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Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes

Johann Peter Hebel: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes - Kapitel 52
Quellenangabe
typenarrative
authorJohann Peter Hebel
titleSchatzkästlein des rheinischen Hausfreundes
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
year1888
firstpub1811
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151210
projectida841eee1
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Franz Ignaz Narocki.

Man erfährt doch durch den Krieg allerlei, unter vielem Schlimmen auch manchmal etwas Gutes, und es heißt da wohl: Die Berge kommen nicht zusammen, aber die Leute. So wird wohl zum Beispiel ein Polak, Namens Franz Ignaz Narocki, im Jahr 1707 auch nicht daran gedacht haben, daß nach 100 Jahren der französische Kaiser Napoleon noch zu ihm nach Polen kommen und ihm ein sorgenfreies Alter verschaffen werde; und doch ist's geschehen in den ersten Wochen des Jahres 1807. Er ist geboren im Jahr 1690 und lebt noch, und ich will glauben, daß er in seiner Jugend sich nicht oft betrunken und nicht ausschweifend gelebt habe, denn er hatte in seinem hundertundsiebzehnten Lebensjahre noch kein Gebrechen, ob er gleich in seiner Jugend Kriegsdienste that, als Gefangener von den Russen nach Asien geführt wurde, und nachher auch nicht lauter gute Tage hatte. Diesem Mann hat es seit 1690 manchmal auf den Hut geschneit, und er kann wohl von manchem Grabe sagen, wer darin liegt. In seinem siebzigsten Jahre, wenn andere bald ans Sterben denken, hat er zum erstenmal geheiratet und vier Kinder erzeugt. Im sechsundachtzigsten Jahr nahm er die zweite Frau und zeugte mit ihr sechs Kinder. Aber von allen ist nur noch ein Sohn aus der ersten Ehe am Leben. Der König von Preußen ließ diesem polnischen Methusalem bisher alle Monate ein Gehalt von 24 polnischen Gulden bezahlen. Das ist doch auch schön. Ein polnischer Gulden aber beträgt nach deutschem Geld ungefähr 24 kr. Als nun Kaiser Napoleon in seinem Feldzug in die Gegend seiner Heimat kam, wünschte ihn der alte Mann auch noch zu sehen. Es geschah, und er überreichte ihm ein sehr artiges Schreiben, welches er noch selber mit eigener Hand recht leserlich geschrieben hatte. Der Kaiser nahm es mit Wohlgefallen auf und machte ihm ein schönes Geschenk von 100 Napoleonsdor. Ein Napoleonsdor ist eine Goldmünze von 9 fl. 18 kr. unseres Geldes.

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