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Schloß Favorite

Luise Ahlborn: Schloß Favorite - Kapitel 5
Quellenangabe
authorLuise Ahlborn
titleSchloß Favorite
publisherVerlag von C. Wild's Hofbuchhhandlung
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20181125
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Viertes Kapitel.

Das Schloß Favorite war zunächst für den Sommeraufenthalt gebaut, das bewiesen die mythologischen Marmorfiguren in den Ecken des sehr hohen Speisesaales, zu deren Füßen sich in große Steinschalen dann Wasser ergoß, bestimmt, Kühle zu verbreiten. Jetzt hatte man diese Wasserläufe abgestellt, und statt ihrer senkten sich blütenbedeckte grüne Rankgewächse in die ganz mit Blumen ausgefüllten Schalen. Die hohen Fenster waren mit dichten Vorhängen verhüllt, Gobelins überall an den Wänden aufgehängt, Decken auf die Marmorfliesen gebreitet und in den ungeheuren Kaminen riesige Holzblöcke Tag und Nacht in Brand erhalten. Man konnte sich keinen behaglicheren und festlich schöneren großen Raum dieser Art denken.

Die Markgräfin hatte die aus etwa zwölf Personen bestehende ihrer harrende Gesellschaft mit gewohnter liebenswürdiger Huld begrüßt, zunächst den jungen Gast noch einmal durch herzliche Umarmung, dann ihre Kinder, den zwanzigjährigen Markgrafen vor allen, für welchen sie nun seit Jahren die Regentschaft geführt, einen kräftig gebauten, mittelgroßen, jungen Mann von ruhigem, ernstem Ausdruck und offenem, gesetztem Wesen. – Der reiche, mit Goldstickerei fast bedeckte Sammetrock von dunklem Blau hob das frische, von Luft und Wetter gebräunte Kolorit seines Gesichts vorteilhaft, weiße Escarpins von schwerstem Seidenstoff und wie die Schuhe mit goldenen Schnallen geschlossen, vollendeten den Anzug. Die ritterliche und ehrfurchtsvolle Art, mit welcher er, jetzt wie immer, seiner Mutter und Vormünderin begegnete, nahm von vornherein zu seinen Gunsten ein.

Seine Schwester, die kaum sechzehnjährige Augusta Maria, in der Tat einer Rosenknospe am besten zu vergleichen, hing an dem Arme Annas von Neuburg mit so zärtlicher Freude, als hätten die beiden Cousinen sich schon jahrelang gekannt und geliebt, und nur Sibyllas Jüngster, der hagere, blonde August Georg, der für den geistlichen Stand erzogen wurde, legte auch heute die ihm bis zur Pein anhaftende Schüchternheit nicht ab.

»Ihr habt schon Bekanntschaft gemacht, sehe ich«, hatte mit einem Blick auf ihren ältesten Sohn die Markgräfin zu Anna von Neuburg gesagt.

»Ich habe mir die Huld und Wohlgeneigtheit unserer Cousine Liebden auf das angelegentlichste erbeten!« fiel der junge Markgraf ein, indem er sich in der ruhigen Art, die ihm eigen war, vor seiner Cousine verbeugte.

»Wir wollen es uns überlegen, nicht wahr, Anna Maria?« erwiderte statt der Prinzeß Anna Sibyllas Tochter mit fröhlicher Neckerei.

»Im Grunde sind meine Brüder uns wenig nütze; hier Ludwig Georg treibt's fast wie der wilde Jäger und kommt nur selten für mehrere Tage heim. Und was August betrifft! – Ach, ihr Heiligen, der denkt an nichts als an das Studium der Kirchenväter! – Zwischen zwei solchen Brüdern hätte ich mich zu Tode gähnen müssen, wenn nicht Charlotte von Windeck und der Siegfried da gewesen wären!«

»Nun, meine liebe Nichte, du mußt es wohl hören, wie sehr du uns willkommen bist«, bestätigte die Markgräfin, und dann setzte sie leise seufzend hinzu: »Ich suche in deinem Antlitz meiner teuren Schwester Bild; – ihr schönes, volles Haar hast du und die Farbe der Augen, – dasselbe tiefe Dunkel der Wimpern und Brauen, sonst gleichst du mehr deinem Vater, von dem du auch die Haltung und die Art, den Kopf zu tragen, erbtest.«

»Meine arme Mutter hat mir oft von der treuen Tante Sibylla erzählt und von der großen Schwesterliebe, welche Euch verband. Mir ist zu gleicher Zeit, als hätte ich die durchlauchtige Tante schon lange gekannt, und doch, als hätte die Mutter nicht genug von ihr berichtet«, erwiderte die so gütig von allen Seiten begrüßte Prinzeß, und in den letzten Worten, mehr noch in dem dieselben begleitenden Blicke, lag eine so fein angedeutete Bewunderung, daß die Markgräfin sich lächelnd dafür bedankte, indem sie leicht über das dunkle Lockenhaar Annas strich.

Prinzeß Anna sah trotz des aufgelegten Rots ermüdet aus. – Sie war ohne Frage hübsch, aber Kälte und Stolz sprachen aus Mienen und Haltung, nicht das Herz – und doch konnte sie Blicke haben, welche wohl auf eine tief versteckte Wärme der Empfindung schließen ließen.

Ein mit reichem Pelzbesatz verziertes schwarzes Sammetkleid stand ihr vortrefflich. Sibylla fühlte sich mit dem Äußeren ihrer Nichte höchst zufrieden, um so mehr, als sie auch Mutter genug war, sich in der Erinnerung an Plittersdorffs Einwand zu sagen, daß das leicht gelockte helle Blondhaar, der rosige Teint, zart wie der eines kleinen Kindes und die strahlenden, unschuldsvoll ins Leben hineinlachenden Blauaugen ihrer Augusta Maria nicht durch die Prinzeß von Neuburg beeinträchtigt würden.

Unwillkürlich wanderten ihre Augen dann weiter zu einer jungen Ehrendame ihrer Tochter, welche ebenfalls ein schönes Mädchen war, von dem echten Typus der Schwarzwälderinnen, – braunäugig, mit dunkelblondem Haar und einem scharf geschnittenen Gesicht, dessen fein gebogene Nase und schön geformtes Kinn dem Mädchen, trotz des sehr südlich gefärbten Teints, ein besonders vornehmes Aussehen gaben.

»Komme her, Charlotte, laß dich Ihrer Durchlaucht, der Prinzeß Anna, vorstellen!« rief sie das junge Fräulein, welches etwa zwanzig Jahre haben mochte, heran. Und zu der Prinzeß sagte sie: »Dies ist Charlotte von Windeck, eine Waise aus dem Hause Sötern, die Letzte ihres Geschlechts.«

»Der Markgraf«, – sie zeigte lächelnd auf ihren Sohn, »hat als neuer Inhaber des Söternschen Lehens, welches nach dem Tode von Charlottes Vater hinfällig geworden war, die Verpflichtung übernommen, Vaterstelle bei der einzigen Tochter des Letzten von Windeck zu versehen; da er aber zu solcher Würde noch einiger Jahrzehnte ermangelt, so bin ich in seine Pflicht getreten und bitte dich, liebe Nichte Anna Maria, unsere Lotty als eine der Familienangehörigen anzusehen.«

Charlotte von Windeck verneigte sich tief errötend nach allen Regeln der französischen Etikette, welche längst an den deutschen Höfen zu unbedingter Herrschaft gelangt war, und der junge Markgraf lachte heiter, als seine Mutter von seiner Pflicht gegen die gleichaltrige Charlotte redete.

»Du findest uns hier im Familienkreise, teures Kind,« fuhr Sibylla dann fort, »und wie eine schlichte Burgfrau will ich dir meinen kleinen Kreis vertrauter Diener und Freunde um so lieber selbst nennen, als du darin hoffentlich eine doppelte Empfehlung derselben sehen wirst.«

Dann stellte die Markgräfin der Prinzeß Anna die Herren vom Dienst vor: »Den Oberjägermeister von Schilling, den Kammerherrn von Grunthal« –

»Welcher eben erst in Paris war und uns die neuesten Moden von da mitbrachte. Sieh nur, Anna Maria, sein Rock ist im Futter ganz mit Fischbein ausgesteift, wie ein Damenreifrock«, flüsterte schelmisch Prinzeß Augusta von der andern Seite ihrer Cousine ins Ohr, während Grunthal sich, den kleinen dreispitzigen Hut an das Herz drückend, tief verbeugte.

»Und hier«, fuhr die Markgräfin lächelnd und mit dem Finger drohend fort: »sind meine vertrauten, langjährigen Freunde, der Geheime Kabinettsrat von Plittersdorff und der Geheime Rat von Wiedebar, der Verwalter des markgräflichen Vermögens.«

Der Blick der Prinzeß glitt lächelnd, aber fremd über die Vorgestellten hin, während sie mit würdevoller Vornehmheit die Verbeugungen erwiderte.

Ihre Augen richteten sich auf einen letzten Herrn, welcher neben einem hageren, sehr einfach gekleideten Mädchen stand, dessen Blütezeit schon vorüber schien und auf dessen Gesicht die Spuren von Aufregung und Ermüdung sehr sichtbar hervortraten.

»Ah, beinahe hätte ich ja unsern Siegfried vergessen!« rief die Markgräfin und nahm den bildschönen, blondlockigen jungen Mann bei der Hand, ihn als Grafen Bilky präsentierend, indem sie ihn den Intimus und Studiengenossen ihres Sohnes nannte.

»Und hier ist zuletzt noch unseres lieben Wiedebar einzige Tochter und unsere allein hier anwesende Hofdame, Sabina von Wiedebar«, schloß die Markgräfin, freundlich über das dunkle Haar des verblühten Mädchens streichelnd, welches mit erregten Mienen sich der Liebkosung zu freuen schien.

Die Prinzessin Anna hatte jeden der Anwesenden mit flüchtigem Blick scharf gemustert, als wollte sie sich die Persönlichkeiten zu den genannten Namen genau merken. Sie stellte dann ihrerseits ihre Ehrendame als Signora Katharina Belluggi vor, und die Markgräfin richtete an die stattlich und selbstgewiß erscheinende Dame freundliche Worte in italienischer Sprache, worüber diese entzückt ihrer Prinzessin zurief: »Ich glaubte, meine Altessa zu den Wilden bringen zu sollen, und ich finde mich an einen Hof versetzt, dessen Herrin wert wäre, einen unserer italienischen Throne zu schmücken!« Auch ein Kavalier der Prinzessin war noch da, aber sein Name verhallte in dem jetzt allgemeinen Geplauder, und da er und die Signora schon baldigst wieder in ihre Heimat zurückreisen sollten, so beobachtete man den unbedeutend scheinenden Mann auch nicht mehr, als die Höflichkeit gebot.

Man setzte sich zu Tische, wo Anna Maria den Platz zwischen ihrer Tante und ihrem ältesten Vetter erhielt, während der jüngere, fortwährend in scheuer Entfernung bleibend, unzertrennlich von dem Grafen Eberstein schien.

Prinzeß Augusta hatte ihre Freude daran, Grunthal über den Tisch hinüber zu necken und die Begeisterung des Kammerherrn für den Hof von Versailles zu verspotten, wobei Charlotte und Graf Bilky sie unterstützten.

Graf Eberstein berichtete unterdes den älteren Herren viel von den Schwierigkeiten der Reise über den St. Gotthard, und wenn auch die schreckliche Straße allbekannt war, so erhöhte es doch den Reiz, von den Lippen des Heimgekehrten eine Schilderung zu vernehmen, welche den Vorzug des soeben erst selbst Erlebten hatte. Prinzeß Anna Maria stimmte dem Grafen zu, – es war in der Tat eine höchst gefährliche und schreckensvolle Fahrt gewesen, welche man nicht unternommen haben würde, hätte man geahnt, daß der sehr milde Winter in den letzten Februarwochen mit voller Wut zurückkehren werde. – Allerlei anderes kam dazwischen zur Sprache; – es herrschte bald ein lustiges Durcheinander, so daß selbst Prinzeß Anna schon ganz lebhaft mit dem Grafen Siegfried Bilky über die Tafel herüberplauderte.

»Wie schön der Siegfried wird!« dachte fast überrascht die Markgräfin.

Sie hatte das verwaiste Knäblein, welches ihr Gemahl einst bei der Erstürmung einer von den Türken besetzten Burg in Ungarn weinend und nach seinen Eltern rufend fand, mit ihrem nahezu gleichaltrigen Sohne, dem jungen Markgrafen, auferzogen, und wenn auch der gänzlich mittellose Findling sorglos bei ihr dahingelebt hatte, so war doch in letzter Zeit seine Zukunft nicht ohne Bedenken von ihr erwogen, – denn ihr Gemahl hatte sich nur in gelegentlichen Äußerungen, niemals schriftlich mit der Feststellung derselben beschäftigt, wiewohl es stets in seiner Absicht gelegen, ihm eine sichere Lebenslage zu begründen. – Der Tod war schneller gekommen, als selbst die Ärzte des Markgrafen Ludwig Wilhelm befürchtet – und nichts war seitdem geschehen.

»Wie schön und stattlich er ist!« dachte Sibylla. – »Er ist ein Mann geworden über Nacht!«

»Ah! – sie bitten ihn, er soll spielen –? – Seht nur, wie eitel der hübsche Junge ist, die Freude, sich hören lassen zu können, macht ihn rot wie ein Mädchen!«

Und lächelnd nickte sie ihre Zustimmung, als ihre Tochter sie um die Erlaubnis bat, Siegfried Bilky spielen zu lassen.

»Ich würde ihn lieber singen hören!« sagte sie nur.

»Wie meine Liebden Mutter befiehlt! Siegfried, du sollst lieber singen!« rief Prinzeß Augusta mit heißen Wangen und großer Lebhaftigkeit.

»Nein doch, eins nach dem andern!« berichtigte die Markgräfin.

Ein Diener hatte eben einen Geigenkasten herbeigebracht; der junge Ungar sprang auf die Estrade an einem der Fenster und wandte sich so, daß der Ton seines Instruments die mit Fliesen bedeckten Säulen treffen mußte.

Dann begann er zu spielen. –

Wer hatte ihn diese seltsamen Weisen gelehrt, welche jedesmal auf die Hörer eine beinah berauschende Wirkung ausübten?

»Niemand hat es ihn gelehrt, – die Melodien haben ihm vorüberziehende Zigeuner vorgespielt, – und er hat keinen Ton verloren«, flüsterte Prinzeß Augusta mit stolzen Blicken ihrer Cousine zu. Sie war ganz Eifer und Wonne und dabei harmlos wie ein Kind.

»Und nun bitten wir Siegfried zu singen!« rief die Markgräfin, als er unter allgemeinem heiteren Lachen aufgehört. Auch das tat er, mit derselben frohen Bereitwilligkeit. Er sang, was das Volk singt, – Soldatenlieder und Liebeslieder – alles mit derselben guten Laune und derselben wundervollen Stimme. Dann sang auch der Markgraf mit dem Freunde und Gespielen – es war sehr schön, die beiden so verschiedenen Stimmen harmonisch zusammenklingen zu hören, die tiefe, mächtige des jungen Fürsten und die helle, gleichsam jubelnde des Grafen Siegfried.

Auch Prinzeß Augusta sang mit Charlotte einen Wechselgesang, in welchem Graf Siegfried mit einem in aller Eile selbst erfundenen Verschen einfiel, nur daß seine Worte neckisch die beiden heimlichen Singvögelein verspotteten, bis wieder alles in Lachen endigte.

Welch heiterer Abend! Wie harmlos sich alle freuten!

Und wie lebten denn diese Menschen zusammen? Hatten sie keine Leidenschaften? Gab es keine geheimen Fäden von einem Herzen zum andern?

Die Signora Belluggi fragte sich dies mit spöttischem Verziehen der Lippen, und Anna Maria von Neuburg fragte sich heimlich dasselbe. Waren diese jungen Herzen von Eis? Gab es zwischen diesen Herren vom Hofe und den Edeldamen der Fürstin keine andern Gefühle als die der Freundschaft, kühler Höflichkeit? Aber es blieb ihr nur wenig Zeit, um darüber nachzudenken. Es machte sich eine nicht zu verkennende Ermüdung bemerkbar, welche die Gesellschaft veranlaßte, zur Ruhe zu gehen.

Todmüde sank Anna Maria, nachdem ihre Frauen sie entkleidet, in die zahllosen seidenen Kissen des ungeheuren Himmelbettes und entschlief sofort, während im Zimmer gegenüber, nur der Korridor trennte sie voneinander, Augusta Maria und Charlotte noch lange lustig lachten.

Der Sturm, der ein wenig geruht hatte, erhob sich von neuem und toste in den vielen alten Riesenbäumen, welche das Schloß umgaben, und der Regen prasselte gegen die Scheiben.

Auf der andern Seite des Schlosses, in einem Stübchen, welches Graf Siegfrieds Logis in dem nicht allzu geräumigen Favorite bildete, saßen der junge Markgraf, Siegfried Bilky und Prinz August zusammen, bei dem üblichen Becher heißen, gewürzten Weines.

»Was sagst du zu unserer Cousine, Friedel?« fragte der erstere.

»Sie gefällt mir nicht, sie hat ein kaltes Herz!« erwiderte dieser mit rücksichtslosem Freimut.

»Und was meinst du, bezweckt meine Mutter damit, daß sie die Anna kommen läßt?« fuhr der junge Fürst fort.

»Nun, das könnt' jedenfalls ein Esel mit seinem Hufeisen fühlen«, rief Prinz August. »Du hast die Jahre – die Anna ist reich – heiraten sollst du sie!«

»Ich glaub's auch!« sagte Siegfried Bilky ernsthaft.

»Ha! Aber das Heiraten auf Befehl kommt mir nun schon gar nimmer in den Sinn und ich würd' mir doch schön verbitten, daß man mich nicht einmal fragt! Ich glaub's auch nicht, die Anna ist rechtes Geschwisterkind – –«

»Dafür gibt Clemens XI. Dispens!« rief Prinz August.

»Redet keinen Unsinn!« wehrte der junge Markgraf ernstlich ab.

»Nun, wir können schweigen, gewarnt bist du!« sagte der Bruder weise.

»Ich glaub's nicht! Ich glaube es nimmer! Die Frau Mutter ist zu verständig; – ihr täglich Wort lautet: ›Wo Liebe da Segen!‹ Wie würde sie dann daran denken, mich nicht erst zu befragen in solchem ernsten Falle?« Der Markgraf sah trotz seiner Beteuerung aufgeregt und zweifelnd aus.

»Wißt, was mir verdächtig scheint, ist Ebersteins geheime Unterredung mit der Frau Mutter gleich nach der Rückkehr heute. Und als wir vorhin auseinander gingen und ich ihn fragte, ob er Lust verspüre, morgen mit nach Herrenwies hinüber zu reiten, da entschuldigte er sich und sagte, er habe eine kleine Reise vor im Auftrag der Frau Markgräfin.«

»Richtig ist's. Und heiraten wirst du doch bald, aber sperr' dich nur nicht eher, als bis du's gewiß weißt, was sie mit dir vorhaben!« meinte Siegfried Bilky.

Prinz August stimmte zu und der Markgraf sagte ärgerlich: »Ihr sprecht, wie ihr's versteht!«

»Na, verstehst du's etwa besser? Weißt du eine, die du möchtest und nur sie allein auf der weiten Welt?« sagte lachend Graf Siegfried und sah mit funkelnden Augen seinen Herrn und Freund an.

»Keine – in der ganzen Welt keine! Aber ich will selbst wählen, wenn es so weit ist und mir weder so noch so die Hände binden lassen.«

»Es reimt sich nur nicht,« rief Prinz August, »zu der Frau Mutter Absicht, uns zum Herbst auf die große Tour zu schicken! Wäre ja dann an den befreundeten Höfen Gelegenheit genug für dich, auszuschauen nach einer Prinzessin, die dir gefallen könnte.«

»Hast recht, Bruder,« sagte der Markgraf, »es reimt sich nicht.«

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