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Scarlett Trent der Abenteurer

Edward Phillips Oppenheim: Scarlett Trent der Abenteurer - Kapitel 19
Quellenangabe
authorE. Phillips Oppenheim
titleScarlett Trent der Abenteurer
publisherRijke & Stock Verlagsgesellschaft m.b.H.
yearo.J.
firstpub1927
translatorReinhard Rijke
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180612
projectid5b3d7545
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Achtzehntes Kapitel.
Der Kriegsplan

Nachmittags von der Redaktion heimgekehrt, traf sie Cecil Davenant vor.

»Wenn du jemand anderes erwartest oder wenn ich ungelegen komme, so sage es frei heraus!« meinte er auf ihre erstaunte Miene hin.

»Ich erwarte niemanden. Mein Bekanntenkreis ist ja nur klein, und nur wenige kennen meine Wohnung. Mache dir's also bequem! Ich werde Tee bestellen.«

Er blickte sie forschend an. »Du siehst erregt aus, Irene. Bist du so rasch gelaufen?«

Sie lachte leise, nahm ihren Hut ab und glättete vor dem Spiegel ihr welliges, ein wenig zerzaustes Haar. Lange und nachdenklich sah sie auf ihr Ebenbild – nach den feingeschnittenen, aber willensfesten Zügen, den klaren grauen Augen, den schöngeschwungenen Brauen, dem anmutig gebogenen Mund und dem kleinen Kinn.

Davenant beobachtete sie belustigt. »Aha – beschäftigst du dich endlich einmal gründlich mit deinen Reizen?«

»Erraten!« bestätigte sie fröhlich. »Ich fragte mich gerade, ob ich wohl einigermaßen hübsch sei.«

»Wenn du mir gestatten willst, die Stelle des Spiegels einzunehmen, so glaube ich, dich über diesen Punkt beruhigen zu können.«

Sie schüttelte das eigensinnige Köpfchen. »Es würde vielleicht schmeichelhafter sein; aber weniger wahrheitsgetreu.« Und wieder wandte sie sich dem Spiegel zu.

»Darf ich wissen, in wessen Interesse du plötzlich so großen Wert auf dein Äußeres legst?«

Sie kuschelte sich in einen niedrigen Sessel, die Hände im Nacken verschränkt, den Blick starr vor sich hin gerichtet. »Ich suchte festzustellen, ob ich wohl fähig sei, einen Mann dazu zu bringen, sich zu vergessen – nein, sich zu verraten, wenn ich es darauf abgesehen hätte.«

»Wenn ich der Mann wäre, könntest du davon überzeugt sein.«

»Du! Du bist ein großer Junge. Du hast nichts zu verheimlichen, und du bist Partei. Nein, der, den ich unter meinen Einfluß bringen möchte, ist jemand ganz anderes. Es ist Scarlett Trent!«

Er runzelte die Brauen. »Der ungeschlachte Bär! Was geht der dich an? Je weniger, desto besser, möcht' ich behaupten.«

»Von meinem Standpunkt aus –: je mehr, desto besser! Ich bin zu der Ansicht gekommen, daß mein Vater noch heute lebte, wenn er nicht gewesen wäre.«

»Das verstehe ich nicht! Wenn du das glaubst, dann müßtest du ihn doch verabscheuen und keinesfalls in deiner Nähe haben wollen.«

»Ich will, daß er bestraft wird.«

»Man wird ihm nie etwas beweisen können.«

»Man kann einen Mann auf mancherlei Arten leiden lassen«, sagte sie leise.

»Und das hast du dir zur Aufgabe gestellt?«

»Warum nicht? Soll ich ihn etwa unbehelligt seines Weges ziehen lassen? Soll ich untätig zusehen, wie er in die höchsten Kreise aufgenommen wird und alle Daseinsfreuden genießt, ohne je des verratenen Gefährten zu gedenken, auf dessen Kosten er sein neues Leben aufbaute? Ich habe Scarlett Trent den Kampf angesagt.«

»Und wie lange soll er dauern?«

»Bis er in meiner Macht – bis er zu Fall gebracht ist! Bis er sein zugemessenes Teil des Elends erlitt, das er meinem Vater hätte ersparen können.«

»Du läßt dich zu sehr vom äußeren Schein beeinflussen, Irene. Ich kenne Trent nicht. Wohl hege ich gegen Leute seines Schlags ein Vorurteil; aber meiner Ansicht nach muß man ihm wie jedem anderen Gelegenheit zur Verteidigung gewähren. Frage ihn also Auge in Auge, wie dein Vater gestorben ist! Fordere Einzelheiten! Versuche gegebenenfalls, ihn mit seinen eigenen Worten zu fangen! Behandle ihn wie einen Feind, aber dann ehrlich wie einen Feind.«

Sie schüttelte abermals den Kopf. »Der Schein ist für ihn. Das hat er im Kampf ums Geld gelernt. Er glaubt sich sicher. Er sucht mich sogar. Er hat seine Ausflüchte wohl schon erwogen. Nein – meine Methode ist die angemessenere!«

»Ich halte nichts von dieser Methode! Sie taugt nicht für dich, Irene.«

»Für einen Vater, den man liebt, tut man gar oft etwas, wovor man sich sonst scheuen würde. Wenn ich bedenke, daß mein Vater ohne diesen kaltherzigen Rechner noch am Leben wäre, dann fühle ich, es gibt nichts auf der Welt, das ich nicht tun könnte, um ihn zu vernichten.«

Cecils frisches Gesicht war umwölkt. »Ich fürchte, es wird mich noch einmal reuen, Irene, dir die Wahrheit über deinen Vater gesagt zu haben.«

»Wenn ich es selbst entdeckt hätte – früher oder später wäre es bestimmt geschehen – und ich hätte von deiner Beteiligung erfahren, so würde ich nie mehr ein Wort mit dir gesprochen haben.«

»Dann allerdings will ich es lieber nicht bedauern. Aber die Rolle, die du spielen willst, behagt mir nicht, und es ist ein scheußliches Gefühl für mich, zusehen zu müssen, ohne dich daran hindern zu können.«

»Dies Zuschauen kannst du dir ja ersparen. Verreise doch für einige Zeit!«

»Das bringe ich nicht fertig«, sagte er niedergeschlagen. »Du weißt, warum.«

Sie war in gereizter Stimmung, aber eine Sekunde lang siegte das Mitleid. »Es wäre besser für dich, Cecil, wenn du dir diese Dummheiten aus dem Kopf schlügest.«

»Es mögen Dummheiten sein – aber von einer Art, die man nicht ändern kann.«

»Gib dir wenigstens Mühe darum, alter Junge! Es ist ja doch hoffnungslos. Klammere dich nicht an Unmögliches! Mich verlangt nicht nach einer Ehe. Ich glaube auch nicht, daß ich je heiraten werde. Sollt' ich's aber tun, dann bestimmt nicht dich!«

Er schwieg und sah bedrückt zu Boden. Der Gedanke, daß sie – sein Ideal von allem, was Weib hieß – mit einem Mann wie Scarlett Trent, dessen Vertrauen sie erschleichen wollte, in Berührung kam, stieß ihn ab. Nein, er konnte sie nicht alleinlassen. Er mußte in der Nähe bleiben, falls sie eines Freundes und Helfers bedurfte.

»Können wir nicht wieder einmal einen Abend wie früher verleben?« bat er. »Wenn – –«

»Nein, lieber nicht!« fiel sie ihm sanft ins Wort. »Ehe du noch weiter über dieses verbotene Thema sprichst, ist es ratsam, du gehst. Sei vernünftig, Cecil!«

»Schön, ich werde mir Mühe geben und tun, wie du verlangst – vorläufig wenigstens. Vielleicht magst du etwas Neues hören?«

Sie nickte. »Erzähle!«

»Es ist etwas über Fred – ein eigenartiges Zusammentreffen. Er war, wie du weißt, in Transvaal bei einer Landvermessungsfirma, und jetzt hat man ihm eine Stellung an der Goldküste angeboten.«

»An der Goldküste! Welch sonderbarer Zufall!«

»Das Angebot kam von der Bekwando-Gesellschaft, und er nimmt es an.«

Irene war plötzlich lebhaft interessiert. »Vielleicht könnte er sich da an meiner Statt erkundigen?«

»Sicherlich. Was über Scarlett Trent zu entdecken ist, kann er dort in Erfahrung bringen. Aber, Irene, eines muß ich dir im voraus sagen: Ich selber habe keinerlei Argwohn gegen Trent, obwohl er mir nicht sonderlich sympathisch ist; und ich halte es für verleumderischen Unsinn, ihn mit deines Vaters Tod in solche Verbindung zu bringen.«

»Du kennst ihn nicht – ich aber wohl!«

»Ich habe nur meine Meinung geäußert. Aber ich will versuchen, mit deinen Augen zu sehen. Er ist dein Widersacher und somit auch der meine. Wenn es etwas Dunkles in seiner Vergangenheit gibt, wird Fred es auskundschaften – verlaß dich darauf!«

Irene strich sich ein paar widerspenstige Locken aus der Stirn. Ihre Augen leuchteten, und glühendes Rot bedeckte ihre Wangen. Aber den Mann vermochte es nicht zu täuschen. Er wußte, daß nicht er die Ursache bildete. Er war die Hilfe, die ihr willkommen sein mußte – nicht der Mann!

»Es ist wirklich ein wunderbarer Zufall!« frohlockte sie. »Schreibe, bitte, heute noch an Fred! Sorge aber dafür, ihn nicht zu beeinflussen! Gib ihm zu verstehen, daß dein Interesse lediglich der Neugierde entspringt. Ich will die unverfälschte Wahrheit wissen – das ist alles. Trägt Trent keinerlei Schuld, so gönne ich ihm alle Genugtuung. Aber einstweilen halte ich ihn für schuldig.«

Es klopfte – beide wandten sich zur Tür. Das Hausmädchen meldete einen Besucher, der ihr auf dem Fuße folgte.

»Herr Scarlett Trent!«

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