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Anastasius Grün: Schutt - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke Band VI
authorAnastasius Grün
editorAnton Schlossar
firstpub1835
year1907
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleSchutt
pages3-100
created20060911
sendergerd.bouillon
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Widmung

Seinem verehrten Freunde Joseph von Hammer

                                        Der Verfasser.


    Das Gespenst geht um, aber wer fürchtet's am Tag?
Wem es den Weg vertritt, geh' durch den zerfließenden Schatten,
    Wem es grauet davor, werfe sich nieder zum Grund!
Italia. Ständchen eines Morgenländers.

 

        Aug' in Auge lächelnd schlangen
Arm in Arm einst West und Ost,
Zwillingspaar, das liebumfangen
Noch in einer Wiege kos't!

Ahriman ersah's, der Schlimme,
Ihn erbaut der Anblick nicht,
Schwingt den Zauberstab im Grimme,
Draus manch roter Blitzstrahl bricht.

Wirft als Riesenschlang' ins Bette,
Ringelnd, bäumend, zwischen sie
Jener Berg' urew'ge Kette,
Die nie bricht und endet nie.

Läßt der Lüste Vorhang rollend
Undurchdringlich niederziehn,
Spannt des Meers Sahara grollend
Endlos zwischen beiden hin.

Doch Ormuzd, der Milde, Gute,
Lächelnd ob dem schlechten Schwank,
Winkt mit seiner Zauberrute,
Sternefunkelnd, goldesblank.

Sieh, auf Taubenfitt'chen fächelnd,
Von der fernsten Luft geküßt,
Schifft die Liebe, kundig lächelnd:
Wie sich Ost und Westen grüßt!

Blütenduft und Tau und Segen
Saugt im Osten Menschengeist,
Steigt als Wolke, die als Regen
Mild auf Westens Flur dann fleußt!

Und die Brücke hat gezogen,
Die vom Ost zum West sich schwingt,
Phantasie als Regenbogen,
Der die Berge überspringt!

Durch die weiten Meereswüsten,
Steuernd, wie ein Silberschwan,
Zwischen Osts und Westens Küsten
Wogt des Lieds melod'scher Kahn.

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