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Schiller's Leben

Gustav Schwab: Schiller's Leben - Kapitel 51
Quellenangabe
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authorGustav Schwab
titleSchiller's Leben
publisherVerlag S. G. Liesching
year1859
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Erholung. Karlsbad. Erfurt. Heimkehr.

1791.

Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!
Und Einen Herbst zu reifem Gesange mir,
    Daß williger mein Herz, vom süßen
        Spiele gesättiget, dann mir sterbe!

Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht
Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orcus nicht;
    Doch ist mir einst das Heil'ge, das am
        Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen:

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!
Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
    Mich nicht hinabbegleitet; Einmal
        Lebt' ich, wie Götter, und mehr bedarf's nicht.

Dieß Lied, das den Parzen ein Dichter zusingt, der als Schillers Schüler begann und als Meister längst abgeschlossen hat, Friedrich Hölderlin. Gedichte, S. 82. ist ohne Zweifel auch für die Stimmung unsres Dichters auf seinem Krankenlager der rechte Ausdruck. Und wenn ihm auch kein Herbst gegönnt war, so sollte doch die Welt um seinen Sommer nicht kommen, und das Heilige, das ihm am Herzen und im Geiste lag, sollte ihm gelingen, wie es wenigen gelungen ist.

Der Arzt hatte die Hoffnung nie verloren; die Krämpfe ließen auf seine Mittel nach, und Schiller sagte, mit sehr heitrem Blicke, zu seiner Frau und ihrer Schwester: »Es wäre doch schön, wenn wir noch länger zusammen blieben.« Er glaubte wieder an ein längeres Leben, machte Plane zu Arbeiten, las viel in den schlaflosen Nächten, unter anderm den Tasso in Heinses Uebersetzung, und, wie einst in der Kindheit, so wanderte er in seinen Gesprächen mit den Schwestern über die ganze bekannte Erde, durch alle Zonen.

Damals fing bei ihm zuerst die Unordnung in Schlaf und Wachen an; er behauptete eher einschlafen zu können, wenn er unter leichtem Geschäfte sich vom Schlummer übermannen ließ. Damit die Pflegenden, Gattin und andre Hausbewohner, die Nacht über ausruhen konnten, opferten die Hausjungfern gern ein paar Stunden Schlaf, und unterhielten den wachen Kranken mit Kartenspiel.

Ende Julius ging der langsam Genesende, um seine geschwächten Verdauungswerkzeuge zu stärken, ins Carlsbad, wo er seinen Verleger Göschen traf, und an österreichischen Kriegern als Motiven für seinen Wallenstein studirte, und von wo aus er in Eger das Rathhaus, mit einem Bilde Wallensteins, und das Haus in Augenschein nahm, wo dieser sein Ende gefunden. Den September verlebte er in Erfurt und besprach mit Dalberg eifrig jenes Drama. Nach Jena zurückgekehrt setzte er, trotz Wielands zärtlicher Abmahnung, seine Arbeiten am dreißigjährigen Kriege, seine Uebertragungen aus der Aeneide und seine ästhetischen Studien fort. Ein geistreicher Kreis von Hausfreunden trug viel zur Erheiterung bei. Professor Fischenich (als Geh. Oberjustizrath 1831 zu Berlin gestorben), Niethammer, Hr. v. Stein, der Sohn der Weimaraner Freundin, v. Fischart und sein Hofmeister Göritz, waren die tägliche Tischgesellschaft.

Ein Brief Schillers an seinen Vater vom 26.-28. Oktober 1791 (bei Boas II, 463) beweist, mit welch zärtlichen Gedanken er an den Seinen hing. »Eben, liebster Vater, komme ich mit meiner lieben Lotte von Rudolstadt zurück, wo ich einen Theil der Ferien zubrachte, und finde Ihren Brief. Herzlichen Dank für die fröhlichen Nachrichten, die Sie mir darin von der zunehmenden Gesundheit unsrer l. Mutter geben, und von Ihrem allseitigen Wohlbefinden. Die Ueberzeugung, daß es Ihnen wohl geht, und daß von den liebsten Meinigen keines leidet, erhöht mir die Glückseligkeit, die ich an der Seite meiner theuren Lotte genieße.«

Von seiner eigenen schweren Krankheit schweigt der gute Sohn. Er erzählt nur das Erfreuliche, und, indem er Mutter und Schwester den Damenkalender mit dem Anfange des dreißigjährigen Krieges zuschickt, berichtet er, daß ihm dieser in vier Monaten neben seinen Vorlesungen ausgearbeitete Aufsatz mit 80 Louisd'or bezahlt worden ist, daß der Verleger (Göschen) aber auch auf einen Absatz von 7000 Exemplaren rechne.

»Den 28., heute, ist Ihr Geburtstag, liebster Vater,« sagt das Ende des Briefs, »den wir beide mit innigster Freude feiern, daß uns der Himmel Sie gesund und glücklich bis hieher erhalten hat. Möge er ferner über Ihr theures Leben und Ihre Gesundheit wachen, und Ihre Tage bis in das späteste Alter verlängern, daß Ihr dankbarer Sohn es ausführen könne, Freude und Zufriedenheit über den Abend Ihres Lebens zu verbreiten, und die Schulden der kindlichen Pflicht an Sie abzutragen.«

Die wiederkehrende Gesundheit Schillers wurde von den Freunden auf mancherlei Weise gefeiert. Ja, bei einem Abendessen, das Göritz und sein Eleve der Gesellschaft gab, wurde diese so heiter, daß alle Brüderschaft mit einander tranken, und Frau v. Wolzogen, Schillers Frau, Herr v. Stein, Im Morgenblatt, a.a.O., heißt es zwar »Madame Stein,« muß aber nothwendig heißen: »Madame Schiller und Hr. v. Stein,« die Zwischenworte scheint der Setzer ausgelassen zu haben, der auch aus Professor Fischenich hartnäckig einen Fischreich machte. Fischenich, Schiller, Göritz und sein Zögling sich den ganzen Abend unter einander dutzten, so daß man am andern Tage Mühe hatte, die Vertraulichkeit wieder in Vergessenheit zu bringen. »Die Studentenbrüderschaft von Göritz ist ganz unwahr.« Briefliche Mitteilung der Frau von Wolzogen an den Verfasser vom 25. Januar 1840.

Schiller selbst gerieth in der Muße der Genesung auf allerlei spaßhafte Einfälle, und selbst eine Reminiscenz des akademischen Lebens zu Stuttgart schien in ihm auf eine seltsame Weise zu erwachen. Er verfiel darauf – daß sich die sämmtlichen männlichen Freunde eine Uniform machen lassen sollten, deren Farbe wenigstens aus der Akademie stammte. Es mußte ein blauer Frack mit himmelblauem Futter und silbernen Knöpfen seyn. Gesagt, gethan: Schiller, Fischenich und Göritz trugen das abgeschmackte Habit, und der letztere brachte es noch mit ins Würtemberger Land. Nur Stein hatte sich mit der Hofuniform, die ihm zu tragen oblag, entschuldigt.

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