Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl August Varnhagen von Ense >

Schriften und Briefe

Karl August Varnhagen von Ense: Schriften und Briefe - Kapitel 17
Quellenangabe
pfad/varnhage/schribri/schribri.xml
typemisc
authorKarl August Varnhagen von Ense
titleSchriften und Briefe
publisher
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100414
projectid21ab7478
Schließen

Navigation:

Briefe 1830 – 1839

*

An Achim von Arnim

Berlin, 30. April 1830

Hier endlich meine Lebensbeschreibung Zinzendorfs! Nehmen Sie, Hochverehrter, dies Buch mit derselben freundlichen Geneigtheit auf, die Sie schon seinen Vorgängern so gütig gewährt haben, und die keinen strengen Urteilsspruch zu hemmen braucht, sondern ihn nur allenfalls begleiten wolle! Übrigens habe ich für dieses Buch die geringsten Hoffnungen; ich habe den Stoff nicht gehörig bezwingen können, wie schon der Umfang der Arbeit erweist, der billigerweise nicht über die Hälfte des jetzt Vorliegenden sich hätte erstrecken sollen; zudem erscheint das Buch im ungünstigsten Augenblick, wo jedermann diese Art Gegenstände mit Befangenheit betrachtet, und zunächst darin absichtliche oder mögliche Bezüge auf den Tagesstreit sucht, wobei denn der wirklich parteilose Inhalt sicher am schlechtesten fährt. Inzwischen ist die Sache einmal da und muß verzehrt werden, wobei mir wenigstens zu wünschen erlaubt ist, daß sie meinen Freunden einigermaßen schmecken könne! – Die Literatur ist ein schönes Gebiet der Tätigkeit und des Genusses, alles Beste der Einzelnen wie der Nationen strömt dahin und kommt daher; sie ersetzt ganze Stücke fehlenden Bürgertums und fehlender Geselligkeit, mit lebendigstem Anteil folg' ich ihren Bewegungen (...).

*

An Johann Wolfgang Goethe

Berlin, 22. Mai 1830

(...) Ew. Exzellenz überreiche ich endlich hiebeifolgend nun auch die »Denkwürdigkeiten« Erhards, Denkwürdigkeiten des Philosophen und Arztes J[ohann] B[enjamin] Erhard, Stuttgart 1830. eines Mannes, von welchem Sie, wie S. 443 erzählt wird, einst mit ehrender Gunst urteilten, der späterhin mir befreundet wurde, und dessen schriftlichen Nachlaß herauszugeben mir obliegen sollte. Das Buch war, wie das Datum der Zueignung bezeugt, schon vor mehr als einem ganzen Jahre zum Druck fertig, und sein Erscheinen bis jetzt nur durch des Hrn. Verlegers Überhäufung mit Geschäften aufgehalten, leider, wie ich befürchte, zur Ungunst für mich, da die Biographie Zinzendorfs nun früher ans Licht getreten ist, und der Einführer eines Freigeists und eines Frommen klüglicherweise mit jenem vorangehen und diesen für den letzten Eindruck bewahren sollte! Nun geschieht es umgekehrt, und ich muß der Folgen des Übelstandes gewärtig sein; zum Glück ist die Welt voll andrer Beschäftigungen und Angelegenheiten, und im Sommer zerstreuen sich alle sonst furchtbar richtenden Konventikel in ihren höfischen, militärischen, gelehrten und sonstigen Bestandteilen mehr und mehr ins Weite, und die einen ohne die andern vermögen nicht viel! Die Billigkeit, mit der eine solche Herausgabe, die man eigentlich niemanden ganz recht machen kann, beurteilt zu werden Anspruch macht, wird hoffentlich auch noch vielerorten sich finden lassen.

Das Buch trägt in seiner Mannigfaltigkeit einen tiefen Geschichtsgehalt. Wie hier die Kantische Philosophie gleich einer neuen Religion und an deren Stelle mächtig in das Leben einrückt und an diesem, wie dieses an ihr, die verschiedensten Entwickelungen und Endigungen nimmt, bietet sich als ein Anblick dar, dem einige Betrachtung zuzuwenden nicht gereuen dürfte.

*

An Johann Wolfgang Goethe

Berlin, 25. September 1830

Ew. Exzellenz

haben wir alle, Herausgeber und Leser, den innigsten Dank abzustatten für die reichen und schönen Beiträge, welche Sie neuerdings unsern Jahrbüchern zugewendet haben und für uns so hocherfreuend ferner zusagen! Darf ich mir erlauben, hier über Sachen, deren die eine, streng genommen, mir fremd heißen, die andre aber gewissermaßen als eigne mir Schweigen auferlegen könnte, urteilend einzureden, so möchte ich sagen, der Aufsatz über die Streitigkeit der beiden französischen Naturgelehrten erhebt und beugt, denn es regt neben der Bewunderung eine Art Beschämung auf, zu sehen, wie über diese Gegenstände mit höherer Einsicht und in größerem Zusammenhang gesprochen werden kann, und dann zurückzublicken, mit welchem geringen Sinn und in welcher dumpfen Beschränkung gewöhnlich darüber gesprochen wird! Ich glaube, dieser Aufsatz mit seiner verheißenen Fortsetzung wird unter vielerlei Murren von Widersachern doch an diesen selbst seine leitende Kraft und Einwirkung dartun. –

Was die andre Anzeige, die des wertvollen Reisebuchs, Die anonym erschienenen ersten beiden Bände der Briefe eines Verstorbenen von Hermann von Pückler-Muskau, München 1830. in gewissem Sinn zu meiner eignen Sache macht, werden E. E. aus den gedruckten Blättern ersehen, welche hier beiliegen.

Möchte nur diese Nebeneinanderstellung, die sich uns aufnötigte, auch von Ihnen gütig genehmigt und als keinerlei Anmaßung angesehen werden! Gewiß darf es mir zur Ehre gereichen, ein solches Erstlingsbuch gleichzeitig mit Ihnen in seinem Werte aufgefunden und geschildert zu haben, aber ich täusche mich nicht über die Gefahren einer solchen Gemeinschaft, in der hervorzutreten eine für jedermann zu starke Prüfung ist. Könnte anerkennendes Sichbescheiden je demütigen, so müßte ich es jetzt wahrlich sehr sein, wenn ich vergleiche, wie glücklich, sicher, anmutig und rein die kürzere Anzeige den vollen Kern des Buches mühelos hervorgewendet hat, den die längere mit vieler umständlichen Sorgfalt nur stückweise herauszuschälen vermochte. Nur durch die Freude der Bewunderung und durch das, was ich an solchem Beispiele gelernt habe, bin ich für allen Nachteil, den mir sonst die Vergleichung bringen muß, entschädigt!

Ich hatte früher mir vorgenommen, mit meiner abgedruckten Rezension das Buch selber, von dem ich nicht voraussetzte, daß es schon bekannt sei, E. E. zu übersenden und mir zu diesem Behuf ein Exemplar ausgebeten, erhielt aber vorläufig diese Zeilen erwidert: »Verehrtester Freund, ich erschrecke doch ein wenig vor Ihrem Gedanken, diese unbedeutenden Briefe Goethen, der meiner armen Seele in diesem Augenblick wie der unerbittliche Rhadamanth erscheint, vorlegen zu wollen. – Er ist solchen freien Ergießungen des Augenblicks ohne Kunst und ohne Plan nicht günstig, und ich kann mir, wenn er so geringer Erzeugung überhaupt seine Aufmerksamkeit schenkt, sein Urteil schon aus seiner Korrespondenz im voraus wörtlich abschreiben. Ja, das geschah bereits in meinem Tagebuch, und hier ist es: ›Geistreich und unterhaltend, aber leider leichtsinnig, dilettantisch, mitunter hasenfüßig und phantastisch.‹ Viel besser wird es mir nicht gehen, wo noch so gut. – Indessen wer einmal die Schwachheit hatte, sich drucken zu lassen, muß sich allem unterwerfen, und selbst ein Tadel Goethes ist noch ehrenvoll, wie man dem lieben Gott auch für die Züchtigung dankt. – Übrigens kenne ich den hohen Greis – und die ersten noch fehlenden Bände meiner Eitelkeitssünde enthalten mehr von ihm.« Urteilen E. Exz. nun, wie glücklich und strahlend zu diesen Gesinnungen und Absichten plötzlich Ihr von selbst gekommenes, günstiges und öffentliches Wort hinzutrat! Ich bedaure nur, daß ich hier nicht weiter reden und den Verfasser, gegebenem Wort gemäß, noch nicht ausdrücklich nennen darf, wozu für jetzt die Erlaubnis ihm abzudringen auch die Entfernung nicht gestatten will. Durch die zu erwartenden andern Teile, in denen auch ein Besuch in Weimar vorkommen muß, werden aber die Zeichen sich genug vervielfältigen und verdeutlichen, um in diesem Betreff nichts Rätselhaftes für E. E. mehr übrig zu lassen. Auch mich haben Umstände, die nicht zu beseitigen waren, früher ins Vertrauen gezogen, als der gute Wille des Verfassers sich dazu entschlossen hätte, und ich kann ihm seine Zurückhaltung, die ihm besonders einen Schritt förmlichen Sichdazubekennens untersagt, nicht verargen. –

(...) An politischen Stürmen dürfte es in den nächsten Jahren nicht fehlen; wir wollen aber hoffen, sie glücklich zu überstehen, und uns so wenig als möglich in den geistigen Bestrebungen hindern lassen, welche auch auf die Staatsbewegungen ordnend und mäßigend zurückwirken. Von welchen schauderhaften Erscheinungen würden nicht im Anfange des achtzehnten oder im Laufe des siebzehnten Jahrhunderts solche überall in Deutschland aufzuckende Volksentflammungen begleitet gewesen sein, die jetzt im neunzehnten, bei unsrer auf Literatur gegründeten und durch sie verbreiteten Bildung, in der größten und entscheidendsten Gewaltsamkeit noch die Greuel der äußersten Rohheit und tierischen Leidenschaft vermeiden konnten! – (...)

*

An Johann Wolfgang Goethe

Berlin, 28. Dezember 1831

(...) Ich lese oft und viel in den »Wanderjahren«, wo ich immer neues Leben finde, das unmittelbar meinen Tagen zu Nutz und Frommen gereicht. Schon lange geht mir das Buch über Roman und Dichtung weit hinaus. Jetzt will sich mir der St. Simonismus damit in Beziehung setzen. Diese merkwürdige französische Gestalt, deren Wesen, wie mich dünkt, länger wirken wird als die einstweilige fratzenhafte Hülle, wird unfehlbar auch bei uns eindringen, und da wäre es wohl der Mühe wert, genau zu scheiden und zu vergleichen, welche Keime zu analoger Lehre und Übung bereits in den »Wanderjahren« niedergelegt sind, und in welch verschiedenem Sinne daselbst ihre Entwickelung angedeutet ist. Auch Pestalozzi und sogar Zinzendorf kommen bei diesem Thema in Betracht. Wenn man doch nur in Frankreich möglich fände, von Seiten der Regierung sich jedes gewaltsamen Einschreitens in dieser Sache zu enthalten! Verfolgung und Märtyrtum könnten die unheilvollsten Entflammungen bewirken!

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 4. Mai 1832

Ew. Durchlaucht

auf einige Tage in Ihrem herrlichen grünen Paradiese zu überraschen, hegt' ich schon geheime Hoffnungen und traf ich in Gedanken schon Anstalten, die Unruhe dieser Anfangszeit sommerlicher Bewegungen trifft aber mit der Unruhe so vieler anderen Verhältnisse und Betrachtungen zusammen, daß daraus ein stockendes Hinhalten entsteht, aus dem ich vielleicht später den befreienden Sprung wage, der sich jetzt noch nicht will tun lassen. Welche Erquickung, welche Genüsse und Kräftigungen mir entgehen oder doch verzögert werden, auf die Gefahr gänzlicher Vereitelung, weiß ich am besten, und brauch es nicht erst auszusprechen! – Auch für den weiteren Sommer kann ich keinen sichern Plan haben, ich lebe vom Tag auf den Tag und nehme frühmorgens jeden neusten so hin, wie er hier in Berlin über Nacht grade fertig geworden ist; glücklicherweise arbeiten auch anderwärts noch Leute an unseren Tagen mit, denn sollte es allein auf unsere Arbeiter ankommen, so könnte sehr gut einmal der Morgen ausbleiben, und das Frühstück mit dem Abendbrot zusammenfallen, die Predigt mit der Oper! Ew. Durchlaucht nehmen aus diesem mißlaunigen Unwitz schon genugsam ab, daß es hier nichts Neues und kaum genug Altes gibt, um einen Abwesenden damit zu unterhalten! –

Dennoch schreibe ich Ihnen heute wegen Neuigkeiten, die aber keine hiesigen sind. Ich habe soeben flüchtig ein neues Buch durchlaufen, das ich nun aber mit Sorgfalt lesen will, und finde, daß auch Ew. Durchlaucht dasselbe lesen müssen. »Politische Freiheit«, von Franz Baltisch, Leipzig bei Brockhaus, 1832, ist der Titel, der Verfasser aber ist Herr Professor Hegewisch in Kiel. Sehr sinnig und kundig, in angenehmer Sprache und mit fester Geschichtskenntnis sind die Lebensfragen der heutigen Staatswelt darin besprochen, alle Waffen der Erörterung blank geputzt und ausgelegt. Wenn Ew. Durchlaucht über diese Gegenstände je zu schreiben gedenken, dürfen Sie das Buch nicht ignorieren. Auch des »Verstorbenen« wird darin rühmlich an einer Stelle Erwähnung getan. Der Verfasser steht auf einer bedeutenden geistigen Höhe, das konstitutionelle Wesen kann nicht feiner aufgefaßt und behandelt werden. Was ihm fehlt, das ist noch nicht von ihm zu verlangen, und doch zwingt er seinem Boden auch sogar das Gegenteil dessen, was er eigentlich will, schon einigermaßen ab, um dies damit zu verbessern! Das Buch ist nämlich ganz konstitutionell, und insofern in stetem Widerspruche mit dem Saint-Simonismus, den es nur unvollkommen zu kennen scheint, und dabei hat dasselbe auffallend und unleugbar schon wirklich ein Saint-Simonistisches Element in sich aufgenommen! – Die ganze Größe des Saint-Simonismus erscheint grade darin, wie klein alles andere neben ihm wird, wie unbedeutend und gering fast alles, was uns bisher Hauptsache war und sein mußte. Auch breitet er sich mit Macht aus, nicht sowohl in erklärten Anhängern, obgleich es auch an diesen nicht fehlt, als vielmehr in Ideen und Wirkungen, selbst in den Rücksichten und Tätigkeiten der Gegner. Der »Globe« hat aufgehört, mit glänzenden Schlußreden und Verheißungen; Enfantin geht mit vierzig Jüngern auf ein paar Monate in die Einsamkeit, die weltliche Tätigkeit wird inzwischen von den übrigen Jüngern eifrig fortgesetzt, und neue Schriften, Flugblätter usw. erfolgen ohne Unterbrechung. An Geldmitteln scheint es nicht im geringsten zu fehlen. Wie allgemein die Bedeutung der Sache ist, geht schon daraus hervor, daß gleichzeitig in Florenz und in Uppsala Stimmen von edler Art dafür laut geworden. Wir wollen sehen, was weiter damit wird. Ich habe keine Vorstellung von dem Gange, den die Sache nehmen kann, und genieße daher die Spannung wie vor einem Schauspiel, worin jeder Auftritt mir neu ist. –

Nun muß ich Ew. Durchlaucht aber noch ganz besonders auf die Zeitschrift »Revue encyclopédique« aufmerksam machen. Sie wird von Carnot und Leroux monatlich herausgegeben, zweien Saint-Simonisten, die aber von Enfantin getrennt sind. Seit langer, langer Zeit habe ich keine so gediegenen Aufsätze gelesen wie in dieser Zeitschrift. Aufsätze literarischen, politischen und wissenschaftlichen Inhalts, wobei der Saint-Simonismus nur als Licht im Hintergrunde steht.

Auch meine Frau ist ganz entzückt von diesen Aufsätzen. Ew. Durchlaucht können nichts Besseres tun, als sich auf die Revue zu abonnieren. – (...)

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 12. November 1832

(...) Das letzte Heft von »Kunst und Altertum«, durch Goethes Freunde nach seinem Hinscheiden vervollständigt und herausgegeben, hat eben die Presse verlassen. Auch von mir ist ein Aufsatz Über Wilhelm Meisters Wanderjahre. darin, durch welchen ich mit zarten Fingerspitzen ein Gleichlaufen Goethescher und St. Simonscher Ideen aufzuzeigen wage. Apropos von St. Simon: Die Sachen gehen noch immer ihren Gang, und selbst die Macht des Lächerlichen, die doch in Paris noch souveräner ist als das Volk, richtet nichts aus dagegen! In Deutschland aber frißt so etwas im Stillen weit um sich, ehe davon auf der Oberfläche etwas zu sehen ist. – (...)

*

An Bettina von Arnim

Berlin, 18. Dezember 1832

Also die guten Leute meinen, ich hätte dem Verfasser der Lebensgeschichte Friedrichs des Großen viel zu viel Lob erteilt, und mehr meine Gunst als des Buches Verdienst ausgesprochen! Und Ranke stellte sich in dieser Meinung mit Stuhr vereinigt dar? Von letzterm rede ich lieber gar nicht; Ihren Ranke aber, gnädige Frau, haben Sie, wie früher ich, schlecht erzogen, daß er noch jetzt solcher Belehrung bedürfen konnte, wie Sie ihm gaben in der treffenden Bemerkung: wenn er das Gute, was ich von dem Buche rühme, in demselben nicht sähe, so müsse er die Schuld nur in seinem Mangel an Sehen suchen. Den Vorwurf, daß ich mich zu leicht einnehmen lasse und jüngere Talente zu feurig anpreise, mag ich wohl etwas verdienen; als ich Rankes ersten Versuch nachdrücklich lobte, machte zwar nicht er, aber mancher andre mir solchen Vorwurf. Dagegen wird Ranken nicht so leicht etwas Ähnliches vorzuwerfen sein, er hütet sich wohl, jemanden zu loben, anzuerkennen. In der Tat, geben Sie einmal acht, ob er sich darauf ertappen läßt! –

Ehrlich gestanden, gnädige Frau, ich gebe Ranken für immer auf und glaube, ich werde mich nie mehr mit ihm finden. Il a été une de mes erreurs, würde Napoleon sagen. Sein Brief aus Italien über die Frömmler in Halle, die Lauigkeit, womit er meinen Erwiderungen auswich, die Entschließung, die daraus hervorleuchtete, mit dem bestehenden Mächtigen und Vornehmen, sei es auch noch so schlecht, guten Frieden zu halten, waren mir äußerst mißfällig. Den eigentlichen Stoß aber gab ihm bei seiner hiesigen Wiederkehr die Faselei über Goethe, die er mündlich gegen mich mit vollem Selbstbehagen entwickelte, und die mich in ein so ungestümes Lachen versetzte, daß es für uns beide eine wahre Verlegenheit wurde. Nun sah ich, daß ihm aller Blick ins Leben fehle, daß die geschichtliche Wahrheit bei ihm einem willkürlichen Dünkel, einer wahnvollen Einbildung unterliege; für mich hatte er seitdem als Geschichtsforscher alle Treu und Glauben eingebüßt.

Sie erinnern sich doch noch seiner Behauptungen? Goethe hat Italien nicht gekannt, noch gesehen; eingeschlossen in seine Studien, war er dem eigentlichen Leben und Lebensschauplatze dort fremd geblieben. In den »Römischen Elegien« ist nur Erdichtetes, und zwar ganz falsch Erdichtetes; so sind die Sitten, die Verhältnisse in Rom nie gewesen, so nie eine Liebschaft dort geführt worden. Die Geliebte selbst hat gar nicht existiert, ist ein gemachtes Bild, wie es dem Dichter grade gefällig war. Und so ging es fort. Für mich nicht anders als die Rede eines Tollen, der aus Eitelkeit verrückt ist, und sein kleines Persönchen, seine ungeschickten Erfahrungen, sein mühsames Auffassen an die Stelle des gewaltigen Riesen, des allseitigen Lebensvertrauten, des begabten Sehers und Bildners setzen möchte! Goethes Sinn ist ein Phänomen unsrer Zeit, seinem Bericht über innre und äußre Welt vertraut die geistige Gemeinde Europas. Noch ist diese Tatsache nicht umgestoßen. Was in aller Welt sollte mich bestimmen, wenn ich Goethes Berichten nicht mehr glaubte, nun Rankes Berichten zu glauben? –

Mir steht bei dergleichen Absprüngen wirklich der Verstand still, und ich sehe nun in Ranke, so oft er mir vorkommt, immer etwas Unheimliches, dessen Lösung mir fehlt. Auch kann ich nichts Rechtes mehr mit ihm haben, und die Kosten unsres noch fortdauernden Umganges trägt fast nur meine Frau. –

V.

*

An Bettina von Arnim

Berlin, 20. Dezember 1832

Wie weit und in welcher Gestalt meine neuliche Herzenserleichterung in Betreff Rankes durch Sie diesem bekannt geworden, darüber beunruhige ich mich nicht, gnädige Frau, sondern lasse Ihren Takt dies mit Ihrem Gewissen abmachen. Daß das Blatt eine solche Mitteilung nicht zur Absicht hatte, darf wohl zu meinen Gunsten feststehen.

Haben Sie ihn so weit geängstigt, daß er nun auch seinerseits die Notwehr ergriffen, Sie durch Andeutungen zu ängstigen, wie ehemals ich selber auch ihm Klagen und Härten wider Sie ausgesprochen, wovon er die brieflichen Zeugnisse in Händen hat, so ist auf diese Art denn doppelt geschehen, was schon einfach eigentlich zu viel war.

Ich werde meine Äußerungen wahrlich nicht ableugnen, aber auch nicht zurücknehmen, noch versuchen sie zu beschönigen. Sie würden wohl die erste sein, gnädige Frau, in das fröhlichste Lachen auszubrechen, wollte ich versichern, Sie hätten mir im Laufe unsres wunderlichen Umganges niemals Ursache zu bittrer Klage, zu starker Beschwerde gegeben. Sie kennen sich selbst viel zu gut und stehen in geistiger Höhe viel zu erhaben über dem, was die Tageserscheinung zuweilen aus Ihnen macht, um nicht frei und willig manchen gegründeten Vorwurf gelten zu lassen, zu tragen, und sich nicht davon hindern zu lassen. Ihr stetes Wiederkommen nach so vielen mißfälligen Scheidensauftritten, die wir gehabt, ist in jenem Betreff ein fortwährendes Eingeständnis, für Sie so ehrenvoll als für mich erfreuend und wert.

Ich dürfte Sie an mehr als einen Vorgang erinnern, von dem Sie jetzt mit Lachen und Jubel mir zugestehen würden, daß er mir das Recht erteilt habe, Sie anzuklagen und zu schelten, und Sie würden es nur um so lustiger finden, je mehr ich bei solchen Dingen, die Sie eigentlich nur in Laune und Neckerei zum Scherz aus dem Ärmel schütteln, mich in schweren Ernst und strenges Rechthaben verbeißen möchte.

Von Ranke jedoch wäre es ein Mangel an Zartheit, hätte er Ihnen in anderm Sinne, als ich es tun könnte, nämlich nicht zum Lachen und Scherzen, sondern zum Ernst und Verdruß, unerfreuliche Bilder vorgerufen aus früheren Zeiten, denen Sie selbst gar keinen Belang für den heutigen Tag einräumen wollen!

Ich könnte zum Ersatz auf der Stelle viel Gutes von Ihnen an Ranke schreiben, damit es sich mit dem Bösen, das er in den frühern Briefen schon hat, ausgliche, so wie auch Ihnen jetzt viel Gutes von Ranke, dessen ehrenwerten Gemütseigenschaften und schönen Gaben ich ja gern Gerechtigkeit widerfahren lasse, wenn ich schon deren Genuß für mich weniger zugänglich finde – allein, wollte ich das alles tun, und nach allen Seiten so durchaus alles in Ordnung bringen, abwägen, zurechtbiegen, gradestrecken, hieße das nicht ein wenig dem jüngsten Tage vorgreifen? –

Leben wir so weiter zwischen Recht und Unglimpf, Übermaß und Unzulänglichkeit, Gradsinn und Schlauheit, wie es der Weltwirrwarr mit sich bringt, und suchen wir nur unter allem Wechsel das reine Wohlwollen, den freien Geist und den klaren Sinn stets zu behaupten, so wird es uns zuletzt an bestem Einverständnis gewiß nie fehlen!

V.

*

An Alexander von Humboldt

Berlin, 23. Januar 1833

Freilich war ich es, der Ew. Exzellenz neulich im Sonnenscheine der Mittagsstunde begegnete, und Sie zu spät erkannte, wie von Ihnen zu spät erkannt wurde. Gern wäre ich Ihnen nachgeeilt, aber so rasche, zum Einholen nötige Schritte wollten mir noch nicht geziemen! Ich hätte Ew. Exzellenz ein Wort, Hrn. von Bülow in London betreffend, mitzuteilen gewünscht, das damals noch ganz frisch, aus sicherster Quelle, und wahrscheinlich auch Ihnen noch neu war, eine Äußerung des Königs nämlich, wonach die Gefahr, in welcher jener verwegene Gesandte schwebte, als vorübergegangen anzusehen ist. Seitdem haben Ew. Exzellenz von allen Orten her die Kunde längst vernommen, und meine Mitteilung ist veraltet. –

Nun haben wir Preußen ja endlich auch eine allgemeine Volksvertretung empfangen, oder vielmehr, wir hatten sie lange, und wußten's nur nicht. Hr. Bischof Eylert hat uns die Augen geöffnet, er hat zuerst das große Wort ausgesprochen, ein zweiter Mirabeau an Licht der Gedanken und Kühnheit des Ausdrucks; ich denke mir, nicht nur der Rittersaal, sondern das ganze Schloß erzitterte, als er den gewaltigen Spruch in die Versammlung donnerte, die Vertretung des ganzen Volks, aller Stände und Interessen sei – das Ordensfest! Ich beuge mich in Ehrfurcht und Bewunderung dieser kolossalen Kühnheit, dieser neuen unerhörten Kombination, wodurch die elenden Institutionen, die bisher für Volksvertretung in Europa gelten durften, Parlamente, Kammern, Stände, Cortes und dergleichen mehr, in ihr Nichts geschleudert werden. Ich habe den Redner nur durch den lautlosen Mund der Staatszeitung vernommen, aber Ew. Exzellenz waren ohne Zweifel gegenwärtig, und gewiß bedauern Sie mich und rufen mir zu, was in alter Zeit von Demosthenes' vorgelesener Rede gesagt wurde: »Ja, wenn Ihr erst ihn selbst gehört hättet!« Und das beifällige Lächeln, die gnädige Zufriedenheit der Hörer, die frohen Blicke der Staunenden mit anzusehen, muß den Eindruck noch mehr erhöht haben! –

O unsre evangelischen Pfaffen sind auf gutem Wege, sie versprechen den katholischen, wie sie in ihrer höchsten Pfaffenblüte waren, nichts nachzugeben! Solch gleisnerischer Schwarzrock macht uns zum Gespött von ganz Europa. Volksvertretung hin, Volksvertretung her, mag sie gegeben werden oder versagt bleiben, das kümmert mich in diesem Augenblicke nicht, aber daß der Kerl das Ordensfest dafür einschieben will, das ist ein Unterstehen, worauf das Tollhaus oder das Zuchthaus stehen sollte. – Aber nicht einmal ein Lied, ein Gassenhauer, ein Scherzbild bestraft solche Ungebühr, es ist alles still! –

Und da es denn Schlafenszeit ist, so will ich mich auch niederlegen und Ihnen und mir angenehme Träume wünschen. Mit tiefster Hochachtung etc. etc. etc.

V.

*

An Justinus Kerner

Berlin, 27. Mai 1833

Mit innig dankbarem Herzen erkenn ich Deinen liebevollen Anteil, mein teurer Freund, Deinen wohlmeinenden, treuen Sinn! Ja, mein geliebter Justinus, es wäre wohl schön, wenn ich diesen Sommer bei Dir einkehren könnte, wie vor vier Jahren! Goldene Zeit, die nun dahin ist, und von der eine Viertelstunde wieder in Gegenwart zu verwandeln ich gerne alle Jahre dahingäbe, die mir noch beschieden sein mögen! Aber ich kann nicht kommen! Ich habe weder Lust noch Ursache, von hier wegzureisen, wenn man mich nicht im Verlaufe des Sommers noch zu einem Badaufenthalte nötigt, und habe hier noch vielerlei zu tun. Nicht fremdartige Geschäfte, zu denen ich mich unfähig bekenne, sondern Arbeiten und Besorgungen, die sich auf meine geliebte Freundin beziehen, auf meine Rahel, in deren Namen und von deren Namen ich allein noch lebe! Weißt Du noch, vor fünfundzwanzig Jahren in Tübingen hörtest Du diesen Namen schon von mir, als den Inbegriff meiner damaligen Wünsche und Hoffnungen. Sie haben sich erfüllt, diese Wünsche und Hoffnungen, das seltenste Glück auf der Welt! Ich habe es genossen, ich war ein auserwählter Mensch; aber diese Erfüllung ist nun zu Ende, und wieder wünsche und hoffe ich nur! Wie mir zumute ist, kann ich Dir nicht sagen; ich habe diesen Abgrund von Leid und Not nicht geahndet, und ich ermesse täglich neue Räume desselben, ohne ihn auszumessen. Gott hat mich so eingerichtet, daß ich an diesem Bilde, das er mir gezeigt, hängen muß, er selbst hat sich mir durch diese Vermittlung offenbart, ich dank ihm noch dafür, mehr als für mein eigenes Leben, und es ist nicht Frevel, wenn ich nach dem Verluste jenes Bildes mich für trostlos bekenne, es ist vielmehr auch dies Ergebung, denn ich warte auf Trost, auf Änderung! Bis dahin kann ich nichts denken und sinnen, als Rahel, nichts wünschen und hoffen, als sie, nur sie vermissen und beweinen! Darin störe mich doch niemand! (...) Daß Uhland ganz in die Politik gezogen wird, bedauer ich mit Dir; besonders weil heute keine andere als eine beengte, nur dem traurigsten Tage kümmerlich dienende möglich ist. Alle jetzigen Tätigkeiten werden in den dunkeln Boden eingestampft, um einst für andere zur Grundlage zu dienen; freilich ist das auch nötig, aber dazu genügen rauhe Steine, nicht schöne Bildwerke, die nicht durch ihre Masse, sondern durch ihre Gestalt gelten, und am hellen Tageslichte dauernd bestehen sollen! (...)

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 11. Oktober 1833

(...) Die Abenteuer der Frau von Arnim haben leider von jeher ein für sie selbst höchst beklagenswertes Ansehen. Das Geniale nimmt in ihr gar zu leicht den Abweg nicht nur ins Dämonische, sondern ins Hexenartige, und es ist wahrhaft jammervoll, wie sie einen bisweilen zwingen kann, ein scharfes Eisen hinzuhalten, gegen das sie alsdann mit der Brust anspringt, um blutige Wunden zu empfangen. Man ist ihr gegenüber fast immer genötigt, aus seinem Charakter herauszugehen; früher zwang sie mich, wider meinen Sinn und meine Gewohnheit, förmlich grob zu werden; jetzt – was auch ganz wider meine Gemütsart ist – , immer auf meiner Hut zu sein, und weder ihre Teilnahme zu lebhaft anzusprechen, noch die meinige zu stark auszudrücken. Dabei muß man sie doch bewundern und hochachten, auch sogar lieben, wenn sie dies nicht gewaltsam verhindert, wozu ihr in verkehrtem Gebrauch alsdann ungeheure Gaben zu Gebote stehen. Sie ist ein Thema, das man so leicht nicht aufs Reine bringt, und über das man fast mit jedem Tage sein Urteil neu stellen muß, wenn dasselbe auch oft nur ein früheres wiederholt und bestätigt. Dabei tut ihr jede Freundlichkeit, Beachtung und besonders Höflichkeit, die man ihr erweist, so unendlich wohl, vielleicht grade deswegen, weil sie oft alles anwendet, um sie nicht hervorzurufen. Das Buch über Goethe kenne ich nur wenig und habe durch alle Erzählungen und einiges Vorgelesene noch durchaus kein Bild, wie und was das Ganze sein wird. Sicher sind große Schönheiten darin; wenn diese jedoch nur abgesonderte Oasen sein sollten, so käme es vorzüglich darauf an, wie zahlreich und einander nahe liegend sie wären. In jedem Fall tadle ich Frau von Arnim, daß sie die Sachen überall so verschwenderisch vorliest; sie verzehrt und erdrückt damit allen Reiz der Frische und des Wohlbehagens. Ich sag es ihr oft, sie selbst erzählt mir ihr häufiges Mißlingen, aber sie fährt in dieser falschen Befriedigung immer fort, und will nicht begreifen, daß, wenn sie einem eine Faust voll Rosen stets an die Nase drückt, man nur das Ersticken fürchtet und nicht weiter beachtet, daß es durch Rosen geschieht! Wie ich verstanden habe, so wünscht sie sehr aus früheren an Ew. Durchlaucht gerichteten Briefen manches für das Goethesche Buch zu benutzen; Ew. Durchlaucht sollten ihr diese auf eine Zeit anvertrauen: geschähe dies mit Sorgfalt, und mit dem Ansehen, daß Sie großen Wert auf den geistigen Gehalt legten, so würden Sie, wenn auch nicht bei Ihnen selbst, doch bei dem Widerpart die schmerzvolle Erinnerung der Mißgeschicke in Muskau sehr lindern. Die arme Bettina geht eigentlich immer selbstmörderisch mit sich um, und es ist Nächstenpflicht, ihr beizustehen und ihr Beginnen zu hemmen. – (...)

*

An Karl Rosenkranz

Berlin, 14. Oktober 1833

(...) Das Buch Rahel macht fortdauernd die tiefste Sensation; in Wien, in London, in Stockholm, in Paris, in St. Petersburg, im Haag, in ganz Deutschland. Fürst Metternich, Graf Bernstorff, beide Humboldt, der Kronprinz, die Herzogin von Cumberland, Prinzessinnen überall und noch ganz andre Personen, welche jener glänzenden Genanntheit gegenüber eine noch wertvollere und tiefinnige Ungenanntheit darstellen, sind in gleicher Weise ergriffen und begeistert. Die Anforderungen nehmen von allen Seiten mit jedem Tage zu. Ich aber bin beschämt, gebeugt, in Weh versenkt! Das Leben entbehrte solche Fülle, und nun sie erscheint, fehlt dieses teure, liebe Leben! – (...)

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 7. Januar 1834

(...) Das ist ja sehr schön, daß mit Frau von Arnim ein angenehmer und ergiebiger Verkehr sich eingerichtet hat! Ich gönne es ihr von ganzem Herzen, denn sie hat sonst gar nichts, woran ihre verlangende Einbildungskraft sich erfrischen kann. Auch ihre Söhne machen ihr das Leben nicht eben süß, so leidenschaftlich sie an ihnen hängt und für sie zu leben sucht. Einen Stiefvater gibt sie ihnen gewiß nie, weder in Ranke, noch in irgend einem anderen – sie widerspricht heftig dem Gerücht (das ich doch nur von ihr vernommen) von beabsichtigter Verheiratung mit Ew. Durchlaucht. Leider setzt sie ihre Vorlesung der eigenen Denkwürdigkeiten noch immer und meist mit üblem Erfolg und zu schlechtem Dank an übelgewählten Orten fort, und wenn sie die Sachen je zum Druck bringt, ist jedermann darüber blasiert. Raten und helfen Sie ihr, wenn Sie es nicht können, so kann es niemand: durch Sie ist sie somnambüle, machen Sie sie nun auch clairvoyante!

Seien Ew. Durchlaucht ohne alle Besorgnis wegen Ihrer vertraulichen Mitteilungen! Ich bin zwar – und doch nur wie alle Welt – der intime Vertraute von Bettina, aber eben daher weiß ich am besten, daß sie meine Vertraute nie sein kann und darf. – (...)

*

An Gustav Schlesier

Berlin, 22. März 1834

Ich habe nun Ihre Kritiken gelesen und möchte Ihnen gern ein Wort darüber sagen, wiewohl ich dies nur kann, indem ich auf gut Glück schreibe, denn ein bestimmtes Ziel der Verständigung und eine feste Bahn dazu dürfte hier nicht leicht abzustecken sein. Den Eindruck, welchen Ihre Blätter mir gemacht, muß ich dem eines Bildes vergleichen, vor dem man in dem Widerspruche befangen bleibt, sich in stets erneutem Wechsel sagen zu müssen: »Ich bin es!« und: »ich bin es nicht!« Daß mich Ihr Lob recht träfe, müßte ich höher stehen, Ihr Tadel streift nur meine Außenseite, die ganze Bezeichnung fällt gleichsam nebenan. Und doch fühl ich mich durch manches wohl getroffen, und kann mir eine gute Mahnung daraus nehmen, nach welcher Seite ich mich weniger hinzustellen habe, um nicht mehr getroffen zu werden. Dies alles näher zu erörtern, wäre nun freilich die mündliche Unterhaltung durchaus erforderlich; hier muß ich mich begnügen, Ihnen ganz im Allgemeinen zu versichern, daß ich Ihre Aufsätze mit größtem Anteil und Vergnügen gelesen habe, wozu indes auch die lächelnde Schadenfreude beitragen mußte, wie sehr Sie sich wundern würden, wenn Sie zu dem Geisteskinde Ihrer Schilderung nun wirklich das leibhafte Vorbild zu sehen bekämen! Sie hätten mir die Blätter übrigens ganz ohne Bedenken schicken können: ich bin nicht peinlich in solchen Dingen und kann Tadel und Lob vertragen, auch unverdientes, mit dem es meist am schwierigsten fertig zu werden ist. Sie aber machten mir die Sache auch ihrerseits ganz leicht, denn Ihre Schilderung, abgesehen von Ähnlichkeit oder Unähnlichkeit, ist an und für sich so anmutig, belebt, gehaltvoll, daß sie dadurch ihren Gegenstand hinlänglich in sich selber hat, und auch dann, wenn sie nur ein gewähltes äußeres Ziel gar nicht berührte, niemals eine leere oder zwecklose sein würde. Ich habe schon vor langer Zeit einmal den Gedanken gehabt, daß man eine Galerie von Bildnissen liefern könnte, der Schriftsteller sowohl als der Schriften, die noch gar nicht da wären, und daß gerade darin die größte Meisterschaft an den Tag gelegt werden könnte. Sehen Sie dies nur nicht in mißfälliger Anwendung als etwas Spöttisches an; erwägen Sie lieber den unleugbaren Vorteil, der in solchem Unternehmen läge, wodurch die Kritik eine nicht nur prophetische, sondern geradezu eine erzeugende Macht würde! –

Um noch einmal auf mich zurückzukommen, so merke ich insbesondere an, daß Sie in der literarischen Untersuchung auf gutem Grunde und sicheren Schrittes vorgegangen sind, Ihr Urteil aber hauptsächlich dadurch geirrt wurde, daß Sie die persönliche Bahn mit der literarischen zu sehr als gleichlaufend voraussetzten.

Ihre Gabe, zu sehen, die Gegenstände beliebig allgemeiner oder spezieller aufzufassen, in entschlossener und anmutiger Wendung hinzustellen, würdige ich mit höchster Anerkennung. Ihre Rede hat immer einen Gegenstand, ein Gesehenes in sich, wäre es auch nicht immer grade das, was ausdrücklich als solches benannt wird. Verlieren Sie nur niemals die uns Deutschen mehr als allen andern Nationen unentbehrliche Gründlichkeit, so werden Sie auf diesem Wege gewiß weit fortschreiten. Sie sehen, daß ich mich schon sehr zu den Alten rechne, und der Jugend gute Hoffnung ausspreche!

Ohne Zweifel ist von Ihrer Hand auch die Anzeige des neuen Pücklerschen Buches, die ich soeben gelesen habe. Halten Sie es nicht für Anmaßung, sondern sehen Sie darin nur unbefangenen Mitteilungsdrang, wenn ich Ihnen sage, daß diese Anzeige mir außerordentlich gefallen hat; nicht, weil sie grade meinen eignen Sinn ausspräche; sondern weil sie in der Wahl des Standpunktes, in der Kraft und Frische des Ausdrucks den größten Takt, den freiesten Umblick und die gewandteste Bildung zeigt. Ich freue mich jedesmal, wenn mir dergleichen begegnet, und kann dabei selbst mir Widersprechendes und Feindliches preisen; wie ich z. B. in dieser Art ein leidenschaftlicher Bewunderer und Verehrer von Gentz sein mußte, dem ich hingegen persönlich als Widersacher mich nicht verleugnete.

In den Blättern, an welchen Sie mitarbeiten, sind mir Bruchstücke einer Schilderung von Schall zu Gesicht gekommen; nur Bruchstücke, Anfang und Schluß fehlten. Sehr merkwürdige Zeichnung; hin und wieder etwas zu breit ausgelegt, aber sehr wahr, und mit Geist und Laune gefaßt. Andre meinen, mit zu wenig Liebe; ich finde das nicht; die Wahrheit und Richtigkeit ist deswegen nicht lieblos, und die hohlen Empfindsamkeiten, die aus allen Toten Engel machen möchten, sind mir verhaßt. Ich weiß aus eigner, täglich erneuerter Schmerzerfahrung, daß die tiefste Liebe und herbste Trauer grade am wenigsten jener weichlichen Schonung bedürfen oder begehren, die den geliebten Gegenstand nicht sehen mag, wie er war, und durch Verhüllung oder Schein ihn nur vernichtet! –

Werden Sie mir verzeihen, wenn ich Sie mit einer Bitte belästige? Ich finde in der »Allg[emeinen] Z[eitung]« ein Buch angekündigt, dem ich hier vergebens nachfrage: »Das junge Europa«, von H. Laube, Novelle in zwei Teilen. Ich wünsche das Buch zu haben und bitte Sie, mir es durch Ihren Buchhändler unter meiner Adresse an Hrn. Dümmler hier senden zu lassen, nebst der Anweisung auf den Betrag, den ich sogleich entrichten werde. Ich bin so frei, mich an Sie zu wenden, weil Sie mit dem Hrn. Verfasser befreundet sind und selbst im Fall, daß das Buch in Leipzig nicht mehr zu haben wäre, wohl am leichtesten Rat zu schaffen wissen.

Mit den aufrichtigsten Wünschen für Ihr Wohlergehen und das Gedeihen Ihrer geistigen Arbeiten verharre ich hochachtungsvoll und ergebenst

Ihr gehorsamster
Varnhagen von Ense

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 2. April 1834

Der Kutscher soll mir nicht umsonst abgehen, und er könnte denn doch früher kommen als die Post; so möge er denn diese Grußzeilen für Ew. Durchlaucht mitnehmen! Ich mußte mein Blatt von heute vormittag eilig schließen, weil mir der Kopf bedrängt und verstört war, daß ich jeden Augenblick fürchten mußte, es entsteht ein Unfall daraus. Die nächsten Stunden brachte ich sehr unangenehm zu; der Zustand ist noch nicht vorüber, doch versuch ich gern, im Schreiben fortzufahren.

Die Gelegenheit bietet sich so günstig, daß ich Ew. Durchlaucht das heute früh erwähnte Buch Heinrich Laube, Das junge Europa. Novelle, Tl. 1: Die Poeten, Leipzig 1833. lieber gleich mitschicke. Ich erbitte mir solches aber wieder zurück, denn ich selber habe es noch nicht ausgelesen. Wie es Ihnen vorkommt, bin ich sehr begierig zu hören. Mich macht es unglücklich, es gibt mir eine Stimmung von Pein und Weh, daß ich ein ganz weinerliches Gesicht dazu mache; dies rührt aber einzig von den Kunstgewöhnungen her, in denen mein Gemüt seit frühesten Zeiten sich auf- und niederschwingt: das Gestaltete fehlt mir zu sehr, und das Bildende, und der große Hintergrund ruhiger Natur und Geschichte, der aus unendlichen Weiten doch eine feste Schlußwand macht: an Talent, Geist, Reiz und Kraft fehlt es nicht. Der Autor ist ein ungewöhnlich begabter Mensch, der in Ermangelung alles anderen, was ihm zu sein und zu treiben noch versagt ist, sich im Dichtungsfache versucht. Wäre ich ein Helfer beim Staatswesen, ich wäre aufmerksam auf diese jungen Leute, die in Deutschland immer häufiger hervortauchen, seitdem Heine diesen Strom hinabgefahren ist. Sie sind ein Zeichen der Zeit, und ihr Wirken und Dichten deutet auf manches Neue, das sie vielleicht nicht liefern, aber vorschmecken und andeuten.

Auf ganz anderem Standpunkte, und mit sehr verschiedener Begabung, haben Ew. Durchlaucht doch mit diesen Jünglingen etwas gemein, und zwar das Wesentlichste, nämlich die völlige Geistesfreiheit, mit der Sie in Welt und Leben dastehen, sich umschauen und einhergehen. An plastischem Sinn, an Geschmack und Sicherheit des Darstellers, an eigentlicher Kunstrichtung sind Ew. Durchlaucht weit voraus.

Es wäre nicht billig, wenn Sie von Ihren natürlichen Verbündeten sich abwenden wollten; ich dächte, Sie pflögen, im Gegenteil, ein leidliches Vernehmen nach dieser Seite! Was meinen Sie? möchten Sie wohl von dem »jungen Europa« des jungen Laube in Ihren nächsten Bänden ein gutes Wort mit einfließen lassen?

Ich selber stehe seltsam zu der jungen Brut. Ich erkenne sie als tapfere Streiter, ich nehme mir sogar mein Teil von ihrer Siegesbeute und lasse mir wohl auch den Ertrag ihrer Plünderungen nicht entgehen; aber ich gehöre doch nimmermehr zu ihrer Fahne. Wo sie mich gelten lassen, bin ich mißtrauisch, und wo sie mich tadeln, oft sehr fest und stolz. Sie neigen alle ein wenig zu dem Frevel hin, Goethen lästern zu wollen, ihn zu verkleinern, zu mißachten; und darin verwerf ich sie unbedingt. Dann freut es mich wieder, daß ich die Freien und Wilden auch wieder so zahm und ehrerbietig einlenken sehe, und ihre Huldigung hat dann freilich doppelten Wert.

Diese junge Literatur kommt mir vor wie reitende Artillerie; da sie einmal da ist, möchte man sie nicht wieder missen, obgleich unser altes schweres Geschütz, zu dem wir geschworen, dabei gar sehr außer acht kommt. (...)

*

An Gustav Schlesier

Berlin, 18. April 1834

Ich darf nicht länger aufschieben, Ihnen herzlichst zu danken, Verehrtester, für die freundliche Güte, mit der Sie meinen Wunsch erfüllt haben, oder vielmehr überboten, denn Sie haben aus einer Besorgung, um die ich Sie anzusprechen wagte, ein angenehmes Geschenk hervorgehen lassen, für welches ich Ihnen nun doppelt verpflichtet bin. Nicht mit Unrecht war ich auf das Buch aufmerksam und begierig; dasselbe hat mir reichlich zu schaffen gemacht und tut es noch, insofern die Betrachtungen, die sich ihm angeknüpft haben, noch immer ihr Gespinst weiter treiben. Darüber öffentlich zu reden, wäre ich kaum imstande, wenn auch nicht äußere Hindernisse entgegen wären, die mit unsern Einrichtungen zusammenhängen, und gegen die der Einzelne nichts vermag. Der ganze Stoff will sich mir allzu breit auslegen, und ich wüßte ihn in der Kürze nicht zu bewältigen, da er die gestaltete Gedrängtheit, in welcher ich ihn sehen und fassen möchte, auch in den Händen des Urhebers nicht empfangen hat. Ich will den letztern damit nicht tadeln; es gibt Stoffe, deren Wesen es ist, der strengen Kunstform sich nicht zu fügen, aus den organischen Reichen sich gewaltsam herauszuhalten und in dem elementarischen Reiche zu verkehren; alles, was in der Literatur als Wetter, Sturm, Meteor, Wolkenzug erscheint, ist mehr oder minder von dieser Art. Eine besondere Kraft und Wirksamkeit wohnt diesen Erscheinungen bei, ein Lebenseindruck, der dem schöner Gestalteten oft erst in einiger Ferne folgt. Dies, dünkt mich, ist auch der Fall bei der Novelle Ihres Freundes. Sie bezeugt eine außerordentliche Lebenskraft, reichen, üppigen Geist, scharfen Sinn, unverzagten Blick, große Keime der Zukunft. Aber was ich vermisse, vermisse ich meiner Natur und Bildung nach gar sehr; und ich kann, bei aller Anerkennung, nicht über den Mangel hinwegkommen. Ich vermisse die Milde und Schönheit der Kunstgestalt, auf welche der Anspruch doch vorhanden ist; und ich kann mich unheimlicher, peinlicher Empfindung dann nicht erwehren. Sie mißverstehen mich nicht, Sie wissen schon, daß ich dies nicht sowohl dem Autor als seiner Aufgabe zurechne, und daß ich diese für wichtig und verdienstlich halte, ja persönlich teil an ihr nehme, aber doch aus ihr stets wieder zu andern Forderungen gedrängt werde, die nur der strengreine Künstler erfüllen kann, der echte Dichter, der nichts anderes sein muß und will, als ein solcher. Ich sage mit Bedacht »muß«, denn ich glaube allerdings, daß Friedrich Schlegel in der »Lucinde«, Heinse, Jean Paul Richter, unter den Franzosen Victor Hugo meist etwas anderes sein mußten als Dichter, und ich glaube auch, daß sie wohl daran taten, wenn schon mir bei ihnen nicht immer wohl ist. Ihr Freund hat es mit den größten sittlichen und geselligen Problemen zu tun; wie könnte er da anders, als einen Teil seiner dichterischen Gaben in die der Lebenstätigkeit, des streitfertigen Eingreifens, des auf die Zukunft deutenden Anreizes umzusetzen? Ich finde das in der Ordnung. Aber hüten wir uns, um dieser Notwendigkeit willen die andern Vorteile zu verkennen! Sagen wir nicht, weil wir jetzt kein Gold gebrauchen, sondern Eisen, das Gold sei nicht Gold! Und hier komme ich mit Recht auf Goethen: er ist dieses Gold, das ewig das edelste Metall bleibt, und zuletzt auch dem Eisen befiehlt! Der Demokratismus, welcher dieser Aristokratie entsagte, die Zukunft, welche sich von dieser Vergangenheit ablöste, würden nur schwachen Bestand haben. Weniges ist zu vertilgen, das meiste aufzunehmen und zu stellen; das ist die Kunst! Schließlich muß ich Ihnen auch noch bekennen, daß ich für Ihre schwere Ketzerei, meine Worte über Goethes vierten Band seines Lebens mit mehr Vergnügen gelesen zu haben als diesen Band selbst, in mir keine Macht und Formel finde, Sie zu absolvieren! –

Ich habe die Novelle dem Fürsten Pückler gesandt, der mir schon sehr eingenommen darüber geschrieben hat, und wie ich glaube, Anlaß nehmen wird, in seinen folgenden Bänden ein öffentliches Wort davon zu sagen; das wird besser sein, als wenn ich meine – doch nur gefesselten – Worte darüber hinklirren ließe. Sowie ich das Buch zurückhabe, soll es mein Freund Professor Gans lesen, der jetzt bei weitem beste Kopf meines Erachtens in Deutschland! – Lassen Sie mich immer beizeiten erfahren, was von Ihnen und Ihrem Freunde erscheint, – da der Buchhandel uns manches vorenthält, wie grade jene Novelle! –

Ich würde mich sehr freuen, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, und wenn Sie einmal unvermutet bei mir einträten, sollten Sie gewiß sehr willkommen sein! Sie fänden freilich aber nur einen Verstimmten und Kranken!

Wäre ich rüstiger, so verspräche ich Ihnen gerne einen Beitrag zu Ihrer Zeitschrift; aber es vergehen Wochen, in denen ich nichts schreiben kann und kaum den Korrekturbogen gewachsen bin, die mir von dem neuen Abdrucke des Buches Rahel täglich zukommen. Bietet aber die Gelegenheit sich günstig dar, so sollen Sie meinen guten Willen durch die Tat erkennen.

Ich war diese Zeit hindurch sehr leidend und fühle das noch nach, indem ich schreibe; sonst würde ich noch nicht aufhören, da wohl so vielerlei noch zu sagen wäre. Nur zwei vereinzelte Bemerkungen mögen noch hier stehen. Ich habe, durch Ihr unbilliges Wort veranlaßt, den neuesten Band von Goethes Leben abermals gelesen, und wünschte, Sie hätten die Bewunderung und Befriedigung, welche dies Werk gewährt, mit mir empfinden können. Die zweite Bemerkung bezieht sich wieder auf die Novelle: ich bin erstaunt, wie durch und durch unsere Zeit im Allgemeinen Saint-Simonistisch ist, und zwar recht eigentlich dem Bedürfnisse nach. Doch dies ist ein Gegenstand, der mehr als jeder andre zum plötzlichen Abbrechen geeignet ist. – Leben Sie wohl, und mögen meine besten und treuesten Wünsche für Sie in Erfüllung gehen! (...)

*

An Karl Rosenkranz

Berlin, 12. Juni 1834

(...) Die jungen, herrlichen Talente, die jetzt so häufig in politische Opposition oder in ungebärdige, sansculottische Kritik übergehen, möchte ich auch gern der deutschen Literatur, von der sie zum Teil abfallen, zum Teil ausgestoßen werden, in Ehren erhalten sehen durch Anerkennung dessen, was sie Besseres sind, bedeuten und leisten. Freilich ist das keine leichte Aufgabe, aber aus dem Standpunkte wissenschaftlichen Überblicks ist sie doch zu lösen. In solchem Sinne mache ich es mir zur Pflicht, Heine nicht preiszugeben, Börne zu beklagen und Pückler zu loben; neuerdings ist mir ein talentvoller junger Mann dieser Art namens Laube vorgekommen, auf den ich Sie doch aufmerksam machen will. –

Ich höre, daß Ihnen Ihr nordischer Aufenthalt wohl behagt und Sie von Ihrem altehrwürdigen Lehrstuhl mit jugendlicher Kraft fruchtbar und gedeihlich wirken. Ich wünsche Ihnen aus tiefstem Herzen Glück dazu, und kräftige Gesundheit und stets frische Lust! Ihr Beruf ist der schönste, den es bei uns gibt. – Ich lebe so hin wie ich kann; krankend, in erzwungener Muße und Geschäftigkeit, müde, sehnsuchtsvoll. Eine kurze Zeit lächelte mir eine neue Verbindung; sie hat sich wieder zerschlagen; vielleicht ist es so am besten; es ist nun wie vorher. (...)

*

An Gustav Schlesier

Berlin, 13. Juni 1834

(...) In einigen Wochen kann das neue Buch Rahel in Ihren Händen sein; ich ersuche Hrn. Duncker, Ihnen gleich einen Abdruck zugehen zu lassen, da ich selbst vielleicht in jenem Zeitpunkte nicht mehr hier bin, sondern auf dem Wege nach Wien, wo ich meine Kränklichkeit etwas abzustreifen hoffe. Dieses Buch ist mein eigentliches Lebensdenkmal; hier ist mein Inhalt, mein Verdienst, mein Glück, meine Bestimmung; hier haftet meine Erinnerung, mein Gewissen, meine Phantasie; was ich außerhalb dieses Kreises lebe, treibe, leiste, ist alles nur untergeordnet, blaß, erlöschend! Sie werden die alten Schätze durch neue reichlich vermehrt finden, das Persönliche deutlicher, dreister, die Beziehungen vollständiger und geschlossener. Es ist mir um Lob des Buches nicht zu tun; dasselbe wird der Teilnahme nicht entbehren; ich kann mich hier auf die Sache ganz verlassen und werde nicht irre werden, auch wenn die nächste Gegenwart nicht günstig sein wollte. Aber in Einem Betreff möchte ich mir günstige Stimmen sogleich sammeln, und meine Freunde darum angehen. Ich kann nicht leugnen, daß die öffentliche Mitteilung die Schranken der früheren vertraulichen weit überschreitet; anstatt scheuer zu sein, bin ich nur dreister geworden; man wird klagen, ich hätte Sachen weglassen, Verhältnisse umschleiern, Personen schonen sollen. Hier nun wünsche ich von Wohl- und Freigesinnten nicht nur gebilligt, sondern auch verteidigt zu werden. Ich hasse die deutsche, philisterhafte, hausbürgerliche Scham, die nicht öffentliche Berührung vertragen kann; ich verabscheue die frömmelnde Empfindlichkeit, die mit Tugend und Ehrbarkeit scheinheilig tut und in jedem Tadel ein Verbrechen gegen die gute Sitte sehen will; ich führe gegen diese böse Ziererei durch Wort und Tat Krieg; aber ich möchte nun auch gern den Beistand der Genossen erfahren, nicht allein in diesem Gefecht bleiben! Können Sie mich in diesem Punkte freisprechen, so tun Sie es, und sagen Sie, daß ich recht getan, die Stellen über Schleiermacher, Tieck und manchen andern sowie über eine Menge Bezeichnungen des Privatlebens nicht zu unterdrücken! Wir müssen diese Schwäche unseres Charakters überwinden. Ich habe von frühster Zeit diese Lehre nicht nur bekannt, sondern auch geübt, und kein Tadel hat mich je gebeugt oder nur ungewöhnlich verdrossen. (...)

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 19. Juni 1834

(...) Frau von Arnim läßt wirklich das oftgelesene Buch drucken: »Briefwechsel Goethes mit einem Kinde«; eine witzige Dame fügte hinzu: »Dichtung und Lüge.« Die arme Bettine wird was erfahren! Sie denkt, in der Literatur geht es wie in einer Teegesellschaft zu; die Literatur ist aber ein Schlachtfeld, ein Ordensfest, eine Schandbühne, es gibt Wunden und Stöße in Menge, neben wenigen Ehrenzeichen, die am Ende auch wenig gelten. Das Vergnügen an der Sache ist das Beste dabei, wie bei der Jagd. – (...)

*

An Leopold Schefer

Berlin, 19. Februar 1835

(...) Das Buch der Frau von Arnim ist erschienen. Ich kannte fast alles schon. Gedruckt macht es auf mich nun eine entschieden widerwärtige Wirkung. Es ist eine hysterische Selbstsucht darin, die zum Teil geistreich, zum Teil fratzenhaft sich äußert, und wenn man stundenlang gelesen hat, glaubt man zuletzt, man habe nichts gelesen. Für mich ist noch besonders der lügenhafte Grund schrecklich, auf den alles gebaut ist und den ich zum Teil als solchen genau kenne. Daß die Sonette alle an Bettine gerichtet seien, ist mehr als zweifelhaft, man nennt in Weimar ganz andere Namen dazu. Einige Briefe oder Briefteile sind zuverlässig ganz neu, und unter das alte Datum geschoben, damit es aussehe, als habe Goethe seine dichterischen Äußerungen daraus geschöpft. Der Brief vom 22. März 1832 ist gewiß nicht an diesem Tage geschrieben, sondern viel später. So wäre mir auch die Zueignung an den Fürsten ganz schön und angenehm, wüßte ich die Sache nicht anders, und zwar aus Bettinens eignem Munde! Voll Grimm, Feindschaft und Zerknirschung kam sie aus Muskau zurück und jammerte bitterlich, daß man sie nicht habe anhören wollen, daß man sie schlecht behandelt und unedel beschimpft habe! Da ich nun weiß, wie die Liebe zu Pückler und mit Pückler war, so muß ich natürlich fragen: wer weiß, wie es mit Goethe war? Sie braucht Goethen und Pückler wie Schönpflästerchen, sich damit zu schmücken; sie möchte gar zu gern an Pücklers Namen und Verdienst Anteil, ihn begeistert haben zu dem, was die Welt an ihm bewundert; sie möchte den Leuten einbilden, es hänge nur von ihr ab, an seiner Seite zu leben; soll darauf Goethe in dem Sonett, wo von »Fürstin« die Rede ist und das sie wahnsinnigerweise auch auf sich deutet, weissagend angespielt haben? – und jetzt, da sie Pücklers Glanz durch den minderen Erfolg der »Tutti Frutti« etwas erloschen glaubt, ist sie treulos genug, hier überall es sich zum Verdienst anzurechnen, daß sie dem Gesunkenen ihr Buch doch noch zugeeignet, daß sie aus Demut sich vor dem Publikum noch zu ihm bekenne, ihn nicht fallen lasse, sondern halte und trage, und die Hoffnung ihn zu bessern noch immer festhalte! Dergleichen mußt' ich gestern in großer Gesellschaft erzählen hören mit tiefstem Staunen über die arglistige Dreistigkeit der kleinen Hexe – die nicht zugegen war – und mit höchstem Unwillen für den armen Fürsten, der nicht ahndet, wie ihm so bösartig mitgepielt wird. Bettine hat eine Art von Wut auf bedeutende geistreiche Männer und möchte sie alle abnagen, die Knochen dann den Hunden hinwerfen. Ein Don Juan, in weiblicher Unschuld einherfahrend wie der Fuchs im Schafspelz! Was sind dagegen alle männlichen Wüstlinge! – In gewisser Art tut es mir leid, daß der Fürst durch die Zueignung nun so sehr verknüpft ist mit dem Buche; die Zueignung wäre hübsch für sich allein, besonders für Unkundige; das Buch aber macht sie zur Kompromittierung, und noch mehr Bettinens maßloses, törichtes Benehmen. Doch genug! – (...)

*

An Karl Rosenkranz

Berlin, 8. Mai 1835

(...) Stoßen Sie sich nicht an die verfehlte Stellung, welche Mundt mit jugendlicher Irrung hin und wieder gegen Hegel zu nehmen wagt; ich halte dies und viel andres in seinen literarischen Wendungen für unreif und vermessen und tadle es stets: allein ich finde, zusammen leben und schreiben muß man auch bei den größten Verschiedenheiten können, und eine etwas freiere Gesellschaftlichkeit als bisher täte unsrer Literatur sehr gut. – Von den neusten Anfechtungen, welche Mundt wegen seines Buches »Madonna« hier bei der Universität durch die Übereilung und Schwäche von Steffens erleidet, werden Sie wohl schon wissen; da ihm der Hr. Minister von Altenstein sehr geneigt ist, auch Steffens bereits reuige Tränen darüber vergossen hat, so wird wohl binnen kurzem alles glimpflich beigelegt sein! Ich finde die eigentlichen Zunftgelehrten, je mehr ich sie kennenlerne, desto widerwärtiger. Leute, auf die man etwas halten wollte, zeigen sich plötzlich gemein und dumm, wie man es rohen Handwerkern kaum verzeihen dürfte! – Auf der einen Seite die angesehenen Pedanten, auf der andern die ungezogenen Wildfänge – da wird es schwer, in der Mitte ruhig durchzugehen und weder gegen das schätzbare gelehrte Wissen in jenen, noch in diesen gegen die unleugbaren Talente ungerecht zu werden! – (...)

In meinen besten Stunden und Tagen bin ich fortwährend mit dem Geistes- und Herzensandenken meiner geliebten dahingeschiedenen Freundin beschäftigt. Ich habe unausgesetzt mit Rahels Nachlaß zu tun, ihn zu ordnen, abzuschreiben, zu durchdenken, nochmals zu durchleben. Zwar sollen fürerst keine neuen Publikationen erfolgen, aber vorbereiten möchte ich manche, und das Bedeutendste, der eigentliche Lebenszusammenhang, der Roman möchte ich sagen dieser Briefe, ist noch zurück. Das Buch ist erstaunlich durchgedrungen in der Welt, auch in fremden Ländern, und Rahels Dasein wächst mit jedem Tage, worüber mir die wundervollsten Zeugnisse zukommen. (...)

*

An Karl Gutzkow

Berlin, 16. November 1835

So leid es mir ist, meinen Namen nochmals in eine Angelegenheit zu verflechten, in welcher Sie denselben schon einmal mit größtem Unrecht genannt haben, so sehe ich mich doch gezwungen, weil die Sache hier ein so unangenehmes Aufsehen macht, heute ein berichtigendes Wort an die »Allg. Ztg.« zu senden. Ich halte es für schicklich, Ihnen davon Anzeige zu geben, und tue es um so lieber, als ich Sie dringend ersuchen möchte, meinen dort ausgesprochenen Wunsch zu berücksichtigen. Ich rechne mit Zuverlässigkeit darauf, daß Sie durch keine Erwiderung mich in den Fall setzen, nochmals zu antworten. Da, was Sie getan, mehr als ein Irrtum ist, so können Sie nicht verletzt sein, daß ich es nur also nenne.

Ich glaube, meine Vorhersagungen werden eintreffen, und der widerwärtige, nach keiner Seite gedeihliche Streit wird Ihr lit. Unternehmen in der Geburt ersticken, und Ihre bessern Absichten, Ihre löblichen Vorsätze, von denen Sie reden, werden kaum eine Stätte finden, wo sie sich zeigen können. Möchten Sie aber auch eine unglückliche Erfahrung dieser Art nur benutzen, in jenen Vors. zu beharren, Ihrem Talent, das gewiß jeder Pflege wert ist, eine neue, mit unsren deutschen Zuständen und Gewöhn. übereinstimmendere Richtung zu geben, und dasselbe zu künftiger Anerkennung nur um so strenger auszubilden. Mit diesem wohlgemeinten Wunsche scheide ich von Ihnen und verbleibe

mit Hochachtung
Ihr ergebenster
V.

*

Empfänger unbekannt

Berlin, 2. Januar 1836

Die Erklärung des Dr. Laube, durch die er sich gegen die Richtungen ausspricht, denen man ihn unter dem Namen des jungen Deutschlands beigezählt hatte, war mir schon bekannt. Ich vermag aber in die Verdammnis, die man deshalb über ihn verhängt, nicht einzustimmen. Sie müssen bedenken, daß Laube fortwährend ein Gefangner ist und als solcher spricht, der nicht nur in der Gewalt des Feindes ist, sondern auch noch neue Übel auf sich eindringen sieht, die er versuchen muß abzuwenden, wenn er nicht gradezu untergehen will. Der Heldenmut, lieber unterzugehen als sich zu beugen, ist groß und schön, wir müssen ihn bewundern, dürfen ihn aber nicht fordern. Galilei widerruft seine eingesehene Überzeugung, ohne daß wir ihn deshalb verachten dürfen. Auch die größten Könige bequemen sich zu schmachvollen Friedensschlüssen. Die Freundschaft, welche der König von Preußen nach dem Frieden von Tilsit gegen Napoleon heucheln mußte, ist nicht schlimmer noch besser, als die, welche von Laube gegen Tzschoppe bezeigt wird. Aus diesem Gesichtspunkte mögen Sie das Verhältnis ansehen, und Ihr Urteil wird sich billiger stellen. Allein hier kommt noch ein andrer Umstand in Betracht. Laube hat nämlich seine Ansichten wirklich verändert, er ist in Bildung und Weltverständnis weitergeschritten, und jenes frühere unreife, gewaltsame Treiben ist nicht mehr das seine! In jedem Fall hat er die Welt klüger anzufassen gelernt, und sein Bekenntnis war ihm in dieser Hinsicht umso leichter, als das, wozu er sich gedrungen fühlt, mit dem, was man von ihm gebieterisch forderte, wenigstens in einigen Stücken zusammenstimmt. Und auch hiemit ist meine Entschuldigung für Laube noch nicht erledigt. Fühlt er sich, wie ich ihn sehe, so kann alles Literarische für ihn nur untergeordneten Wert haben; er darf daher leichter und lässiger mit diesen Verhältnissen umgehen, die doch nicht seine Hauptsache sind, wenngleich die Umstände sie ihm für den Augenblick aufdrängen. Ich glaube nämlich, der Kern seines Wesens, der Zusammenhang seiner Gaben, wie groß diese auch sein mögen, bestimmt ihn eigentlich nicht zum Schriftsteller, und es ist eine Nothülfe, daß er dennoch nur dies bis jetzo geworden ist. Allerdings halt ich ihn neben Gutzkow für das entschiedenste Talent, welches in der jüngsten Zeit aufgetaucht, allein ich meine, die Folge könnte diesem Talent noch eine ganz andre Laufbahn öffnen. Seine Eigenschaften dünken mich mehr praktisch als schriftstellerisch, und die Wirklichkeit des Lebens scheint mir der Stoff, in welchem er am besten vermöchte zu arbeiten. Er hat alles, was zum gewandten Diplomaten, zum großartigen Unternehmer, vielleicht zum Helden gehört. Warten wir ab, was die Welt ihm noch darbieten wird, ob sie ihm die Bahnen aufschließt oder versagt! Bleibt er nur Schriftsteller, so lebt er in der Erscheinung nur mit dem mindern Teile seiner Anlagen und wird meist irrig beurteilt werden, wie Mirabeau, bevor sein lebendiges Wort die doch ebenfalls bedeutenden Werke seiner Feder in Schatten stellte, und den ganzen tatkräftigen Mann erkennen ließ. Ob ich mich in dieser Bezeichnung irre? Möglich. Denken Sie aber einen Augenblick, daß in Laube eine Ahndung solcher Art wach sei, wie gering und gleichgültig muß ihm dann vorkommen, was er jetzt einstweilen in den geringfügigen Bewegungen dieser Tagesliteratur tut oder unterläßt, ob er sich nicht befugt dünken darf, darin ganz nach seiner augenblicklichen Zuständigkeit zu verfahren? – Ich gebe ihm nicht Recht, aber ich kann ihn nicht tadeln. –

Im Bette schreibt sich's gar schlecht. Ich höre auf. Leben Sie wohl!

(Geben Sie mir dies Blatt zurück.)

Ihr V.

Brief Varnhagens an Justinus Kerner

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 6. Januar 1836

(...) Wenn auch nur durch die Zeitungen, werden gewiß einige Nachrichten von der Schriften- und Schriftsteller-Verfolgung zu Ihnen gedrungen sein, welche seit einigen Monaten bei uns ausgebrochen ist. Die jungen Leute haben es toll gemacht und entbehrten jeder Weltklugheit; die alten Leute schienen es hierin gleichtun zu wollen; aber was bei den jungen Leuten noch verzeihlich und graziös war, nimmt sich bei den alten unerträglich aus. Das sogenannte »junge Deutschland« bestand eigentlich nur in Dr. Gutzkow, einem sehr großen, aber brutalen Talente, und dieser junge Mann hat nun die Ehre, daß alle deutsche Regierungen und der Bundestag dazu, weil Louis Philippe mit seinen Franzosen gerade nichts zu tun gibt, sich mit ihm beschäftigen! (...)

*

An Klemens Lothar Wenzel Fürst von Metternich

Berlin, 6. April 1836

Durchlauchtigster Fürst!

Ew. Durchlaucht verehrtes Schreiben vom 19. Dez. v.J. ist mir durch den Überbringer erst am 12. März d.J. eingehändigt worden, und leider mußte sich dieser großen Verspätung des Empfanges, der mich schon genug bestürzte, gleich eine neue für die Beantwortung hinzufügen. Denn ich lag an einer Krankheit darnieder, deren hartnäckige Langwierigkeit, wie dies bei Influenza gewöhnlich, gegen alle Mittel die Oberhand behielt. Eben erst will sich ein Anfang des Genesens zeigen, und diese Zeilen sind die ersten, welche ich an meinem Tische zu schreiben versuche. Ew. Durchlaucht haben mein langes Schweigen gewiß schon durch Voraussetzung solcher Umstände, wie diese erwähnten sind, gütigst erklären wollen und dem Gedanken, der für mich die kränkendste Ungerechtigkeit wäre, daß meine Beeiferung hier im Fehl sein könnte, keinen Augenblick Raum geben mögen!

Erlauben Ew. Durchlaucht, daß ich nun sofort den Gegenstand aufnehme, wegen dessen Sie mich befragen. Wiewohl ich überzeugt sein muß, daß in der großen Zwischenzeit bereits mancher Aufschluß sich ergeben habe, so wird meine Mitteilung doch vielleicht noch einiges ergänzen, andres bestätigen können.

Was ich Ew. Durchlaucht früher in betreff einer Deutschen Akademie, dann hinsichtlich eines Vereins, zu welchem Goethes Namen und Geist der Mittelpunkt sein sollte, vorzulegen gewagt, hatte den bestimmten Zweck, der literarischen Verwirrung, welche ich seit Goethes Tod mit jedem Tage anwachsen sah, feste und wirksame Gegenmächte literarischer Art entgegenzustellen; die besseren Bestrebungen sollten sich in diesen Gebilden näher vereinigen, der Nation ihre höhere Geistesrichtung deutlich vor Augen halten, den Unfug aber, wo nicht verhüten, was auf diesem Gebiete wohl nie ganz gelingen kann, doch auf den engsten Raum beschränken und in sich selbst untergehen lassen. Meine Besorgnis war, wie die Folge gezeigt, nur allzuwohl begründet, wenn ich auch keineswegs glaubte, sie schon so nahe und auffallend gerechtfertigt sehen zu sollen!

Die literarischen Erscheinungen, welche im vorigen Sommer so großes Ärgernis gegeben, sind ihrem Wesen nach keine Neuheit, sondern nur die Fortsetzung einer seit vielen Jahren eifrig bemühten Wirksamkeit, welche hauptsächlich im südwestlichen Deutschland sich angesiedelt hat. Sie gehen ganz eigentlich aus der Schule des Mannes hervor, der späterhin, wegen zufälligen Zwiespaltes, als der Ankläger und Widersacher jener Erscheinungen auftrat. Seit Jahren wird in dem Stuttgarter »Literaturblatt« ein frecher und gemeiner Liberalismus gepredigt, jede würdige Autorität herabgesetzt, insbesondere Goethe lästerlich verunglimpft und jeder Schriftsteller als schlecht und dem deutschen Vaterlande feindlich gesinnt geschildert, der nicht in das hohle Geschrei einstimmt, das seit dem Jahre 1830 so vielfältig laut geworden. In diesem Hasse gegen Goethe, gegen den Philosophen Hegel, dessen Lehre dem Bestehenden zu günstig schien, gegen Preußen, wo Mäßigung und Ordnung kein wildes politisches Treiben aufkommen ließen, in dieser Richtung zu persönlicher Ungebühr und frechem Hohn wurde namentlich Gutzkow als Mitarbeiter jenes »Literaturblatts« erzogen. Jünger, eifriger und unstreitig auch weit begabter als sein Meister, Wolfgang Menzel, Kritiker und Literaturhistoriker. überflügelte er denselben bald, und sein Versuch, selbständig zu sein, führte den Zwiespalt herbei, durch welchen die öffentliche Aufmerksamkeit lebhaft angesprochen wurde. Mir war die ganze Richtung, in ihrer Wurzel wie in ihrer Blüte, tief zuwider, die Mißhandlung, die Goethes Namen erfuhr, hatte mich schon immer empört; die jüngeren Schriftsteller ließen es nicht an feindlichen, brutalen Äußerungen fehlen, die mich persönlich noch empfindlicher verletzt hätten, wäre meine Empfindlichkeit hier zu treffen gewesen; und wenn ich gleichwohl in diesen unreifen, geschmacklosen Schriften unverkennbare Spuren großen Talentes finden mußte, Fähigkeiten, welche besserer Pflege wert schienen, so konnte ich höchstens mit Goethes Unmut sagen: »Ich leugne die Talente nicht, wenn sie mir auch mißfallen.«

Kaum aber war jener Zwiespalt ausgebrochen, so ging in den Richtungen beider Teile eine merkliche Veränderung vor. Die eine Seite suchte sich auf Sittlichkeit und Ehrbarkeit zu stützen, ohne jedoch das Mißtrauen tilgen zu können, daß diese Begriffe jetzt nur heuchlerisch in der Not als bequeme Hilfe dienen sollten. Die andre Seite wünschte einzulenken, dem edleren Geschmacke zu huldigen und sich mit der allgemeinen Geistesbildung der Nation zu vereinigen. In diesem einlenkenden Sinne war es, daß Gutzkow, dem sich Wienbarg verbunden hatte, die Zeitschrift ankündigte, welche jedoch gar nicht erscheinen durfte; denn der Sturm war schon ausgebrochen, und es blieb kein Raum mehr, den bessern Sinn zu betätigen. Inzwischen hatten die beiden jungen Schriftsteller doch insoweit sich erklärt, daß sie glaubten, auf Goethes Verehrer und Freunde einen guten Eindruck gemacht zu haben. Sie forderten auch mich zu Beiträgen für ihre Zeitschrift auf, die sie noch zu retten hofften; ich antwortete durchaus ablehnend; indem ich bemerkte, ich sei überhaupt kein Schriftsteller für Tageblätter und müsse mich auf die Arbeiten beschränken, welche aus eigner Wahl und Vorsatz mir gehäuft oblägen. Die beiden Herausgeber begingen, trotz dieser Antwort, die leichtsinnige Ungebühr, mich bald darauf dennoch öffentlich zu nennen, als hätten sie meine Zusage erhalten. Aufgebracht über eine solche dreiste Unwahrheit, widersprach ich derselben öffentlich, jedoch nur notgedrungen und möglichst milde, weil ich gegen den falschen Schein, dieser Seite anzugehören, durchaus nicht den ebenso falschen eintauschen wollte, als könnte ich mit ihrem Widerpart je gemeine Sache machen. Hiermit erledigt sich so ziemlich alles, was mich persönlich in dieser Angelegenheit betrifft.

Nun muß ich aber sogleich die Bemerkung beifügen, daß die hochklingende und beunruhigende Benennung »Junges Deutschland« mir keinen Augenblick etwas zu bedeuten geschienen hat. An einen Plan, an eine Verbündung, an verzweigte Verabredung und eingerichtete Hilfsmittel war auf keine Weise zu denken. Leichtsinn und Torheit sind auch unfähig, irgendeinen Zusammenhang zu stiften. Ich kenne weder Gutzkow noch Wienbarg, aber ich habe genug von ihnen erfahren, um weder dem einen noch dem andern die Absicht oder Kraft zuzutrauen, in solcher Art gefährlich zu sein. Mir war schon früher einmal begegnet, daß ein junger deutscher Gelehrter öffentlich einen literarischen Verein als bestehend ankündigte, aber auf meine bestimmte Nachfrage vertraulich eingestand, bis jetzt sei er selber nur das einzige Mitglied! Von jenen beiden möchte wohl dasselbe gelten, denn selbst ihr Zusammenstehen war nur scheinbar, und innerlich entzweit, trugen sie ihre Trennung schon vorbereitet. Zwei andre der jungen Schriftsteller, die man mit jenen für eng verbunden hielt, kenne ich persönlich und wußte mit Zuverlässigkeit das Gegenteil. Mundt hatte sogar schon öffentlich gegen Gutzkow geschrieben, und ich warnte ihn nur, nicht heftiger in diese Streitigkeiten einzugehen. Laube hingegen war in dieser ganzen Zeit, wie noch jetzt, einzig bemüht, die Unbesonnenheiten früherer Jahre vergessen zu machen und seine inzwischen gereifte Bildung und Einsicht den Behörden darzutun, deren Gunst er in Anspruch zu nehmen hatte. Diese jungen Männer, welche man durch einen Mißgriff, der aus völliger Unkunde hervorging, in die gleiche Kategorie zusammenwarf, hatten wenig Gefallen aneinander, bekämpften sich wechselseitig und wiesen eifrigst jeder des andern Unzulänglichkeit nach. Nicht leicht können sich in einem so jugendlichen Kreise mehr Gegensätze und Antipathien auftun als in diesem, den man das Junge Deutschland nennt! Daß eine gewisse Zeitstimmung in diesen jungen Köpfen gemeinsam herrscht und wirkt, kann nicht geleugnet werden; allein diese Zeitstimmung ist so luftartig verdünnt und verbreitet, daß man neben jenen Namen noch dreißig oder vierzig andre nennen könnte, ohne die Reihe zu erschöpfen oder auch nur mit Sicherheit annehmen zu können, ihre hauptsächlichsten Manifestationen herausgegriffen zu haben!

Dies führt zu einer allgemeineren Betrachtung, welche zu meinen anfänglichen Vorschlägen zurückleitet. Von jeher ist in der Literatur ein Element der Opposition gewesen, das mit dem Staat, der Kirche, den Sitten in mehr oder minder entschiedenen Kampf gerät. Dies wird immer und ewig so sein und durch Zensur und Polizei nie bemeistert werden, am wenigsten bei uns, wo das literarische Feld so schwer zu kennen und zu beaufsichtigen ist. Das Bedeutendste und Mächtigste steht großenteils durch die wissenschaftliche Form außerhalb des Bereichs der Staatsbehörden; das flüchtig Ärgerliche und Verletzende hat längst gewirkt, ehe diese einzuschreiten vermögen. Eine unlösbare Schwierigkeit liegt aber besonders in dem Umstand, daß die Literatur in ihren Vorräten für eine jede heute gefährlich erachtete und strafbare Richtung glänzende Beispiele und scharfe Waffen hat, denen man Ansehen und Gültigkeit gar nicht mehr absprechen kann. Des ganzen klassischen Altertums hier nicht zu erwähnen und bloß einiger neueren Schriftsteller zu gedenken, so möchte die Wirksamkeit Voltaires, Byrons, Wielands und so vieler andern, welche man den Sitten, dem Staat und der Religion für gefährlich hält, wohl durch keine Macht mehr zu beschränken sein, und andre Schriftsteller, denen man die gleiche Beschuldigung gemacht, wie Friedrich Schlegel, Fichte, Schleiermacher, Tieck, sind allmählich in ein ehrenfestes, ich möchte sagen durch den Staat sanktioniertes Ansehen getreten, und man hat vergessen, daß sie einst als Frevler gegen die Sitten, den Gottesglauben, die Regierungen verhaßt und verfolgt waren!

Ich habe aber dies nicht vergessen, und die Erscheinungen, welche meine Jugendzeit erfüllten, mit aufmerksamen Blick in ihrem späteren Verlauf begleitet. Vergleiche ich die damaligen Bestrebungen und Kräfte mit denen, welche heutiges Tages auf dem Schauplatz erscheinen, so muß ich bekennen, daß ich über die jungen Schriftsteller, welche den neuesten Lärm erregt haben, kein sehr strenges Urteil abzugeben vermag. Ich muß aber hier zunächst für mich selber ein Wort einschalten! Ew. Durchlaucht wissen es oder werden es doch meiner Versicherung glauben, daß jene Richtung der Frechheit und des Hohnes, welche den Unwillen der Behörden auf sich gezogen hat, keineswegs die meine ist; seit dreißig Jahren habe ich keine Zeile geschrieben, in welcher die gute Sitte, ja, wie ich hoffe, der gute Geschmack willentlich verletzt wäre; im Gegenteil, jene Richtung ist mir zuwider, sie empört mich und hat mich noch insbesondere in meinen teuersten Zuneigungen auf rohe Weise verletzt. Ich führe also gewiß nicht meine eigne Sache, indem ich jene neuesten Ausbrüche milder zu bezeichnen suche als so manche frühern, mit denen sie notwendig zusammenzustellen sind!

Es kann literarisch gar keine Frage sein, daß zum Beispiel die verrufene »Wally« von Gutzkow in Vergleich der nicht minder verrufenen »Lucinde« von Friedrich Schlegel als ein schwaches Kind erscheint, das mit unzureichenden Kräften die Bewegungen stärkerer Naturen nachahmt; ebenso haben die neuesten Angriffe auf das Christentum bei weitem nicht die Haltung und das Gewicht und noch weniger die Wirksamkeit, welche zum Beispiel die von Lessing herausgegebenen sogenannten Wolfenbüttelschen Fragmente noch jetzt ausüben; und was mag vollends ein beiläufiges humoristisches Lob des Casanova gegen diesen selbst bedeuten, der in zehn Bänden, deutsch und französisch, überall freien Markt hat! Nicht also das Begangene, wohl aber die Unbesonnenheit, und, ich muß hinzufügen, die Ohnmacht, mit der die törichten Versuche gewagt worden, ist größer als bei den Vorgängern. Ich für mein Teil bin überzeugt, daß ohne die Wichtigkeit, welche ihnen die Verfolgung gegeben hat, die ärgerlichen Erzeugnisse der neuesten Zeit schon ganz vergessen wären und die ganze Richtung aus Mangel beachtender Teilnahme längst in sich selber völlig erstorben sein müßte. Nicht minder scheint mir das spätere Benehmen der jungen Schriftsteller sehr zu ihren Gunsten zu sprechen. Die ersten Maßregeln gegen sie kündigten sich mit einer unerhörten Strenge an und ließen noch größere befürchten; dennoch hat keiner die Flucht ergriffen, keiner sich den Gesetzen entzogen, keiner sie zu umgehen und sich einer zensurfreien Presse zu bedienen gesucht. Sie sind nicht im Trotze verhärtet, sondern erschrocken und erweicht, und wo sie seitdem zu Worte kommen konnten, ist es auf eine mäßige Art geschehen, in dem Ausdruck einer Sinnesänderung, der man nur etwas Zeit gönnen mag, um sie zu dem Ziele gelangen zu lassen, das man billigerweise ihr setzen kann. In denjenigen von ihnen, die ich kenne, ist zuverlässig das Gute und Edle nicht allein bewahrt, sondern auch vorzugsweise wirksam; in den übrigen seh' ich ebenfalls unverkennbare Spuren des Bessern und reiche Anlagen, die sich noch zur allgemeinen Billigung ausbilden können und wohl noch einst ehrenvoll im Vaterlande dastehen! Wenn ich bedenke, daß ich den Verfasser der »Lucinde« später mit dem päpstlichen Christusorden geziert gesehen, und Schleiermacher, der diese »Lucinde« mit philosophischem Ernst angepriesen und im »Athenaeum« die Ehe mit bitterm Hohn angegriffen hat, als Gottesgelehrten und Prediger hier im höchsten Ansehen vor Augen gehabt habe, so kann ich auch für den Verfasser der »Wally« noch jede Geschickswendung für möglich halten, ja noch mehr, ich möchte sie bestimmt voraussagen! Meine Ansicht kann irrig sein, aber wie ich sie habe, lege ich sie Ew. Durchlaucht vor und sage daher ohne Hehl, daß ich von den bisherigen Schriften jener jungen Leute zwar nur geringe Meinung hege, eine große aber von ihren Talenten. Ich glaube, daß diese sich ausbilden, eine Stellung gewinnen und ebenso zu Beifall und Ansehen gelangen werden, wie dies bei den Schlegel und Tieck der Fall war. Einiges, die Ungebühr und Roheit, werden sie abwerfen, manches aber auch von dem, was jetzt in ihnen anstößig ist, werden sie in besserer Form durchführen und von der Zukunft aufgenommen sehen.

Ew. Durchlaucht selbst haben mir im Sommer 1834 gesagt – und jedes Wort aus Ew. Durchlaucht Munde ist mir tief in die Seele eingegraben – , daß das unbedingte Verwerfen der Menschen selten recht oder auch nur zulässig sei, daß in den meisten das Gute mit dem Bösen gemischt lebe und der Staatsmann bedacht sein müsse, beides immerfort zu scheiden, das eine, um es zu fördern und zu benutzen, das andre, um es zu tilgen und unschädlich zu machen: ich glaube daher nur dem hohen Vorbilde solch edler Gesinnung nachzueifern, wenn ich mich zu dem Wunsche bekenne, daß ich die jungen Talente, wo immer und in welcher Mischung sie sich zeigen, lieber geleitet und dadurch gerettet und gewonnen sehen möchte, als verfolgt und zugrunde gerichtet!

Im allgemeinen darf ich noch immer in dieser Hinsicht die Vorschläge zu einer Akademie, welche alle deutschen Staaten umfaßte, sowie nicht minder die von der Frau Großherzogin von Weimar aufgestellten Ideen als zeitgemäß und nützlich erachten, wenngleich ein unmittelbarer Bezug auf die jüngsten literarischen Unordnungen damit nicht verknüpft ist, noch verknüpft sein kann. Die mittelbare Einwirkung auf die literarischen Zustände überhaupt dürfte sich außerordentlich groß und wohltätig erweisen. Indes zweifle ich selbst nunmehr, daß ein solcher Versuch mit rechtem Ernste wird unternommen werden.

Ich habe Ew. Durchlaucht, da Sie mich gefragt, meine Ansicht und Überzeugung von diesen Sachen nicht vorenthalten dürfen, ich gebe Ihnen solche mit dem unbedingten Zutrauen hin, welches Sie mir von je eingeflößt und in mir bei dem letzten Wiedersehen bis zum freudigsten Enthusiasmus gesteigert haben! Ich getröste mich der Gewißheit, daß Ew. Durchlaucht, im Falle Sie auch meine Ansicht im ganzen oder in einzelnen Teilen durchaus mißbilligen und verwerfen müßten, doch deshalb meine Aufrichtigkeit gutheißen und nur meine Urteilsfähigkeit, nicht aber meine persönliche Gesinnung in Zweifel setzen würden. So fürchte ich denn keineswegs, daß Ew. Durchlaucht mich um der Betrachtungen willen, die ich zugunsten der Personen geltend zu machen gesucht, den törichten und ausgelassenen Bestrebungen beirechnen, die man mit dem Namen »Junges Deutschland« bezeichnet. Die ganze Kategorie ist überdies schon völlig in nichts aufgelöst und kann höchstens nur noch im Scherze gebraucht werden. Als es ein wirkliches junges Deutschland gab, in Goethes Jugend, da hatte man den Namen noch nicht; jetzt dürfte man lange den Namen vorschieben und herumzerren, ehe man wieder zu der Sache gelangte! Ich und die mir Gleichgesinnten, wir fühlen nur allzu sehr, daß wir zu dem alten Deutschland gehören und uns mit der Jugend, welche dasselbe einst hatte, behelfen müssen!

Es ist Zeit, daß ich mein langes Schreiben endige. Ich habe den Verfolg doch wieder im Bette schreiben müssen, welches ich nur anführe, um die Nachsicht Ew. Durchlaucht in dem vollen Maße zu erbitten, in welchem ich derselben bedürftig bin!

Ich erlaube mir, Ew. Durchlaucht eine kleine Schrift Heinrich Laube, Das junge Europa. Novelle, Tl. 1: Die Poeten, Leipzig 1833. beizulegen, die vielleicht einen günstigen Blick von Ihnen empfängt. In kurzer Zeit werden einige Arbeiten von mir fertig sein, die ich nicht ermangeln werde, Ew. Durchlaucht gleichfalls zu Füßen zu legen. Eine Schilderung von Gentz nebst einer Auswahl von Briefen desselben möchte ich besonders dem Wohlwollen Ew. Durchlaucht empfehlen und mir, wo der Beifall versagt bleiben müßte, wenigstens nachsichtige Geneigtheit sichern. Meinen aufrichtigen und redlichen Sinn werde ich hoffentlich keiner Verkennung ausgesetzt haben.(...)

*

An Karl Rosenkranz

Berlin, 1.Mai 1836

(...) Mit großer Freude empfing ich gestern Ihre Schrift über Schleiermacher, der späte Abend fand mich noch mit ihr beschäftigt. Vor- und Nachwort haben mich lebhaft angesprochen, sie sind beide auch voll eigentümlichen Lebens, allgemein geistigen und persönlichen, welche beide von Ihnen immer besonders anmutig und fruchtbar verknüpft werden. Wunderbar habe ich in Ihrer Erzählung einen Teil meiner eignen Lebenserfahrung wiederfinden müssen. Mir ist es mit Schleiermacher ebenso ergangen in früheren Jahren, wie Ihnen in späteren, nur war es nicht die streng philosophische Bahn, wo sich meine Verhältnisse entwickelten, noch hatte ich den Anhalt und den Geisteszug eines Hegel zur Hülfe, sondern in allgemeiner Geistes- und Lebensgestalt kam alles in Kampf und Entscheidung. Meine Bezüge zu Schleiermacher war[en] ganz persönlich und innig, die größte Hingebung mit einer Selbstständigkeit, die ihm jene erst recht wert machen mußte. Aber diese letztere vertrug er nicht, und einen zufälligen Zwiespalt machte er zum unversöhnlichen. Er hat mir Arges angetan, aber ich grollte ihm nicht, sondern er mir; er konnte mir nicht verzeihen, daß ich ihn unwürdig und gehässig gesehen; daß er dies nicht konnte, machte mir ihn zum stets erneuerten Rätsel, zur immer wiederholten Frage. Als ich später seine Geistesart mehr überschauen, seine Bücher genauer würdigen konnte, und er als Denker und Schriftsteller mir nicht mehr genügte, nahm das dem Interesse nichts, das er als Person noch für mich hatte. Ich fühlte ein tiefes Bedürfnis, ihn anerkannt und zugleich bekämpft zu sehen; jedes allein machte mir eine schmerzliche Empfindung. Ich selbst konnte ihn nur im Stillen anerkennen, bekämpfen gar nicht, außer in einigen Lebensbeziehungen, wo wir uns aber fast nie begegneten. Urteilen Sie nun, wie Ihre Auffassung und Darstellung mir erwünscht und gelegen kommt! Sie erkennen ihn an, und bekämpfen ihn. Durch Sie erfüllt sich mir eine der peinlichsten Unvollständigkeiten meines Lebens; dieser Mißton gelangt zu seiner Auflösung, dieser Unwillen befriedigt sich. In der Tat ist mir Schleiermacher, wie er aus Ihrer Behandlung hervorgeht, nur wieder um so ehrenwerter, lieber geworden, ich seh ihn mit dem echten Scheine um das Haupt, den sein eigner Geist ausstrahlt, nicht mit dem falschen der Amts- und Koterie-Konventionen, den seine Freunde ihm hier zuletzt angelegt, und den er sich – gefangen und geschmückt davon – gefallen ließ. Doch ohne Liebe habe ich ihn auch vorher nicht angesehen; nur wollte meine Liebe nicht die Gerechtigkeit zertrümmern lassen, sondern diese als Stärke in sich haben; deshalb freute mich damals der Aufsatz von Gutzkow so sehr, in welchem die schlechten Freunde nur Bosheit sehen wollten, da er doch diese nie, sondern neben vieler Wahrheit nur manchmal Unkenntnis oder Mißverstand enthält. Ich habe seit einem Viertel Jahrhundert viel an Schleiermacher gelitten und auch noch in neuster Zeit mich wiederholt mit ihm beschäftigt. Erst vor einigen Wochen, krank zu Bette, und nur zu solchen abgerissenen Aufzeichnungen fähig, schrieb ich ein paar Seiten über »Friedrich Schlegel und Schleiermacher«, die ich dem Dr. Laube, welcher mich grade besuchte, für die Mitternachtszeitung überließ. Lesen Sie doch diese Zeitschrift, das Blatt wird sich leicht finden, wahrscheinlich in dem Hefte vom Mai, denn noch hab ich es nicht gedruckt gesehen. Ich erzähle dort eine kleine Anekdote von Chamisso, die unerwartet neues Interesse erhält durch die Andeutung, welche letzterer in seiner eben erschienenen Reisebeschreibung zu geben durch ein Gefühl genötigt gewesen sein muß, das er peinlich mit sich so lange Jahre herumgetragen. Der Mann, von welchem Chamisso (Werke Tl. I. S. 7.) als demjenigen spricht, der ihn gedrückt anstatt ihn zu heben, ist kein andrer als Schleiermacher. –

Hier fällt mir noch eine Besonderheit ein, die ich noch nirgends aufgeschrieben habe, und die doch des Anmerkens nicht unwert sein dürfte. Ich lege sie bei Ihnen am guten Orte hier nieder! Im Sommer 1806 traf ich mit Schleiermacher eines Nachmittags auf einsamem Spaziergange bei den Felsen gegenüber von Giebichenstein zusammen, wir setzten uns und sprachen. Ich war nicht heiter gestimmt, ich hatte über Deutschlands Lage nachgedacht, Staat und Volk ließen wenig hoffen, die Literatur war mir zweifelhaft. Die Trümmer der Schlegelschen Verwüstung rauchten noch, eine ganze vermeinte Herrlichkeit lag vernichtet; des Stehengebliebenen war wenig, das Neugebaute schien mir schwach begründet; ich nahm die Möglichkeit an, daß wir alle in einer großen Täuschung lebten und unsre Sprache, Literatur und Wissenschaft wohl gar keine wesentliche Rolle in dem Weltgange haben, sondern rasch der Vergänglichkeit heimfallen könnten; selbst Goethe schien mir keine Bürgschaft mehr. Diese Zweifel teilte ich Schleiermacher mit. Er verwies sie mir. »Also haben Sie wirklich die feste Überzeugung« – fragte ich ihn voll Zutrauen – »daß wir Deutsche in der Reihe der Völker literarisch fortbestehen, daß unsre Geistesblüte in der Geschichte unvergänglich sein wird, wie es uns jetzt die der Griechen ist?« »Diese Überzeugung«, sagte er, »habe ich gewiß; und« – fügte er entschlossen hinzu – »wenn ich die nicht hätte, so schösse ich mir lieber noch heute eine Kugel durch den Kopf!« – Ich war erschrocken, so knallten seine Worte mir ins Ohr. Die Überzeugung ließ ich mir sehr gern gefallen, und ich nahm sie höchst gewichtig. Seltsam aber dünkte mich der Ausdruck, der in seiner Stärke grade nur Schwäche verriet, und ich mußte oft darüber denken, wie der Philosoph und der Prediger sein Leben so eitel und stolz an etwas knüpfen mochte, das doch im angenommenen Falle nur ein Götzenbild wäre. Da mußte ich mir selber ja schon einen Vorzug über ihn einräumen, der ich wohl mit Betrübnis die Sache dachte, aber darum noch nicht verzweifelte. Aber so heftig und persönlichen Herrscherwegs bedürftig war damals Schleiermacher, so ungemäßigt und scharf in seinen Worten. Auch den Lucindischen Sachen hatte er sich noch nicht entrückt. Der Roman und seine eignen Briefe darüber wurden oft besprochen, und nicht selten verfiel er auch noch in den Ton von jenem. Mit seinem höhnischen Lachen bekannte er (gegen uns Studenten), es sei nichts natürlicher, als daß einem der Schw... sich aufrichte, wenn man ein schönes Weib sehe; und mit behaglichem Wohlgefallen trug er (uns Studenten) das eilf-wortige Kunstgedicht seines Freundes Friedrich Schlegel auf eine der vielen Geliebten desselben vor: »O, o! Kleine Mereau, Mach doch so, so! Mit dem Popo!« Dergleichen galt für so genial und vortrefflich, daß ich in der nächsten Folgezeit nur meine Schuldigkeit und ein Werk der Pietät auszuüben wähnte, indem ich eine flüchtige Liebschaft mit ähnlichen Reimkünsten abschließen wollte! – In solchen Zügen liegt doch allerdings viel Bezeichnendes, das nur in dergleichen Stoff aufzubewahren ist, weshalb er selber zu verzeihen sein mag!

Der Rückblick auf jene Zeit und ihre Äußerungen hat mich denn auch vorzugsweise mit Nachsicht und Milde den neuen Übermut und die neue Ungezogenheit beurteilen lassen, die als »junges Deutschland« so großen Lärm verursacht haben. Ich ehre die Talente, »wenn sie mir auch mißfallen«, wie Goethe sagt; und die jungen Männer wünschte ich lieber gerettet als verderbt zu sehen. In diesem Sinne habe ich meine Meinung an gehörigen Orten abzugeben nicht gescheut. Glücklicherweise hat die persönliche brutale Verfolgung keinen Bestand gehabt; der allgemeine Druck aber lastet schwer, und fast nichts mehr kann harmlos und unbefangen gesagt werden. Darunter leiden viele Einzelne, und ganze Zeiten werden uns verdüstert; aber die Geister lassen sich nimmermehr zwingen! – Hier in Berlin namentlich sieht es seit Hegels Tod in der Literatur sehr trübe aus. (...)

*

An Ludwig Tieck

Berlin, 1. Juli 1836

Durch Ihre freundliche Zuschrift und die Art, wie Sie darin von Rahel sprechen, haben Sie, Hochverehrter, mir die Seele wunderbar angeregt! Denn ich bin wohl unempfindlich und hart genug gegen Mißkennung und Tadel, aber darum nicht minder gerührt und erfreut durch jede Gunst und Zustimmung, welche meinem Andenken an die geliebte Freundin sich vereinbaren. Die Freundschaft und Achtung, welche Sie für Rahel bekennen, ist mir wohltuend; auf bedingte Einzelheiten der Ansicht und des Urteils kommt es hier nicht an. Lassen Sie mich auch sogleich ausdrücken, daß Sie mich nicht umsonst als »verständigen Freund« sollen angeredet haben; ich darf Ihnen versichern, daß Antrieb und Zweck wie Stimmung und Sinn Ihres Briefes mir ganz erklärlich sind, und dieser bei mir gute Stätte findet. Möge davon das Nachstehende, was ich, im Gedränge zwischen Unwohlsein und Abreise, nur eben rasch zusammenfasse, Ihnen vorläufiges Zeugnis sein!

Zuvörderst eine Entschuldigung. Ich sandte Ihnen die erste Sammlung der Rahelschen Briefe, weil sie nicht im Buchhandel war, und ich sie in Ihren Händen zu wissen wünschte. Die zweite Ausgabe, so gut wie mein neustes Buch, Gallerie von Bildnissen aus Rahel's Umgang und Briefwechsel, Leipzig 1836. bei denen zwar jener Umstand wegfiel, hätte ich Ihnen nicht minder zugesandt; allein Frau von Arnim sagte mir damals bei ihrer Rückkunft von Dresden, Sie hätten sich mißliebig und feindlich über Rahel geäußert, und so fand ich es nicht gehörig, mit solchen Zusendungen fortzufahren, die Ihnen unangenehm sein konnten. Mißverstehen Sie, Hochverehrter, ich bitte Sie, dieses nicht! Ich mache nicht den Anspruch, irgendein Urteil in seiner Freiheit zu beschränken, ich kann jede Art und Ansicht und Meinung, die sich mir nicht aufdrängt, vertragen, und wenn mich etwas in Äußerungen verletzt, so ist es eher das Allgemeine, als das mir Persönliche. Ich gebe meine eignen Bücher nicht anders der Öffentlichkeit hin, als wie man die Geburts- Heirats- und Todesanzeigen in die Zeitungen wirft; Tausende müssen diese Meldungen gelesen oder ungelesen hinnehmen, die vielleicht nur sechs oder sieben Personen angehen, für diese aber sind sie. Mancher findet vielleicht bei einer Todesanzeige nur Scherz und Lachen. Immerhin! Jeder muß nach seinem Anteil und Sinne sich benehmen. Ich habe Ihnen deshalb, weil ich Sie feindlich gegen Rahel glaubte, keineswegs gegrollt, nur bisweilen mir die Bewandtnis zu erklären gesucht. Mit inniger Freude erfahre ich nun von Ihnen, daß ich einen Irrtum aufgenommen hatte, und bedaure nur, dadurch Ihnen abgewendeter, als ich es wirklich war, erschienen zu sein.

Was nun Genelli betrifft, so habe ich ihn nie gesehen; nur von ihm gehört durch Rahels, Marwitzens und Bernhardis voneinander unabhängige Erzählungen. Aber alles, was Sie von ihm sagen, ist mir mit der Erscheinung, die er sich für jene zu geben gewußt, gar wohl vereinbar. Hat er geschmäht und gelästert, wo er früher angebetet – so sei ihm verziehen! Wie ich es auch Gutzkown verzeihe, daß er das mir teuerste Andenken auf brutale Weise berührt hat. Es tut mir nur leid um ihn. Ich bin für Rahel, wie auch für mich selbst, in diesem Betracht fest und sicher, und was die Leute sagen, kann ich sehr leicht beruhen lassen. Lebte Rahel, so hätte ich allerdings die leiseste Empfindlichkeit für sie und würde manches nicht aussagen, andres ernstlicher aufnehmen; aber so ...! Die Lebenden will ich überhaupt geschont wissen, und ich glaube, daß ich es meinerseits nur allzusehr getan habe; in welchem Maße, könnte nur der beurteilen, der einsähe, was alles in meinen unendlichen Papieren ich zum Schweigen gebracht habe! (...)

*

An Hermann von Pückler-Muskau

Berlin, 25. Mai 1838

(...) Ich habe für Mundts neue Zeitschrift ein Fragment aus Ihrem neuesten Buche erbeten und hoffe, dasselbe wird an guter Stelle seine Wirkung tun. Noch zur Zeit sind leider Mundt und Laube guten Fechtern zu vergleichen, die keine Waffen führen dürfen: das Metier der Literatur ist fortwährend grausam verkümmert. Die jungen Talente sind weit größer, als sie bisher zeigen konnten. Vielleicht sehen wir noch, daß dies anders wird. – (...)

Als Neuigkeit muß ich Ew. Durchlaucht doch auch melden, daß ich mir im vergangenen Winter etwas näher russische Sprache und Literatur angesehen und davon großes Vergnügen gehabt habe. – (...)

*

An Karl Rosenkranz

Berlin, 10. Juni 1839

Bevor ich meine Badereise antrete, muß ich mich noch zu Ihnen wenden, verehrtester Freund, Sie zu grüßen und Ihnen zu danken für die wiederholten Gaben, die ich von Ihnen empfange. Die neuen Bände von Kant, das Bändchen Studien – alles ist richtig angelangt, mir zur innigsten Freude, zum wahren Trost. Und Ihre Geschenke haben das noch besonders Vortreffliche, daß sie auf immer weitere deuten – Ihr Versprechen, alljährlich mit solchen Bändchen Studien fortzufahren, ist wahrlich ein neues Geschenk für mich, und ich freue mich des guten Einfalls. Eigentlich denk ich schon lange, jeder Schriftsteller, der nicht bloß einem Fache vorsteht, sondern Mannigfaches, Lebendiges, Menschliches mitzuteilen hat, müßte, wie Goethe sein »Kunst und Altertum«, seine Hauszeitschrift haben, durch die er mit seinen Freunden, seiner Gemeinde, über Welt und Literatur in fortgesetztem Verkehr stünde, und wobei mehr Nachsicht und Lässigkeit erlaubt wäre als bei eigentlichen Werken, und doch wieder mehr Sorgfalt, und besonders leichtere und ausgedehntere Wirksamkeit als bei bloßen Briefen. Tieck, Steffens hätten jeder eine solche Zeitschrift gar wohl füllen können und würden selber unendlichen Nutzen davon gehabt haben. Sie aber, Verehrtester, haben nun gar eine neue, äußerst angemessene Form dafür gefunden, und Ihre »Studien« werden, ich verheiße es, den schönsten Erfolg dartun. Lassen Sie nur auch das Persönliche bisweilen getrost hervortreten, reden Sie von und reden Sie zu Personen! Sind Sie auch jung, so jung sind Sie doch nicht mehr, daß nicht auch Sie schon ganz gut in der Erinnerungsweise sprechen dürften, und Ihre Lebensnachrichten von Daub liefern auch hierin schon das kräftigste eigne Vorbild für Sie! –

Ich sollte Ihnen von Gans sprechen, – aber ich kann nicht! Der Verlust ist übergroß, und ich besonders empfind ihn täglich. Es ist wirklich, als ob in dem großen Berliner Leben etwas fehlte, die Luft ist schwerer geworden, sie trägt weniger freie Worte; ganze Strecken unsres Bodens, mit Mühe frisch und grün erhalten, und dem Sande abgewonnen, versanden. – Gewänne ich Muße und Kraft dazu, so würde ich mit Freuden eine Schilderung unsres Freundes unternehmen. Aber ich muß die Stimmung abwarten; mit einer auferlegten Arbeit könnt ich doch nie zufrieden sein. –

Ich reise Endes der Woche nach Kissingen; der Doktor will es, und ich habe Vertrauen zu dem Wasser. Es wäre doch gar wertvoll für mich, noch ein Stück Gesundheit wiederzuerlangen! Gelingt es auch nur etwas, so reis ich wohl auch noch an den Rhein, wohin ich am liebsten gleich ginge. Natürlich schließt die Kur alle Arbeit aus, und der Sommer wird mir so hingehen, wie auch schon der Winter hinging! Auch meine russischen Studien haben fast ganz ruhen müssen, wiewohl ich sie nur zum Vergnügen und nicht als Arbeit treibe. –

Dr. Mundt ist nach Mecklenburg gereist und empfiehlt sich Ihnen bestens. Dr. Guhrauer geht nach London; er ist mit wackern, tüchtigen Arbeiten beschäftigt und wird nach seiner Rückkehr auch Leibnitz' deutsche Schriften wieder aufnehmen. Auf seine »Mainzer Denkwürdigkeiten« bin ich sehr begierig. – Dr. Laube ist mit seiner Frau in Paris, was ich beiden nach der Muskauer Prüfung bestens gönne. – Dr. Gutzkow sucht neue Verbindungen und Erfolge in Frankfurt am Main und Stuttgart, da die Hamburger Verhältnisse nicht gedeihen – der »Telegraph« soll sich kaum fristen. Ich fürchte, der Schüler fällt am Ende noch in des Meisters Menzel Klauen zurück! Seine Talente läßt man ihm gelten, aber sein Charakter ist's, der ihm schadet. Für die Eitelkeit des Augenblicks ist er zu jedem Frevel bereit, und dabei will er ein Haupt, ein Führer sein!! – Mir fällt hier Dr. Jung ein – den soll meine Kritik nicht irre machen, seine Vorliebe möge nur immerhin fortfahren, sie ist von dem, was ihrer nicht wert, doch innerlich stets geschieden. Grüßen Sie ihn aber bestens von mir! –

Zum Schlusse noch ein Wort, das Sie betrifft und mir kürzlich zugekommen ist: »Stehen Sie mit Rosenkranz in steter Berührung? Das ist ein herrlicher Mensch. Ich wünschte, er wäre unterrichtet von meiner immerwährenden Teilnahme an seinem Wirken. Wir leben aber in gar so großer Entfernung von einander. Ich meine, daß er auch als Mensch sehr liebenswert sein muß.« Dr. Schlesier schreibt das, aus Stuttgart. –

Seit langer Zeit hat mich nichts so gepackt, wie Gentz' Briefe an Johann von Müller (Schaffhausen, 1839). Ein zürnender Prophet erscheint der Mann, und größer, als ich ihn mir je gedacht, der wahrhaftig nicht gering von ihm gedacht. Und nun erst seh ich ein, mit welchem guten Rechte ihn Rahel doch stets noch höher gestellt, als ich getan. Sie kannte den in ihm, der diese Briefe schreiben konnte, der in dieser Weise immerfort zu sprechen pflegte. So geht es mir mit Rahel in allen Fällen, wo ich ihr Urteil doch nicht völlig gelten ließ, wo ich dasselbe berichtigen zu müssen glaubte – nach und nach entdeck ich mit Staunen, mit Beschämung, daß ich mich zu berichtigen habe! –

Leben Sie wohl! Der Himmel gebe Ihnen einen gesegneten Sommer, in jeder Art! Und bei allem, was Sie tun, was Ihnen gelingt, denken Sie nur gleich, daß die innigste Teilnahme dafür in vielen Herzen schlägt! – Mit treuster Gesinnung Ihr ergebenster

Varnhagen von Ense

 << Kapitel 16  Kapitel 18 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.