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Scherzhafte Lieder

Christian Felix Weiße: Scherzhafte Lieder - Kapitel 12
Quellenangabe
typepoem
booktitleScherzhafte Lieder
authorChristian Felix Weiße
year1965
firstpub1758
noteFaksimiledruck nach der Ausgabe von 1758
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
addressStuttgart
titleScherzhafte Lieder
pages160
created20130324
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Abbitte.

        Selinde sah vor wenig Tagen
Den jungen Damon freundlich an:
Wie konnt ich einen Blick vertragen,
Der viel, sehr viel bedeuten kann!
Ich wollte sie alsbald verlassen,
Und schwur: ich wollte nimmermehr
Sie wieder sehn, ja, sie gar hassen, –
Wenn es mir möglich wär.

Sie rieb die schönen Augenlieder,
Und hub sie schmachtend in die Höh:
Dann fiel ein falsches Thränchen nieder
Wie Morgenthau auf jungen Klee.
Drauf rang sie ihre weißen Hände,
Und seufzt ein halb gebrochnes Ach!
Ich – sah erschrocken an die Wände,
Und – seufzte heimlich nach.

Sie wollte mir darauf entrinnen:
Und ach! was hatt ich ihr gethan?
Durch Seufzen war nichts zu gewinnen;
Drum fing ich laut zu weinen an.
Ich warf mich nieder: auf den Knieen
Stellt ich ihr meine Reue dar:
Daß ich – daß ich ihr schon verziehen,
Daß ich – zu ehrlich war.

 

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