Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ovid >

Schönheitsmittel

Ovid: Schönheitsmittel - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleOvids Werke, Fünfter Theil
authorOvid
translatorHeinrich Lindemann
firstpub1861
year1861
publisherVerlag von Wilhelm Engelmann
addressLeipzig
titleSchönheitsmittel
created20040916
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Hinweis: Die Anzeige der Versnummern ist nur korrekt, wenn die Zeilen nicht umgebrochen werden; dazu müssen Sie unter Umständen die Schriftgröße Ihres Browsers verkleinern (Firefox: Menü "Extras" / "Einstellungen" / "Inhalt" / "Schriftarten & Farbe" / "Größe", Internet-Explorer: Menü "Ansicht" / "Schriftgrad"). Auf jeden Fall sollte das Fenster den gesamten Bildschirm einnehmen.

Discite, quae faciem commendet cura, puellae,
    Et quo sit vobis forma tuenda modo.
Cultus humum sterilem Cerealia pendere iussit
    Munera: mordaces interiere rubi.
Cultus et in pomis sucos emendat acerbos,
    Fissaque adoptivas accipit arbor opes.
Culta placent: auro sublimia tecta linuntur;
    Nigra sub imposito marmore terra latet.
Vellera saepe eadem Tyrio medicantur aheno;
    Sectile deliciis India praebet ebur.
Forsitan antiquae Tatio sub rege Sabinae
    Maluerint quam se rura paterna coli:
Cum matrona, premens altum rubicunda sedile,
    Assiduo durum pollice nebat opus,
Ipsaque claudebat, quos filia paverat, agnos,
    Ipsa dabat virgas caesaque ligna foco.
At vestrae teneras matres peperere puellas:
    Vultis inaurata corpora veste tegi;
Vultis odoratos positu variare capillos;
    Conspicuam gemmis vultis habere manum.
Induitis collo lapides Oriente petitos,
    Et quantos onus est aure tulisse duos.
   



5




10




15




20

 
    Was für Pflege empfiehlt das Gesicht, vernehmet ihr Mädchen,
    Und wie eure Gestalt ihr zu erhalten euch habt.V. 2. Merkwürdiger Weise haben viele Quellen cura tuenda, einige sint ora tuenda, wonach Heinsius entweder ora tuenda oder ora linenda lesen will.
Pflege gebot unfruchtbarem Land zu zollen der CeresV. 3 f. Für sterilem giebt ein Theil der Hdschrften quondam, sowie für munera Ed. pr. semina.
    Gaben; es gingen durch sie hakige Dornen zu Grund.
Pflege verwandelt im Obst die herberen Säfte in milde,
    Und, gespalten, empfängt edlere Schätze der Baum.V. 6. Gespalten, beim Pfropfen.
Schmuck nimmt ein. Mit Golde belegt man ragende Dächer;V. 7. S. zu Verw. 2, 2 f. und vergl. 8, 703 f.
    Schwarzen Boden versteckt man mit des Marmors Bezug.
Ein taucht oft man das nämliche Vließ in den Tyrischen Kessel;V. 9. Daß man die Wolle oft eintauche, ist wahrscheinlich blos dichterische Übertretung. Denn » der kostbare Tyrische Purpur, welcher der theuerste war, denn das Pfund Wolle kostete 1000 Denare (1 Denar = 5 gr., mithin gegen 170 Thlr.), erhielt seinen herrlichen dunkelfarbigen Glanz durch doppeltes Eintauchen«. Vergl. Liebesk. III, 170. Horaz Od. II, 16, 35:
Dich umhüllt in
Afrische Schnecke
Zwier getauchtes Vließ; mir verlieh &c.

    Indien beut zur Zier helfene Täfelchen dar.V. 10. Zur Zier, zur Verzierung der Decken. Vergl. Verw. 8, 564 n. A. Horaz Od. II, 18, 1:
Nicht erglänzet Elfenbein
In meinem Haus, noch goldenes Getäfel. –

Für praebet giebt Cod. Pat. mittit, Reminiscenz aus Virgil.


Unter Tatius haben vielleicht die Sabinischen WeiberV. 11 f. S. zu Verw. 14, 801. Vergl. Liebeserg. I. 8, 39. II, 4, 15. III, 8, 61.
    Einst der Väter Gefild lieber gepfleget als sich;
Da die Hausfrau rothen Gesichts mit beharrlichem Daumen
    Spann an dem harten Werk, sitzend auf mächtiger Bank;
Selbst in den Stall die Lämmer verschloß, die geweidet die Tochter,
    Reiser auch selbst auf den Heerd legt' und gespaltenes Holz.
Euere Mütter jedoch gebaren nur zärtliche Mädchen:
    Mit vergoldetem Kleid wollt ihr bedecken den Leib;
Wollt das durchduftete Haar aufsetzen in allerlei Lagen,V. 19. Andere unpassende Lsrt adornatos.
    Sehen lassen die Hand prangend mit Edelgestein.
Ihr bekleidet den Hals mit Steinen, geholt aus dem Osten,V. 21. Aus zwei übrigens guten Quellen hat Heinsius paratos für petitos der anderen aufgenommen und haben die folgenden Herausgeber beibehalten. Vergl. Met. 7, 266.
    Und so groß, wie zwei tragen nicht könnte dasOhr.V. 22. Ohne allen Grund hat Heinsius oneri est aufgebracht.
Nec tamen indignum, si vobis cura placendi,
    Cum comtos habeant saecula nostra viros.
Feminea vestri potiuntur lege mariti,
    Et vix ad cultus nupta quod addat habet.
Per se quaeque parat; nec, quos venetur amores,
    Refert: munditiae crimina nulla merent.
Rure latent finguntque comas. Licet arduus illas
    Celet Athos, cultas altus habebit Athos.
Est etiam placuisse sibi cuicumque voluptas;
    Virginibus cordi grataque forma sua est
Laudatas homini volucris Iunonia pennas
    Explicat, et forma multa superbit avis.
Sic potius nos urget amor, quam fortibus herbis,
    Quas maga terribili subsecat arte manus.
Nec vos graminibus, nec mixto credite suco.
    Nec tentate nocens virus amantis equae.
Nec mediae Marsis finduntur cantibus angues,
    Nec redit in fontes unda supina suos.
Et quamvis aliquis Temesaea removerit aera,
    Nunquam Luna suis excutietur equis.
Prima sit in vobis morum tutela, puellae:
    Ingenio facies conciliante placet.
Certus amor morum est; formam populabitur aetas,
    Et placitus rugis vultus aratus erit.
Tempus erit, quo vos speculum vidisse pigebit,
    Et veniet rugis altera causa dolor.
Sufficit et longum probitas perdurat in aevum,
    Perque suos annos hinc bene pendet amor.
Discite, cum teneros somnus dimiserit artus,
    Candida quo possint ora nitere modo.
Hordea, quae Libyci ratibus misere coloni,
    Exue de palea tegminibusque suis.
Par ervi mensura decem madefiat ab ovis;
    Sed cumulent libras hordea nuda duas.
Haec ubi ventosas fuerint siccata per auras,
   

25




30




35




40




45




50




55

 
    Doch zu verdenken auch nicht ist euch die Müh' zu gefallen,
    Da in unserer Zeit Männer geschniegelt zu sehn.
Weibliche Art des Schmucks aneignen sich euere Gatten;V. 25. Ebenso ohne Grund und handschriftlichen Anhalt, wiewohl an sich ganz sinngemäß, hat derselbe Kritiker poliuntur für potiuntur vermuthet und aufgenommen.
    Kaum hat Etwas die Frau, was sie noch füge hinzu.
Jegliche putzt sich für sich und sorgt nicht, was sie für LiebschaftV. 27 f. Für sich, um ihretwillen, um sich selbst zu gefallen, wie es V. 31 heißt, und, wie der Verfasser gleich erläuternd hinzufügt, ohne die besondere Absicht Liebschaften zu gewinnen; und diese Eitelkeit ist die Quelle der Sauberkeit, verdient daher keinen Vorwurf. – So glauben wir dieses Distichon verstehen und demgemäß lesen zu müssen. Die Hdschrften schwanken nämlich erstens zwischen per se und pro se, dann zwischen paret und parat (eine auch parent), ferner zwischen et und nec, zwischen quo und quos, endlich zwischen venetur und veneretur (zwei auch venerentur); ja eine giebt auch für refert praefert, das Burmann annimmt in dem Sinne von prae se fert. Hiernach hat Heinsius
Proin se quaeque paret (od. parent); nec quo venetur (od. venentur) amores
Refert: mundicie (od. minditiae) crimina nulla merent.

vermuthet, und so lautet der Text seitdem in den Ausgaben, nur daß Baumgarten-Crusius in der späteren quos gegeben hat. Dieses proin kommt aber nirgends bei Ovid vor; sodann paßt der Conjunctiv paret nicht zum Indicativ refert; quo bekennen wir aber gar nicht zu verstehen. In dem Texte, wie wir ihn nach den Hdschrften gegeben haben, ist parat absolut, ohne se ( macht sich zu recht, macht Toilette), zwar nicht ohne Härte, aber auch nicht ohne Beispiel (vergl. Met. 10, 603), und hier um so eher zu entschuldigen, als se unmittelbar vorhergeht und daher leicht ergänzt werden kann.


    Finde: in Sauberkeit liegt keiner Beschuldigung Stoff.
Machen sie schmuck nicht das Haar auf dem Land? Mag Athos, der hohe,V. 29 f. Der Athos wird hier, wie Liebesk. III, 195 der Caucasus, als ein von der civilisirten Welt weit entfernter Punct genannt, dessen Bewohner sich noch in völligem Naturzustande befinden, während er jetzt mit Griechischen Klöstern bedeckt ist, deren Bewohner, die Mönche, wenn auch wissenschaftlich größtenteils auf sehr niedriger Stufe stehend, doch die Cultur des Bodens sehr eifrig betreiben.
    Sie verbergen, geschmückt werden am Athos sie sein.
Sich gefallen auch ist für wer sie auch sei ein Vergnügen;V. 31. Wer sie auch sei, gebildete Städterin oder einfaches Landmädchen, hoch oder niedrig &c. – Wir haben aus der Helmstädter Hdschrft cuicumque aufgenommen, da quaecumque, die gemeine Lsrt, in dem Sinne von qualiscumque, wie es erklärt wird, nicht genommen werden kann und quatacumque, wie Micyll und, ihm beistimmend, Heinsius vermuthet und gegeben und alle folgenden Herausgeber bis auf den heutigen Tag beibehalten haben, völlig unstatthaft ist.
    Theuer und werth ist stets Mädchen die eigne Gestalt
Junos Vogel entfaltet, gelobt, das Gefieder dem Menschen;V. 33. Vergl. Verw. 13, 802.
    Viele des Vögelgeschlechts blähn sich mit ihrer Gestalt.V. 34. Multa als die am meisten bezeugte Lsrt. haben wir zwar mit Baumgarten-Crusius in der späteren Ausgabe beibehalten, glauben aber nicht, daß Ovid einen so matten Gedanken gegeben hat. Doch giebt auch muta, die andere Lsrt, keinen passenden Sinn, da die Bezeichnung vom Pfau nicht wahr sein würde und von dem Mangel der Singstimme, wie es Micyll erklären will, nicht verstanden werden kann, auch, wenn davon verstanden, nicht zum Vergleiche passen würde. In letzterer Beziehung wäre laeta das Angemessenste, wie ein Palat. hat; doch getrauten wir uns nicht, es auf dieses einzige Zeugniß hin aufzunehmen.
So setzt eher die Liebe uns zu als mit wirksamen Kräutern,V. 35 f. So, durch ein gefälliges Äußere. Schneidet, abschneidet. – Die Hdschrften geben theils tanget, theils urget; Letzteres scheint jedoch stärker bezeugt, ist auch von der Urausgabe aufgenommen. Heinsius hat aus einem Ambros. uret (er möchte aber lieber urat lesen!) gegeben, sehr passend dem Sinne nach, nur eben zu wenig beglaubigt. Vos für nos in einem Theile der Hdschrften verdient keine Berücksichtigung.
    Welche mit schrecklicher Kunst schneidet der Zauberin Hand.
Weder den Kräutern vertraut, noch zubereitetem Safte;
    Noch den schädlichen Schleim brünstiger Stuten versucht.V. 38. Vergl. Liebeserg. I, 8, 8. Liebesk. II, 100 n. A.
Mitten entzwei nicht spalten sich Schlangen durch Marsische Klänge,V. 39 f. Mitten entzwei nicht &c., wie man glaubte und die Zauberinnen behaupteten. S. Verw. 7, 199 ff. und vergl. Liebesk. II, 101 f., wo auch die Erklärung der Marsischen Klänge zu finden ist. – Einige wenige Quellen haben fehlerhaft findantur, einige noch fehlerhafter fundantur. Gleichwohl ist der Conjunctiv ein schätzbarer Fund für Heinsius. Weil sich aber der folgende Indicativ redit damit nicht vereinigen läßt, liest er ohne Umstände ruat dafür.
    Aufwärts nicht zu dem Quell kehret die Welle zurück.
Und mag immer entfernt man haben auch Témesas Erze,V. 41 f. S. zu Verw. 4, 333. 7. 207. – Temescia moverit der Vat. Hdschrft ist widersinnig.
    Nie wird seinem Gespann werden entschleudert der Mond.
Auf die Sitten gerichtet zuerst sei euere Sorgfalt.
    Ist gewinnend der Geist, Mädchen, gefällt das Gesicht.
Sicher ist Liebe der Sitten, der Schönheit setzet die Zeit zu;
    Bald von Runzeln gepflügt wird ein gefällig Gesicht.
Kommen die Zeit wird, wo in den Spiegel zu sehn euch verdrießet,
    Und noch Runzeln dazu werden vom Kummer entstehn.
Güte des Herzens besteht und dauert für ewige Zeiten;
    Ihre Jahre hindurch knüpft sich die Liebe an sie.V. 50. Ihre Jahre hindurch, die Jahre, während welcher die Liebe im Menschen noch wirksam und der Körper zum Liebesgenusse noch kräftig und geneigt ist. – Diesen Satz erklärte Heinsius für sinnlos und gab dafür
Fertque suos annos; hinc bene pendet amor,

was auch von allen nachfolgenden Herausgebern getreulich beibehalten wurde, bis es Baumgarten-Crusius in der spätern Ausgabe ausmerzte und die Lsrt der Hdschrften herstellte. Ganz ähnlich drückt sich der Dichter Am. I, 1, 28 aus.


Lernet, sobald der Schlaf die zarten Glieder verlassen,V. 51. Wir haben die gemeine Lsrt discite hergestellt für die von Heinsius aus Cod. Ment. gegebene disce age, die in einigen in dic age verdorben ist. Die letztere verdankt ihre Entstehung wahrscheinlich demselben Grunde, durch welchen sich Heinsius zur Aufnahme hat bestimmen lassen, nämlich daß die folgenden Vorschriften im Singular gegeben sind. Dies beweist aber nicht, daß die vorausgehende allgemeine Aufforderung auch im Sing. stehen müsse; diese ist naturgemäßer, wie im ersten Verse, an das ganze weibliche Geschlecht, an alle Mädchen gerichtet; und kein Leser wird den geringsten Anstoß daran nehmen, daß die einzelnen Recepte im Singular folgen. Aus welchem Grunde übrigens und in welchem Sinne Baumgarten-Crusius das nur schwach bezeugte demiserit vorgezogen hat, will uns nicht einleuchten.
    Wie dem Gesicht zu verleihn strahlenden Glanz ihr vermögt.
Gerste, welche zu Schiff der Libysche Bauer gesendet,V. 53. Libysch; s. zu Verw. 2, 237.
    Mache von Hülse und Balg, ihren Umhüllungen, frei.
Erbsen ein gleiches Maß dann mit zehn Eiern befeuchte –V. 55 f. Ein gleiches Maß, nämlich ( aber, weil wieder auf die Gerste zurückgekommen wird) eben zwei Pfund gehäuft. reichlich. – Die Helmstädter Hdschrift giebt für ervi das Griechische orobi.
    Aber gehauft zwei Pfund mache der Gerste Gewicht. –
Wann getrocknet nun dies wird sein an strömenden Lüften,
    Lenta iube scabra frangat asella mola.
Et quae prima cadunt vivaci cornua cervo,
    Contere; in haec solidi sexta face assis eat.
Iamque ubi pulvereae fuerint confusa farinae,
    Protinus innumeris omnia cerne cavis.
Adiice narcissi bis sex sine cortice bulbos,
    Strenua quos puro marmore dextra terat;
Sextantemque trahat gummi cura semine Tusco;
    Huc novies tanto plus tibi mellis eat.
Quaecumque afficiet tali medicamine vultum,
    Fulgebit speculo levior ipsa suo.
Nec tu pallentes dubita torrere lupinos,
    Et simul inflantis corpora frige fabae.
Utraque sex habeant aequo discrimine libras;
    Utraque da nigris comminuenda molis.
Nec cerussa tibi, nec nitri spuma rubentis
    Desit, et Illyrica quae venit iris humo.
Da validis iuvenum pariter subigenda lacertis;
    Sed iustum tritis uncia pondus erit.
Addita de querulo volucrum medicamina nido
    Ore fugant maculas: Halcyonea vocant.
Pondere si quaeris quo sim contentus in illis:
    Quod trahit in partes uncia secta duas.
Ut coeant apteque lini per corpora possint,
    Adiice de flavis Attica mella favis.
Quamvis tura deos irataque numina placent,
    Non tamen accensis omnia danda focis.
Tus ubi miscueris radenti tubera nitro,
    Ponderibus iustis fac sit utrimque triens.
Parte minus quarta dereptum cortice gummi,
    Et modicum e myrrhis pinguibus adde cubum.
Haec ubi contriris, per densa foramina cerne;
    Pulvis ab infuso melle premendus erit.
Profuit et marathros bene olentibus addere myrrhis –
    Quinque trahant marathri scrupula, myrrha novem –
   

60




65




70




75




80




85




90

 
        Laß es auf rauhem Stein mahlen den Esel gemach.V. 58. Jede Haushaltung hatte ihre Mühle, die von einem Esel, oft auch von einem Sclaven, besonders zur Strafe, in Bewegung gesetzt wurde. Gemeinschaftliche Mühlen, die durch Wasserkraft oder Wind getrieben worden wären, hatte man nicht.
Dann das erste Geweih zählebigen Hirsches zerreibe;V. 59. Zählebigen Hirsches; s. zu Verw. 3, 194.
    Hierfür richtigen Pfunds lege ein Sechstel man ein.V. 60. Hierfür, für die Hörner, um sie zu wiegen. Der Sinn des ganzen Satzes ist also: davon nimm ein Sechstelpfund. – In haec scheint es heißen zu müssen für in hac oder in hoc der Hdschrften. Heinsius will et huc lesen, dem Sinne nach dasselbe. Der Vers ist überhaupt sehr verdorben, indem sich theils solido oder solida, theils texta geschrieben findet.
Und wann nun es gemischt wird sein mit dem staubigen Mehle,
    In viellöchrigem Sieb sondere Alles sofort.V. 62. Sieb' es durch ein feines Sieb, um das Feinere von dem Gröberen zu sondern. – Der Text ist wieder zweifelhaft. Die gewöhnliche Lsrt ist innumeris (auch fehlerhaft in numeris) cavis, durch unzählige Höhlungen, Löcher = per densa foramina unten V. 89. Und cava kann recht wohl als Substantiv gebraucht sein und als solches auch wieder ein Adjectiv bei sich haben. S. in unsrem Index z. Verw. Profundum. Wir haben daher diese Lsrt aufgenommen. Eine andere Lsrt ist in mundis. Cod. Neap. hat in numeris omnia conde suis. Viele ältere Ausgaben endlich geben in numeris o. cerne suis. Heinsius hat cribris cavis vermuthet, und ihm sind die neueren Herausgeber, wie gewöhnlich, gefolgt. Ein seines ( viellöcheriges) Sieb umschreibt der Dichter aber eben mit innumeris cavis, wie unten mit densa foramina.
Nimm von Narcissen hinzu zwölf Zwiebeln ohne die Rinde,
    Die du auf sauberem Stein stoßest mit kräftiger Hand.
Harz nebst Tuscischem Korn aufziehe des Pfundes ein Sechstel;V. 65. Die Art desHarzes oder Gummis ist nicht näher bestimmt. Die alten Erklärer meinen, es sei das Harz von den Steinobstbäumen zu verstehen, aus welchem nach Plinius auch eine Art Öl bereitet wurde. Mit Tuscischem Korn ist eine Art feiner Weizen, Spelt, gemeint, woraus man nach demselben Schriftsteller Graupen machte. Um den Ausdruck aufziehen, der unten wiederkehrt, zu verstehen, denke man sich, daß das Gewicht, wie man gewöhnlich thut, zuerst in die eine Wagschale gelegt ist und diese niederzieht, dann in die andere der zu wiegende Gegenstand gethan wird. Die letztere Schale zieht nun die erstere auf.
    Hierzu neunmal mehr komme des Honigs hinzu.
Jede, die ihr Gesicht mit solcherlei Salbe bestreichet,
    Ihren Spiegel fürwahr wird sie beschämen an Glanz.V. 68. Offenbar wird den Lupinen die Eigenschaft beigelegt, farblos, blaß, fahl zu machen; daher: Trage kein Bedenken. – Torrere beruht auf Cod. Ambros. und Helmst.. Die alten Gelehrten vor Heinsius geben undare, Letzterer leugnet jedoch, daß diese Lsrt überhaupt sich in einer Hdschrft finde. Dagegen führt er praebere, wie auch Ed. pr. hat, pallere, terere und ferrere an und vermuthet frendere.
Trage Bedenken auch nicht farblose Lupinen zu rösten,
    Dörre die Kerne zugleich blähender Bohnen auch ab.V. 70 ist in den Hdschrften so schwer verdorben, daß das Ursprüngliche zu entdecken unmöglich ist. Er lautet in den meisten et simul inflantis corpora frange serae ( ferae in Helmst.) oder instantis c. finge serae; in dem einen Maff. instantis c. fige fece, in dem andern und beiden Vatic. instantis c. frugiferae, für Letzteres in einem bei Heinsius frigefere; in einem Pat. endlich steht instantes. Hiernach verbesserte Marius Niger
Et simul inflantia corpora frange fabae,

und ihm stimmten bei Micyll, Muret, Ciofan; Letzterer. indem er aus Cicero de Div. anführte: Pythagoricis interdictum putant, ne faba vescerentur, quod habet inflationem magnam is cibus und: Quasi vero eo cibo ( faba) mens, non venter infletur. Wenn nun auch Cicero von der Wirkung der Bohnen durch den Genuß spricht, hier aber von der äußeren Anwendung die Rede ist; so kann doch Ovid, wie es Dichter so oft thun, der Wirkung der Bohnen im Allgemeinen, ohne besondere Beziehung auf den Gebrauch, der hier davon gemacht werden soll, Erwähnung gethan haben. Corpora frangere müßte dann von dem Spalten der Bohnen in zwei Hälften, wie bei unserem Kaffee, oder von dem Zerbrechen in kleinere Stücke überhaupt, um sie dann auf die Mühle bringen zu können, verstanden werden; denn das Mahlen selbst könnte nicht gemeint sein, da dies gleich noch besonders erwähnt wird. Aber warum würde dasselbe Verfahren nicht auch bei den Lupinen gefordert? Vorzüglicher für den Sinn ist Heinsiussens Vermuthung inflantes c. frige fabas. Freilich weicht sie äußerlich von dem Überlieferten rücksichtlich der Endung des letzten Wortes sehr ab; denn inflantes würde, abgesehen davon, daß eine Hdschrft es wirklich hat, nicht dahin zu rechnen sein, da die lange Endung es im Plural der dritten Declination bekanntlich in der Regel eis geschrieben wurde, woraus dann ebenso leicht is als es werden konnte und oft ward. Wir haben daher die Verbesserung des Marius beibehalten, für frange aber frige von Heinsius aufgenommen, so daß corpora von den dicken Kernen der Bohnen zu verstehen, inflans aber absolut zu nehmen ist. Frige hat sehr Viel für sich. Die fast völlige Gleichheit der Bohnen mit den Lupinen läßt auch eine völlig gleiche Behandlung annehmen, und diese wird durch simul noch besonders bestätigt.


Nimm von beiderlei Frucht sechs Pfund in gleichem Verhältnis;V. 71. Für utraque geben zwei Hdschrften lectaque, eine letaque, worin Heinsius frictaque vermuthet.
    Schwarzen Mühlen dann gieb Beides, zu machen es klein.V. 72. Wie das Beiwort schwarz bei den Mühlen zu erklären sei, ist räthselhaft, und doch haben alle Hdschrften so; nur eine Pat. giebt libris. Heinsius vermuthet sehr passend pigris mit Beziehung auf den Betrieb durch Esel. Vergl. oben V. 58.
Bleiweiß fehle auch nicht, noch Schaum des röthlichen Natrons;V. 73. Natron, Mineralalcali, woraus durch Vermischung mit Öl Seife bereitet wurde und noch heutiges Tages im Morgenlande bereitet wird.
    Schwertel auch nicht, das kommt aus dem Illyrischen Land.V. 74. Unter dem Schwertel ist wahrscheinlich die Iris florentina zu verstehen, deren Wurzel einen veilchenartigen Geruch hat und unter dem Namen Veilchenwurzel in unseren Apotheken geführt wird. Auch die großen weißen Blüten sind wohlriechend.
Gieb's durcheinanderzurühren der Jünglinge kräftigen Armen.V. 75. Der Jünglinge kräftigen Armen, jungen, kräftigen Sclaven.
    Eine Unze davon ist das gehörige Maß.
Salbe hinzugefügt von der Klagevögel Geniste,V. 77 f. Die Klagevögel sind die Eisvögel ( Alcedo ispida), Halcyonen, nach der Fabel Verw. 11, 410 ff., besonders V. 734 f. Den Stoff dieser Salbe hielt man für dem Neste der genannten Vögel entnommen; daher die Benennung Halcyonsche Salbe. Doch führt Plinius auch andere Meinungen an, nach welchen der Stoff verdichteter Schaum oder Schlamm oder Tang des Meeres war. Nach demselben Schriftsteller gab es vier Arten, von denen die bims- oder schwammähnliche, fast purpurfarbige die beste war und auch die Milesische hieß. – Querulus volucrum nidus ist nach unserer Bemerkung zu Verw. 8, 666 zu erklären, das Klagevogelnest. Addita de ist übrigens nur von wenigen Quellen erhalten; die gemeine Lsrt ist daaita da, einige haben additaque, eine addita quod.
    Halcyon'sche genannt, Flecken vertreibt des Gesichts.
Fragst du, mit welchem Gewicht davon ich zufrieden mich stelle:
    Welches die Unz' aufzieht, schneidest du solche entzwei.V. 80. Die Unze, schneidest du diese entzwei, also eine halbe Unze = ein Loth, da zwölf Unzen ein Pfund machten. – Wir halten den Vorschlag Heinsiussens, secta für sexta zu lesen, für eine Nothwendigkeit, da sonst in partes duas völlig in der Luft schwebte. Freilich bieten die Hdschrften bei sexta keinerlei Abweichung dar; nur für quod giebt ein Theil derselben quas, zwei quos, eine quo. Ein Anderes wäre es, wenn es hieße in zwei gleiche oder blos in gleiche Theile; dann könnte man verstehen eine solche Menge, wo zur Ausgleichung der beiden Wagschalen sechs Unzen einzulegen sind. Übrigens scheint auch im Vergleiche mit dem Gewichte der im vorhergehenden Distichon genannten Bestandteile ein halbes Pfund hier zu viel zu sein.
Daß es sich mische und leicht ausstreichen sich lass' auf den Körper,
    Setze von gelber Wab' Attischen Honig hinzu.V. 82. S. zu Liebeserg. I, 12, 10.
Ob auch die Götter versöhnt und den zürnenden Himmel der Weihrauch,
    Ist nicht aller der Glut doch der Altäre zu weihn.
Wenn du Weihrauch mischest mit Bläschen vertilgendem Natron,V. 85 f. Beispiele gemeiner Verderbniß sind radianti für radenti und trahens für triens.
    Nimmst du ein Drittelpfund richtig von beiderlei Stoff.
Weniger als ein Viertel der Rinde entnommenes Gummi,V. 87. S. oben zu V. 65. – Ob dereptum, wie Heinsius für direptum der Quellen gegeben hat, nothwendig sei, lassen wir dahingestellt. Die Verwechselung beider Wörter in den Hdschrften ist allerdings in der Regel.
    Fettiger Myrrhe auch thu mäßigen Würfel hinein.V. 88. Wieder ein Vers, der den ungeheuerlichsten Verderbnissen unterlegen ist, z. B. modicum emiriris pigribus in Cod. Neap., einem der ältesten; e mutis in Pat., modicum meritis pigibus in Ed. pr.; dann cibum, auch subum für cubum.
Hast du dieses zermalmt, so sieb' es durch häufige Löcher;V. 89. Vergl. oben V. 62.
    Endlich mit Honigguß ist zu durchkneten das Mehl.
Gut ist's, Fenchel auch noch zu der duftenden Myrrhe zu fügen –V. 91 f. Marathros ist eine selbstverständliche Berichtigung Micylls für marathos der Hdschrften, trahant oder trahent eine Vermuthung Murets für parant oder parent derselben. Außerdem ist decem in einigen Quellen zu bemerken für novem.
    Fenchel der Quentchen fünf wiege und Myrrhe man neun, –
Arentisque rosae quantum manus una prehendat,
    Cumque Ammoniaco mascula tura sale.
Hordea quem faciunt illis infunde cremorem;
    Aequent expensas cum sale tura rosas.
Tempore sis parvo molli licet illita vultu,
    Haerebit toto multus in ore color.
Vidi, quae gelida madefacta papavera lympha
    Contereret teneris illineretque genis.
   

95




100
    Und so viel mag fassen die Hand von getrockneten Rosen,
    Männlichen Weihrauch dann neben Ammonischem Salz.V. 94. Männlicher Weihrauch hieß derjenige, welcher in Tropfen- oder Perlenform hervorquoll und als der edelste und beste zum Opfern galt. Ammonisches Salz ( sal ammoniacum, daraus Salmiak) sollte wahrscheinlich zur Lösung dienen. Es kam aus Ägypten, wo es nach Plinius unter dem Sande gefunden wurde.
Geuß dem Allen hinzu den Schleim von der Gerste gewonnen.V. 95. Für infunde hat Heinsius auf sehr schwache Autorität affunde als » richtiger« gegeben.
    Salz und Weihrauch sei gleich mit der Rosen Gewicht.
Hast du nur kurze Zeit damit dir bestrichen das Antlitz,V. 97. Der hdschrftliche Text ist wieder verdorben. Er lautet: Tempore sit parvo mollis oder molli licet illita vultu oder vultus. Doch will Marius auch mulier für mollis gefunden haben, womit allerdings ein richtiger Satz hergestellt wäre. Aber mulier wird höchst selten von Ovid gebraucht und wäre auch schwerlich in so vielen Hdschrften (es sind deren 13) in mollis übergegangen; es sieht eher einer Glosse ähnlich. Heinsius hat sehr passend sis vermuthet und dann seinen beliebten Gräcismus molles vultus gegeben. Mag man aber molles vultus oder molli vultu lesen, so ist erstens das Beiwort überhaupt für den Sinn unwesentlich und überflüssig, zweitens aber vermißt man eine Hinweisung auf das Vorhergehende, wie tali medicamine V. 67, etwa tali fuco; denn vultu könnte bei ore im Nachsatze füglich entbehrt werden. Wenigstens schien uns diese Hinweisung in der Übersetzung unerläßlich.
    Fülle der Farbe dir wird haften im ganzen Gesicht.
Eine wohl sah ich, die Mohn mit kaltem Wasser befeuchtet
    Untereinander zerrieb und auf die Wangen sich strich.

–––              

–––                    

 << Kapitel 1 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.