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Scarlett Trent der Abenteurer

Edward Phillips Oppenheim: Scarlett Trent der Abenteurer - Kapitel 25
Quellenangabe
authorE. Phillips Oppenheim
titleScarlett Trent der Abenteurer
publisherRijke & Stock Verlagsgesellschaft m.b.H.
yearo.J.
firstpub1927
translatorReinhard Rijke
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180612
projectid5b3d7545
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Vierundzwanzigstes Kapitel.
Überfall im Morgengrauen

Trent hatte in der letzten langen Stunde des abnehmenden Mondlichts die Wache gehalten, bis der bleiche Morgen tagte. Mit den ersten schwachgrauen Streifen des Tageslichts kamen Bekwandos Wilde. Sie krochen in einem Halbkreis durch das lange, harte Gras und sprangen dann unvermittelt in die Höhe, ihre Giftspeere schwingend.

Trents leiser Alarmruf hatte die vom feuchten Morgennebel halb erstarrten Lagergenossen beizeiten geweckt, so daß sie Deckung nehmen und ihre Waffen in Schußbereitschaft bringen konnten. Der Kriegsruf der Wilden fiel in tödliche Stille – er rührte kein Zeichen der Verwirrung und Kopflosigkeit auf.

Trents kleine Schar, zu ebener Erde lang hingestreckt, lauerte mit geladenem Gewehr. Kaum hundert Meter schieden sie von den aufgeregten Negern, und noch immer drang kein Lebenszeichen aus dem Kamp. Ungezügelter Blutdurst trieb die halbnackten Angreifer näher heran: Sicherlich schliefen die Weißen noch – eine leichte Beute! Da – ein Signal, ein Chor wilder Schreie! Aus dem Unterholz züngelten knatternde Feuerstrahlen. Ein Dutzend der Anstürmenden wälzte sich auf dem Boden, die übrigen zögerten.

Trent, von Kampflust aufgestachelt, beging hier seinen ersten Fehler. Er befahl einen Ausfall und stürzte, den Revolver in der Faust, gegen die unterbrochene Linie der Schwarzen los. Die Hälfte von ihnen wandte sich zu eiliger Flucht. Der Rest, zahlenmäßig immer noch stärker als die Truppe ihrer Gegner, hielt stand. Im Nu entbrannte ein wirbelndes Handgemenge, und Trent verwünschte seine Kühnheit, die ihn ins offene Feld getrieben.

Eine kurze Weile schien der Erfolg ungewiß. Dann ward der Führer der Bekwandoleute, ein gigantischer Kerl von herkulischer Stärke, des Hauptmanns gewahr und sprang gegen ihn an. Der Schlag, zu dem er ausholte, würde den Offizier zerschmettert haben, hätte nicht Trent mit dem Kolben die Wucht abgeschwächt. Flugs jagte er dem Schwarzen eine Kugel durch den Kopf, indes Francis hintenüber zusammenbrach. Wildes Kreischen folgte dem Fall ihres Führers, dann rasten die Wilden davon, verfolgt von prasselndem Kugelregen. Mehr als einer noch biß nach jähem Luftsprung ins Gras.

Zu Ende der Kampf. Francis blieb der einzige Verwundete. Inzwischen hatte es sich aufgehellt. Die Nebelwölkchen entschwanden, und nun stach die Sonne mit goldener Glut. Von brennenden Schmerzen gefoltert, stöhnte und ächzte der betäubte Verletzte. Trent nahm eine schnelle Untersuchung vor und ließ ihn behutsam in ein Zelt tragen. Unruhig schritt er an seinem Lager auf und ab.

Zum zweitenmal innerhalb weniger Stunden war dieser Mann, der ihn zugrunde richten konnte, seiner Macht ausgeliefert. Daß er ihm das Leben gerettet, zählte nicht. In der Hitze des Gefechts gab es zum Überlegen keine Zeit. Jetzt jedoch war es anders. Trent entsann sich der Antipathie, die er von jeher gegen den hochnäsigen Offizier gehegt. Instinktiv fühlte er auch jetzt wieder und wieder, daß hier ein Feind war –: Nichts und niemand würde Francis je überzeugen können, daß Monty nicht hatte benachteiligt werden sollen. Der Schein – das wußte Trent gut genug – sprach nun einmal gegen ihn. Insgeheim zwar hatte er Pläne entworfen, um den alten Gefährten in rechtmäßigen Besitz seines Eigentums zu setzen. Aber es galt klug und umsichtig zu verfahren, wenn eine Katastrophe verhütet werden sollte. Das plumpe Dazwischentreten eines Fremden konnte verhängnisvoll werden, und Francis hatte ganz offenbar die Absicht, sich einzumischen.

Mit gerunzelten Brauen wanderte Trent hin und her, wobei ab und zu sein grübelnder Blick den Bewußtlosen streifte.

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