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Scherzhafte Lieder

Christian Felix Weiße: Scherzhafte Lieder - Kapitel 10
Quellenangabe
typepoem
booktitleScherzhafte Lieder
authorChristian Felix Weiße
year1965
firstpub1758
noteFaksimiledruck nach der Ausgabe von 1758
publisherJ. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
addressStuttgart
titleScherzhafte Lieder
pages160
created20130324
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Sturm.

          Der lichte Himmel schwärzet sich:
Ein jäher Sturm braust in den Zweigen,
Und überall herrscht fürchterlich
Ein ehrerbiethig Schweigen.
Der kleinen Sänger tonreich Chor
Vergißt sein Lied, und lauscht in Sträuchen,
Und nur die Schwalbe schießt hervor,
Und schwebet auf den Teichen.

Komm Chloe, eilends folge mir:
Doch sieh, wie sich die Rosen bücken,
Vom Sturm bedroht flehn sie zu dir;
Du sollst sie liebreich pflücken.
Sie zittern vor den nahen Tod.
O sieh, wie schön sie sich entfärben!
Viel lieber wünscht ihr schamhaft Roth
An deiner Brust zu sterben.

Wir sind entflohn, was fürchten wir
In dieser dicht verwachsnen Laube:
Welch Glück! es wartet unser hier
Der Saft der Moslertraube.
Verwegner Nord! tob immerhin,
Und nimm, willst du ja hier noch wehen:
Nimm meiner Chloe Palatin!
Nur laß die Gläser stehen.

 

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