Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl May >

Scepter und Hammer

Karl May: Scepter und Hammer - Kapitel 77
Quellenangabe
typefiction
booktitleScepter und Hammer
authorCarl May
year1880
titleScepter und Hammer
sendernoname@abc.de, hille@abc.de
Schließen

Navigation:

Sie reichten einander die Hände, und als der Pascha dem Freunde noch einmal alle nöthige Vorsicht angerathen hatte, verließ er das Gemach. Kurz nachher trat die Kastellanin ein.

»Es ist eingepackt, gnädiger Herr!«

»Gut. Hören Sie, Mutter Horn, weder der Pascha noch seine Tochter dürfen wissen, wer ich bin. Ich bleibe für sie Bill Willmers. Das Übrige wird Ihnen Vater anbefehlen für die Zeit, die wir hier abwesend sind. Ist der Koffer fort?«

»Ja.«

»So werde ich gehen. Ich steige den Fußpfad hinab, während Vater einen anderen Weg einschlägt, da es für eine Person leichter ist, unbemerkt zu bleiben als Zweien. Adieu, Mutter Horn!«

Die gute Frau zog die Schürze an die Augen.

»Herrjesses, ist das ein Elend. Ich vergehe vor Kummer, und mein Mann weiß auch nicht, wo ihm der Kopf steht. Und endlich, was wird Fräulein Almah sagen, die so sehr große Stücke auf Sie hält!«

»Wirklich?«

»Ja wohl! Erst vorhin hat sie gemeint, sie wünsche, daß Sie ein Kapudan-Pascha, ein General oder ein Prinz wären.«

»Ach? Warum?«

»Nun, dann – – dann könnte sie ja Ihre Frau werden,« platzte sie in ihrer Betrübniß weinend heraus.

»Hat sie das so gesagt?«

»Nein, das nicht. Sie gab ein paar andere Gründe an, aber ich merke doch, wie es steht. Ach, mein lieber gnädiger junger Herr, das wäre eine Frau Prinzessin, wie es keine zweite wieder gibt!«

»Möglich! Also adieu!«

Sie lehnte sich an die Wand und weinte; er ging und nahm auch von dem Kastellan Abschied. Dann verließ er das Schloß, das Gebäude wenigstens, denn als er in den Garten trat und sich durch einen Blick überzeugt hatte, daß die Lohndiener mit dem Koffer bereits mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten, wandte er sich rechts nach der Gegend, in welcher die Laube stand, die Almah sich als ihren Lieblingsplatz erwählt hatte, wie er recht wohl wußte.

Sie saß noch in derselben und sah ihn kommen.

»Bill, suchen Sie mich?«

»Ja.«

»Papa läßt mich wohl suchen?«

»Nein; nur ich bin es, der Sie sucht. Ich wollte Ihnen Lebewohl sagen.«

»Lebewohl? Sie wollen gehen?«

»Ja.«

»Fort?«

»Ja.«

»Ganz fort?«

»Ja.«

»Nicht möglich! Warum wollen Sie gehen? Hat Vater es Ihnen geboten?«

»Nein,« antwortete er, entzückt über die sichtliche Aufregung, in welche sie von seinen Worten gebracht wurde.

»Hat Vater Sie beleidigt?«

»Nein.«

»Oder ich?«

»Auch nicht.«

»Aber warum denn? So sprechen Sie doch!«

»Ich bin ein Seemann und diene dem Könige von Norland, dem ich meinen Eid geleistet habe. Der Herr Pascha dient dem Könige von Süderland, der unser Feind ist. Ich muß gehen.«

»Das ist allerdings ein Grund. Aber warum so plötzlich?«

»Das werden Sie von dem Herrn Pascha erfahren. Doch gehe ich nicht für immer.«

»So wollen Sie also wiederkommen?«

»Ja, wenn wir uns nicht vorher treffen.« Er trat näher an sie heran. »Leben Sie wohl!«

Er streckte ihr seine Hand entgegen, und sie zögerte nicht einen Augenblick, ihr Händchen hineinzulegen.

»Leben Sie wohl, Bill. Ich danke Ihnen für Alles, was Sie mir und Papa Liebes und Treues erwiesen haben. Ich wollte Sie hätten immer bei uns sein können!«

Ihre Stimme klang gar nicht so, wie sie bei dem Abschiede von einem Diener hätte klingen sollen. Seine Augen glänzten feucht.

»Ich gehe in den Kampf, Fräulein. Sie werden wohl von dem Herrn Pascha Einiges gehört haben, um zu wissen, was bevorsteht. Wenn ich falle, so sterbe ich, indem ich an Schloß Sternburg denke und an den Stern, der über demselben aufgegangen ist. Falle ich aber nicht, so sehen wir uns wieder, und ich wage es, Ihnen einen Mann zuzuführen, der sich Jahre lang vergebens sehnte, Ihr Angesicht noch einmal so nahe zu sehen wie in jener Nacht am Nile.«

Sie war während des letzten Theiles seiner Rede erglüht, jetzt erhob sie schnell die Augen.

»Am Nile? Ah! Wen meinen Sie?«

»Jenen Mann, dem die Seligkeit beschieden war, Sie aus den Fluthen an das Land zu tragen.«

»Ihn? O, ist es möglich? Sie kennen ihn?«

Sie reichte ihm auch das andere Händchen entgegen. Er drückte beide an seine Lippen.

»Ja.«

»Wer ist es? Wie heißt er?«

»Sternburg.«

»Sternburg? In wiefern? Was für ein Sternburg ist er?«

»Arthur von Sternburg, Fregattenkapitän, Sohn des Fürsten Viktor von Sternburg, dem dieses Schloß gehört.«

»Nicht möglich!«

»Doch!«

»Woher wissen Sie es?«

»Ich befand mich damals bei ihm und werde auch jetzt zu ihm gehen. Leben Sie wohl!«

Noch ehe Sie ihn halten konnte, war er fort. Die Nachricht hatte sie übrigens in der Weise überrascht, daß sie gar nicht daran dachte, ihn zu rufen. Sie sank auf ihren Sessel zurück und überließ sich den Gefühlen, welche diese unerwartete Nachricht in ihr wachgerufen hatte, bis sie durch nahende Schritte aus ihrem Nachdenken gerissen wurde. Es war die Kastellanin, welche kam.

»Kommen Sie schnell, sehr schnell herbei, Mutter Horn! Ich habe Ihnen etwas höchst Wichtiges mitzutheilen.«

»Was denn, mein Kind?«

Sie bemerkte gar nicht, daß die Augen der Kastellanin noch die Spuren vergossener Thränen zeigten, und antwortete mit der allergrößten Lebhaftigkeit:

»Ich weiß nun, wer es war!«

»Wer denn?«

»Der – – oh, Mutter Horn, ich habe eine Nachricht erhalten, eine so freudige Nachricht erhalten, daß ich mich gar nicht zu fassen vermag.«

»Darf ich sie auch hören?«

»Das versteht sich. Rathen Sie einmal, wen ich entdeckt habe!«

»Kind, das rathe ich nicht.«

»Nun, Einen, den Sie auch kennen.«

Die Kastellanin erschrak auf das Lebhafteste.

»Doch nicht etwa den Bill Willmers!«

»O nein, den brauche ich ja gar nicht zu entdecken.«

»Nun, wen denn?«

»Den Mann, der mich damals aus dem Nile gezogen und mir das Leben gerettet hat. Wissen Sie, ich habe Ihnen doch bereits diese Geschichte erzählt.«

»Ja ja. Den haben Sie entdeckt? O, das ist ja wunderschön! Wer ist es denn?«

»So rathen Sie doch nur!«

»Es gibt auf der Erde viele Millionen Menschen. Wie kann ich also gerade den treffen, der es gewesen ist!«

»Allerdings, aber es ist ein Bekannter von Ihnen.«

»Von mir?«

»Ja, ein sehr, sehr naher Bekannter.«

»Etwa gar mein Mann? Aber der hat mir ja niemals erzählt, daß er am Nil gewesen ist!«

»Nein, der nicht. Aber beinahe ebenso nahe.«

»Hm, ich treffe es nicht. Was ist er denn? Wenn ich das weiß, so errathe ich es vielleicht.«

»Er ist Seemann.«

»Seemann? Was für einer?«

»Norländischer.«

»Matrose oder Offizier?«

»Kapitän.«

»Kapitän? Vielleicht gar Fregattenkapitän?«

»Freilich!«

Da schlug die Kastellanin verwundert die Hände zusammen.

»Am Ende gar mein lieber junger Herr?«

»Ja dieser. Denken Sie sich, der, gerade der hat mir das Leben gerettet! Sein Vater ist ein Freund von Papa, und ich wohne hier in seinem Hause, ohne das Geringste davon nur zu wissen oder zu ahnen!«

»Merkwürdig! Auch ich habe nichts gewußt.«

»Das versteht sich ja ganz von selber. Wenn ich nichts weiß, konnten Sie ja erst recht nichts wissen.«

»O nein, das versteht sich nicht von selber. Mein junger Herr pflegt mir Alles zu erzählen, was ihm passirt, und er hätte mir wenigsten jetzt doch – – ach so, ich wollte Sie doch fragen, Kindchen, von wem Sie es erfahren haben.«

»Das müssen Sie auch errathen.«

»Ich errathe es nicht.«

»Von unserem Matrosen?«

»Bill Willmers.«

»Ah, von dem? Sehen Sie, Kindchen, daß ich Recht hatte, als ich Ihnen damals sagte, daß Sie es von ihm am ersten erfahren könnten! Erinnern Sie sich noch?«

»Von Bill? Nein, Sie sagten doch, daß es von Arthur von Sternburg vielleicht zu erfahren sei.«

»Nun – ach ja!«

»Und denken Sie sich, dieser Bill ist damals bei dem Kapitän gewesen und hat Alles mit angesehen.«

»Das glaube ich.«

»Sie glauben es? Warum?«

»Nun – – er hat es Ihnen gesagt.«

»Ach, so meinen Sie! Aber weiter konnte ich nicht das Geringste mehr erfahren.«

»Warum?«

»Weil er fort ist. Wissen Sie es bereits?«

»Ja. Aber Sie konnten ihn doch vorher ausfragen!«

»Er ging so schnell fort, daß ich ihn gar nicht fragen konnte. Aber er kommt wieder wenn er nicht fällt, er hat es mir versprochen.«

»Wenn er nicht fällt? Wo sollte er denn fallen?«

»Im Kampfe.«

»Im Kampfe? Herrjesses, soll es denn Kampf geben?«

»Freilich, aber das ist noch Geheimniß, und Sie dürfen es bei Leibe nicht verrathen.«

»O, ich verrathe nichts. Und da soll Bill Willmers mitkämpfen.«

»Ja. Und Ihr Herr Kapitän auch. Er geht zu ihm.«

»Herrjesses, ist das eine Noth, ein Jammer, eine Sorge, ein Kummer und ein Elend!«

»Allerdings. Aber sehen Sie doch schnell einmal da hinunter nach unserer Yacht. Ich glaube gar, man hat den Anker gewunden.«

»Ja, das sieht gerade so aus.«

»Was muß denn der Arab-el-Bahr vorhaben? ich weiß doch nichts davon, daß ihm Vater befohlen hätte in See zu stechen.«

»Wer ist denn der Mann, der da hinten steht?«

»Auf dem Quarterdecke? Das ist, ja wirklich, das ist Bill Willmers! Man sieht es an seinen Bewegungen, daß er kommandirt. Aber er ist ja bloßer Matrose!«

»Kann ein Matrose keine Yacht kommandiren?«

»Nein, und die unsrige erst recht nicht.«

»O, der wird es schon fertig bringen. Ich wußte, daß er nach der Yacht gegangen ist, denn er ließ seine Sachen hinunterschaffen.«

»Hat es Papa ihm denn befohlen?«

»Nein, der weiß ja noch gar nicht, daß Bill fortgeht.«

»Nicht? Dann muß ich sehr schnell laufen, um es ihm zu sagen. Er wird noch gar nicht bemerkt haben, daß die Yacht in See gehen will. Kommen Sie, Mama Horn. Das ist ja ein ganz unerklärliches Ereigniß, welches ich ihm schleunigst mittheilen muß!« – –

 << Kapitel 76  Kapitel 78 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.