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Schiller's Leben

Gustav Schwab: Schiller's Leben - Kapitel 23
Quellenangabe
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typebiography
authorGustav Schwab
titleSchiller's Leben
publisherVerlag S. G. Liesching
year1859
firstpub1840
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Aufführung des Fiesko.

1784.

So kam das Jahr 1784 heran. Am ersten Tage desselben schildert er seiner Pflegemutter »seine äußerst angestrengte Situation.« Um mit Anstand in Mannheim zu leben, und die Summe Geld, die er sich zu Bezahlung seiner Schulden vorgesetzt, heraus zu schlagen, zugleich die Ungeduld des Theaters und die Erwartung des Publikums zu befriedigen, hatte er während seiner Krankheit fortdauernd mit dem Kopfe arbeiten, und starke Portionen China hatten seine wenigen Kräfte so hinhalten müssen, daß ihm dieser Winter vielleicht auf Zeitlebens einen Stoß versetzt.«

Endlich war die Zeit gekommen, wo sein Fiesko für das Theater umgeformt, und bei Eröffnung des Mannheimer Carnevals, nach seiner eigenen Anordnung gegeben werden sollte, und er wurde am 17. Januar nach mehreren Proben, die dem Verfasser durch Unlenksamkeit der Statisten manchen Aerger verursachten, aber auch Aufheiterung bereiteten, auf's Prächtigste aufgeführt.

Auch ihm ging, wie den Räubern, eine gedruckte Zurechtweisung des Publikums voran, die nichts Empfehlenderes zu sagen wußte, als daß J. J. Rousseau den Fiesko im Herzen getragen, und die den Helden des Stücks mit folgenden Worten schildert: »Fiesko, ein großer, furchtbarer Kopf, der unter der täuschenden Hülle eines weichlichen, epikurischen Müssiggangs in stiller, geräuschloser Dunkelheit, gleich dem gebärenden Geist auf dem Chaos, einsam und unbehorcht eine Welt ausbrütet, und die leere, lächelnde Miene eines Taugenichts lügt, während Riesenplane und wüthende Wünsche in seinem brennenden Busen gährten –, Fiesko, der lange genug mißkannt, endlich einem Gott gleich hervortritt, das reiche, vollendete Werk vor erstaunende Augen stellt, und ein gelassener Zuschauer dasteht, wenn die Räder der großen Maschine dem gewünschten Ziel unfehlbar entgegenlaufen; – Fiesko, der nichts fürchtet, als seines Gleichen zu finden – der stolzer darauf ist, sein eigenes Herz zu besiegen, als einen furchtbaren Staat; – Fiesko, der zuletzt den verführenden schimmernden Preis seiner Arbeit, die Krone von Genua, mit göttlicher Selbstüberwindung hinwegwirft, und eine höhere Wollust darin findet, der glücklichste Bürger, als der Fürst seines Volkes zu seyn.«

Der historische Genueser Fiesko sollte nach dieser Erklärung, »allerdings nichts als den Namen und die Maske zu seinem Fiesko hergeben; dieser ist größer als der wahre.« Zugleich ersieht man aus der Deklaration, daß der fünfte Akt gänzlich geändert war, und, von der Geschichte ganz abweichend, Fiesko als großmüthiger Republikaner endigte.

Trotz dieses euripideischen Prologs, welcher den rechten Eindruck vorbereiten sollte, und besonders auch, wie bei den Räubern, die Moral des Stücks etwas ängstlich in Schutz nahm, trotz aller Berücksichtigung des Publikums, durch Auslassung gedehnter Scenen und Verkürzung schleppender Monologe, und obgleich Fiesko durch Böck, Verrina durch Iffland, der Mohr durch Beil vortrefflich dargestellt waren, und manche Scenen die lauteste Bewunderung erregten – vermochte sich doch das Publikum im Ganzen für die Aufführung nicht zu erwärmen, nicht weil eine Verschwörung in jenen ruhigen Zeiten zu gewaltig war (dieß hätte eher reizen sollen), auch nicht bloß, weil man beim Fiesko ähnliche Erschütterungen wie bei den Räubern erwartete, sondern vielmehr aus den Gründen, die der schlichte Musicus Streicher, aus Gelegenheit der Einwürfe Dalbergs und der Schauspieler vortrefflich zusammenfaßt: »daß bei den Räubern weniger Einwendungen gemacht wurden, davon war der überwältigende Stoff, so wie die ergreifende Wirkung der meisten Scenen die Ursache. Bei Fiesko war der Inhalt schon an und für sich kälter, die schlauen Verwicklungen erwärmten nicht; die langen Monologe, so meisterhaft sie auch waren, konnten nicht mit Begeisterung aufgefaßt und gesprochen werden, indem sich größtentheils nur der Ehrgeiz darin malte, und zu befürchten war, daß die Zuschauer ohne Theilnahme bleiben würden. Man gestand nicht gern, daß die Anstrengung des Darstellers mit dem zu erwartenden Beifalle nicht im Verhältniß stehen möchte.«

Nach der Aufführung des Fiesko schien Wieland Recht zu haben, der in seinem ersten Briefe an Schiller geschrieben, »er hätte mit den Räubern anfangen und nicht endigen sollen.« Schiller selbst suchte, was verzeihlich, die kältere Aufnahme seines Stücks in äußeren Umständen. »Den Fiesko verstand das Publikum nicht;« schrieb er später an Reinwald; »Republikanische Freiheit ist hier zu Lande ein Schall ohne Bedeutung, ein leerer Name – in den Adern der Pfälzer fließt kein römisches Blut. Aber zu Berlin wurde es vierzehnmal in drei Wochen gefordert und gespielt. Auch zu Frankfurt fand man Geschmack daran. Die Mannheimer sagen, das Stück sey viel zu gelehrt für sie.« Uns däucht, die Mannheimer hatten den natürlichen Geschmack. – Gedruckt wurde der Fiesko bei Schwan 1784, und dem Baron von Dalberg gewidmet.

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