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Schloß Hubertus

Ludwig Ganghofer: Schloß Hubertus - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
booktitleSchloß Hubertus
authorLudwig Ganghofer
yearca. 1930
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft
addressBerlin
titleSchloß Hubertus
pages3-465
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1895
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13

Vor dem Seehof füllte ein Gewirr von Menschen und Wagen den sonnigen Landeplatz, Schiffe kamen und gingen, und aus dem See heraus tönten die Echoschüsse.

Tassilo trat mit der Schwester in eine Schiffshütte. Hier bestiegen sie das Boot. Kitty faßte die Steuerschnüre, aber sie war so wenig bei der Sache, daß Tassilo immer wieder mit dem Ruder die Ablenkung des Bootes korrigieren mußte. Auf einem hinter den Villen gegen den Wald führenden Promenadenweg gewahrte er zwei Damen und erkannte Frau Herwegh mit ihrer jüngeren Tochter. Schon fürchtete er, auch Anna nicht zu Hause zu finden; die Klänge eins Flügels, die immer deutlicher hörbar wurden, je mehr sich der Nachen dem Villenufer näherte, beruhigten ihn. Kitty wandte keinen Blick mehr von dem unter Bäumen halb versteckten Landhaus, und die gedämpften Klänge schienen ihre Erregung noch zu steigern; als der Nachen an der Steintreppe anlegte, war sie in einer Stimmung, als sollte sie ein verwunschenes Schloß betreten. Sie klammerte sich an den Arm des Bruders, daß er lächelnd fragte: »Hast du Angst?« Tief atmend schüttelte sie das Köpfchen und ließ sich führen.

Während die beiden den kleinen Garten durchschritten, gesellte sich zu den Tönen des Flügels der Gesang einer Altstimme, wie der Klang einer Glocke.

»Bleib, ich bitte dich,« stammelte Kitty, »laß mich hören!«

»Das hörst du in der Nähe besser!«

Sie traten in den Flur der Villa, und geräuschlos öffnete Tassilo eine Tür. Kitty hatte keine Augen für den Raum. Zitternd stand sie, und ihr Blick hing an der schönen, mit vornehmer Schlichtheit gekleideten Mädchengestalt, die, der Tür den Rücken wendend, vor dem Flügel saß. In tiefer Bewegung lauschte Kitty, und wie ein flinkes Hämmerlein schlug ihr das Herz. Was sie fühlte, war nicht nur der Reiz des Augenblicks, nicht nur das scheue Mitempfinden am Glück des Bruders. Ihre junge Seele hatte in diesen Tagen einen Samen empfangen, der still zur Blüte trieb; und in dieses ihr selbst noch unbewußte Fühlen klangen die Worte des Mendelssohnschen Wiegenliedes, das Anna Herwegh sang:

Schlummre und träume von kommender Zeit,
Die sich dir bald muß entfalten,
Träume, mein Kind, von Freud und Leid,
Träume von lieben Gestalten!
Schlummre und träume von Frühlingsgewalt,
Schaue das Blühen und Werden,
Horch, wie im Hain der Vogelsang schallt:
Liebe ist Himmel auf Erden!
Heut zieht's vorüber und kann dich nicht kümmern,
Doch wird dein Frühling auch blühen und schimmern,
Bleibe nur fein geduldig,
Bleibe nur fein geduldig!«

Tassilo war hinter Annas Stuhl getreten, und als das letzte Wort des Liedes mit den verklingenden Akkorden wie ein leiser Hauch erlosch, legte er die Hände auf ihre Schultern.

Sie hob die Augen. »Du!« Und lächelnd streckte sie die Arme nach ihm.

Er küßte das schimmernde Haar. »Ich habe dir einen Gast gebracht.«

Annas Blick huschte zur Tür, und erschrocken sprang sie auf.

Mutig machte Kitty einen Schritt und begann zu stammeln: »Mein Bruder – erst heute hab' ich – kaum weiß ich, wie ich Ihnen meine Freude –« Da gingen ihr die Worte wieder aus. Ein paar Sekunden stand sie hilflos, mit schwimmenden Augen, dann plötzlich, unter Lachen und Weinen, flog sie auf Anna Herwegh zu und umschlang sie. –

Um die gleiche Stunde öffnete Gundi Kleesberg im Schloß Hubertus Tür um Tür. »Kitty? Kitty?« Ihre Stimme klang durch das ganze Haus; nur Fritz erschien, der auf Tante Gundis erregte Frage keine Antwort wußte. Die Entdeckung, daß auch Tassilo mit Hut und Stock verschwunden war, beruhigte sie einigermaßen und weckte in ihr die Vermutung, daß Kitty mit ihrem Bruder dem Wagen eine Strecke entgegengegangen wäre.

Im Laufe des Nachmittags traf Roberts Stallbursche mit zwei Reitpferden in Hubertus ein, und gegen sechs Uhr abends rollte der offene Jagdwagen mit den beiden Brüdern durch die Ulmenallee heran. Willy, ein neunzehnjähriger Fähnrich, glich im Schnitt der Züge auffallend seiner Schwester; nur die Gestalt war derber und erinnerte in den breiten Schultern an den Vater; heiße Farbe lag auf dem fröhlichen Gesicht, aus dessen Augen der Übermut und das junge Leben lachten; die kurzen Spitzen des kleinen Bärtchens standen scharf von der Oberlippe ab – man sah ihnen an, daß sie mit Ungeduld gepflegt und gezogen wurden. Schon als der Wagen in das Parktor einlenkte, sprang Willy auf, rief mit hallender Stimme den Namen der Schwester und reckte den Kopf, um durch das Gewirr der Äste zu spähen. Vor einem der niederhängenden Zweige duckte er sich, wankte im schaukelnden Wagen und trat etwas unsanft auf den glänzenden Lackstiefel seines Bruders.

»So bleib doch sitzen, du Fex, und trample nicht anderen Menschen auf den Füßen herum!«

»Na, sei gut, ich war ja nicht lange droben!« tröstete Willy lachend.

Robert stäubte ärgerlich mit dem duftenden Taschentuch den Stiefel ab und saß wieder in gemessener Ruhe, die eine Hand auf dem Korb des Säbels, den er zwischen den Beinen stehen hatte, in der anderen die Zigarette. Er trug die Uniform der Ulanen; das dunkle Grün hob seine elegante Gestalt, und mit Akkuratesse saß die Mütze auf dem tadellos frisierten Kopf. Neben dem unruhigen Leben des Bruders erschien Robert wie die Verkörperung jener Langeweile, die sich als selbstbewußte Vornehmheit zu geben weiß. Einem schärferen Blick entging es nicht, daß diese stilvolle Ruhe nur Kostüm war. Es zuckte um die grauen Augen, und etwas Nervöses lag in der Art, wie er beim Einatmen des Zigarettenrauches die Unterlippe zwischen die Zähne zog. Auch sonst noch erzählte dieses Gesicht von mancherlei Dingen; es war frostig wie das Gesicht eines Menschen, der eben aus dem kalten Bad gestiegen. Die Ähnlichkeit mit Tassilo war unverkennbar; aber obwohl Robert um vier Jahre jünger war, schätzte man ihn älter als den Bruder.

Vor der Veranda erwartete Fräulein von Kleesberg den Wagen, und in angemessener Entfernung stand die Dienerschaft in Reih' und Glied: Fritz, Moser, die alte Beschließerin, die noch ältere Köchin, zwei übertragene Jungfern und Roberts Stallbursche in Uniform.

»Tante Gundi! Tante Gundi!« rief Willy und winkte mit beiden Händen. »Aber wo ist denn die kleine Maus? Und den gestrengen Herrn Doktor seh' ich auch nicht?« Es fiel ihm nicht ein, nach dem Vater zu fragen. Daß Graf Egge droben in der Jagdhütte saß, war eine selbstverständliche Sache.

Robert verließ als erster den Wagen und dehnte die Beine, als wäre er vom Pferd gestiegen. Mit vorschriftsmäßiger Höflichkeit küßte er die Hand der Kleesberg und nickte der Dienerschaft einen kaum merklichen Gruß zu. Gundi stotterte in Sorge die Frage, ob Kitty und Tassilo dem Wagen nicht begegnet wären. Aber sie kam damit nicht zu Ende. Willy umarmte sie mit stürmischem Jubel und drückte ihr zwei schallende Küsse auf die Wangen, daß er weiße Lippen und Tante Gundi zwei rote Flecken bekam. »Na also, Tantchen, da wären wir! Und geben Sie mal acht, wie ich Ihnen die Cour schneiden werde. Natürlich nur zu meiner Übung. Der Leutnant wird nicht lange mehr auf sich warten lassen, und bis dahin muß ich ferm sein, Tantchen! Übung macht den Meister!« Wieder umarmte er sie.

»Ich warne Sie, Fräulein!« fiel Robert ein, zwischen den Zähnen eine frische Zigarette, die er in Brand steckte. »Der Junge weiß in solchen Dingen zwischen Scherz und Ernst nicht zu unterscheiden. Wenn er ein paar Zöpfe wittert – und Sie haben doch noch welche? – das macht ihn toll!« Er wandte sich an seinen Stallburschen. »Sind die Pferde gut untergebracht?«

»Zu Befehl, Herr Graf!«

»Davon will ich mich selbst überzeugen. Vorwärts!« Er folgte dem Burschen zu den Ställen.

Auf den Wangen der Kleesberg brannte die Röte der Empörung durch den Puder. Mühsam raffte sie ihre ins Wanken geratene Würde zusammen, und da der eigentliche Missetäter ihrer Entrüstung entzogen war, spießte sie den lachenden Fähnrich auf. »In aller Güte, lieber Graf Willy, aber ich muß Ihnen bemerken, daß ich derartige Scherze mehr als unschicklich finde. Wenn sich Ihr Vater zuweilen solche Späße in der Lederjoppe erlaubt, laß ich mir das mit Rücksicht auf Kitty gefallen und schweige –«

»Aber Tantchen! Seien Sie doch gemütlich!« Willy versuchte der Zürnenden die Wange zu streicheln.

»Ich bin sehr gemütlich! Aber alles hat seine Grenze, lieber Graf Willy! Deshalb möchte ich Ihnen wie Ihrem Bruder bemerken –«

Gundi Kleesberg verstummte, weil Willy mit langen Sprüngen davonrannte. »Kitty! Kleine süße Maus! Da bist du ja!« Er breitete die Arme nach der Schwester aus, die mit Tassilo in der Ulmenallee erschienen war.

Kitty lief ihm entgegen, er umarmte und küßte sie mit burschikoser Zärtlichkeit und schwang sie im Kreis, daß sie eine Weile mit den Füßchen nicht auf die Erde kam. Als er sie niedersetzte, machte er staunende Augen. »Nanu! Schatz! Was ist denn aus dir in diesen acht Tagen geworden? Die Luft in Hubertus wirkt ja Wunder! Na, sieh mal, wie sich das Ding gestreckt hat! Und die Augen, die sie macht!«

Kitty atmete tief, und ohne zu antworten, blickte sie auf Tassilo zurück, der langsam herbeikam. Aus ihr redeten noch die Eindrücke der vergangenen Stunden, und ihre Augen hatten einen träumerischen Glanz. Als sie bemerkte, daß Willy keine Miene machte, den Bruder zu begrüßen, flüsterte sie hastig: »Wenn du mich lieb hast, so bitte ich dich, sei freundlich mit Tas!«

Willy stutzte. »Freundlich? Weshalb denn nicht? Ich habe durchaus keine Ursache, kühl gegen ihn zu sein – wenn er es nicht gegen mich ist!«

»Er ist nicht kühl, am allerwenigsten gegen seine Geschwister. Das sag' ich dir, denn ich weiß es! Nur ernst ist er. Und verstanden will er sein!«

»Na, meinetwegen!« Die Hand streckend, ging Willy auf den Bruder zu. »Guten Abend, lieber Tas! Ich freue mich herzlich. Eine famose Sache, daß wir alle mal wieder so nett beisammen sind. Das ganze Nest von Hubertus!«

»Grüß dich Gott, lieber Willy!« Tassilo faßte die Hand des Bruders. »Dein Aussehen macht mir Freude und läßt mich hoffen, daß du dich wieder völlig wohl fühlst?«

»Ohne Sorge! Ich habe mich wieder flott auf den Damm geschwungen.«

»Warst du denn krank?« fragte Kitty erschrocken.

Er wurde ein bißchen verlegen. »Ach, Gott bewahre! So 'ne harmlose Erkältung, nicht der Rede wert! Wie weggeblasen. Weißt du, das war nur so –« Er begann eine Geschichte zu erzählen: von einem Marsch bei »scheußlichem« Wetter und von einem unvorsichtigen Trunk. Dabei dämpfte er die Stimme und zog die Schwester aus Tassilos Nähe.

Das war überflüssige Vorsicht; Tassilo nahm dem Boten, der die Abendpost brachte, die Zeitungen und Briefe ab. Rasch überflog er die Adressen. Eine war mit plumper Hand geschrieben: »Ann den hochgebohrnen Dogtor Graffen Dasilo Ekke Senefeld.« Tassilo schien die Schrift zu kennen. »Einen Augenblick!« rief er dem Boten zu, der sich schon wieder zum Gehen wandte, und erbrach den Brief.

Kitty hatte Willys wortreiche Geschichte schweigend angehört und streichelte ihm zärtlich die Wange. »Da darfst du wirklich von Glück sagen, daß du mit dem Schreck davongekommen bist. Du siehst wieder aus wie das Leben. Jetzt sei vernünftig und halte dich!«

»Na, das versteht sich! Man wird älter und vernünftiger, weißt du!«

»Aber wo bleibt denn Tas?« Sie sah sich nach dem Bruder um und hörte ihn zum Postboten sagen: »Ich werde gegen acht Uhr einen Expreßbrief schicken und lasse den Herrn Expeditor bitten, mir zu Gefallen eine Ausnahme zu machen und den Brief noch anzunehmen, er muß mit der nächsten Post noch abgehen, oder ich müßte ihn direkt zur Bahn schicken!«

Kitty wurde unruhig und ging auf Tassilo zu. »Hast du eine unangenehme Nachricht erhalten?«

»Nein, Schatz! Ein armer Teufel, den sie im vergangenen Sommer zu drei Jahren verurteilen mußten, ist auf Grund seiner tadellosen Führung begnadigt worden. Ich hab' ihn damals verteidigt. Nun hat er mich in München aufgesucht und nicht gefunden. Er ist ratlos, niemand will ihm Arbeit geben. Aber er muß eine Stelle finden, die ihn leben läßt. Und ich hoffe, ihm eine solche verschaffen zu können. Verzeihe, Schatz, aber die Sache hat Eile.« Er nickte der Schwester zu und ging rasch davon.

»Was hat er denn?« fragte Willy.

»Er muß einen Brief beantworten. Eine sehr ernste Angelegenheit.«

Willy lachte. »Ernst, ernst, ernst! Das ist ja dein zweites Wort! Sag' mir nur, kleine Maus, was ist denn nur mit dir? Wer dich ansieht, möchte dich für eine Dame nehmen, und wer dich hört, für eine Gouvernante.«

»Scherze nicht! Ich fange endlich an, den Ernst des Lebens zu verstehen. Aber komm, jetzt wollen wir zu Robert.« Sie nahm Willys Arm und ließ ihn wieder fahren, um fliegenden Laufes ihren Bruder Tassilo einzuholen. Bei der Veranda erreichte sie ihn und schlang die Arme um seinen Hals. »Sie ist entzückend, Tas, ich liebe sie wahnsinnig!« flüsterte sie, küßte ihn aufs Ohr und rannte lachend zu Willy zurück.

»Erlaube mir, Maus, du benimmst dich mit ihm, das ist geradezu sonderbar!« Es klang aus diesen Worten eine Regung brüderlicher Eifersucht.

Kitty wurde rot. Das Geheimnis, das sie vor Willy verbergen mußte, machte sie glücklich, aber auch ein wenig schuldbewußt. »Er ist so herzensgut!«

»So? Das bin ich wohl nicht?«

»Natürlich! Du auch!«

Der leere Jagdwagen fuhr im Bogen um das Schloß herum, und aus dem Flur klang die Stimme der Kleesberg, die das Schicksal des Gepäckes überwachte. Der alte Moser, der seinen Anteil an dieser Arbeit bereits erledigt hatte, näherte sich den beiden Geschwistern mit dem Hut in der Hand.

»Wo ist denn mein Bruder Robert?« fragte Kitty.

»Im Stall, Fräuln Konteß!«

Während Kitty davoneilte, blieb Willy vor dem Alten stehen und klopfte ihn auf die Schulter. »Na, Moserchen, wie haben wir überwintert?«

»Net schlecht, Herr Graf! Wie an alter Has, der die warmen Platzerln kennt. Aber dös muß ich schon sagen, Herr Graf, völlig verdrossen hat's mich, daß der Herr Graf den alten Moser so lang mit keim Gruß beehrt haben. Ja, völlig verdrossen hat's mich. Und ich hab mich so viel auf den jungen Herrn Grafen gefreut!«

»Aber Moserchen, wer wird denn gekränkt sein! Wir waren doch immer gute Freunde, und das bleiben wir auch!«

Der Alte lachte geschmeichelt und drehte den weißen Schnurrbart. »Herr Graf, für Ihnen geh ich noch allweil durchs Feuer! Kein bessern Freund haben S' fein net als mich!«

»Natürlich! Und jetzt legen Sie mal los, Moserchen, was gibt's denn Neues in und um Hubertus?«

»A guts Jahr heuer, ja! Der gnädig Herr Graf droben schießt ein Hirsch und ein Gamsbock um den andern. Es kracht nur allweil so. Und den ganz alten Bock, den mit der sakrischen Kruck, den hat er jetzt endlich auch beim Zipfl erwischt. Den Freudensprung möcht ich gsehen haben, den er gmacht hat! Ja, a saubers Jahr heuer! Die Gams sind gut im Wildbret, und die Hirsch haben teuflisch Gweih auf!« Ein lustiges Kichern unterbrach den bedächtigen Bericht. »Und d' Leut haben sich auch net schlecht ausgwachsen heuer! Gwisse Leut!« Der Alte zwinkerte mit den Augen.

Willy wußte den Sinn dieser Anspielung nicht zu ergründen.

»Spitzen werden S', Herr Graf, grad spitzen, wenn Sie s' Lieserl wiedersehen.«

»Lieserl?« Willy schüttelte den Kopf, seine Erinnerung ließ ihn im Stich.

»Aber Herr Graf! Vor mir brauchen S' Ihnen net verstellen! Sie wissen schon, wen ich mein'. Unser Zaunlieserl können S' doch net vergessen haben!«

»Das Lieserl! Richtig, das Lieserl!« Es dämmerte in Willys Gedächtnis, und lachend zupfte er an seinem Bärtchen.

»Ja, Herr Graf, gleich anbeißen möcht man! So lieb ist der kleine Schniegel!«

»Da bin ich wirklich neugierig. Und sag' mir, Moser –« Willy brach ab, da er Kitty und Robert um die Ecke des Schlosses kommen sah. Er klopfte dem Alten auf die Schulter und sagte mit verwandelter Stimme: »Brav, Moserchen, das freut mich, daß Sie noch immer so rüstig sind. Morgen steigen wir miteinander hinauf zur Hütte. Das soll eine lustige Jagd werden!« Lachend reichte er ihm die Hand zum Abschied und bummelte den Geschwistern entgegen.

Robert schien übler Laune, und Kitty war erregt. Mit beiden Händen hielt sie seinen Arm umspannt und sah flehend zu ihm auf. »So tu es mir zuliebe, ich bitte dich, Robert! Geh hinauf zu ihm und sag' ihm einen Gruß.«

»Das ist alles recht lieb und niedlich von dir! Aber jeder nach seiner Art. Ich kann es in alles Gemütsruhe abwarten, bis ich Gelegenheit finde, Herrn Doktor Egge einen vergnügten Abend zu wünschen.«

»Aber Robert!«

»Ich müßte mir auch einmal einen Vorwurf daraus machen, wenn ich ihn bei seiner humanen Beschäftigung stören wollte.« Mit hoheitsvoller Entschiedenheit löste Robert den Arm, nahm eine frische Zigarette und trat ins Haus.

Trauernd sah Kitty ihm nach. Willy legte den Arm um ihre Schulter. »Zwischen den beiden fängt wohl die alte Geschichte schon in der ersten Stunde wieder an? Na, ich habe meine Schuldigkeit getan! Und du sei klug, liebe Maus, und mische dich nicht in Dinge, die du nicht ändern kannst. Komm, wir beide wollen zusammenhalten und lustig sein! Jetzt machen wir einen Hetzbummel durch den Park. Das trainiert den Hunger, bis es läutet.« Lachend zog er die Schwester mit sich fort.

Kittys trübe Stimmung wollte sich nicht aufhellen, sosehr sich Willy auch alle Mühe gab, die Schwester fröhlich zu machen. Er ließ alle Schnurren los, die ihm einfielen, kopierte drollig den alten Moser, die Gundi Kleesberg und seinen Bruder Robert, stellte sich in der Haltung berühmter Statuen auf die Felsblöcke und Baumstümpfe, schwang sich als Windfahne um die Laternenpfähle und war so harmlos ausgelassen wie ein guter, lustiger, unverdorbener Junge, der aus dem Seminar in die Ferien kam und sich der ersten freien Stunde freut.

Ein paarmal zwang er wohl die Schwester zum Lachen, doch es kam ihr nicht von Herzen. Und schließlich schien es ihr willkommen zu sein, daß sie mahnen konnte: »Es wird spät, wir wollen ins Haus zurück.«

»Na meinetwegen!« murrte Willy. »Du hast heute einen Humor – ein Igel ist dagegen der reine Seidenpinsch!«

Da klang durch das Torgitter eine freundliche Mädchenstimme. »Recht guten Abend, Fräuln Konteß! Guten Abend auch, Herr Graf!«

Hurtig drehte Willy auf dem Hacken herum, sah ein hübsches Gesicht durch die Eisenstäbe schimmern und ein schmuckes, halb städtisch gekleidetes Figürchen hinter der Mauer verschwinden.

»Wer war das?«

Kitty blieb stehen. »Wer?«

»Das Mädchen, das uns grüßte?«

»Ich weiß nicht, ich habe nichts gehört.«

Willy stand unschlüssig. Zögernd folgte er der Schwester, und dann griff er mit beiden Händen an seine Taschen. »Verwünscht! Jetzt hab' ich meine Zigarettendose verloren. Geh nur ins Haus, ich komme gleich!« Immer wieder an die Taschen greifend, folgte er einem seitwärts zwischen die Büsche führenden Pfad; hinter einer Biegung blieb er stehen, und als er den Schritt der Schwester auf der Veranda hörte, rannte er zum Parktor. Lautlos öffnete er das Gitter und trat auf die Straße, über deren Staub sich schon der Tau des dämmernden Abends legte. Er konnte sie weit übersehen, fast hinunter bis zu Meister Zauners Haus. Aber die Straße war leer. »Natürlich!« schmollte er wie ein Kind, dem der Wunsch nach einem Spielzeug versagt wurde. Schon wollte er mißlaunig den Rückweg antreten, als ihm einfiel, daß das Mädel nach der entgegengesetzten Richtung gegangen wäre. Wohin? Da draußen lag ein vereinzeltes Bauernhaus, der Mooshof. Was konnte das junge Ding so spät am Abend da draußen zu schaffen haben? Während er noch stand und grübelte, tauchte das Mädel an der Biegung der Parkmauer auf. Vergnügte Neugier sprang aus Willys Augen, und er stellte sich in erwartungsvolle Positur, die eine Hand in der Tasche, die andere am Bärtchen: Mars, der Siegende!

Das Mädel schien ihn bereits gewahrt zu haben und schlängelte sich, als wäre ihr vor dieser Begegnung ein bißchen bang, auf die andere Straßenseite.

Lächelnd verfolgte Willy dieses vielsagende Manöver. Wohl spann schon die Dämmerung ihre grauen Schleier, doch immerhin vermochte er die Kommende noch einer erfolgreichen Musterung zu unterziehen. »Ei sieh mal an! Moserchen hat nicht übertrieben! Der kleine Käfer vom vergangenen Sommer hat sich ganz allerliebst ausgewachsen.«

Nun ging sie an ihm vorüber, nickte zutraulich einen stummen Gruß und blickte auf die Seite, um ihr vergnügtes Lächeln zu verstecken. Willy machte ein paar flinke Sprünge, guckte in ihr kokettes Grübchengesicht und drohte mit dem Finger. »Lieserl! Lieserl! Ein so junges, hübsches Kind wie du sollte so spät am Abend nicht mehr allein auf der Straße sein!«

Sie blitzte ihn mit den dunklen Augen an und schmunzelte; doch gleich wieder zeigte sie ein ernstes Gesicht und sagte hochdeutsch und selbstbewußt: »Ich fürchte mich nicht, Herr Graf! Ich weiß mich nötigenfalls schon zu verteidigen.«

»So?« Er lachte. »Und wo kommst du denn so spät noch her?«

»Mein Herr Vater hat mich mit einer Botschaft zum Mooshof geschickt. Der Mooshofer ist mir begegnet und hat mir den halben Weg erspart. Aber ich bitte, Herr Graf, ich muß nach Hause. Wünsch guten Abend!« Sie machte einen nicht übel gelungenen Knicks, versuchte ein Lächeln zu unterdrücken und setzte sich langsam in Gang.

Willy blieb an ihrer Seite. »Hör', Lieserl, das ist ein großes Unrecht von deinem ›Herrn Vater‹, daß er dich so spät noch fortschickt. Denk' nur, was dir alles passieren kann! Da ist es meine heilige Ritterpflicht, dich unter meinen Schutz und Schirm zu stellen!« Er wollte ihren Arm nehmen, doch kichernd wich sie vor ihm zurück.

»Aber Herr Graf! Was denken Sie nur! Sie und ich! Wenn das die Leute sehen würden!«

»Geh, du Närrlein! Erstens sieht es kein Mensch, und zweitens würde ich mich den Teufel darum kümmern.« Willy haschte ihren Arm und gab ihn nicht mehr frei – Lieserl sträubte sich auch nicht allzusehr. »Und vor mir wirst du doch keine Angst haben? Wir sind doch schon im vergangenen Sommer gute Freunde geworden. Ja, Lieserl, ich habe viel und oft an dich gedacht. Und heute bei meiner Ankunft in Hubertus war die Frage nach dir das erste Wort, das ich mit Moser gesprochen habe.«

Lieserl blinzelte ungläubig. »Ist das auch wahr, Herr Graf?«

»Natürlich!« versicherte er und drückte ihren runden Arm an seine Brust. »Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, daß ich dir begegnet bin, gleich am ersten Abend!«

»Ja, das ist wirklich merkwürdig, ein solcher Zufall!« Kichernd versteckte sie das Gesicht.

»Und du, Lieserl, ehrlich, hast du auch manchmal an mich gedacht?«

Die Antwort ließ auf sich warten. Endlich sagte Lieserl diplomatisch: »Das ist aber ein bißl viel gefragt, Herr Graf. Man muß nicht alles wissen!«

Willy wurde warm. »Wirst du gleich antworten, du Schnabel, du niedlicher!« Mit flinkem Griff umschlang er ihre Hüfte. »Heraus mit der Sprache: Hast du an mich gedacht oder nicht?« Er preßte das Mädel fest an sich.

Nun war es mit Lieserls Hochdeutsch zu Ende. »Aber ich bitt, Herr Graf, sind S' doch gscheit!«

»Heraus mit der Sprache!«

Da klang vom Zaunerhäuschen der Ruf einer Männerstimme: »Lieserl! Lieserl!«

»Jesus Maria, der Vater!« stotterte das Mädel und versuchte sich loszureißen.

Willy hielt mit dem rechten Arm fest, fing mit der linken Hand das hübsche Köpfl ein und verschliß das Stottermäulchen mit einem Kuß, der nicht unerwidert blieb.

»Aber Sie sind einer!« schmollte Lieserl, als sie nach längerer Dauer ihre Freiheit gewann; und hurtig sprang sie davon, während Willy lachend den Straßengraben übersprang und sich in die Buchenbüsche drückte.

Von Hubertus klang mit bimmelndem Hall die Tischglocke. Dem Fußweg neben der Straße folgend, begann Willy zu laufen, immer schneller. Fast atemlos erreichte er das Parktor und rannte durch die dunkle Ulmenallee. Als er den freien Platz vor dem Schloß erreichte, befiel ihn plötzlich ein krampfhafter Hustenreiz. Taumelnd stützte er sich an einen Baum und drückte das Taschentuch auf den Mund.

Als der Anfall vorüber war, trat er langsam auf den offenen Platz hinaus, über den die erleuchteten Fenster ihre Helle warfen. Vor der Veranda blieb er stehen, streifte mit dem Zeigefinger über die Lippen und untersuchte das Taschentuch. »Ach Unsinn!« murmelte er und nahm mit einem Sprung die drei Stufen der Veranda.

Im Speisezimmer fand er Kitty, Gundi Kleesberg und Robert bereits beim Souper. Tassilos Platz war noch leer. Als Willy eintrat, fragte die Schwester: »Hast du sie gefunden?«

Der Doppelsinn der Frage machte ihn lachen. »Natürlich! Das hat keine große Mühe gekostet.« Er nahm seinen Platz ein und rieb vergnügt die Hände. Während des Soupers trug er die Kosten der Unterhaltung, kramte alle Neuigkeiten der Residenz aus und sprach mit bedenklichem Eifer dem Glase zu. Das bemerkte Robert und räumte schließlich dem Bruder unter einem mahnenden Blick die Weinflasche aus dem Bereich der Hände. Willy schien die Bedeutung dieses Blickes zu verstehen; wohl zuckte er ärgerlich die Schultern, doch ließ er sich die Sache schweigend gefallen. Für ein paar Minuten war seine Laune gedämpft; dann sprudelten seine Worte wieder wie ein munteres Brünnlein. Der Erfolg, den er damit hatte, war allerdings ein zweifelhafter. Robert aß nervös und schien nicht zu hören, Kitty blieb zerstreut, und Gundi Kleesberg hüllte sich in die schweigende Würde der Beleidigten. Bei der fliegenden Revue, die Willy über die Sensationen der letzten Wochen hielt, kam auch der Theaterklatsch an die Reihe. Trotz Tante Gundis räuspernder Unruhe erzählte er von einer Duellaffäre, in die der Name der ersten Solotänzerin verwickelt wäre. Und dann wandte er sich an die Schwester.

»Weißt du auch schon das Allerneueste? Das muß dich besonders interessieren. Du schwärmst ja für die Herwegh.«

Erschrocken blickte Kitty auf und fühlte die brennende Röte, die in ihre Wangen stieg.

»Denke dir, die Herwegh geht von der Bühne ab. Das ist ein großer Verlust. Sie hat doch eine ganz phänomenale Stimme und ist eine Künstlerin ersten Ranges.«

»Ja, das ist sie!« fiel Kitty streithaft ein. »Und ich verehre sie sosehr – ich dulde unter keinen Umständen, daß in meiner Gegenwart auch nur ein einziges unfreundliches Wort über Anna Herwegh gesprochen wird.«

»Aber Mäuschen, was hast du denn?« lachte Willy. »Ich sage doch nur das Beste von ihr. Eine wirkliche Künstlerin! Dazu noch jung und schön. Dagegen hab' ich doch wahrhaftig nichts einzuwenden. Ich wollte nur sagen, daß dieser plötzliche Abschied eine sehr rätselhafte Sache ist. Niemand weiß –«

»Fräulein Herwegh wird ihre triftigen Gründe haben.«

»Höre, Maus, da hast du eine kolossale Weisheit ausgesprochen! Aber auf diese Gründe ist man eben neugierig! Gestern brachten die Zeitungen ellenlange Artikel, begeisterte Würdigungen der scheidenden Künstlerin, Lamentationen über den unersetzlichen Verlust. Natürlich vermutet man, daß sie heiraten wird. Aber wen? Eine Zeitung hat auf den ›Träger eines hocharistokratischen Namens‹ angespielt. Ich möchte wissen, wer damit gemeint ist?«

»Zeitungsgewäsch!« sagte Robert. »Wenn hinter dem Gerücht ein Funken Wahrheit steckt, haben wir nicht die geringste Ursache, neugierig zu sein. Es heißt, sie soll sich in ihrer zehnjährigen Bühnenkarriere ein hübsches Vermögen gemacht haben. Und es gibt leider Menschen, die mit solchen Dingen rechnen und dabei eine Krone im Schnupftuch tragen. Sie wird sich nach bekanntem Muster ein verkrachtes Halbblut gefischt haben, das sich rangieren will.«

»Weißt du gewiß, ob sich die Sache so verhält?« fragte Kitty mit vor Erregung erwürgter Stimme.

»Aber kleine Maus?« staunte Willy.

»Antworte mir, Robert!«

Langsam hob Robert die kalten Augen. »Die Kleine ist komisch. Wie kommst du denn überhaupt dazu, in solchen Dingen mitzusprechen?«

In Kittys Augen blitzte der Zorn. »Ich verstehe wohl nicht viel von dem, was ihr beide als Anständigkeit und guten Ton betrachtet. Aber ich meine, man sollte von einer Dame nicht in solcher Weise sprechen. Am allerwenigsten, wenn man nichts anderes vorzubringen weiß als eine grundlose, beleidigende Vermutung!«

Die beiden Brüder machten verblüffte Gesichter, und Gundi Kleesberg schien wie auf Kohlen zu sitzen. Willy fand zuerst wieder die Sprache; die Sache begann ihn zu belustigen. »Sieh mal einer den kleinen Naseweis! Wahrhaftig, Maus, an dir ist ein Gymnasialprofessor verlorengegangen.«

Robert schloß einen Moment die Augen, als hätte er ein Gähnen zu unterdrücken. »Du hast wohl heute zuviel Schiller gelesen? Was? Na, sei gut, kleiner Schäker! Du wirst wohl noch in die vernünftigen Jahre kommen, in denen man dir nicht näher auseinanderzusetzen braucht, daß solchen – du sagtest: Dame? nicht wahr? – daß solchen Damen gegenüber die generelle Erfahrung jede Spezialgewißheit ersetzt. Also beruhige deinen echauffierten Idealismus! Daß einer unserer guten Namen bei der Sache kompromittiert werden könnte, brauchst du nicht zu befürchten. Wer Vollblut ist, weiß solchen Damen gegenüber immer die Grenze des Zulässigen zu bewahren. So was liebt man unter Umständen, aber das heiratet man nicht.«

Kitty erblaßte. »Ich hoffe, Robert, du hast nicht deine eigene Meinung ausgesprochen? Denn was du da gesagt hast, ist eine Niedrigkeit!«

»Aber Maus?« stotterte Willy, und seine Augen hefteten sich in unbehaglicher Sorge auf den Bruder.

Robert legte das Besteck auf den Tisch, daß es klirrte. Mit einem wahrhaft olympischen Blick seiner kalten Augen musterte er die Schwester. »Es scheint dir einigermaßen das Verständnis für das zu fehlen, was du sprichst.« Er wandte sich an die Kleesberg. »Ich meine, Sie sollten die Sprachübungen der Kleinen einer etwas schärferen Kontrolle unterziehen.«

Da riß bei Tante Gundi der langgezogene Faden der Geduld. Langsam legte sie das Haupt zurück – ein Zeichen ihrer tiefsten Empörung. »Erstens bin ich nicht die Gouvernante, mit der Sie mich zu verwechseln belieben. Zweitens – wenn ich auch Kittys unbedachte Worte nicht begreife, so verstehe ich doch ihre begründete Mißbilligung eines Gespräches, das vor zarten Ohren nicht am Platz erscheint, am allerwenigsten vor dem Ohr einer jüngeren Schwester.«

Robert strich die Serviette über den Schnurrbart, erhob sich, blickte aus unnahbarer Höhe auf die Kleesberg herab und steckte an der Lampe eine Zigarette in Brand. »Na, viel Vergnügen!« Er zog sich ins Billardzimmer zurück.

Willy setzte die Fäuste in die Hüften und schmollte: »Aber hört, Kinder, das ist doch mehr als ungemütlich!«

Gundi Kleesberg warf ihm einen strengen Blick zu, und Kitty saß schweigend, mit Tränen in den Augen.

Als Fritz das Dessert servierte, erhob sich Willy. »Ich mache noch einen Bummel.«

Im Speisezimmer blieb es still. Tante Gundi flüchtete sich mit ihrem Buch in einen Erker, und Kitty saß mit aufgestützten Armen einsam am Tisch, während im Zimmer nebenan die Billardbälle klapperten. Als Tassilo endlich erschien, flog ihm Kitty entgegen und schlang mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit die Arme um seinen Hals. »Komm nur, stammelte sie, »ich leiste dir Gesellschaft.« Sie zog ihn zum Tisch und drückte auf die Glocke. Schon wollte Tassilo seinen Platz einnehmen, als er das Geklapper der Billardbälle hörte. Einen Augenblick zögerte er; dann schritt er dem anstoßenden Zimmer zu; er sah nicht, daß Kitty eine Bewegung machte, als wollte sie ihn zurückhalten.

Robert salbte gerade den Stock, als Tassilo eintrat.

»Verzeih', ich habe bis jetzt nicht Gelegenheit gefunden, dich zu begrüßen. Wie geht es dir?«

»Danke, gut!« Robert legte die Kreide nieder und blies über die Fingerspitzen. »Und dir?«

»Ich bin zufrieden.«

»Schön! Das hör' ich gern.« Robert musterte die Stellung der Bälle; er legte den Stock und zielte lange. Es war ein schwieriger Stoß.

Tassilo kehrte in das Speisezimmer zurück, und während des Soupers, das Fritz ihm nachservierte, bediente ihn Kitty wie ein Mütterchen den Lieblingssohn, der nach langer Trennung die erste Mahlzeit wieder am heimatlichen Tisch genießt.

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