Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Mendele Moicher Sforim: Schloimale - Kapitel 33
Quellenangabe
typefiction
authorMendele Moicher Sforim
titleSchloimale
booktitleDie Fahrten Binjamins des Dritten - Die Mähre - Schloimale
publisherWalter-Verlag
year1962
firstpub1924
translatorSalomo Birnbaum
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20130827
modified20171009
projectida044b65b
wgs9110
Schließen

Navigation:

Glossar

Ab: Benennung eines jüdischen Monats, dem August entsprechend.

Abbale: Männername [Koseform von Abbe].

»Abbrändler«: Leute, die nach einer Feuersbrunst herumfahren, um Geld für den Wiederaufbau ihres Hauses zu erbitten.

Abgesonderte: Männer, die sich von allem Weltlichen absondern und sich nur der göttlichen Lehre widmen.

Achtzehn: Die Zahl 18 hat, in hebräischen Ziffernbuchstaben geschrieben, den gleichen Zahlenwert wie das hebräische Wort »lebend« und wird daher gerne bei Spenden usw. als Betrag benützt.

Ador: Benennung eines jüdischen Monats, Februar/März entsprechend.

Ad schetikunes usw.: Bis zum Trauhimmel geht [den Kohen geheiratet hat].

Aggada: Die nicht gesetzliche Seite der jüdischen Tradition [speziell im Talmud], also historische, allegorische usw. Abschnitte.

»Akdamot«: »Zum Anfang«; damit beginnt ein Lobgedicht zur Verherrlichung Gottes, welches am Schwiees vorgetragen wird.

Arbekanfes: »Viereckiges« religiöses Kleidungsstück; ein Kleiderüberwurf, an dessen vier Zipfeln die Zizzes [s. d.] angebracht sind und der von den Männern unter den Kleidern getragen wird.

Aren: Männername [Ahron].

Armleuten: Satirisch erfundener Name für Kapulje [Kopyl, Gouvernement Minsk], den Geburtsort Schloimales bzw. des Verfassers.

Asek: Männername [Eisik].

Asmodai: Ein Teufel [vgl. Tobias, Kap. 3, Vers 8]; Höllenfürst.

Asseeres bnej Hummen: Die zehn Söhne Hamans, die bei der Verlesung des Estherbuches in einem Atemzug ausgesprochen werden.

Ausdrücklicher Name: Der sonst nicht angesprochene Name Gottes.

*

Badchen [Mz.Badchunem]: Stegreifdichter und Spaßmacher bei Hochzeiten.

Badeckens: Eine Zeremonie vor der Hochzeit, bei der das Haupt der Braut mit einem Schleier bedeckt wird.

Bader: Badewärter im jüdischen Dampfbad. Eine Art Naturarzt und Friseur [siehe Feldscher].

Balemmer: Die Mittelestrade in der Synagoge, wo die Thora verlesen wird [westjiddisch: Almemor].

Barche: Ein Dämon.

Barmizwe: 1. Am dreizehnten Geburtstag erreicht der Knabe religiöse Volljährigkeit, er hat von nun an alle Mizwes [s. d.] zu erfüllen. 2. Die religiösen Bräuche an diesem Tage.

Barmizwe-Buben: Knaben um das dreizehnte Lebensjahr herum [siehe Barmizwe].

Batlen [Mz. Batlunem]: 1. Jemand, der Honorar erhält, um seine Zeit im Lehrhaus zuzubringen, damit dort immer »gelernt« werde. 2. Müßiggänger, die bloß im Beßmeddresch herumsitzen. 3. Unpraktischer Mensch.

Batlunem siehe Batlen

Bechaje: Das Buch »Herzenspflichten« [Chowot Halewawot] des Religionsphilosophen Bachja ibn Pakuda [11. bis 12. Jahrhundert].

Beer: Männername [»Bär«].

Be-esres-haschemm: »Mit Gottes Hilfe«; wird abgekürzt oben an den Brief geschrieben.

Belfer: Schulgehilfe, Lehrergehilfe in Kleinkinderschulen.

ben: Sohn des, Sohn der.

Benaja ben Jojada: Führer der Leibwache König Davids.

Benedeiung sagen, sprechen: Vor jeglichem Genuß wird Gott als sein Schöpfer in einer Benediktion gepriesen.

Bentschen: 1. Segnen. 2. Den Tischsegen nach der Mahlzeit beten.

Bentscher: Büchlein mit Tischgebet.

Ben-Zieen: Männername [Ben-Zion, »Zionssohn«].

Berliner: Anhänger der Ideen, die von den Kreisen der jüdischen »Aufklärer« in Berlin ausgingen.

Beßmeddresch: Lehr- und Bethaus.

Bestellte Beter: Diese werden nicht fürs Beten bezahlt, sondern dafür, daß sie an eine bestimmte Stelle kommen und dadurch dort ein Gemeinschaftsgebet ermöglichen [s. Minjen].

Bileam: vgl. Num., Kap. 22, Vers 28.

Binem: Männername.

»Blätter«: Lizenz für den Unterricht.

Bne Mosche: »Söhne Mosis«, legendärer jüdischer Stamm; die »Roten Juden«.

Borchi: Das erste Wort des Vorbetenden, womit er die Gemeinde zu Beginn des eigentlichen gemeinsamen Gottesdienstes auffordert: »Preiset [den Ewigen, den Hochgelobten]!«

Borscht: Rote Rübensuppe, oft mit Fleischstücken, Eigelb und anderen Zutaten bereitet. Für gewisse Gelegenheiten wird sie gesäuert.

Braandel: Frauenname [»Brünettchen«].

Brodder: Brodyer, aus der Stadt Brody in Ostgalizien.

Burech Hilleis: Baruch, Sohn des Hillel.

Buwwe-Buch: Das jiddische Werk Buwwe Pantona [1507/08] des Elia Levita, Versroman in ottava rima, nach dem italienischen Buovo d'Antona, einer Bearbeitung des englischen Sir Bevis of Hampton.

*

Chajem: Männername [»Chaim«].

Chakel: Männername [Koseform von Chajem].

Chalatt: Eine Art Kaftan [s. d.].

Challe: Geflochtenes Weißgebäck für den Sabbat und den Festtag.

Chammer: Dummkopf [im Hebräischen dagegen hat das Wort die ursprüngliche Bedeutung: Esel].

Channe. Frauenname [Hanna].

Channeke: Achttägiges Lichtfest zur Erinnerung an die Religionsverfolgungen des syrischen Hellenismus, die Siege der Makkabäer und Wiedereinweihung des von den Syrern geschändeten jerusalemischen Tempels [165 v. Chr.].

Channekegeld: Almosen an Arme und Geschenke an Kinder und Dienerschaft, die an diesem Feste gespendet werden.

Channekeleuchter: Leuchter – in sehr verschiedenen Formen – für acht Lichter, die am Channeke [s. d.] angezündet werden.

Chapun: Ein Dämon der dortigen Bauern.

Charwoine: Person aus dem Estherbuch [Charbona].

Chasche: Frauenname.

Chasen [Mz. Chasanim]: Vorbeter in der Synagoge, Vorsänger, Kantor.

Chassidim siehe Chussed

Chazkale: Hesekiel [Koseform von Chazkel].

Chejder: Jüdische Elementarschule.

Chelem: Die Stadt Chelm in Polen.

Chewwre-Kedische: »Beerdigungsbrüderschaft« [wörtlich: Heilige Genossenschaft].

Chimmesch: 1. Eines der fünf Bücher Mosis. 2. Alle fünf Bücher [Pentateuch]. 3. Ein Buch, das die fünf Bücher enthält.

Chippe: Der Baldachin, unter dem die Trauung stattfindet.

Chlieze: Witwe, die durch eine Zeremonie von der Leviratsehe befreit wird.

Choimer: Stoff, Materie.

Chune: Männername [Chana].

Chussed [Mz. Chassidim]: Angehöriger einer mächtigen religiösen Richtung [Chassidismus] in der Ostjudenheit, in der der Gefühlsfaktor stark betont ist.

Chuwer: Wörtlich = Genosse; Ehrentitel.

*

Daatsch: 1. Deutsch, Deutscher. 2. Moderner Jude.

Dajen: Rabbinergehilfe, Rabbinatsassessor.

Dawwenen: Beten [von den vorgeschriebenen jüdischen Gebeten].

Dezisoren: Große Rabbinen [bis in die frühe Neuzeit], deren Entscheidungen maßgeblich sind.

Dintsche: Frauenname [Koseform von Dine = Dina].

Dochtspitzen auf Brot: Dochte von Unschlittkerzen [siehe Unschlitt].

Dochtlegerin siehe Kerzendochte messen

Dösenheim: Erdichteter satirischer Stadtname.

Dreimalheilig: Gebetsstelle, bei der man sich ein bißchen auf die Fußspitzen erhebt [Symbol des Engelfluges].

Drejdel: Kleiner Würfel auf einer Kreiselspitze, womit die Kinder am Channekefest spielen [westjüdisch: Trendel].

Drusche: Rede über ein biblisches oder talmudisches Thema; Predigt [wörtlich: Forschung].

Dummingen: Erdichteter satirischer Stadtname.

Duwwedel: Männername [Koseform von David].

Dwoire: Frauenname [Debora].

*

Eidam: Schwiegersohn, Tochtermann.

Ejdel: Frauenname [von Edel].

Ejn ariesse bas jißruul ochles bitrimme: »Eine nichtpriesterliche Verlobte ißt nicht von der Hebe.«

Ejrew: Symbolische Herstellung eines Privatgebietes, das die ganze Stadt umfaßt, um am Sabbat tragen zu können. Ohne Ejrew darf man außerhalb des Hauses auch nicht die gringste Sache an sich haben.

Elje: Männername [Elias].

Ellel: Jüdischer Monat im Herbst, der dem Andenken der Verstorbenen gewidmet ist; dem September entsprechend.

»Empfänger«: Feinerer Ausdruck für Leute, die von fremder Unterstützung leben.

Erez Israel: »Land Israels«, Palästina.

Erez-Israel-Äpfel: Zwergäpfelart [Palästina-Äpfel].

Erlösung: Von der Seelenwanderung.

Esau: Symbolische Bezeichnung der Nichtjuden.

Eßreg: Eine [den Zitronen verwandte] Zitrusfrucht, die zu den vier fürs Laubhüttenfest vorgeschriebenen Pflanzen gehört.

Eto ichnje dilo: Das ist ihr [Mz.] Werk.

Ewig-Licht-Verein: Der das »Ewige Licht« in der Synagoge erhält.

*

Fatel: Männername.

Faulburg: Erdichteter satirischer Stadtname.

Fawischke: Männername [Koseform von Fawisch].

Feld messen siehe Kerzendochte messen

Feldscher: Arzt für niedere Heildienste [Aderlassen, Schröpfen, Purgieren, Wundbehandlung].

Fischel: Männername [Koseform von Fisch].

Fischke: Männername [Koseform von Fisch].

Fleischbank: Geschirr usw. für Fleisch- und Milchspeisen müssen streng getrennt gehalten werden.

Fleischsteuer: Auf Koscherfleisch; sie wurde an einen Einnehmer verpachtet.

Fradel: Frauenname [»Freude«].

Friedhofmesserin siehe Kerzendochte messen

Fünfbuch: Siehe Chimmesch.

Fürsprecher: Jene, die als Vertreter der Gemeinschaft mit den Behörden verhandeln.

Fuurschpiel: Festlichkeit am Sabbat vor der Hochzeit.

*

Galuth: Verbannung, Deportation. Im Sinne von Diaspora oder Exil gebräuchlich, und zwar nur in bezug auf Juden. Galuth heißt also: Wohnen in den Ländern außerhalb von Palästina seit der zweiten Tempelzerstörung.

Gawriel: Männername [Gabriel].

Gemme: Talmud.

Gietale, Gietel [Gitel]: Frauenname [Koseform zu Giete (»Gute«)].

Gilden: »Gulden« [in Rußland: 15 Kopeken].

Gimpel: Männername.

Goi: Nichtjude.

Goimel bentschen: In der Synagoge eine gewisse Benediktion für die Errettung aus Lebensgefahr sprechen [Rettungsbenediktion].

Golde: Frauenname [Gold].

Golem: Künstlich geschaffener Mensch, Homunculus.

Gutes Jahr: Allgemeiner Antwortgruß, wird der Wiederholung des Zeitgrußes angefügt.

Gute Woche: Gruß nach Sabbatende zum neuen Wochenbeginn.

*

Halacha: Die gesetzliche Seite der jüdischen Tradition, speziell des Talmuds.

Haman: Persischer Minister unter Xerxes [Ahasveros], der die Juden vernichten wollte [siehe das Buch Esther].

Haman-Klappern: Hölzerne Schnarren, mit denen die Kinder am Purimfest bei jeder Erwähnung des Namens Haman ein großes Getöse vollführen.

Haman-Täschlein: Gebäck aus Blätterteig mit Käse-, Mohn- oder Apfelfüllung usw.

Handfaß: Wassergefäß für die rituelle Reinigung der Hände.

Handguß: Religiöse Waschung der Hände vor dem Genuß jeder Mahlzeit.

Hawdule: Zeremonie der Trennung des Sabbats vom Werktag, am Sabbatende.

Hebe: Die Abgabe, die der nichtlevitische Israelit an den Priester abzuführen hatte [vgl. Num, Kap. 18, Vers 8 ff.].

»Heilige Beamte«: Die Beamten der Gemeinde und ähnliche Funktionäre.

»Heilige Gemeinde«: Der übliche Ausdruck für eine jüdische Gemeinde.

Hej: Eine Art Amulett bei Neugeborenen [ein Buchstabe des Gottesnamens].

Hejschano-Rabbo siehe Schanerabbe

Herschale, Herschke: Männername [Koseform von Hersch = Hirsch].

Heuchlingen: Erdichteter satirischer Stadtname.

Hinde: Frauenname [»Hindin«].

Hiob: Der »berühmte Mann«, der das Buch Hiob geschrieben haben soll, ist eine Anspielung auf Moses, der nach einer Tradition sein Verfasser war.

Hohe Lied: Wird am Passah rezitiert.

Hundert-Obmann, Viertelführer: Russische Dorfbehörden.

Hundertzwanzig Jahre: 1. Das Alter in der Wunschformel für langes Leben. 2. Umschreibung für »Tod«.

Hut: Der Kopf ist immer bedeckt.

*

Izze: Männername [Verkleinerung von Izzek s. d.].

Izzek: Männername [Isaak].

*

Jaankale, Jaankel: Männername [Koseformen von Jaankew = Jakob].

Jachne: Frauenname.

Jaha: Gestalt der russischen Folklore.

Jakob: Symbolische Bezeichnung der Juden.

Jentel: Frauenname [Koseform von Jente].

Jerusalemer: Jude aus Palästina.

Jeschiwe: Traditionelle mittlere oder höhere Schule.

Jißruul: Männername [Israel].

Jizchok: Männername [Isaak].

Joine: Männername [Jonas].

Jomkipper: »Versöhnungsfest«, bestimmt zur Versöhnung zwischen Mensch und Gott sowie auch zwischen Mensch und Mensch. Gilt als der Tag, an dem Gott Gericht hält und Urteil fällt.

Jontew: Feiertag, Fest.

Jossale, Josse, Jossel: Männername [Koseformen von Jossef = Josef].

Juda Makkabi: Der Führer der Juden im Aufstand [seit 167 vor der christl. Zeitrechnung] gegen die Religionsverfolgungen des hellenistischen Königs von Syrien [gefallen 161].

*

Kabbala: Die bekannte mystische Lehre [wörtlich: »Überlieferung, Tradition«].

Kaddesch: Ein kurzes Preisgebet, das 1. öfters beim täglichen Gottesdienst vorgetragen wird, 2. von den Söhnen ein Jahr lang nach dem Tode der Eltern sowie an deren Sterbedaten beim täglichen Gottesdienst rezitiert wird.

»Kadosch«: Wörtlich »heilig« auch im Sinne von »Märtyrer«. [Der dreimalige Ausruf: kadosch! kadosch! kadosch! »heilig! heilig! heilig!« ist eine besonders feierliche Stelle in der Kedische.]

Kaftan: Langer, bis zu den Füßen reichender Männerrock.

Kahal: [Jüdische] Gemeinde.

Kamlet: Kamel, Stoff aus Ziegenhaar.

Kamme males toiwes lamukkem [ulaini]: »Wieviel Wohltaten Gott uns doch erwiesen hat«: Zitat vom Ssejder [s. d.]. Die beiden folgenden Absätze sind eine Nachbildung des mit dem obigen Satz beginnenden Textes.

Kapote: Langer, bis zu den Füßen reichender Männerrock.

Kapulje [Kopyl]: Geburtsstadt des Dichters Mendele Moicher Sfurim. [Hier läßt er plötzlich das Pseudonym fallen.]

»Kapuljer Wink«: Wink mit dem Zaunpfahl.

Kapures: 1. Am Tag vor Jomkipper [s. d.] wird ein Hahn oder eine Henne um den Kopf geschwungen [Kapures schlagen]. Das dabei gesprochene Gebet fängt mit »Menschensöhne« an und der Hahn kann sozusagen die Worte im Gebetbuch lesen, das aufgeschlagen in der Hand des Menschen liegt. Das geschlachtete Geflügel, oder sein Gegenwert, wird als Almosen gegeben. Der symbolische Brauch bedeutet ein stellvertretendes Opfer. [Kapure: Sühne.] 2. Wertlosigkeit.

Kaschern: Koch-, Eßgeräte usw. durch Auskochen oder Ausglühen für den Passahgebrauch vorbereiten.

Kaw-Hajuscher: »Rechtes Maß«; ethisches Werk des Hirsch Koidanower.

Kedische: »Heiligung«. Ein besonders wichtiges Gebetsstück.

Kerzendochte messen [Feld messen]: Frommer Brauch, bei dem gewisse Strecken auf dem Friedhof mit Fäden durchmessen werden, welche dann als Dochte für Synagogenkerzen usw. verwendet werden.

Kest: Unterhalt der Jungvermählten in den ersten Jahren nach der Hochzeit im Elternhaus der Frau [einen Teil der Mitgift darstellend].

Kiddesch: Die Benediktion, die die Abend- und Mittagsmahlzeiten an Sabbaten und Feiertagen einleitet [wörtlich: »Heiligung«].

Kiggel: Sabbatmehlspeise verschiedener Art [süß oder mit Pfeffer].

Kinne [Mz. Kinnes]: 1. Klagelied für Tischebuww [s. d.]. 2. Das die Kinnes enthaltende Buch.

Kißlew: Benennung eines jüdischen Monats, dem Dezember entsprechend.

»Kloimer«: »Das heißt« [eine häufige Formel, mit der u. a. ein Einwand vorweggenommen wird].

Klous: »Lern«- und Bethaus.

Klügelstädter: Satirisch erfundener Name für die Maskilim [»Aufklärer«].

Kolboi: Werk über jüdische Gesetze, Bräuche und Gebote.

Kolniddre: Anfangsworte der feierlichen Einleitung des Jomkipper [s. d.].

Kolniddre-Birnen: Kleine Birnen, die im Spätherbst [zur Kolniddrezeit] reifen.

Koschzej: Gestalt der russischen Folklore.

Krakau und Lemberg sehen: Sprichwörtliche Redensart.

Kraßnaja djewuschka: »Schönes Mädel«; Lied.

Kroine: Frauenname [»Krone«].

Kronrabbiner: Eine Art russischer [jüdischer] Matrikelbeamter, ohne rabbinische Funktion.

Kufr al-Turk: Offenbar Name eines türkischen Volkes.

Kuppke: Haube.

Kuschertanz: Ehrentanz der Braut mit ihrem Vater, dem Rabbi oder einem andern angesehenen Gast; Tänzer und Tänzerin kommen aus Züchtigkeitsgründen nicht miteinander in Berührung, sie halten je einen Zipfel eines Tüchleins.

*

Laban: Der als unredlich gilt.

Lagboimer: »Der 33. [Tag] in der Oimer[periode]«, d. h. in der Ssfiere, unterbricht die Trauerzeit der Ssfiere, so daß an ihm Hochzeiten stattfinden dürfen.

Langbenaste: »Die Langbenasten mußten in ihre Grenzen«; Parodie eines Bibelverses [Jer. Kap. 31, Vers 17].

Lasting: Harter Atlasstoff aus Kammgarn.

Laubhüttenfest siehe Ssikkes

Lejbale: Männername [Koseform von Lejb = Löwe].

Leje: Frauenname [Lea].

Lejnen: 1. Die Heilige Schrift in einer bestimmten Melodie verlesen. 2. Lesen.

Lejser: Männername [Elieser].

Lejske: Männername [Koseform zu Lejser = Elieser].

»Lernen«: Die Beschäftigung mit Bibel, Talmud, rabbinischer Literatur; das Hauptziel aller Schichten des Volkes.

»Leuchter des Lichtes« siehe Menoires-hamuer

Leviathan: Gewaltiges Meeresungeheuer.

Lichtbentschen: Die von den Frauen am Freitagabend beim Anzünden der Sabbatkerzen gesprochene Benediktion.

Liee: Eine gewisse Anzahl von Betern wird namentlich aufgerufen, auf den Balemmer [s. d.] zu kommen, wo jedem ein Teil der Sseddre [s. d.] vorgelesen wird. Liee von Aliee = Hinaufgehen.

Lielew: Palmzweig, eine der vier am Ssikkes vorgeschriebenen Pflanzen.

Lilienthal: Ein deutsch-jüdischer Aufklärer, der von der russischen Regierung berufen wurde, das jüdische Schulwesen zu reformieren.

Lilith: Eine Teufelin.

Lippe Riewens: Lippmann, Sohn des Ruben.

Lockschen: Nudeln zur Suppe.

»Luftmenschen«: Die keine gesicherte Existenz haben, sondern von Zufallsverdiensten, »von der Luft« leben.

Luria: Jizchok [= Isaak] Luria, berühmter Kabbalist.

Luser: Männername [Eleasar].

*

»Macher«: Geschäftigtuer, Machthascher.

Machser: Festtagsgebetbuch für das ganze Jahr, oder einzelne Feste und Festtage.

Magged: Eine Art Prediger.

Maharschû Berühmter Talmudkommentator.

»Ma-juffes«: Anfangsworte bzw. Benennung eines gewissen Sabbatliedes.

Marew: Abendgebet.

Maseltoww: Glückwunsch; »Gut Glück!«.

Maskilim [Mz.]: »Aufklärer«.

Mazze [Mz. Mazzes]: Ungesäuertes Passah-Brot, in dünnen Scheiben.

Mazze-Radler: Der, welcher die Mazzes vor dem Backen mit einem Rädchen bearbeitet.

Mazzot siehe Mazze

Meddresch: Auslegungs- und Homilienliteratur [Midrasch].

Megille: Das Buch Esther, das am Pirem [s. d.] vorgetragen wird [wörtlich: »Rolle«; abgekürzter Name für Megiltes Ester = Estherrolle].

Mejer: Männername [Meir].

Mejer Bal-Neß: »Meïr der Wundertäter«; führender Rabbi des 2. Jahrhunderts.

Mejlech Eljen: Gebetsstelle vom Neujahrsfeste.

Mejwen kol dibber: Versteht jedes Wort.

Melamdim siehe Melammed

Melammed [Mz. Melamdim]: Elementarlehrer.

Mendele: Männername.

Menoires-hamuer: »Leuchter des Lichtes«; Name eines ethischen Werkes.

»Merejne«: Ehrentitel [wörtlich: »Unser Lehrer«].

Mesise [Mesusoth]: Pergamentröllchen mit gewissen Bibelstellen, die in einem Gehäuse an dem Türpfosten eines jeden Raumes angebracht werden.

Mesusoth siehe Mesise

Mezize: Das Aussaugen des Blutes aus der Beschneidungswunde. Gilt als Ehrenamt.

Midrasch siehe Meddresch

Mikwe: Rituelles Tauchbad: für Frauen nach den Menses; für Männer, nicht obligatorisch, vor dem Morgengebet an Sabbaten und Festtagen, sowie aus andern Anlässen.

Milchbank: Geschirr usw. für Milch- und Fleischspeisen müssen streng getrennt gehalten werden.

Mi mune afar Jaankew: »Wer zählt den Staub Jakobs?« [Num. Kap.  23, Vers 10].

Minche: Nachmittagsgebet.

Minjen: Eine Zehnzahl religionsgesetzlich volljähriger Juden, die zur Abhaltung des Gemeinschaftsgebetes als Minimum erforderlich ist.

»Mischebejrech«: Offizieller Segenswunsch, nach dem der zur Thora [s. d.] Aufgerufene Geld für wohltätige Zwecke gespendet hat.

Mischna: Die »mündliche Lehre«, die mündliche Oberlieferung, ums Jahr 200 n. Chr. in der Aufzeichnung abgeschlossen.

Mischnajot: Hauptteil des Talmuds. Es ist Sitte, für das Seelenheil eines Verstorbenen ein Kapitel Mischnajot zu »lernen« oder lernen zu lassen.

Misrech: 1. Osten. 2. Eine Tafel, die dieses Wort enthält und oft in Privatwohnungen an der betreffenden Wand angebracht ist, um dem Beter die Richtung nach der Stätte des Tempels von Jerusalem anzuzeigen, nach der man sich beim Hauptgebet der Liturgie wendet. [In der Synagoge ist die Tafel unnötig, weil das Gebäude selbst »orient«iert ist.]

Mizwe: 1. Göttliches Gebot. 2. Gottgefälliges Werk.

Möhnlein: Leckerei aus Mohn und Honig.

Moicher Sfurim: Buchhändler.

Moischale: Männername [Koseform von Moische = Moses].

Montag und Donnerstag: Tage, die synagogal ein wenig hervorgehoben sind.

Mose-Kühlein: Marienkäferchen.

Mosessöhne siehe Bne Mosche

Mottale: Männername [Koseform von Mordche = Mardochai].

Mühldorf: Freie Übersetzung von Melniki.

»Mule«: Ein kurzes Gebet für Tote, so genannt nach dem ersten charakteristischen Wort des Anfangs.

»Mussaf«: »Zusatzgebet« an Sabbaten und Feiertagen.

*

Nissale: Männername [Koseform von Nissen].

Nu, a schtscho wi kashete: Nun, und was sagt Ihr dazu?

Nuchem: Männername [Nahum].

Nussen: Männername [Nathan].

*

Ostwand: Hier sind die Ehrensitze und teuren Plätze [siehe auch Misrech].

*

Pajet: Dichtung aus dem Festtagsgebetbuch [»Piut«].

Palästina-Äpfel: Zwergäpfel-Art.

Parewe: Kennzeichnung von Speisen, die weder Fleisch noch Milch oder Käse enthalten, und von Geschirr und Geräten, die weder für das eine noch das andere benützt werden. Speisen, die Fleischbestandteile enthalten, dürfen nicht mit solchen, die Milchbestandteile enthalten, gleichzeitig genossen werden, und die letzteren dürfen erst in beträchtlichem Abstande von Fleischspeisen zu sich genommen werden. Die Küche muß daher mit dreierlei Geschirr und Kochgeräten versehen sein.

Peje: Schläfenlocke.

Pejssech: 1. Passah, Pessach; Erinnerungsfest an den Auszug aus Ägypten. 2. Männername.

Pirem: Erinnerungsfest an die Errettung der Juden vor der Vernichtung durch den persischen Minister Haman. Primitive Schauspiele [»Purimspiele«]. Maskerade und Mummenschanz ergänzen die religiöse Feier.

Pismen: Eine Art von Gebeten.

»Poissejech«: »Der da öffnet«: ein bei einem gewissen Gebet vom Beter hervorgehobenes Wort.

Porche sike limrike, bich, bich: Unverständliche babylonische Zauberformel.

Porscher: Der, welcher gewisse Adern aus dem Fleisch entfernt, um es koscher zu machen. [Porscher, das westjiddische Wort, ist hier als Übersetzung gebraucht und nicht aus dem Original übernommen.]

Prawda: Das ist wahr. Wahrheit.

»Preise meine Seele«: Psalm 104.

Presser: Die Gemeinde hatte ihr Soldatenkontingent zu stellen, und es kam vor, daß reiche Leute »Presser« ausschickten, die die Männer, welche sie ohne Paß antrafen, gewaltsam einfingen, um von ihren Auftraggebern als Ersatz für die eigenen Söhne gebraucht zu werden.

Psummen: Wohlriechende Gewürze für die Zeremonie der Sabbatbeendung.

Purim siehe Pirem

*

Rabbenu Gerschom: Mittelalterliche Autorität [um 1000].

Rabbenu-Tams-Twillen: Twillen, in denen die Bibelabschnitte in der speziellen Weise angeordnet sind, wie es Jakob men Meir, genannt Rabbenu Tam, ein großer Rabbi des Mittelalters, entschieden hat.

Raschi: Salomo ben Isak [11. Jh., Troyes], berühmter Kommentator von Bibel und Talmud. [Raschi ist ein »Abkürzungswort«: Ra(bbi) Sch(elomo) J(izchalei).]

Rayon: Die westlichen Gouvernements des alten Rußland, das Gebiet, auf das sich das Wohnrecht der Juden beschränkte.

Reb: Titel, ungefähr dem deutschen »Herr« entsprechend [verkürzte Umlautform aus »Rabbi«].

Rebbezen: Frau des Rabbi.

»Reiner Quell«: Werk über die speziell die Frauen betr. Gesetze.

Rettungsbenediktion siehe Goimel bentschen

Reziee [Mz. Reziees]: Ein Riemen der Twillen [s. d.].

Roschchoidesch: Fest des Monatsbeginnes.

Roscheschune: »Jahresanfang« – Das zweitägige Neujahrsfest [im Herbst] und der Beginn der zehn Tage des Selbstgerichts. An ihm beginnt für den Gläubigen das Gericht Gottes, das am Jomkipper [s. d.] abgeschlossen wird.

Rote Juden: Legendärer jüdischer Stamm, Nachkommen der verlorengegangenen Zehn Stämme [siehe auch Sambatjen].

Ruww: Rabbi einer Gemeinde.

*

Salmen: Männername [Glücklicher].

Salzbrett: Fleisch muß vor dem Zubereiten eine gewisse Zeit »ausgesalzen« werden, um ihm alles Blut – das zum Genuß verboten ist – zu entziehen.

Sambatjen: Sagenhafter Fluß, der am Sabbat ruht [»Sabbation«]. Hinter diesem Fluß wohnen nach der Sage die verlorengegangenen Zehn Stämme Israels.

Samowar: Kupferkessel, in dessen Mitte eine eiserne Röhre mit glühenden Holzkohlen gefüllt wird, um das Wasser fürs Teekochen zu erhitzen.

Schabbes: Sabbat.

»Schabbes«: Das Honorar des Hochzeitsspaßmachers, der Musikanten usw. [siehe auch Badchen].

Schabbes-Nachme: Der Sabbat nach Tischebuww [nach dem ersten Wort – »Nachme« – der Prophetenlektion an diesem Sabbat].

Schächter: Derjenige, welcher Tiere nach jüdischem Ritus schlachtet. Muß ein frommer und ziemlich gelehrter Mann sein.

Schale [Mz. Schales]: Praktische Probleme des Religionsgesetzes, mit denen man sich an den Ruuw [s. d.] wendet.

Schalet siehe Tschulent

Schammes [Mz. Schamussem]: Synagogenwart, »Küster«.

Schamussem siehe Schammes

Schane [Mz. Schanes]: Weidenrutenbündel, das jeder Beter am 7. Tage des Laubhüttenfestes im Gebet verwendet [siehe Schanerabbe].

Schanerabbe [Hejschano-Rabbo]: »Großes Hosianna«: Der 7. Tag des Laubhüttenfestes. Die Benennung stammt von der Häufigkeit der Worte hoischda nu oder hoischiu nu [»hilf doch!«] in der Liturgie des Tages.

Scharlui wamarlui besoch bisjoch bisbesajoch messamssjajoch: Unverständliche babylonische Zauberformel [zitiert im Talmud, Sab. 67a].

Schatnes: Ein Kleidungsstück darf nicht Wolle und Leinen zusammen enthalten [vgl. Lev. Kap. 19, Vers 19], sonst wäre es Schatnes.

Schaukeln: Um sich besser zu konzentrieren, schaukelt man beim »Lernen« den Körper.

Schebbssel: Männername [Koseform von Schabbsse = Sabbatai].

Schiehl: Synagoge.

Schiwwe: Sieben. Die sieben ersten Tage der Trauer, an denen, unter anderen äußeren Zeichen der Trauer, die hinterbliebenen Eltern, Kinder und Geschwister auf niederen Schemeln sitzend zubringen [»Schiwwe sitzen«].

Schlachmunes: Die als Purim-Geschenke einander zugesandten Speisen.

Schlemiel: Unfähiger Mensch, Pechvogel. [Schlemiel ist hier Übersetzung und nicht aus dem Original übernommen.]

schlemielig siehe Schlemiel

Schma siehe Schma Jißruul

Schma jißruul: »Höre Israel!« Zentraler Ausdruck des Monotheismus: »Höre, Israel, der Ewig-Seiende ist unser Gott, der Ewig-Seiende ist einig-einzig!« [Deut. Kap. 6, Vers 4.] Mittelpunkt eines zweimal täglichen Hauptgebetes. Ausruf in großer Gefahr, als wäre man am Sterben, bei dem nämlich dieser Satz als Glaubensbekenntnis von dem Sterbenden gesagt wird.

Schmarren: Wertloses Zeug [figürlicher Gebrauch des Namens einer beliebten bayrisch-österreichischen Speise; nicht das Wort des Originals].

Schmeer: Zum Ausdruck der Geringschätzung werden Worte mit »schm« präfigiert; z. B. Haß – Schmaß, leer – Schmeer, lieb – schmieb usw.

Schnarren siehe Haman-Klappern

Schnorrer: Bettler. [Schnorrer ist hier Übersetzung und nicht aus dem Original übernommen.]

Schnorringen: Erdichteter satirischer Stadtname [hier in Übersetzung, nicht im Original].

Schoifer [Mz. Schoifres]: Widderhornposaune.

Schoul: Männername [Saul].

Schtscho prawda, to prawda: Was wahr ist, ist wahr.

Schwarza: Erdichteter satirischer Name für Odessa.

Sch'wat: Benennung eines jüdischen Monats, dem Februar entsprechend.

Schwiees: »Wochenfest« [sieben Wochen nach dem Passahfest].

Seelig: Männername [der Glückliche].

Seeresch: Die Frau Hamans.

Selde: Frauenname [Glück].

Sendling: Abgesandter irgendeiner Institution, der für sie Geld sammelt.

Siwan: Benennung eines jüdischen Monats, Mai/Juni entsprechend.

Smieres: Gewisse Gesänge, insbesondere am Sabbat.

Söhne Mosis siehe Bne Mosche

Sseddre: Für die sabbatliche, in der Synagoge stattfindende Rezitation des Pentateuchs ist er in Sseddres, »Wochenabschnitte«, geteilt.

Ssejder: Rezitation einer Erzählung vom Auszug aus Ägypten, Besprechung der Ereignisse, Gesang von Psalmen und anderen Liedern, sowie mit allerlei Zeremonien verbundene Familientafel an den ersten beiden Pejssechabenden.

Ssender[el]: Männername bzw. seine Koseform [von Alexander].

Ssfieres: Urpotenzen, kabbalistische Prinzipien.

Ssidder: Gebetbuch.

Ssikkes: Festwoche im Tischri, während der man u. a. soviel als möglich in einer Laubhütte wohnt, ißt und schläft.

Ssimches-Toire: »Thorafreude«: Abschlußfest nach Ssikkes [s. d.].

Sslieche: Das die Sslieches [s. d.] enthaltende Buch.

Sslieches: Bußgebete, die im ganzen Monat vor Roscheschune, zwischen Roscheschune und Jomkipper, sowie an Fasttagen vor Tagesanbruch in der Synagoge verrichtet werden. [Sslieche = Verzeihung, Vergebung.]

Ssosche: Frauenname.

Ssrulik: Männername [eine Koseform von Ssruul = Israel].

Ssure: Frauenname [Sara].

Ssure baß Toiwem: Name der Verfasserin eines sehr populären Tchinnesbuches [Pseudonym?].

Stramel: Mit Fuchsschwänzen verbrämte Kopfbedeckung für Sabbat und Festtag.

Striezel: Zopfartiges Festtagsgebäck.

Sühnehahn siehe Kapures

Sukka: Laubhütte [siehe Ssikkes].

»Sünden-Huhn« siehe Kapures

*

Taatsch-Chimmesch: Paraphrase in altjiddischer Sprache der fünf Bücher Mosis.

Tage essen: Die Jeschiweschüler essen an bestimmten Tagen der Woche in bestimmten Häusern.

Talejssem siehe Talles

Talles [Mz. Talejssem]: Ein großer Überwurf von weißer Farbe mit schwarzen, selten blauen, Streifen am rechten und linken Rande und mit Zizzes [s. d.] an den vier Ecken. Wird beim Morgengebet und bei feierlichen Zeremonien angetan.

Talles-Kuten: Arbekanfes [s. d.].

Talmed-Toire: öffentliche, von der Gemeinde unterhaltene Elementarschule für arme Kinder. [Übersetzung des Namens: »Studium der Lehre«.]

Talmud: Ein am Ende des fünften Jahrhunderts abgeschlossenes Sammelwerk [drittes bis fünftes Jahrhundert], das die Diskussionen der Gelehrten Palästinas und Babyloniens [namentlich an den Hochschulen] zur Mischna [s. d.] enthält.

Tamar: Hebräische Dattelpalme.

Tammes: Benennung eines jüdischen Monats, Juni/Juli entsprechend.

Targum: Jüdisch-aramäische Bibelübersetzung.

Tarnegiel: Erfundener Name eines Hühnergottes; vom hebräischen Tarnegol-Hahn.

Taschlech: Der Brauch, am Neujahrsfest zu einem fließenden Gewässer zu gehen, dort zu beten und die Sünden des vergangenen Jahres symbolisch ins Wasser zu werfen.

Tchinne [Mz. Tchinnes]: 1. Privatgebet für Frauen, in jiddischer Sprache. 2. Ein solche Gebete enthaltendes Buch.

Temme: Frauenname.

Thora: »Lehre« – 1. Die offenbarte Lehre. 2. Der Pentateuch. 3. Der Inbegriff der gesamten mündlichen und schriftlichen Lehre. 4. Die handgeschriebene Pergamentrolle, die im Gottesdienst verwendet wird.

Tischebuww: Der 9. [des Monats] Uuw [Ab]: Fasttag zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels und Jerusalems.

Tischri: Erster Monat des Jahres, September/Oktober entsprechend.

Toire is di beste sschoire: »Die Thora ist die beste Ware.«

Toißwes: Erläuterungen mittelalterlicher Gelehrter zum Talmud.

Toube: Frauenname [Taube].

»Traktat vom Ei«: Talmudtraktat »Beza«.

Traßza ich materi: »Mögen ihre Mütter zerplatzen!«

Tratet: Männername [von »traut«].

Tschulent: Eine je nach der Gegend leicht variierte Hauptspeise für den Sabbat [Hauptbestandteile oft Bohnen, Fleisch, Buchweizen]. Westjiddisch: Scholet [Heine: Schalet].

Twillen: Würflige Pergamentgehäuse, in deren Innern sich Pergamentblättchen mit gewissen Bibelstellen befinden, und die beim wochentäglichen Morgengebet mit Riemen an Stirn und linkem Oberarm geschlungen [»gelegt«] werden.

T-z: Tymkewitz.

*

Überseele: Am Sabbat hat man eine zusätzliche Seele.

Ummed: Das Pult, an dem der Chasen steht und die Gebete vorträgt.

Ungeheure Tage: Roscheschune und Jomkipper.

Unschlitt: Talg darf nicht gegessen werden.

*

Väterverdienst: Frömmigkeit, gute Werke usw. legen gleichsam vor Gott Fürsprache ein und kommen noch den Nachfahren zugute.

»Verborgener«: Nach der Legende die 36 Gerechten, die das Weiterbestehen der Welt durch ihre guten Taten ermöglichen.

Verschleiert: Es ist religiöse Pflicht der verheirateten Frau, ihr Haar zu verhüllen. In weiten Kreisen wird das Haar zu der Hochzeit abgeschnitten.

Vorsagerin: Die denjenigen Frauen, welche nicht lesen können, in der Synagoge die Gebete vorspricht.

Vorsteherinnen: Präsidentinnen wohltätiger Frauenvereine.

*

Waschti: Die Gemahlin des Königs Ahasver [Buch Esther}.

Waschung: Rituelle Händewaschung vor der Mahlzeit.

Wasserschöpffest: Am zweiten Abend des Ssikkesfestes.

Win maje prawo: Er hat Recht.

Wolf: Männername.

*

Zehn Stämme: Als das Reich der Zehn Stämme unterging, wurden die meisten seiner Einwohner nach Assyrien deportiert und verschwanden aus der Geschichte. Aber die jüdische Volksphantasie will das nicht wahr haben und läßt sie bis heute in fernen Landen leben.

»Zennerenne«: Berühmte jiddische Paraphrase des Pentateuchs.

Zerstörungs-Verbot: Religiöses Verbot, Dinge zu vernichten.

Zibeben: Große Rosinen.

Zimmes: Eingedünstetes Gemüse und Obstkompott.

Zinsendispens: Da das Zinsennehmen von der Thora verboten ist.

Zippale: Frauenname [Koseform von Zippe].

Zitz: Feiner Katun.

Zizzes: Je vier Fäden, die an den Ecken des Talles [s. d.] befestigt werden. Sie mahnen den Träger, nach Num. Kap. 15, Vers 31-41 und Deut. Kap. 22, Vers 12, zur Heiligung seines Lebens.

 


 

 << Kapitel 32 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.