Aufrecht in ihrer Brust, in ew'gem Reiz,
Es blüht sein Same rings auf allen Wegen;
Denn was sie nimmer kannten, war ein Kreuz!

Sie sahn den Kampf nicht und sein blutig Zeichen,
Sie sehn den Sieg allein und seinen Kranz.
Sie sahn den Sturm nicht mit den Wetterstreichen,
Sie sehn nur seines Regenbogens Glanz!

Das Kreuz von Stein, sie stellen's auf im Garten,
Ein rätselhaft, ehrwürdig Altertum,
Dran Rosen rings und Blumen aller Arten
Empor sich ranken, kletternd um und um.

So steht das Kreuz inmitten Glanz und Fülle
Auf Golgatha, glorreich, bedeutungsschwer:
Verdeckt ist's ganz von seiner Rosen Hülle,
Längst sieht vor Rosen man das Kreuz nicht mehr.

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