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Schloß Favorite

Luise Ahlborn: Schloß Favorite - Kapitel 13
Quellenangabe
authorLuise Ahlborn
titleSchloß Favorite
publisherVerlag von C. Wild's Hofbuchhhandlung
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Zwölftes Kapitel.

Der Abend verlief ohne weitere ärgerliche Ereignisse dieser Art, man erging sich auf der breiten, herrlichen Terrasse, die einst Markgraf Philipp, des unglücklichen Christoph Sohn, hatte anlegen lassen, und die sich jäh über der Stadt erhob, den linksseitlichen Blick auf die ernste Majestät des Merkurs, des höchsten der hier sichtbaren Berggipfel, freigebend. Mondschein, Maiennacht, Nachtigallengesang, der Duft der tausend Blüten, das Plätschern des wieder instand gesetzten Springbrunnens, alles das verfehlte seinen Eindruck auf die Gemüter der verwöhnten Fürstenkinder nicht. Sie spielten wie fröhliche, junge Menschenkinder unter Scherz und Lachen ihre Kinderspiele, und die Markgräfin ging am Arme ihres Gastes lächelnd und befriedigt zwischen ihnen umher, mit leisem Seufzer eigener Jugend gedenkend.

Ihre ältere Hofgesellschaft vergnügte sich mit Kartenspiel.

Der gefährliche Österreicher saß eifrig sprechend neben Sabine Wiedebar; Anna von Neuburg plauderte mit Bilky und dem Erbprinzen, denen sich eben Charlotte und Eberstein zugesellten, und dort unter der Platane weilten Augusta und Ludwig Georg und blickten einander Hand in Hand ausnehmend ernst an. Was mochten die Kinder nur haben? Der Ernst war ihrer fröhlichen Augusta sonst so fern! Später sah sie noch einmal den Markgrafen mit Landin gehen, sah letzteren wieder neben Augusta und Anna von Neuburg, wie eben die vielfach wechselnde Gruppierung die Bilder des Kreises gab. Das Erfreulichste schien ihr die aufgelebte Miene des Erbprinzen, mit welchem zuletzt Anna von Neuburg ein Menuett tanzte.

Als alle zur Ruhe gegangen, ließ die Markgräfin noch Eberstein und Plittersdorff zu sich befehlen. Der Bischof bat in einem Schreiben, man solle wenigstens eine Begegnung nicht von der Hand weisen, und machte den Vorschlag zu einer solchen dahin, daß er die spanischen Damen, welche nach Straßburg zu reisen gedachten, zur Jagd nach dem ihm gehörenden Jagdschlosse begleiten wolle, von der badischen Seite solle man ebenfalls eine solche unternehmen. Zudem schlage er vor, daß die Markgräfin der in Wildbad weilenden verwitweten Fürstin Schwarzenberg eine Einladung zugehen lasse, um die einstige Jugendfreundschaft zu erneuern. Diese kenne ihrerseits Donna Sol, die Witwe des Infanten Don Pedro genau von Wien her, und werde sich so ein Hin und Her günstig zwischen den Parteien vermitteln lassen, ohne irgendwie zu verpflichten.

Die beiden Berater stimmten eifrig dem bischöflichen Vorschlage zu; sie selbst rang schwer mit der christlichen Demut, welche ihr der Gehorsam gegen das kirchliche Oberhaupt gebot. Nun wohl, die geplante Begegnung verpflichtete zu nichts, der fernere Rat des Bischofs war gut, den jungen Markgrafen über den eigentlichen Zweck im unklaren zu lassen.

Gleichwohl blieb in einer untergeordneten Frage noch ein Zweifel; ein Kurier wurde noch in der Nacht zum Bischof gesandt, und der Österreicher, wie Sibylla ihn mit nicht zu unterdrückendem Groll nannte, ließ sich das Bleiben nur zu gern gefallen.

»Er bedünkt mich ein Weiberheld,« sagte Eberstein scherzend über Landin, als die Markgräfin ihn um seine Meinung befragte, »scheint mir aber ein bedeutender Kopf.« Graf Eberstein wünschte offenbar die freundlichsten Rücksichten für den Fürsten.

Sie entließ die beiden Herren mit der Beruhigung betreffs der in Aussicht stehenden Begegnung, daß für dieselbe sich zu keiner Zeit ein so günstiger Anlaß biete, wie der Ausflug ins Gebirge, den sie geplant habe für die zweite oder dritte Woche nach dem Besuch der Durlachschen Verwandten.

Es war am andern Tage. Da es am Morgen regnete, vertrieben die jungen Leute sich die Zeit damit, im Schlosse Versteckens zu spielen. Bei dieser Gelegenheit hatte sich Landin in ein Kellergewölbe verloren, wo ihm eine schwere Steintür, »groß und dick wie ein Grabstein«, das Weitergehen verwehrte. Er befragte deshalb den Markgrafen Ludwig und erhielt von diesem die Antwort, daß hinter dieser Tür die Gefängnisse des Schlosses – jetzt nur noch für große Verbrecher oder Staatsgefangene benutzt – sich befänden. Prinzeß Augusta berichtete, wie schrecklich diese Kerker sein sollten. Zuletzt saß die ganze junge Gesellschaft plaudernd beisammen und erzählte sich bei hellem Tage Sagen und Spukgeschichten.

Das »alte« Schloß interessierte Anna von Neuburg –; nichts konnte Sibylla gelegener kommen, als ein Ausflug der jüngeren Gesellschaft dahin. Sie hatte ihren Sohn zu sich bescheiden lassen und ihm ihren Plan einer Verbindung zwischen Anna von Neuburg und dem Erbprinzen mitgeteilt.

»Wir Älteren werden uns ausschließen, sorge du, daß dieser Landin nicht den scheuen Erbprinzen verdränge!« bat sie.

»Nichts leichter als das!« versicherte der Markgraf Ludwig, entzückt von der Aussicht, Landin von neuem über Wien und vor allem über die Schwarzenbergs reden zu lassen, noch viel entzückter aber, als seine Mutter ihm erklärte, sie habe von Landin erfahren, daß die verwitwete Fürstin sich sehr über ein Wiedersehen mit ihr freuen würde, da sie sich, als sie in ihren ersten Ehejahren in Wien gewesen, gut gekannt. Vielleicht werde es möglich, die Fürstin zu einem Rendezvous einzuladen, deutete sie weiter an.

Kaum vermochte Markgraf Ludwig den Jubel seines Herzens zu unterdrücken, sein glühendes Erröten zu verbergen.

In der Morgenfrühe waren sie zu Fuß den Berg hinangeklommen, zu dem in der Tat nur die steile, alte Fahrstraße, und auch diese völlig zerstört und unwegsam geworden, hinaufführte. Markgraf Ludwig war der erste oben.

Nur zwei fehlten noch – Landin und Anna von Neuburg. Markgraf Ludwig erschrak heimlich, aber da er den Erbprinzen, der mit Augusta gekommen, fröhlich rufend und pfeifend den Nachzüglern entgegengehen sah, beruhigte er sich dabei, daß derselbe nicht verletzt schien.

Sie kletterten in den Mauertrümmern ein Weilchen umher, strebten dann aber vorwärts nach den noch höheren Felsen, und wieder teilte sich die Gesellschaft je nach Laune und Zufall. Diesmal führte der Markgraf mit seiner Cousine und dem Erbprinzen den Zug.

Siegfried Bilky war der einzige, welcher sich tiefer für diese Überbleibsel grauer Vorzeit interessierte. Man hatte ihm oft erzählt, wie er in der zerstörten, ausgeplünderten ungarischen Burg gefunden sei. Als Knabe hatte er mit Vorliebe jede Gelegenheit benutzt, hier oben herumzuklettern und sich auszumalen, wie der Feind – er dachte sich zu jener Zeit denselben nur als den Türken mit Turban und Halbmond! – sie erstürmt, ausgebrannt und zertrümmert. Auch heute war er einsam über all das Trümmerwerk weggeklettert zu einer in der Luft schwebenden Steintreppe, deren untere Stufen ebenfalls der vernichtenden Zeit zum Opfer gefallen. Er kannte diese Treppe von früher, wußte, daß man sie erreichen konnte durch geschickte Benutzung einer daneben aufgesproßten Ulme. Dort oben gab es ein gar trauliches Plätzchen – ob das jetzt noch so sein mochte?

Eh der Gedanke ihm bewußt geworden, hatte er ihn schon ausgeführt und stand nun droben, wo alles noch war wie sonst. Schade, daß Prinzeß Augusta und Charlotte nicht hinauf konnten! Er wandte sich, um sie, die den Fels hinankletternd sichtbar wurden, zu rufen, als er im heftigen Schrecken zurücktrat und sich eben noch rechtzeitig an die Mauer klammerte, um dem Sturz in die Tiefe zu entgehen. Ganz dicht vor ihm schauten ihn zwei unheimlich glühende, schwarze Augen aus einem grauen, verwitterten Menschenantlitz mit dem Ausdruck eines zur Verzweiflung gebrachten, gehetzten Wildes an.

»Beim Blitz! Was habt Ihr dort zu hocken?« rief er im Schrecken zornig aus.

Erst jetzt sah er, es war eine alte Frau. »Eine Beerensucherin!« flog es ihm durch den Sinn. Aber nein! Dies elende Geschöpf, das da so bebend vor ihm kauerte und die knöchernen braunen Hände über der Brust kreuzte, mit unsäglichem Jammer in dem bittenden Blick, das war keine Schwarzwälderin.

»Weib, wie kommst du hierher? Was schaffst du hier?« fragte er die an allen Gliedern Zitternde.

»Fatme!« sagte sie, »Fatme!« Und dabei sah sie ihn an, als müsse ihn das genügend aufklären und als erwarte sie jetzt besonderes.

»Fatme?« Sie war wohl eine Türkin? Aber wie geriet dies elende Wesen denn hierher? Er sah zugleich die trockenen Lippen des Weibes und erriet an ihrem auf seine mit Leder überzogene Flasche gerichteten Blick, daß sie durstete.

»Da!« sagte er mitleidig.

Gierig fiel sie über den Wein her. Dieser Akt der Milde gab ihr plötzlich Mut.

»Leilas Sohn?« fragte sie, und als er den Kopf schüttelte, nickte sie beharrend: »Leila, deine Mutter und –?«

*

»Wo ist Siegfried?« fragten die andern.

Man rief – Markgraf Ludwigs Horn tönte weithin durch die Wälder über Berg und Tal – keine Antwort.

»Wo ist er? Wo kann er geblieben sein?«

Am Ende mußte man sich schon entschließen, den Rückweg anzutreten. Charlotte von Windecks sichtliche Unruhe beschwichtigte Prinzeß Augusta heimlich mit dem scherzenden: »Das große Kind wird sich schon heimfinden, ist wohl längst da unten im Schloß.«

So war es auch, aber der Siegfried Bilky, der heimkehrte, als längst die anderen an der Tafel saßen, hatte nichts mehr gemein mit dem, der auszog. Still, bleich und nachdenklich ging er in seine Stube und dort wie in einem Käfig hin und her in ruheloser Aufregung.

Ehe Markgräfin Sibylla sich aber zur Tafel begab, ließ sich der Landvogt von Laudrum bei ihr melden.

»Ich habe Ew. Durchlaucht eine unerfreuliche Nachricht zu bringen,« sagte er, »die Witwe Kräusler ist vor einigen Tagen aus dem Prison auf Schloß Eberstein entwischt.«

»Und was sagt der pflichtvergessene Kastellan zu seiner Entschuldigung?«

»Nichts, Ew. Gnaden, er liegt seit mehr als einer Woche todkrank im Fieber; die Frau hat der Gefangenen zu warten gehabt, ein noch junges Weib, in der Angst um den Mann nur an ihn denkend.«

Markgräfin Sibyllas Stirn erschien tief verdüstert.

»Man muß die Fatme wiederhaben; ordnet das an, Herr Landvogt; sie muß gefangen werden. Meldet mir sogleich, wenn man ihrer habhaft geworden! Laudrum, man soll sie nicht mißhandeln! Und sorgt mir dafür, daß man ihr irrsinniges Geschwätz nicht anhört. Sie ist krank im Kopf – hört Ihr.«

Dann trat sie vor ihren Spiegel und ordnete ihre Züge und Blicke wieder zu dem frohen, jugendschönen Lächeln, welches der Sonnenschein ihrer Umgebung war. Dennoch blieb wie ein dunkler Schatten der Gedanke an die Fatme in ihrer Seele. Des Weibes Geschwätz war ihr fatal; – sie wußte, wie klatschsüchtig man in ihrer Umgebung und im Volke war. Dann auch beunruhigten sie Zweifel, Erinnerungen. Aber sie hatte zu wenig Zeit, sich dieselben klarzumachen und war froh, sie vergessen zu dürfen.

Das Vergnügen der fürstlichen Gesellschaft nahm in den nächsten Tagen seinen Fortgang. Siegfried Bilky allein erschien auffällig still und ernst – doch nur Charlotte von Windeck sorgte sich darum.

»Was ist dir?« fragte auch Markgraf Ludwig, aber da sein Freund leugnete, so sprach er mit froher Hoffnung von der Aussicht, die sich ihm auftat, Maria von Schwarzenberg wiederzusehen.

»Landin hat der Mutter gesagt, er habe dem Bischof versprochen, den alten Fürsten in Wildbad aufzusuchen. Ich habe mich ihm als Begleiter angeboten und – ich hoffe, du kommst mit.«

»Erlaßt mir's für dieses Mal, Ew. Gnaden –«

»Dir erlassen? Friedel! Das ist das erste Mal, daß ich dich unlustig sehe, mit mir zu reiten? Du siehst bleich und überwacht aus?«

»Was doch die Einbildung nicht tut«, lachte Bilky gezwungen. »Am Fürsten Landin hast du ja einen Gesellschafter, wie du ihn nur wünschen magst, Lutz?«

»Eifersüchtig?« dachte im Weggehen der junge Markgraf.

Für jede Tageszeit gab es von der Markgräfin erdachte gemeinsame Ergötzlichkeiten; man behielt oft kaum Zeit, die Toiletten zu wechseln, und inzwischen gingen Boten hin und her, teils wegen des bevorstehenden Festes in Favorite, teils wegen anderer Dinge, über welche sie Mitteilung zu machen unterließ.

Im ganzen fingen die Damen an, sich nach dem Lustschlosse zurückzusehnen, da die mangelhaften Wohnungsverhältnisse sich auf die Länge doch sehr fühlbar machten, und am Nachmittage des fünften Tages, gegen die Abendzeit, brach man nach der Favorite auf, wohin die Markgräfin sich schon mehrere Stunden früher begeben.

»Mit dem Friedel ist irgend etwas nicht in Ordnung!« sagte der Markgraf zu Eberstein, als sie sich in der Orangerie versammelten. »Er liegt auf seinem Bette und schläft wie ein Toter, und sieht dabei so abgemüdet aus, daß ich nicht weiß, was ich denken soll. Ich hab' mich nicht entschließen können, ihn zu wecken.«

»Aber was mag er denn haben? Er klagt nicht!« erwiderte der Graf.

»Er ist krank, glaubt's nur, Herr Markgraf, so arg verstört sieht kein Mensch bei guter Gesundheit aus«, versicherte Charlotte von Windeck.

»Was die Damen nicht alles sehen, er wird sich eine Erkältung geholt haben, als er neulich in dem alten Burghofe geschlafen, während wir ihn riefen und uns um ihn ängstigten«, neckte Eberstein.

»Ja, seht, Herr Graf, Ihr trefft den Nagel auf den Kopf, seit dem Tage, seit jener Stunde ist er ein anderer!« rief Charlotte von Windeck, und in ihren nußbraunen Augen schimmerte es feucht.

»Ich will ihn mir ansehen, Fräulein Charlotte, und wenn es not tut, soll ihn der Hofmedikus in seine Obhut nehmen. Sorgt Euch nicht weiter!« hatte Graf Eberstein, zu Charlotte tretend, leise gesagt.

»Tut es, Herr Graf, Ihr wißt, er hat nicht Mutter, nicht Schwester, niemand, der Sorge um ihn trägt.«

Welch warmer Strahl brach aus des festen Mannes Augen. Sie fühlte mit verschämter Freude, er spottete ihrer nicht! O nein, er sagte leise: »Der Bilky ist gut daran, ich habe nie ein gütiges Herz gefunden, das sich um mich bangte, wenn mir übel zumute war.«

»Ihr habt nur nicht suchen wollen, Graf, Euch muß man ja gut sein, und ich weiß auch wohl, Ihr hättet schon eine finden können, deren Glück es gewesen wäre, Euch –«

»Ja, seht Ihr, Fräulein Charlotte, es ist ein schlimmes Ding, man hat ja keinen freien Willen; wohin das Herz gezogen wird, dahin strebt es – und wenn es nicht hin kann, was hilft ihm eine ganze Welt voll Frühling und Sonne und Blumen? Und deshalb hab' ich nun niemand, der sich um mich bangt.«

»Ich auch nicht, Graf, bin auch ein armes Waisenkind wie der Friedel!«

»So wollen wir drei fest zueinander stehen!« sagte er, ihre kleine Hand nehmend.

Prinzeß Augusta sah ihre Cousine und lief derselben entgegen, um ihr scherzend zuzuraunen: »Anna, sage mir dein Mittel, du hast ein solches, du wirst jeden Tag hübscher!«

Von der andern Seite trat Landin ein, der, nun seine Mission geglückt war, gebeten, daß man ihm noch einige Tage Gastfreundschaft gewähre, eine Bitte, gegen welche Sibylla keine Weigerung fand. Dann kamen der Durlacher Markgraf und sein Sohn – das Gefolge – und so beachtete niemand, daß Markgraf Ludwig rasch hinter einem der aufwartenden Diener herging.

»Höre Er! Sage Er mir doch, Baumann, ich sah da eben zufällig, als wir von dem Grafen Bilky redeten, daß Er in sich hineinlachte, als wisse Er besser, was dem Herrn Grafen sei! Solch Lachen über seine Herrschaft ist frech, und ich hoffe, es nie wieder zu sehen, merke Er sich das!«

»Ach Gott, Ew. Gnaden, ich – ich lachte nur, weil – die – ach, die Damen – sie dachten, er sei krank, und ich dachte, der Herr Graf sei lebendig genug!«

»Wird Er weiterreden? Oder soll ich Ihn in den Stock schicken?« zürnte der Markgraf, neugierig und gereizt in gleichem Maße.

»Jawohl, Ew. Gnaden Durchlaucht, es war nämlich so, daß ich die Wache hatte, und da sah ich gegen 1 Uhr den Herrn Grafen fortgehen, und gegen Morgen kam er erst wieder. Und –«

»Nun? Weiter! Weiter!«

»Und in der folgenden Nacht, ach, Ew. Gnaden, man denkt sich ja nichts dabei, und man weiß auch seine Pflicht, das Maul zu halten über das gnädige Belieben der gnädigen Herren, aber – wir haben es alle drei gesehen, ich und der Waidling und der Bastel, eine Nacht nach der andern ist nun der Herr Graf fort gewesen, nicht zu Fuß, wie das erstemal – nein, zu Pferde, und wenn er das Tier in der Morgenfrüh heimbrachte, da waren er und sein Roß wie aus dem Wasser gezogen. Und da hab' ich Unglückskind lachen müssen –«

»Nun, Baumann, Er weiß, wohin das zweite Lachen oder ein vorwitziges Wort über diese Sache Ihn führt. Also sei Er selbst sein Freund!«

Damit ging der Markgraf fort, ärgerlich und verstimmt auf sich, daß er Dingen nachgefragt, die er lieber nicht gewußt.

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