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Schiller's Leben

Gustav Schwab: Schiller's Leben - Kapitel 25
Quellenangabe
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authorGustav Schwab
titleSchiller's Leben
publisherVerlag S. G. Liesching
year1859
firstpub1840
correctorreuters@abc.de
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Auszeichnung. Reisen.

1784.

Dieser Anerkennung war eine andere, für ihn nicht minder wichtige vorangegangen. Um die Mitte Januars war er zum Mitgliede der kurfürstlich-deutschen Gelehrtengesellschaft gewählt, und diese Wahl am 11. Februar bestätigt worden. Schiller, der noch am 1. Januar seiner Schwester, auf den Wunsch des Vaters, die Wiederkehr in's Vaterland zu erbitten, schriftlich erklärt hatte, daß seine Ehre leiden würde, wenn er ohne Connexion mit einem andern Fürsten, ohne Charakter und dauernde Versorgung sich nach seiner gewaltsamen Entfernung in Württemberg wieder blicken lassen würde, betrachtete dieß Ereigniß als einen großen Schritt zu seinem Etablissement. »Jetzt bleib' ich,« schrieb er seiner Freundin in Bauerbach, und seinem Jugendfreunde Zumsteeg in Stuttgart: »Kurpfalz ist mein Vaterland; denn durch meine Aufnahme in die gelehrte Gesellschaft, deren Protektor der Kurfürst ist, bin ich nationalisirt und pfalz-bayrischer Unterthan. Mein Klima ist das Theater, in dem ich lebe und webe, und meine Leidenschaft ist glücklicher Weise auch mein Amt.« Scherzend nannte er diese Leidenschaft wohl auch eine Narrheit, und bei Beurtheilung eines schiefen Lebensverhältnisses schreibt er: »Gottlob, so gibt es noch außer mir Narren, und größere. Ich wollte nur Pfarrer werden, – und bleibe hängen am Theater.«

Der begeisterte Beifall, durch welchen er nun in Mannheim von der Bühne aus als vaterländischer Dichter begrüßt worden war, berauschte indessen unsern Dichter nicht so, daß er die Sehnsucht der kränklichen Mutter nach dem Sohne und den Wunsch der ältesten Schwester, ihn zu sehen, unerwiedert hätte lassen können. Wenige Tage nach der ersten Aufführung von Kabale und Liebe eilte er zu Pferde nach Bretten, der Geburtsstadt Melanchthons, dessen Vaterhaus noch steht, und umarmte dort die beiden Lieben. Nach diesem geheimen, unbeschreiblichen Genusse riß ihn das Leben wieder in seine Wirbel. Dem Wunsche der Eltern, sich nach einer dauernden Anstellung umzusehen, schien es förderlich, wenn er in Gesellschaft von Iffland und Beil, die zu Ende Aprils von dem Regisseur Großmann in Frankfurt auf Gastvorstellungen eingeladen waren, die Reise dahin machte, und den Kreis der Freunde seiner Poesie erweiterte.

Großmann »bewirthete sie,« wie Schiller seinem Freunde Reinwald, dem er langes Stillschweigen abzubitten hatte, in einem ausführlichen Briefe (Mannheim, 5. Mai) erzählt, »unter andern auch mit Kabale und Liebe.« Den guten Erfolg von Ifflands » Verbrechen aus Ehrsucht« meldete er von Frankfurt aus (1. Mai) Herrn von Dalberg und dem Regisseur der Mannheimer Bühne, Rennschüb, und versichert, daß Alles für die Mannheimischen Schauspieler enthusiasmirt sey, und Großmanns Gesellschaft neben der ihrigen verschwinde, ja daß Iffland und Beil unter den besten Schauspielern Frankfurts, wie der Jupiter des Phidias unter Tüncherarbeiten hervorragten. Der Aufenthalt in Frankfurt wurde übrigens dem mäßigen Dichter zur Last. »Wir werden von Fresserei zu Fresserei herumgerissen, und kaum daß ich einen nüchternen Augenblick erwische.«

Die beste Ausbeute dieses kleinen Ausflugs war für ihn die Bekanntschaft des Doktors Albrecht und seiner Gattin, welche auch Reinwalds Freunde waren. »Gleich in den ersten Stunden ketteten wir uns fest und innig aneinander,« schreibt Schiller an Reinwald über Albrechts Frau, »unsere Seelen verstanden sich ... Ein Herz, ganz zur Theilnahme geschaffen, über den Kleinigkeitsgeist der gewöhnlichen Cirkel erhaben, voll edlen, reinen Gefühls für Wahrheit und Tugend, und selbst da noch verehrungswerth, wo man ihr Geschlecht sonst nicht findet. Nur, mein Bester, schreiben Sie ihr, über ihre Lieblingsidee zu siegen, und vom (d. h. nicht auf's Theater zu gehen.« Er glaubte, daß bei sehr guten Anlagen zur Schauspielerin, sie sich bei einer solchen Truppe, auf Gefahr ihres Herzens, »ihres schönen, einzigen Herzens« doch nicht ausbilden könnte, und – »unsere vereinigten Bitten retten der Menschheit vielleicht eine schöne Seele, wenn wir sie auch um eine große Actrice bestehlen.« Man kann die letzteren Worte nicht ohne Rührung lesen, wenn man bedenkt, welche Unparteilichkeit und welcher sittliche Drang dazu gehörte, wenn ein enthusiastischer Freund des Theaters so urtheilen sollte. Die Freundin befolgte den Rath nicht, und ging später auf das Theater.

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