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Schiller's Leben

Gustav Schwab: Schiller's Leben - Kapitel 47
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authorGustav Schwab
titleSchiller's Leben
publisherVerlag S. G. Liesching
year1859
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Schillers historische Schriften.

1787 bis 1796.

Die Beurtheilung der Leistungen des großen Nationalschriftstellers in diesem Fache verbietet selbst in der kürzesten Skizzirung der Umfang dieser Blätter, und außerdem hält sich der Verfasser, der wohl in ästhetischer und in allgemeiner Beziehung sich ein bescheidenes Wort erlauben darf, nicht für berechtigt, ohne tiefere Studien in der Geschichte und Einsicht in das Wesen der Geschichtsforschung, auch nur ein flüchtiges Urtheil zu fällen. Er verweist daher seine Leser, was einen Ueberblick über Schillers historische Produktionen betrifft, von der präludirenden, nach Ludwig Tiecks vollgültigem Urtheile vortrefflichen geschichtlichen Novelle: »Der Verbrecher aus verlorner Ehre,« wozu Schiller schon in Mannheim den vaterländischen Stoff aus seines Lehrers Abel Joh. Friedr. v. Abel, zu Vaihingen im Württemb. am 9. Mai 1751 geboren, wurde Professor an der Karlsakademie 1772, zu Tübingen 1790, Prälat, Generalsuperintendent und Vorsteher des theol. Seminars zu Schönthal 1812; starb zu Stuttgart 1829. Munde aufnahm und verarbeitete, bis zu den Denkwürdigkeiten des Marschalls Vieilleville, auf Hoffmeisters gründliche Analyse und auf dessen Endurtheil, welches er weder zu bekämpfen noch zu bekräftigen wagt. Hoffmeister II, 155-224. Diese Werke sind (außer der von Hoffmeister beurtheilten histor. Novelle): die Abhandlung: »Was heißt und zu welchem Ende studirt man Universalgeschichte?« November 1789. »Etwas über die erste Menschengesellschaft nach dem Leitfaden der mosaischen Urkunde,« veranlaßt durch Kants »muthmaßlichen Anfang der Menschengeschichte.« Im 11ten Hefte der Thalia, 1790. »Die Sendung Moses« im 10ten Hefte der Thalia nach einer Schrift von Bruder Decius (Reinhold) ausgearbeitet. »Die Gesetzgebung des Lykurgus« im 11ten Heft. Universalhistorische Zeitgemälde zu der von Schiller mit verschiedenen Mitarbeitern veranstalteten allgemeinen Memoirensammlung nach Art der in London damals erscheinenden Sammlung der sich auf die französische Geschichte beziehenden Memoiren (Jena 1790-1806, 33 Bände; anfangs war Schiller dabei allein, vom vierten Bande der ersten, und vom dritten der zweiten Abtheilung an verband er sich mit Woltmann, Paulus und andern; seit 1796 hatte er gar keinen Antheil mehr daran). Die in Abhandlungen beigegebenen Zeitgemälde sind folgende: 1) Ueber Völkerwanderung, Kreuzzüge und Mittelalter. 2) Uebersicht des Zustandes von Europa zur Zeit des ersten Kreuzzuges, Fragment geblieben, »wegen der damaligen Krankheit ihres Verfassers.« (War Schiller im J. 1789 wirklich krank? Hoffm. 3) Universalhistorische Uebersicht der merkwürdigsten Staatsbegebenheiten zu den Zeiten Kaiser Friedrichs I. Diese drei Stücke führten die erste Abtheilung der Memoiren (Mittelalter) ein; die acht ersten Bände der zweiten Abtheilung (Memoiren der neuern Zeit) wurden eingeführt durch 4) die Geschichte der Unruhen, welche der Regierung Heinrichs IV. vorangingen, bis zum Tode Carls IX.

»Vorrede zu der Geschichte des Maltheserordens nach Vertot, von N. M. bearbeitet.« (1792.) Von den beiden großen Productionen fällt die unvollendete »Geschichte des Abfalls der Niederlande« (warum unvollendet? Hoffm. II, 157 f.) in die Jahre 1787 und 1788 (der erste und einzige Band erschien zu Leipzig 1788; umgearbeitet ebend. 1801); die »Geschichte des dreißigjährigen Krieges« in das J. 1790 (zuerst als historischer Kalender für Damen herausgegeben auf das Jahr 1791, dann Leipzig 1780-92 drei Theile; verbessert 1802

Schon im Jahr 1787 hatte er, in Verbindung mit mehrern Schriftstellern von der »Geschichte der merkwürdigsten Rebellionen und Verschwörungen« den ersten Theil herausgegeben, der nur wenig von Schiller enthält.

Schillers letzte historische Arbeit sind die »Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Marschalls von Vieilleville,« die er im Jahr 1797 ausarbeitete, um die Horen in der Noth flott zu machen. Auf sie besonders bezieht sich mithin eine der obigen Bemerkungen Humboldts.

Diese Notizen sind sämmtlich aus Hoffmeister ausgezogen, und aus Döring ergänzt.

1787 bis 1796.

Was wohl am unangefochtensten in diesem Urtheile bleiben wird, ist die Bemerkung, daß Schillers historischer Standpunkt, wie sein poetischer, der allgemein menschliche, daß Menschenfreiheit, Menschenwürde, Menschenrecht die herrschenden Ideen seiner Geschichtsdarstellung seyen, denen als sein zweites Prinzip die Humanität zur Seite gestellt ward, welche ihm als die Blüthe der Freiheit galt. Die ganze Weltgeschichte ist ein ewig wiederholter Kampf der Herrschsucht und der Freiheit um ihr streitiges Gebiet, sagt er im Abfall der Niederlande. Schiller, Ausgabe in einem Bande. S. 796, b. Und hier findet Hoffmeister die Stelle, wo das sittlich-tragische Interesse mit dem Geschichtlichen, wo der Historiker und der Dramatiker eins sind.

Anfechtbarer ist die Parallele Schillers mit Tacitus. Wir verweilen jedoch nicht länger bei diesem Urtheile, sondern, um dem Leser doch etwas Ganzes zu geben, fügen wir die Ansicht Wilhelms von Humboldt, des Freundes, der am tiefsten und liebevollsten in des Dichters Seele geblickt hat, über Schiller den Geschichtschreiber hinzu. Briefwechsel zwischen Schiller und Wilhelm von Humboldt. Cotta 1830. S. 55 ff. »Schillers historische Arbeiten werden vielleicht von Einigen nur als Zufälligkeiten in seinem Leben, und als durch äußere Umstände hervorgerufen angesehen... (Aber) wer, wie Schiller durch seine innerste Natur aufgefordert war, die Beherrschung und freiwillige Uebereinstimmung des Sinnenstoffes durch und mit der Idee aufzusuchen, konnte nicht da zurücktreten, wo sich gerade die reichste Mannichfaltigkeit eines ungeheuren Gebietes eröffnet; wessen beständiges Geschäft es war, dichtend den von der Phantasie gebildeten Stoff in eine Nothwendigkeit athmende Form zu gießen, der mußte begierig seyn zu versuchen, welche Form, da das Darstellbare es doch nur durch irgend eine Form ist, ein durch die Wirklichkeit gegebener Stoff erlaubt und verlangt. Das Talent des Geschichtschreibers ist dem poetischen und philosophischen nahe verwandt, und bei dem, welcher keinen Funken beider in sich trüge, möchte es sehr bedenklich um den Beruf zum Historiker aussehen. Dies gilt aber nicht bloß von der Geschichtschreibung, sondern auch von der Geschichtforschung. Schiller pflegte zu behaupten, daß der Geschichtschreiber, wenn er alles Faktische durch genaues und gründliches Studium der Quellen in sich aufgenommen habe, nun dennoch den so gesammelten Stoff erst wieder aus sich heraus zur Geschichte construiren müsse, und hatte darin gewiß vollkommen recht, obgleich allerdings dieser Ausspruch auch gewaltig mißverstanden werden kann. Eine Thatsache läßt sich eben so wenig zu einer Geschichte, wie die Gesichtszüge eines Menschen zu einem Bildniß bloß abschreiben. Wie in dem organischen Bau und dem Seelenausdruck der Gestalt, gibt es in dem Zusammenhange selbst einer einfachen Begebenheit eine lebendige Einheit, und nur von diesem Mittelpunkt aus läßt sie sich auffassen und darstellen. Auch tritt, man möge es wollen oder nicht, unvermeidlich zwischen die Ereignisse der Darstellung die Auffassung des Geschichtschreibers, und der wahre Zusammenhang der Begebenheiten wird am sichersten von demjenigen erkannt werden, der seinen Blick an philosophischer und poetischer Nothwendigkeit geübt hat... Im Sammeln der Thatsachen, im Studium der Quellen, soweit es ihm vergönnt war in sie hinabzusteigen, war Schiller sehr genau und sorgfältig. Auch bei seinen poetischen Arbeiten versäumte er nie, sich die historische oder Sachkunde, welche sie erforderten, zu verschaffen. Wenn ihm etwas in dieser Art mißlang, so lag es gewiß nicht an der Emsigkeit seines Strebens, sondern am Mangel von Hülfsmitteln, an seiner Kränklichkeit und andern zufälligen Umständen. Nur muß man einzelne faktische Unrichtigkeiten nicht immer als Instanzen gegen die Allgemeinheit dieser Behauptung ansehen. Er eignete sich bei diesen Studien zu poetischen Arbeiten natürlich vorzugsweise das Ganze des Eindrucks an. Mit welcher Liebe er sich dem Geschichtsfache widmete, geht aus einem seiner Briefe an Körner hervor. »Das Interesse, welches die Geschichte des peloponnesischen Krieges für die Griechen hatte, muß man jeder neuern Geschichte, die man für die Neuern schreibt, zu geben suchen. Das eben ist die Aufgabe, daß man seine Materialien so wählt und stellt, daß sie des Schmucks nicht brauchen, um zu interessiren. Wir Neueren haben ein Interesse in unserer Gewalt, das kein Grieche und kein Römer gekannt hat, und dem das vaterländische Interesse bei weitem nicht bei kommt (gleich kommt) Das letzte ist überhaupt nur für unreife Nationen wichtig, für die Jugend der Welt. Ein ganz anderes Interesse ist es, jede merkwürdige Begebenheit, die mit Menschen vorging, dem Menschen wichtig darzustellen. Es ist ein armseliges, kleinliches Ideal, für eine Nation zu schreiben; einem philosophischen Geiste ist diese Grenze durchaus unerträglich. Dieser kann bei einer so wandelbaren, zufälligen und willkürlichen Form der Menschheit, bei einem Fragmente (und was ist die wichtigste Nation anders?) nicht stille stehen. Er kann sich nicht weiter dafür erwärmen, als soweit ihm diese Nation oder Nationalbegebenheit als Bedingung für den Fortschritt der Gattung wichtig ist.«

Körners Nachrichten, in Schillers Einb. Ausg. S. 1294, a.
Nur wo er historische Arbeiten blos für äußere Zwecke, wie für die Horen, übernehmen mußte, wurden sie ihm lästig. Sonst war, auch gerade in dieser spätern Zeit, die Lust zur Geschichte nicht in ihm erloschen. Er sprach mir noch, als ich ihn das letztemal im Herbst 1802 sah, mit leidenschaftlicher Wärme von dem Plane einer Geschichte Roms, den er sich für höhere Jahre aufsparte, wenn ihn vielleicht das Feuer der Dichtung verlassen hätte.«

Diesem Urtheile Humboldts sey die Ansicht eines Freundes gegenübergestellt, der, ganz in geschichtlichen Forschungen lebend, und vom Verfasser dieser Biographie über seine Ansicht befragt, ihm ungefähr Folgendes erwiederte: »Mir scheint die kritische Philosophie nicht günstig auf Schillers historisches Talent eingewirkt zu haben. Jene idealistische Weltansicht, welche sich zum Voraus in Gegensatz gegen die reale Wirklichkeit bringt, die, ihrer Herkunft nach unvernünftig, erst durch den Menschen vernünftig gemacht werden muß, kann für die Auffassung der Geschichte nicht günstig seyn. So fehlt denn auch bei Schiller das Bewußtseyn jenes höheren Zusammenhangs der Begebenheiten im Geiste Gottes; er weiß nichts von der Wirklichkeit der Idee in Personen und Zeitrichtungen; nur in einzelnen Begebenheiten, nicht im Ganzen, sieht er eine That »›der großen Natur.‹« Die Geschichte ist ihm größtentheils eine von Menschen gemachte, und seine Kunst besteht hauptsächlich darin, die psychologischen Motive darzustellen, welche den Berechnungen und Unternehmungen zu Grunde lagen, wobei ihn der Dramatiker bald das Rechte treffen läßt, bald ihn in ganz irrige Combinationen verwickelt. Sein »›Abfall der Niederlande‹« hat große Vorzüge vor dem »›dreißigjährigen Kriege;‹« er ist viel gründlicher und quellenmäßiger, während es bei dem letztern auffallend ist, daß Wallenstein im Drama viel mehr der historischen Wahrheit gemäß erscheint, als in der geschichtlichen Darstellung. Zwar beruht die neuere richtigere Auffassung jenes Krieges auf damals unzugänglichen Quellen, aber die Hauptquelle, Khevenhiller mit seinen zwölf Bänden, hatte Schiller, scheint sie jedoch nicht gründlich genug benützt zu haben.« Conz versichert uns (Eleg. Zeit. 1823, S. 35): Schiller sey gewohnt gewesen, was er den Tag zuvor, oder auch wenige Stunden vor der Composition aus seinen Folianten sich zurecht gelesen, sogleich zu verarbeiten. Bei dem schnellen Ueberblicke, den er besaß, bei der Macht der Darstellung, die ihm eigen war, habe dies seiner Arbeit weniger nachtheilig werden können, als es bei minder von der Natur begabten Schriftstellern der Fall hatte seyn müssen: doch haben geistvolle Schriftsteller bemerkt, daß »der dreißigjährige Krieg« die Spuren einer solchen zu flüchtigen und rhapsodischen Bearbeitung an vielen Orten nur allzusichtbar an sich trage.

»Nichts destoweniger,« schloß der Freund, »hat Schiller eine große verhältnißmäßige Bedeutsamkeit als Vater einer ganzen Gattung von Historiographie, der reflektirenden und rhetorischen. Diese Richtung hat sich weit verbreitet, und er hat, was die Darstellung und Auffassung betrifft, gewissermaßen eine Schule gebildet, aus der Weltmann, Rotteck und viele andere hervorgegangen sind. Lange glaubte man, wer geschmackvoll Geschichte schreiben wolle, müsse sich nach Schiller bilden. Zu seinen besten Leistungen gehören übrigens seine Aufsätze über die Kreuzzüge und das Mittelalter und über den Zustand Europa's zur Zeit des ersten Kreuzzugs; sie können für jene Zeit als klassisch gelten, namentlich ist die Entwicklung des Lehenswesens das Klarste, was man bis jetzt in der populären Geschichtsliteratur über diesen Gegenstand hat.«

Wäre der Aeußerung eines der ersten jetzt lebenden Geschichtschreiber, welche der Verfasser dieser Biographie aus mündlicher Tradition kennt, Aechtheit zuzuerkennen, so hätte Schiller es nach dessen Ausspruche bei seiner Geschichtschreibung auch darin verfehlt, daß er jenen dramatischen Brennpunkt, wie Dalberg spricht, mit dem historischen verwechselte, und daß eine Geschichte für ihn als Darsteller ihr Interesse verlor, sobald der dramatische Effekt zu Ende war. Auch hierüber maßt sich der Erzähler dieser Biographie keinen Spruch an, läugnet aber nicht, daß ihm dieses Wort einleuchtete, als er zu einem Spezialzwecke nach Schillers dreißigjährigem Kriege gegriffen, überzeugt, dort die wichtigen Ereignisse am Bodensee unter Horn, Wiederhold und insbesondere die für den Schluß des Krieges entscheidenden Aktionen bei Bregenz unter Wrangel von seiner beredten Feder beschrieben zu sehen. Zu seiner nicht geringen Verwunderung fand er von dem Allem kein Wort, sondern Wrangeln hier zuletzt an der Donau, und den Krieg in Böhmen beendigt, und war genöthigt, seine Aufschlüsse sich in der allgemeinen Zeitung des 17ten Jahrhunderts, bei Merian, zu suchen.

Endlich bekräftigt diese Ansicht Schillers eigenes Geständniß, der schon am 10. Dec. 1788 an seine Freundin Caroline von B., als Körner seinen Beruf zum Historiker bezweifelt hatte, ganz unbefangen schrieb: »Ich werde immer eine schlechte Quelle für einen künftigen Geschichtsforscher seyn, der das Unglück hat, sich an mich zu wenden. Aber ich werde vielleicht auf Unkosten der historischen Wahrheit Leser und Hörer finden, und hie und da mit jener ersten philosophischen (Wahrheit) zusammentreffen. Die Geschichte ist überhaupt nur ein Magazin für meine Phantasie, und die Gegenstände müssen sich gefallen lassen, was sie unter meinen Händen werden. Fr. v. Wolz, I, 341.

Dieß hindert nicht, daß nicht die beredte und poetische Schilderung jenes dreißigjährigen Kampfes durch Schiller, laut Wielands Versicherung, einst so viele Leser gehabt, als es in dem ganzen Umfang unserer Sprache Personen gab, die auf einigen Grad von Cultur des Geistes Anspruch zu machen hatten, Am 29. Dez. 1790 schreibt Schiller, daß über 7000 Exemplare davon verkauft seyen. Boas II, 458. so wenig es umgekehrt von Mangel an Cultur zeigt, wenn diese Arbeit, gegen die Verbreitung anderer Werke Schillers gerechnet, heutzutage nur noch eine mäßige Anzahl von Lesern findet.

Und wie für uns selbst die eigentliche Frucht von Schillers Studien im Euripides nicht jener, jetzt nach so viel kunstmäßigeren Behandlungen derselben Stücke in der metrisch herrlich vorangeschrittenen Muttersprache, nothwendig bis mangelhaft und veraltet erscheinende Uebersetzungsversuch, sondern die durch die Versenkung in die Leidenschaft der feindseligen Brüder erzeugte Braut von Messina ist, so können wir als die reife Frucht von Schillers Studien über den dreißigjährigen Krieg nicht die nach dem Wunsche Göschens unternommene Schilderung dieses Krieges in einem Damenkalender, sondern nur den durch das Posimur des Genius hervorgerufenen Wallenstein begrüßen.

Noch allerlei ungeborne Liederseelen und größere Gedichtsentwürfe mußten indessen diesen Studien weichen, welche Schillers Geist für das Höchste bildeten und vorbereiteten: eine Hymne an das Licht, eine Theodicee, eine Oper aus Wielands Oberon, ein episches Gedicht aus dem Leben Friedrichs des Großen, in Oktavreimen, die man singen könnte, wie die griechischen Bauern die Iliade, wie die Gondolieri in Venedig Tasso's Stanzen. Vergl. Dörings älteres Leben S. 145 ff. Aber zu dem Allem war nicht die Zeit jetzt, wo er philosophisch mit sich noch nicht im Reinen, wo das Feld seines Geistes noch nicht mit dem Pfluge des Systems völlig umgearbeitet und für die Saat der höchsten Kunstpoesie zubereitet war.

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