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Scherzhafte Lieder

Christian Felix Weiße: Scherzhafte Lieder - Kapitel 26
Quellenangabe
typepoem
booktitleScherzhafte Lieder
authorChristian Felix Weiße
year1965
firstpub1758
noteFaksimiledruck nach der Ausgabe von 1758
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
addressStuttgart
titleScherzhafte Lieder
pages160
created20130324
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Mein Vorsatz.

        Wie sehr lieb ich mein Mädchen nicht!
Sie hat ein allerliebst Gesicht,
Zu schön, um es recht zu beschreiben:
Doch daß, wenn sie mir untreu wär,
Ich drüber den Verstand verlöhr:
Das laß ich wohl bleiben.

Ich trinke gern ein Gläßgen Wein,
Schenkt mir Freund oder Mädchen ein,
Darzu laß ich mich niemals treiben:
Doch daß ich Nächte lang dieß trieb,
Und morgen mir die Stirne rieb:
Das laß ich wohl bleiben.

Ich wünschte mir ein eigen Haus,
Und theilte gern auch Gnaden aus
Ließ Hypothecken mir verschreiben;
Doch daß durch niedrigen Gewinn
Ich reicher würd, als ich jetzt bin:
Das laß ich wohl bleiben.

Mit einer Frau von vielem Geld,
Hat sie noch sonst, was mir gefällt,
Würd ich mich allenfalls beweiben:
Doch daß ich Schwägern demuthsvoll
Viel Reverenze machen soll,
Das laß ich wohl bleiben.

Ein Amt, wobey die Welt mich ehrt,
Das mich bequem und reichlich nährt,
Darwider werd ich mich nicht sträuben:
Doch soll ichs durch Laqueyn erflehn,
Mich krank in Antichambern stehn?
Das laß ich wohl bleiben.

Des Lebens Glück ist mir ein Freund:
Auch bin ich keines Menschen Feind,
Die oft durch Thorheit uns betäuben:
Doch daß ich aus der Narren Zahl
Vertraute hole, sonder Wahl:
Das laß ich wohl bleiben.

Noch wallt die Freud in meiner Brust;
Noch hab ich viel zu leben Lust,
Wenn mich die Welt nicht will vertreiben:
Doch daß ich winselnd Abschied nähm,
Wenn schon so früh die Parce käm:
Das laß ich wohl bleiben.

 

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