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Schiller's Leben

Gustav Schwab: Schiller's Leben - Kapitel 64
Quellenangabe
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authorGustav Schwab
titleSchiller's Leben
publisherVerlag S. G. Liesching
year1859
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correctorreuters@abc.de
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Der erste Musenalmanach.

1795.

Alle diese Thätigkeit war durch die Horen und den Almanach hervorgerufen. Der Plan zu dem letztem wurde von Schiller schon im Sommer 1794 entworfen und bei seinem Besuche in Weimar Göthen mitgetheilt. Im Oktober dieses Jahres hatte er auch schon einen jungen Buchhändler aus Neustrelitz, Herrn Michaelis (jetzt zu Tübingen als Professor emeritus lebend), gewonnen, und der Almanach sollte für 1796 zur Herbstmesse 1795 erscheinen. Die spätern Musenalmanache Schillers 1797 – 1801 kamen sämmtlich bei Cotta in Tübingen heraus. »Auf Ihre Güte,« schreibt er darüber (20. Okt. 1794) an Göthe, »zähle ich dabei sehr. Mir ist diese Entreprise, dem Geschäfte nach, eine sehr unbedeutende Vermehrung der Last, aber für meine ökonomischen Zwecke desto glücklicher, weil ich sie auch bei eine schwachen Gesundheit fortführen und dadurch meine Unabhängigkeit sichern kann.«

Dieser Sache nahm sich Göthe sogleich an; er that schon jetzt den Vorschlag ein Büchelchen Epigramme ein- oder anzurücken. »Getrennt bedeuten sie nichts; wir würden aber wohl aus einigen Hunderten, die mitunter nicht producibel sind, doch eine Anzahl auswählen können, die sich aufeinander beziehen und ein Ganzes bilden. Das nächstemal daß wir zusammenkommen, sollen Sie die leichtfertige Brut im Neste beisammen sehen.« (26. Okt. 1794.) Damit sind aber nur erst Göthe'sche Distichen, auf »die schönen Bettinen und Lazerten« in Italien, und noch nicht die Xenien gemeint.

Am 21. Mai des folgenden Jahres stellte sich nun der Almanachsverleger mit einem freundlichen Empfehlungsschreiben Schillers bei Göthe in Weimar. Schiller wünschte von seinem Freunde Beiträge von kleinen Gedichten, Romanzen und dergleichen, was Stoff zu Vignetten gäbe, die vielleicht Unger skizziren würde. Der Almanach sollte bei dem letztern elegant gedruckt werden.

Im Michaelismesse 1795 erschien das Büchlein, dessen Druck Humboldt, von Tegel, seinem Landgute, aus, in Berlin besorgt zu haben scheint. Im December schickte der Musenalmanach Göthe'n durch Schiller ein kleines epigrammatisches Honorar. »Es wird nicht hinreichen die Zechinen zu ersetze», die über den Epigrammen daraufgegangen sind,« sagte er dabei lächelnd zu dem einstigen Wanderer durch Italien. Nach Humboldts Versicherung aus Berlin, um dieselbe Zeit, wurde der Almanach dort »entsetzlich gekauft,« und man fand ihn in allen Häusern. »Die Vernünftigen sind natürlich ganz und entschieden für ihn; aber dieser gibt es mir wenige. Bei den Uebrigen muß man sich begnügen, wenn sie seinen offenbaren Vorzug über seine Brüder anerkennen. – Unter Ihren Stücken höre ich die Ideale am meisten, den Tanz am wenigsten loben. An der Würde der Frauen hörte ich Mangel an eigentlichem Plan und Notwendigkeit des Zusammenhangs tadeln, in der Macht des Gesanges die letzten Strophen den ersten schlechterdings nachsetzen, und was des Geschwätzes mehr ist. « – Schiller rächte sich an diesem Geschwätz in einigen Xenien.

Daß der Musenalmanach durch den schnellen und großen Absatz eine dauernde Unternehmung und Einnahme zu werden versprach, war unserem Dichter besonders deßwegen zu gönnen, weil er schon im Anfange des Jahres 1795 einen vortheilhaften Ruf nach Tübingen entschieden abgelehnt hatte. »Meine Landsleute,« heißt es in einem Briefe an Göthe vom 19. Febr., »haben mir die Ehre angethan, mich nach Tübingen zu vociren, wo man sich jetzt sehr mit Reformen zu beschäftigen scheint. Aber da ich doch einmal zum akademischen Lehrer unbrauchbar gemacht bin, so will ich lieber hier in Jena, wo ich gern bin und womöglich leben und sterben will, als irgend anderswo müssig gehen. Ich Hab' es also ausgeschlagen, und mache mir daraus kein Verdienst; denn meine Neigung entschied schon allein die ganze Sache, so daß ich gar nicht nöthig hatte, mich der Verbindlichkeiten zu erinnern, die ich unserm guten Herzog schuldig bin, und die ich ihm am liebsten vor allen andern schuldig seyn mag. Für meine Existenz glaube ich nichts besorgen zu dürfen, so lange ich noch einigermaßen die Feder führen kann; und so lasse ich den Himmel walten, der mich noch nie verlassen hat

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