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Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes

Johann Peter Hebel: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes - Kapitel 24
Quellenangabe
typenarrative
authorJohann Peter Hebel
titleSchatzkästlein des rheinischen Hausfreundes
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
year1888
firstpub1811
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151210
projectida841eee1
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Der schlaue Husar.

Ein Husar im letzten Krieg wußte wohl, daß der Bauer, dem er jetzt auf der Straße entgegenging, hundert Gulden für geliefertes Heu eingenommen hatte und heimtragen wollte. Deswegen bat er ihn um ein kleines Geschenk zu Tabak und Branntwein. Wer weiß, ob er mit ein paar Batzen nicht zufrieden gewesen wäre. Aber der Landmann versicherte und beteuerte bei Himmel und Hölle, daß er den eigenen letzten Kreuzer im nächsten Dorfe ausgegeben und nichts mehr übrig habe. »Wenn's nur nicht so weit von meinem Quartier wäre,« sagte hierauf der Husar, »so wäre uns beiden zu helfen; aber wenn du nichts hast, ich hab' nichts, so müssen wir den Gang zum heiligen Alphonsus doch machen. Was er uns heute beschert, wollen wir brüderlich teilen.« Dieser Alphonsus stand in Stein ausgehauen in einer alten, wenig besuchten Kapelle am Feldweg. Der Landmann hatte anfangs keine große Lust zu dieser Wallfahrt. Aber der Husar nahm keine Vorstellung an und versicherte unterwegs seinen Begleiter so nachdrücklich, der heilige Alphonsus habe ihn noch in keiner Not stecken lassen, daß dieser selbst anfing, Hoffnung zu gewinnen. Vermutlich war in der abgelegen Kapelle ein Kamerad und Helfershelfer des Husaren verborgen? Nichts weniger! es war wirklich das steinerne Bild des Alphonsus, vor welchem sie jetzt niederknieten, während der Husar gar andächtig zu beten schien. »Jetzt,« sagte er seinem Begleiter ins Ohr, »jetzt hat mir der Heilige gewinkt.« Er stand auf, ging zu ihm hin, hielt die Ohren an die steinernen Lippen und kam gar freudig wieder zu seinem Begleiter zurück. »Einen Gulden hat er mir geschenkt, in meiner Tasche müsse er schon stecken.«

Er zog auch wirklich zum Erstaunen des anderen einen Gulden heraus, den er aber schon vorher bei sich hatte, und teilte mit ihm versprochenermaßen brüderlich zur Hälfte. Das leuchtete dem Landmann ein, und es war ihm gar recht, daß der Husar die Probe noch einmal machte. Alles ging das zweite Mal wie zuerst. Nun kam der Kriegsmann diesmal viel freudiger von dem Heiligen zurück. »Hundert Gulden hat uns jetzt der gute Alphonsus auf einmal geschenkt. In deiner Tasche müssen sie stecken.« Der Bauer wurde todesblaß, als er dies hörte, und wiederholte seine Versicherung, daß er gewiß keinen Kreuzer habe. Allein der Husar redete ihm zu, er sollte doch nur Vertrauen zu dem heiligen Alphonsus haben und nachsehen. Alphonsus habe ihn noch nie getäuscht. Wollte er wohl oder übel, so mußte er seine Taschen umkehren und leer machen. Die hundert Gulden kamen richtig zum Vorschein, und hatte er vorher dem schlauen Husaren die Hälfte von seinem Gulden abgenommen, so mußte er jetzt auch seine hundert Gulden mit ihm teilen, da half kein Bitten und kein Flehen.

Das war fein und listig, aber eben doch nicht recht, zumal in einer Kapelle.

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