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Scherzhafte Lieder

Christian Felix Weiße: Scherzhafte Lieder - Kapitel 102
Quellenangabe
typepoem
booktitleScherzhafte Lieder
authorChristian Felix Weiße
year1965
firstpub1758
noteFaksimiledruck nach der Ausgabe von 1758
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
addressStuttgart
titleScherzhafte Lieder
pages160
created20130324
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cephalus und Aurore.

Cantate aus dem Russeau.

            Die Lüfte deckte noch der dunkle Flor der Nacht,
Die Welt erleuchtete nur der Diane Pracht,
Als schon von Orients entfernten heißen Flüßen
Aurore, durch der Liebe Macht,
Dem sanften Schlaf entrissen,
Nach ihrem liebsten Cephal gieng,
Den noch des Schlafes Arm umfieng.
Sie nahet sich: Furcht, Zweifel und Entzücken
Entdecken sich in ihren Blicken,
Da sie den holden Jüngling sieht:
Der Liebe Brand, von dem sie glüht,
Erklärt sich schamhaft durch dieß Lied.

    Ihr Flüsse, rauschet ganz gelinde!
    Weht sanft und kühl, ihr Frühlingswinde!
    Ihr Vögel, dämpft die Melodien!
    Verliehrt kein Blatt, ihr stillen Bäume,
    Wiegt ihn, o Schlaf, in sanfte Träume!
    Ihr Liebesgötter, wacht um ihn!

Allein, was sag ich? nein: die blinde Zärtlichkeit
Verführet mich zu weit.
Leichtsinniger, ist dieß dein Sehnen,
Daß dich der Schlaf besiegt?
Und seufzet so dein Arm nach seiner Schönen,
Daß er auf weichem Mooß hier sinkend kraftlos liegt?
So soll ich ungeküßt hier einsam bey dir stehen,
Und dich dem Schlaf in Armen sehen? –
Vortrefflich! ey wie sehr
Hoffst du auf meine Wiederkehr!

    Cephalus! noch blüht dein Glücke!
    Cephalus, erwache doch!
    Bald, bald kömmt der Tag zurücke,
    Ein Gewölk nur deckt ihn noch!
    Und du weist, vor seinem Blicke
    Flieht Auror': erwache doch!

So sprach sie: und der Silberwagen
Bringt schon vom fern den Gott getragen,
Der auf die Welt sein Licht ergießt:
Sein naher Glanz entschließt,
Wiewohl zu spät, des Jünglings Augenlüder:
Sein Glück war da, und sieh, es floh auch wieder!
Er wachet, sieht sie, schreyt ihr nach:
Sein Weinen ist umsonst, vergebens ist sein Ach!
Sie flieht, und läßt zu seinen Schmerzen
Das Bild von einem kurz beseßnen Glück,
Das er verschlief, zurück.
So straft die Lieb oft junge Herzen:
Ihr jungen Herzen merkt, merkt ja wohl sein Geschick!

    Erwartet nie den späten Morgen,
    Wacht ja, so bald Aurore wacht:
    Der Liebe Macht bleibt euch verborgen,
    Wenn euch der Schlummer fühllos macht.
    Die Schäferstunde flieht von hinnen,
    Als wie ein West streicht sie vorbey,
    Und hinterläßt den trägen Sinnen
    Verschlafner Liebe Gram und Reu.

 

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