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Scherzhafte Lieder

Christian Felix Weiße: Scherzhafte Lieder - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
booktitleScherzhafte Lieder
authorChristian Felix Weiße
year1965
firstpub1758
noteFaksimiledruck nach der Ausgabe von 1758
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
addressStuttgart
titleScherzhafte Lieder
pages160
created20130324
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Bosheiten der Stadt.

        Crispus kauft und baut Palläste,
Lebet herrlich, groß und reich;
Hält Maitressen, feyert Feste,
Und traktirt den Fürsten gleich:
Dennoch sagt die karge Stadt,
Daß er nicht viel übrig hat.

Mops zählt seinen Eheseegen
Uns in funfzehn Kindern her;
Und man rühmet allerwegen,
Daß sie klüger sind, als Er:
Dennoch sagt die böse Stadt,
Daß er sich verzählet hat.

Agnes schlägt die Augen nieder,
Hasset Tanz, Musik und Spiel,
Singet stets Bekehrungslieder,
Und hält auf den Cubach viel:
Doch sagt die verbuhlte Stadt,
Daß sie Fleisch und Blut noch hat.

Ueberall verfolgt Selinden
Ein gepudert Stutzerheer;
Jeden weis sie zu entzünden,
Und ihr wird kein Sieg zu schwer:
Dennoch sagt die höhnsche Stadt,
Daß sie keine Freyer hat.

Stax beweist aus vielen Fällen
Seinen göttlichen Verstand,
Und aus seinen Ehrenstellen
Sein Verdienst ums Vaterland:
Doch sagt die vermeßne Stadt,
Daß er keins von beyden hat.

Mit dem vollen Federhute
Prangt der güldne Gänserich,
Und von seinem edlen Blute
Ueberzeugt sein Wappen mich:
Dennoch sagt die plumpe Stadt,
Daß kein Kutscher Ahnen hat.

Crantor richtet alle Sachen
Nach der strengsten Billigkeit,
Und man wird ihn böse machen,
Wenn man ihm Geschenke beut:
Doch sagt die verwegne Stadt,
Daß er sie betrogen hat.

 

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