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Satirische Erzählungen

Johann Karl Wezel: Satirische Erzählungen - Kapitel 4
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSatirische Erzählungen
authorJohann Karl Wezel
firstpub1778
year1983
publisherRütten und Loening
addressBerlin
titleSatirische Erzählungen
created20050421
sendergerd.bouillon
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Der Streit über das Gnaseg-chub

Eine Geschichte aus einem andern Weltteile

In einem Lande, dessen Name sich längst aus der Welt und also auch aus der Geographie verloren hat, herrschte einst ein Streit, der anfänglich bloß die Hauptstadt desselben beschäftigte und zuletzt ein allgemeiner Streit des ganzen Landes wurde. Eigentlich entstund er unter den Neowi, den Priestern der herrschenden Religion, und da es unmöglich ist, daß Neowi sich zanken – sollte es auch nur um eine Silbe sein –, ohne daß ihr Gott in eine von beiden Parteien gezogen wird, so ist es kein Wunder, daß eine Privatuneinigkeit, die noch dazu aus sehr verächtlichen Ursachen entstand, eine öffentliche Angelegenheit wurde. Jeder Einwohner, besonders der Hauptstadt, nahm Anteil daran, und wenn er nichts von der Sache wußte oder verstund und nicht selbst geschäftig dabei sein konnte, so lobte oder schmähte er doch.

Die herrschende Religion des Landes war die Religion des großen Tun, der unter einem alten irdenen Bilde verehrt wurde, dessen Figur die Länge der Zeit und verschiedene Unglücksfälle bei den Wanderungen der Vorfahren so unkenntlich gemacht hatten, daß die Lehrer der Religion allen ihren Witz an den Erklärungen derselben erschöpften, den großen Tun bald zu einem Esel, bald zum Kaninchen, bald zu einem Gewächse und zu noch verächtlichern Geschöpfen machten und sich tapfer herumzankten, wenn der eine nicht den Kopf oder den Willen hatte, den Witz des andern so natürlich zu finden als er selbst; und dabei genossen sie den Vorteil, einander aus den niederträchtigsten Bewegungsgründen hassen und verfolgen zu können und noch obendrein gerühmt zu werden, daß sie zur Ehre des großen Tun eines seiner vorzüglichsten Gesetze übertraten, welches Liebe und Duldung war.

Unter der Menge Priester, die dem öffentlichen Gottesdienste vorstunden, waren vier Se-Neowi oder Oberpriester, und dem Ältesten darunter mußten alle übrige eine gewisse Unterwürfigkeit bezeugen. Deswegen wurde er niemals geliebt und sehr selten bloß gehaßt und nicht verfolgt.

Der Erste Oberpriester, der bei gegenwärtigem Streite dieses Amt führte, war der beste Mann von der Welt, so ehrlich im Herzen wie im Gesichte: liebreich, gefällig und nachgebend, solange er den Rechten des großen Tun und der Vernunft nichts zu vergeben glaubte. Sein Hauptfehler war ein liebenswürdiger Fehler – er war zu freigebig und hatte dadurch seine häuslichen Umstände so verwickelt gemacht, daß er zu verschiedenen Malen in der Gefahr des Bankeruttes sich befand. Demungeachtet mußte der gute Mann sich wegen dieser übertriebnen Tugend, die nicht einmal vorsetzlich, sondern eine Folge seines Temperamentes war, in allen Gesellschaften einen Verschwender, einen unordentlichen Schwelger nennen lassen, weil er, um andre glücklich zu machen, unglücklich geworden war. Selbst Fehler, deren ihn niemand, der ihn kannte, fähig hielt, wurden ihm als Ursachen seiner mißlichen Verfassung angedichtet: Er war ein Weinsäufer, ob er gleich nichts als Wasser trank; ein Fresser, obgleich jedermann wußte, daß er zu der Sekte gehörte, die sich dem Gelübde, nichts als Hülsenfrüchte zu genießen, unterwarf. Der Pöbel glaubte es; die Klügern – glaubten es nicht und verfuhren doch gegen ihn eben so, als wenn sie es glaubten.

Der Zweite übertraf ihn an Güte und Freundlichkeit mit dem Gesichte und noch mehr mit den Reden; er war ein gleißender Betrüger, eine Schlange, die sich künstlich in den Busen eines jeden stahl und dann unversehens, oft aus bloßem tückischem Mutwillen, ihn biß. Ein mehr als priesterlicher Stolz und die unumschränkteste Herrschsucht lauerten in seinem Herzen wie in einem Hinterhalte, um diejenigen, die das Unglück hatten, ihm zu mißfallen, hinter der freundlichen Miene zu überraschen und zu überwältigen. Seine Schwäche nötigte ihn, besser zu sein, als er sein wollte; auf jedem Throne wäre er ein Nero gewesen – und vielleicht noch mehr.

Jedes Volk war das, was es seinen Gott sein ließ, und jeder einzelne Mensch ist den Vorstellungen gleich, die er sich von seinem Gotte macht. Schon aus diesem Grunde hätte man den rachsüchtigen, gewalttätigen Charakter dieses Mannes vermuten können, da er die Bildsäule des großen Tun für die Abbildung eines Tigers erklärte und in seinen Reden bei öffentlichen Feierlichkeiten ihn stets als einen zornigen, strafenden Tyrannen abmalte, der niemals die Donnerkeile aus der Hand legte. Daher sah er auch die Erhöhung an der einen Seite des Bildes für einen Donnerkeil an, da hingegen der Erste Oberpriester es für einen Blumenkorb hielt, der ausgeschüttet werden sollte, wodurch nach seiner Meinung die immer wirksame Wohltätigkeit des großen Tuns abgebildet wurde.

Der auf ihn folgende war eine gute, ehrliche Menschenseele, unfähig, mit Willen böse zu sein, und alles im übrigen, wozu man ihn machte. Wer ihn zuerst für sich einnahm, dessen Freund war er, und widerstund der andern Partei mit der friedlichsten Hartnäckigkeit. Seine phlegmatische Anhänglichkeit an dem Gewohnten machte es in den öftern Kriegen seiner Mitbrüder, denen, die sich Neuerungen widersetzten, ungemein leicht, ihn zu gewinnen. Er war zufrieden, wenn man sich zankte, und zufrieden, wenn man ruhig war. Wenn ja zuweilen sein kaltes Blut durch gewisse Vorstellungen einige Grade erwärmet wurde, so war doch sein Eifer allemal unwillkürlich, und wenn er aus irgendeiner geheimen Leidenschaft für die ungerechte Sache nach seiner Art eiferte, so begegnete ihm weiter nichts, als was uns armen Erdenbewohnern alle Tage widerfährt – er handelte aus andern Bewegungsgründen, als er glaubte. Er fand in dem Bilde des großen Tun eine Schnecke.

Der Unterste war ein junger, ziemlich feuriger Mann, der noch zu wenig Bekanntschaft mit der Welt hatte, um nicht allezeit auf der Seite desjenigen zu sein, der ihn am listigsten hintergehn konnte. Übrigens hatte er den Charakter eines Mannes, dem man, bei einer guten, aber noch unausgebildeten Anlage, ins Gesicht gesagt hat, daß er ein vollkommner Mann ist. Anfangs wollte er – aus Bescheidenheit oder warum sonst, weiß ich nicht – kein Urteil über die Statue des Tun wagen, aber endlich entschied er – es wäre ein Trampeltier.

In dieser ehrwürdigen Gesellschaft herrschte äußerlich, kleine Scharmützel ausgenommen, ein beständiger Friede, und in den Herzen war ein ununterbrochner Krieg. Man wunderte sich überaus, daß Neowi in einer solchen Einigkeit leben konnte, und schloß aus diesem Vorfalle, der sich seit der Stiftung dieses Ordens nicht zugetragen hatte, als aus einer sichern Vorbedeutung, daß die Zeiten des Laum sich näherten, welches nach einer alten Tradition der Zeitpunkt sein sollte, wo dieser Staat von innrer und äußrer Sklaverei befreit werden und den höchsten Gipfel seiner Glückseligkeit erreichen sollte. Die Hoffnung, diese Epoche vielleicht noch zu erleben, tröstete die geringen Einwohner und verschaffte ihnen die Geduld, mit welcher sie ihr Joch trugen.

Aus den vorhergehenden Schilderungen wird man schon vermuten können, bei welchem unter den vier Oberpriestern die innerlichen Gärungen des Hasses den ersten Ausbruch gewinnen mußten. Der Zweite war es, Y-Zingu genannt. Alle übrige würden geruhet und sich wenigstens mit einer kollegenmäßigen Kaltsinnigkeit weder geliebt noch gehaßt haben, wenn dieser sie nicht in Feuer gesetzt hätte.

Er haßte den Ersten Oberpriester, den Tsi-gar, schon seit dem Antritte seines Amtes, doch nur heimlich und aus keiner andern Ursache, als weil dieser der Erste und er nur der Zweite Oberpriester war. Dieser Haß wuchs um die Hälfte, als Tsi-gar anfing, einen dicken Bauch zu bekommen, welcher an einem Priester allgemein für ein besondres Merkmal von der Gewogenheit des großen Tun angesehn wurde. Man sagte daher im Spotte von Tsi-gar, es wäre kein Wunder, daß ihm der große Tun gewogen sei, da er seinen Bauch mit seinem ganzen Vermögen ausgepolstert hätte. Sobald dieser erhabne Vorzug sichtbar zu werden anfing, verriet die Freundlichkeit des Zweiten Oberpriesters gegen ihn schon mehr den Zwang, den er sich dabei antun mußte; seine Komplimente wurden häufiger und studierter und eben daher verdächtiger; er widersprach, wo er sonst nur Zweifel erregt, er tadelte laut, wo er sonst nur Bedenklichkeiten geäußert hatte: Kurz, der Friede war dem Bruche nahe, und es fehlte, um ihn völlig zu bewerkstelligen, nichts weiter, als daß eine Gelegenheit die Art des Angriffs an die Hand gab. – Der unselige Bauch!

Die Religion des großen Tun hatte für ihre Wahrheit und Vortrefflichkeit keine andern Dokumente aufzuweisen als das obengedachte irdene Bild und ein Buch, auf Bast geschrieben, das wegen seiner veralteten Sprache keine Seele verstund und, wie jedermann glaubte und versicherte, alles Vortreffliche, was nur jemals von menschlichen Köpfen gedacht worden ist, und vieles außerdem enthielt, was niemals in einem menschlichen Gehirne gewesen war. Wenn alles, was in den Lehrbüchern der Priester daraus gezogen sein sollte, sich wirklich darinne befand, so war es freilich etwas schwer zu begreifen, wie man zu einer Zeit, wo man noch auf Bast schrieb, so vortreffliche und besonders so spitzfündige Sachen sagen konnte, so unzweifelhaft es auf der andern Seite die vielen darunter gemengten Ungereimtheiten zu machen schienen, daß es aus keinen andern als aus jenen Zeiten herrührte. Allein eben daher bewies man seinen höhern Ursprung, und die Ungereimtheiten waren Unerforschlichkeiten, die kein irdischer Verstand ergründen könnte. Der klügere Teil, der es übrigens aus Gewohnheit für ein Werk des großen Tun annahm, schrieb – aber heimlich! – die Spitzfündigkeiten und die Ungereimtheiten auf die Rechnung der Priester und ließ dem Kodex von Bast nichts als eine kleine Anzahl ganz guter und gesunder Sittenregeln übrig, die aber, ohne vieles darinne zu finden, was man erst hineinlegen mußte, den Menschen nicht die Hälfte seines Verhaltens lehrten; doch dies war eine bloße Vermutung, die es auch bleiben mußte, da niemand als ein Priester die Handschrift untersuchen konnte, weil niemanden als ihnen die Sprache desselben zu lernen vergönnt war.

Die feierlichen Gebräuche, die man gleichfalls darinne zu finden vorgab, hatten teils durch die Veränderung des öffentlichen Geschmackes, der Denkungsart, der Sitten usw., teils durch die ungeschickte Vermischung des Alten und Neuen ihre halbe, wo nicht ganze Kraft verloren. Kein Mensch ließ sich es einfallen, daß die ganze Masse der Religion eine große Läuterung bedurfte, indessen daß der Erste Oberpriester unermüdet an einem Plane zu ihrer Verbesserung insgeheim arbeitete. Doch hatte er die Klugheit, bei Kleinigkeiten den Anfang zu machen und sie so behutsam als möglich wegzuräumen; denn, sagte er oft zu sich, Sachen, an denen die Heiligkeit angerostet ist, muß man nie durch gewaltsame Mittel und auf einmal glatt polieren wollen. Geduldig muß man reiben, bis allmählich der Rost sich verliert, und dann kann man getrost aus der Sache machen, was man will.

Aus diesem weisen Grundsatze hatte er nach verschiednen gelungnen Unternehmungen mit Unbeträchtlichkeiten in der Periode, da sich die Gewogenheit des großen Tun an seinem Bauche zu offenbaren anfing, einen Versuch im größern gewagt. Er hatte ein Gebet, das zu den Zeiten, als das Land noch seine eigne Regenten hatte, und in einer Pest eingeführt worden war, das Ausdrücke enthielt, die er teils dem großen Tun, in Friedenszeiten, ohne Undankbarkeit nicht sagen zu können glaubte, teils, wenn man etwas dabei denken wollte, bei der gegenwärtigen Lage der Sachen gar keinen Sinn hatten – hatte außer diesem Gebete eine Verwünschung eines benachbarten Volks, das unterjocht und also auf keine Weise mehr gefährlich für das Land war, an dem Feste Te-salu zum ersten Male aus Liebe zur Vernunft und Menschlichkeit weggelassen, doch mit vorhergegangner Einwilligung seines Obern, des allgemeinen Hauptes aller Priester im ganzen Lande, welches Iwal genennt wurde.

Jedermann billigte diese Veränderung oder hielt sie wenigstens nicht für tadelnswürdig, wenn er sie auch nicht lobte. Selbst ein großer Teil des gemeinen Volks fand nichts dawider einzuwenden, aber desto mehr der Zweite Oberpriester. Er hatte sich schon einen kleinen Anhang gemacht und war eben im Begriffe, seinen Widersacher auf den Kampfplatz öffentlich herauszufodern, als er aus dem Munde des Iwals selbst erfuhr, daß die vorgenommne Veränderung mit seinem Willen geschehn sei, und er warf sich auf die Erde, küßte den Saum seines Kleides und tat mit der inbrünstigsten Miene ein Gebet an den großen Tun, daß er seinem Volke einen Iwal lange, lange erhalten möchte, der mit einer so weisen Vorsorge für die Verbesserung seines Dienstes wachte, und setzte hinzu, daß unter einem solchen Iwal die Zeiten des Laum höchstens nur vier Wochen noch entfernt sein könnten. Der Iwal hub ihn auf, umarmte ihn, dankte ihm gerührt für seinen Wunsch und glaubte in dem Augenblicke wirklich, ein Verdienst um den großen Tun zu haben, daran er etliche Minuten vorher noch nicht gedacht hatte.

Geradesweges ging der heuchlerische Oberpriester zu seinem Feinde hin und wünschte ihm mit Tränen Glück, daß er von dem weisen Iwal zum Werkzeuge einer Religionsverbesserung gebraucht worden sei, und beschloß mit den nämlichen Worten, mit welchen er seinen Sermon bei dem Iwal geendigt hatte. Der Erste Oberpriester umarmte ihn, und jener nahm seine Umarmung mit verstellter Hitze an; doch konnte er sich nicht enthalten, als er sich dem Bauche seines Nebenbuhlers nahte, einen lauten Seufzer zu tun, und da er, aller Vorsicht ungeachtet, in dem Feuer der Verstellung sich vergaß und den verhaßten Bauch berührte, so empfand er einen so heftigen Schmerz in dem großen Gallengange, daß er laut schrie, zurücksank und in eine Art von Betäubung geriet.

»Was widerfährt dir?« fragte der bekümmerte Tsi-gar, als jener wieder zu sich zu kommen schien.

»Ach«, antwortete er mit einem tiefen Seufzer, »die Gaben des großen Tun sind alle herrlich und dankenswert; aber mir gab er ohne Zweifel im Zorn über meine Vergehungen ein zu empfindliches Herz. Jede Empfindung, die andern Menschen sanft und die süßeste Wonne ist, hat bei mir einen Stachel, der mein Mark durchbohrt, und keine so sehr als die Empfindung der Freundschaft. Dieses himmlischste Glück genieße ich nie anders als mit einer völligen Erschütterung aller Nerven am ganzen Körper, und kannst du dich nun wundern, warum ich bei deiner Umarmung in diese Schwachheit versank?«

Der ehrliche Tsi-gar, dessen Herz, mit Erlaubnis des großen Tuns, wirklich etwas zu empfindlich geraten war, dankte ihm mit der größten Rührung für seine freundschaftlichen Gesinnungen und bereute es bei sich herzlich, daß er sich gegen einen solchen Mann einen geheimen Argwohn hatte erlauben können; ebenso unwillig gegen sich, warf er die ganze Schuld auf seine Übereilung, daß er von etlichen zweideutigen Handlungen eines solchen Mannes intoleranterweise so geurteilt hätte, als wenn es auf ihn gerichtete feindliche Anfälle gewesen wären. Er hatte sogar die Unvorsichtigkeit guter Seelen und legte ihm ein Bekenntnis seines vermeinten Versehens und seine Reue darüber ab, bat ihn um Verzeihung, ersuchte ihn um seine Freundschaft und Beihülfe bei der vorhabenden Religionsverbesserung, entdeckte ihm seinen darüber gemachten Entwurf und – tat noch vieles, wovon ich ihm wohlmeinend abgeraten hätte, wenn ich sein Freund gewesen wäre. Alles dieses war so gut, als hätte er seinem verstellten Gegner den ganzen Operationsplan zu seinen künftigen Verfolgungen in die Hände gegeben und zu ihm gesagt: So mußt du den Degen führen, wenn du, ohne daß ich's gewahr werde, mich durchstoßen willst.

Tsi-gar freute sich triumphierend, durch Sanftmut und Güte es dahin gebracht zu haben, daß niemand mehr in seinem Orden sein Feind war, faßte neue Entschlüsse zu Verbesserungen, die er unter diesem neuen Beistande auszuführen gedachte, ohne zu argwohnen, daß man nur einen Waffenstillstand geschlossen hatte, um Zeit zur Überlegung und zu Verstärkung seiner Kräfte zu gewinnen. Die nächste Gelegenheit zog ihn aus seiner gutherzigen Verblendung.

Durch einen Zufall, den niemand erforschen konnte oder vielmehr nicht erforschen wollte, weil es jedermann für eine außerordentliche Wirkung des großen Tun ansah, war das Stück seiner Bildsäule, welches nach der Erklärung des Zweiten Oberpriesters einen Donnerkeil bedeutete, abgebrochen und wurde nirgends gefunden – weil es die untern Priester aus einer priesterlichen Vorsicht beiseite geschafft hatten. Der Iwal stellte Bußtage an und versagte sich vier Wochen lang den besten Tisch, den er allein im Lande führte, um durch Hunger und armselige Nahrungsmittel den Zorn des großen Tun zu versöhnen. Durch eine ganz natürliche Folge verschwand bei dieser Fastendiät zusehens sein ansehnlicher Bauch, und die Gewogenheit des großen Tun war mit ihm verloren. Er grämte sich darüber, daß er nur, da alle Iwal die auserwähltesten Lieblinge des großen Tun gewesen waren, der einzige Verworfne sein sollte, und grämte sich so sehr, daß er immer hagrer wurde und – starb.

Tsi-gar, der Erste Oberpriester, der es sich eine Vorschrift sein ließ, Meinungen, die in das Glaubenssystem eines ganzen Volks verwebt waren, nicht geradezu umzustoßen, sondern, wenn er auch gleich ihre Falschheit gewiß erkennte, mit einer erlaubten, heilsamen Verstellung sie zum Nutzen eines jeden anzuwenden, stellte aus diesen Gründen an einem von den angestellten Bußtagen dem Volke vor, daß der große Tun aus Mißfallen über die Vergehungen des Landes seinen Blumenkorb verborgen habe und daß er ihn reichlicher als zuvor angefüllt wieder zum Vorschein bringen und über das ganze Volk ausgießen werde, sobald ein jeder den ernsten Vorsatz fassen würde, besser zu leben. Er wußte zwar von dem Betruge der untern Priester nichts, allein, er erklärte sich bei sich selbst den Vorfall aus andern Möglichkeiten.

Y-Zingu, der Zweite Oberpriester, prophezeite in seiner Rede mit der größten Zuverlässigkeit, daß das ganze Land in kurzem durch Erdbeben, Überschwemmungen und andere gräßliche Plagen untergehen werde, weil der große Tun seinen Donnerkeil zu ihrer Bestrafung nicht hinlänglich befunden und ihn deswegen im Zorne weggeworfen habe.

Nach einer Gewohnheit, die – ich kann nicht sogleich umständlich erklären, warum – den größten Teil der Menschen fesselt, fanden die fürchterlichen Vorstellungen des letztern viel mehr Beifall und Überzeugung als die liebreichen Ermahnungen des erstern. Man glaubte und fürchtete; in allen Gesellschaften waren die bevorstehenden Unglücksfalle die einzige Unterhaltung; jedermann dichtete neue hinzu und fand ein grausames Vergnügen daran, andere und sich selbst durch seine Erzählungen zittern zu machen. Da in diesem Lande das Licht des Verstandes nur noch eine kleine Lampe war, die erst zu brennen anfing, so ist es um soviel weniger verwundrungswürdig, daß die Sache gerade so und nicht anders vorging.

Überhaupt war die politische Verfassung einer vollkommnen Aufklärung des Verstandes und einer allgemeinen Erleuchtung nicht günstig, sondern schränkte vielmehr die Verfeinerung des ganzen Volkes auf eine gewisse Mittelmäßigkeit ein, die es ewig nicht überschreiten konnte. Die Vornehmen besaßen das Mark des Landes und ließen dem Mittelstande und dem Geringern nichts als die Knochen übrig, um daran zu nagen. Die letztern lebten in einer völligen bürgerlichen Sklaverei; sie waren ein Teil von dem Vermögen der Großen, wurden als angewiesne Lasttiere mit den Gütern verkauft und gekauft. Die wenige Zeit, die ihnen ihre mühselige Arbeit zum Denken übrigließ, war nicht zureichend, ihnen den Grad der Erleuchtung zu geben, der ihrem Stande gemäß und nötig ist; auch würde der geringste ein Unglück für sie gewesen sein, weil er sie ihr Elend einzusehn gelehrt hätte. Die Verächtlichkeit, mit welcher sie behandelt wurden, nahm ihnen in ihren Augen allen Wert eines Menschen und machte durch lange Gewohnheit eine verächtliche Begegnung für sie zu einem ihnen zukommenden Zerimonielle. Der Mittelstand, der größtenteils von den Beschäftigungen für die Vornehmern lebte, opferte diesen gern einen Teil seiner Freiheit und seiner Ehre auf und kroch vor ihren Füßen herum, um von ihnen gebraucht, bezahlt zu werden und nach reichlichem Gewinne wie ihre Patrone müßig zu gehen. Ihre erste Bemühung war daher, das bißchen in den Kopf hineinzupfropfen, was sie zu solchen broterwerbenden Geschäften geschickt machte, und alles, was sie zu bessern Köpfen und zu bessern Gesellschaftern gemacht hätte, wurde als überflüssig oder schädlich geflohn; sie waren meistenteils gute Bürger, aber schlechte Menschen. Die ihr gutes Einkommen aus der Handlung oder dem Besitze eignen Vermögens über jene Notwendigkeit hinwegsetzte, ihrem Gehirne um des Unterhalts willen Gewalt anzutun, waren sogar ohne die Politur, die manchen unter unsern jungen Leuten ein dreijähriger Aufenthalt auf der Akademie allein geben muß; sie waren leere Köpfe, gegen Vornehmere plump, gegen Ärmere stolz und gegen jedermann – grob. Die Vornehmen, die den Ton ganz allein angaben, waren, diejenigen ausgenommen, denen ein kurzer Aufenthalt am Hofe die grobe, rohe Hülse heruntergerissen hatte, im Grunde von den letztern nicht viel verschieden. Sie hielten sich alle im Herzen für Götter und taten äußerlich wohl zuweilen als Menschen; doch trugen sie auch kein Bedenken, andern ihre vermeinte Götterschaft geradezu fühlen zu lassen, wenn es die Umstände mit sich brachten. Ihre einzige Beschäftigung war die cura habendi, die Wirtschaft, eine nützliche und unentbehrliche Beschäftigung!, die aber für sie einen doppelten Schaden hatte: Sie wurden aus der Notwendigkeit gesetzt, ihren Kopf und ihr Herz zu polieren, weil zu ihrer Beschäftigung keins von beiden erfodert wurde; durch die beständige Gewohnheit, auf ihren Gütern zu befehlen und sich als kleine Monarchen anzusehn, hatte sich bei ihnen eine andre eingeschlichen, daß sie jedermann in dem Verhältnisse wie sich und ihre Bauern betrachteten. Zu den geringen Arbeiten der Wirtschaft, die ohne die schwächste Anstrengung des Kopfs Leib und Seele in eine gelinde Bewegung setzen und doch unmittelbar durch Nutzen oder Vergnügen belohnen, waren sie von Jugend auf hingezogen worden und waren also mit einer so kleinen Wirksamkeit auf zeitlebens zufrieden.

Diese Abschilderung war nur nötig, um sich eine Vorstellung von dem gesellschaftlichen Tone der Hauptstadt zu machen und zu begreifen, wie man vier Wochen lang in allen Gesellschaften von nichts als von der Prophezeiung des Zweiten Oberpriesters reden, sie nicht bloß als eine in Form einer Prophezeiung abgefaßte Drohung ansehn und dafür zittern konnte. Die Sache war: Es tat dem Gespräche ebendie Dienste als Wasser einem Mühlrade, da man ohnehin, wenn die Wetteraspekten erschöpft, der kleine Vorrat von glücklichen und unglücklichen Stadtbegebenheiten und törichten Handlungen – die es teils waren, teils durch eine sinnreiche Auslegung dazu gemacht wurden – ausgeleert war, sich in allen Gesellschaften die Kinnbacken wund gähnte. Y-Zingu tat hierbei sein möglichstes, die Vorstellung des Ersten Oberpriesters insgeheim zu verschreien und – viel fehlte nicht! – gar zu verketzern.

Dieser hingegen hielt sich für verbunden, dem reißenden Strome der Furcht Einhalt zu tun. Er tat es in der nächsten öffentlichen Rede, die er ans Volk halten mußte, und tat es auf eine so gute, sanfte Art, daß niemand etwas dawider einzuwenden fand und sogar einige ihm lauten Beifall gaben. Den Tag darauf und alle folgende dachte kein Mensch mehr weder an den Ersten noch an den Zweiten Oberpriester, weder an Überschwemmung noch an Furcht. – Abermals ein Sieg der Wahrheit! sagte sich Tsi-gar und pries den großen Tun.

Der gute Mann! – Denselben Tag, als er seine Rede hielt, langte ein neuer Taschenspieler an, der ganz unerhörte, Zaubereien ähnliche Dinge machte. Jedermann brannte von Verlangen, ihn zu sehn und, wenn er ihn gesehn hatte, von einem gleichen Verlangen, andern zu erzählen, was er gesehn hatte; die völlige Aufmerksamkeit des Publikums stahl der Taschenspieler weg und ließ den Oberpriestern, ihren Segen und ihren Verwünschungen, nicht ein Plätzchen in einem Kopfe übrig, und um soviel weniger hatte man itzt Lust, sich vor seinem Untergange zu fürchten, weil der Taschenspieler eine Ursach mehr war, sich seines Lebens zu erfreun. Kurz, der Taschenspieler tat alles und die Rede des Tsi-gar gar nichts.

Doch seinem Feinde, dem Y-Zingu, spielte der Künstler einen noch schlimmem Streich: Er machte, daß niemand mehr seine Verkleinerungen des erstern anhören wollte noch konnte. Das beste dabei war, daß die Ankunft des Taschenspielers die Furcht der gesamten Einwohner vom Grund aus heilte.

Der so vermeinte gute Erfolg seiner Rede schien dem Ersten Oberpriester eine neue Auffoderung zu sein, in seinen angefangnen Verbesserungen fortzufahren. Er wagte einen leichten, aber nach der damaligen Verfassung des Menschenverstandes gewiß kühnen Schritt. An den öffentlichen Festen sang das ganze Volk zum Schlusse des Opfers Gnaseg-chub, ein paar Worte, die gegenwärtig wegen Abänderung der Sprache keine Seele mehr verstand und keine Seele mehr erklären konnte. Um einer so unvernünftigen Verehrung abzuhelfen, machte Tsi-gar mit einer leichten Veränderung aus denselben: Naseg-rub, welches in der damaligen Sprache ohngefähr: Erhöre uns! bedeutete. Er beratschlagte sich mit seinen Kollegen darüber; alle fanden die Verbesserung vortrefflich, und keiner erteilte ihm so viele Lobsprüche darüber als der Zweite Oberpriester. Er mußte!, weil der vermaledeite Taschenspieler ihn aus seiner vorteilhaften Stellung herausgetrieben hatte.

Es wurde dem Volke bekanntgemacht, und der größte Teil war es zufrieden, sagte wenigstens nichts mehr, als was die Leute bei jeder neuen Sache sagen – ein paar leichte Einwendungen, um doch zu zeigen, daß man Verstand genug hat, Einwendungen zu machen. Alle Zungen waren in Bereitschaft, Naseg-rub bei dem nächsten Feste, dem größten im Jahre, auszurufen.

Mittlerweile fiel es der Frau des Zweiten Oberpriesters ein, daß die Sachen ihres Mannes sehr langsam fortschritten und die ganze Maschine einen neuen Stoß brauchte, um in eine schnellere Bewegung gebracht zu werden. Sie nahm sich also vor, diesen Stoß zu tun.

Am vorhin gemeldeten großen Feste tanzten die Weiber der Oberpriester einen gewissen feierlichen Tanz, den das Altertum geheiligt hatte und wobei die Erste Oberpriesterin ungemeine Vorzüge genoß. Sie allein tanzte mit bloßen Brüsten und bloßen Füßen auf einem seidnen Teppiche, der über einen Rasenplatz gebreitet war, und die übrigen durften bei der härtesten Strafe diesen Teppich nicht berühren, sondern mußten um denselben herum in einer leinenen Hülle tanzen, die den ganzen Körper vom Kopf bis auf die Füße bedeckte. Wenn der Tanz vorüber war, erschienen die sämtlichen Oberpriester, knieten am Rande des Teppiches hin und küßten die Brüste und die Füße der Ersten Oberpriesterin, die sich zu einem jeden deswegen herabbeugte. Je seltsamer dieser Gebrauch war, je mehr tat man ihm, da er zur Religion gehörte, die Ehre an, ihn durch vernünftige Erklärungen vernünftig zu machen. Man gab den ersten Urhebern desselben schuld, daß sie dadurch die Priester, die durch den beständigen Umgang mit der Gottheit leicht stolz werden könnten, die Demut auf eine sinnliche Art hätte lehren wollen: Das Küssen der Brüste solle sie erinnern, daß sie wie andre sterbliche Menschenkinder an den Brüsten ihrer Mütter gesaugt haben; das Küssen der Füße sei eine Anerkennung des mütterlichen Ansehns über sie und solle sie belehren, daß sie, so hoch sie auch erhaben wären, doch eine Mutter zur Welt gebracht hätte, welcher sie Demütigung und Gehorsam leisten müßten.Diese Erklärung ist wenigstens nicht schlechter ausgedacht als die von den beiden Nachtstühlen, die noch in Rom gezeigt werden und nach der ehmaligen wunderlichen Meinung gebraucht worden sind, die Männlichkeit der Päpste zu untersuchen, und itzt jedermann für redende Sinnbilder der Demut hält, wodurch man die Heiligen Väter bei ihrer Krönung an ihre menschlichen Bedürfnisse erinnern wollte. Auf diesen Schlag hielt sich noch eine Menge andrer Erklärungen in den Köpfen der Einwohner auf, wovon aber zuverlässig keine einzige in dem Kopfe des ersten Urhebers gewesen war. – Wer die Geschichte der christlichen Kirchen studiert hat, wird sich leicht vorstellen können, wie die Sache beschaffen war.

Lange schon hatte die Zweite Oberpriesterin dieses Vorrecht der Ersten mit neidischen Augen angesehn, und keinen Tag im Jahre brachte sie mit so vielem Mißvergnügen zu als dieses Fest, ob es gleich nach seiner ersten Bestimmung ein Tag der allgemeinen Freude sein sollte. Demungeachtet hatte sie ihren Mann die Ursache ihrer Betrübnis nicht merken lassen, sooft er sich auch darnach erkundigte. Doch itzt, da sich das Fest wieder näherte, fand sie sich nicht stark genug, ihr Anliegen länger zu verhehlen. Doch die Art ihrer Entdeckung war sehr alltäglich: Sie stellte sich krank, schwermütig, unzufrieden; der Mann war so gütig, nach der Ursache ihres Kummers neugierig zu sein; sie weigerte sich seufzend, sie ihm bekannt zu machen – der Mann ward hitzig, drang in sie – sie wurde immer kälter und gab ihrem Kaltsinne durch einen tiefgeholten Schlußseufzer einen Nachdruck, der so stark auf dem Ehegatten wirkte, daß er sie küßte, sie liebkoste, ihr allerhand artige Sächelchen vorsagte, bis seine eheliche Liebe und seine Neugierde in völliger Flamme stand; dann wurde das große Geheimnis unter vielen Vorwürfen, die sie sich selbst über ihre Indiskretion machte, in seinen Schoß ausgeschüttet oder, welches einerlei ist, statt des Öls in seine Flamme gegossen. Hinterdrein folgte eine Peroration, die eine kräftige Beteurung enthielt, daß sie nicht eher zu ihrer vorigen Ruhe wieder gelangen würde, als bis diese Stolze mit Schimpf und Spotte um ihre Vorzüge gebracht worden wäre. – Gerade die gewöhnliche Wendung, die dergleichen Angelegenheiten gegeben werden! – und darum halte ich mich nicht weiter dabei auf.

Daß der Oberpriester am Ende der Konferenz versprach, die Stolze auf das empfindlichste zu demütigen, und daß er versprach, es zur Ehre des großen Tuns zu tun, das wird wohl jedermann selbst raten.

Das Fest erschien, der Tanz ging vor sich. Der Erste Oberpriester verrichtete seinen demütigen Kuß an den Brüsten und Füßen seiner Frau. Der Zweite näherte sich, sie reichte ihm die Brust, und – ach! schrie sie laut und sank auf den Teppich hin – er hatte sie in die Brust gebissen.

Unterderhand waren Leute von dem Boshaften abgerichtet, welche sogleich durch ihre Auslegung von dem Vorfalle dem Erstaunen des Volkes die Richtung geben mußten, die es nach seiner Absicht nehmen sollte. Sie zischelten ihren Nachbarn ins Ohr, der Zorn des großen Tun habe sich an dieser Unwürdigen offenbart. – Sie wußten in der Geschwindigkeit ihr eine Menge heimlicher Laster anzudichten, worunter der Ehebruch das geringste war. Aus dem Gezischel wurde ein Gemurmel und aus dem Gemurmel eine verständliche Rede und ein allgemeiner Glaube, besonders da die verwundete Oberpriesterin, die selbst diesen Unfall als eine Wirkung des göttlichen Zorns ansehn mochte, bei ihrer Wegschaffung ein Gebet an den großen Tun tat, worinne sie um Verzeihung flehte, wenn sie wider ihr Wissen etwas versehn hätte. – Die gute Frau war sich gewiß keiner ehelichen Sünde bewußt, denn sie war im fünfundvierzigsten erst Frau geworden und stund gegenwärtig im achtundfunfzigsten. Indessen nahm das versammelte Publikum diese Anrede an den großen Tun als ein öffentliches Bekenntnis ihrer fleischlichen Vergehungen an, weil es einmal mit seinen Gedanken auf diesen Weg gebracht worden war.

Man foderte allgemein, daß das Fest den folgenden Tag noch einmal gefeiert und die Zerimonie noch einmal von der Zweiten Oberpriesterin verrichtet werden sollte. Es geschah zu ihrer großen Zufriedenheit.

Als bei dem Schlusse des Opfers die Reihe an den obengedachten Ausruf kam, rief ein kleiner Haufe das alte verstandlose Gnaseg-chub, und ein unendlich größrer überstimmte ihn mit dem verbesserten Naseg-rub. Der Erste Oberpriester freute sich insgeheim, und der Zweite ärgerte sich, daß er glühte.

An gewissen vernünftigen Sachen leuchtet die Vernünftigkeit mit einer so unwiderstehlichen Kraft in die Augen, daß auch der finsterste Kopf davon erhellt wird; aus diesem Grunde mochte das Volk diesmal so klug handeln, da doch die Ereignis mit der Oberpriesterin auch auf ihren Mann und auf Sachen, die von ihm herrührten, einen Schatten geworfen hatte und nach der listigen Veranstaltung des Zweiten Oberpriesters geworfen haben mußte.

Die unglückliche Oberpriesterin starb inzwischen, teils an der Wunde, die sehr tief war, teils vor Gram über die Ungnade, in welche sie bei dem großen Tun gefallen zu sein glaubte; denn – wie es bei unvermuteten Dingen geschieht – sie hatte in der Bestürzung die Schlangenzähne des boshaften Y-Zingu gar nicht gefühlt.

Gleich den Tag nach ihrem Tode empfing der Hinterlaßne aus dem Serail des Regenten eine andre Frau; denn nach den Gesetzen des Landes und der Religion durfte kein Priester länger als höchstens zwei Tage unverheiratet sein; auch wurde bei ihrer Wahl die Tüchtigkeit zum Ehestande als das hauptsächlichste Erfodernis angesehn – und daß diese Frau aus dem Serail kam, das ging so zu.

Die gegenwärtigen Regenten hatten bei der Eroberung des Landes, in welchem alles das Erzählte vorging, für sich, ihre Erben und Erbnehmer in infinitum eine Art von Leibeigenschaft des weiblichen Teiles im ganzen Lande eingeführt. Jedes Mädchen gehörte vom zwölften Jahre an dem Regenten: War sie hübsch, so mußte sie unnachbleiblich in das Serail des Hofes geliefert werden; war sie häßlich, so konnten die Eltern gegen Erlegung einer Summe, die nach den Bedürfnissen des Staates gemindert oder gesteigert wurde, das Eigentumsrecht über sie erkaufen, und die Veranstaltung war so weislich geordnet, daß keine schöne nicht ausgeliefert und keine häßliche nicht losgekauft wurde. Aus dieser Sammlung von den auserlesensten Früchten des ganzen Landes wurden alle Kandidaten des Ehestandes versorgtDoch mit Vorbehaltung des dominii directi, wie unsre Juristen sich ausdrücken würden. oder vielmehr mit Weibern belehnt, welches höchst notwendig war, da Überdruß und Vergänglichkeit, diese zween Feinde der weiblichen Reize, nirgends mehr als in einem Serail wüten. Die Priester durften keine andre wählen, als die sie von den Händen des Regenten aus seiner Sammlung erhielten – vermutlich war dies eingeführt, weil die Priester schlechterdings heiraten mußten und die übrigen Einwohner so ekel waren, entweder gar ledig zu bleiben oder sich mit den natürlich häßlichen zu befriedigen; doch auch diesem Mißbrauche wurde im kurzen durch eine harte Auflage auf dergleichen gesetzwidrige Heiraten anderweitig abgeholfen.

Alle Weiber der obern und geringern Priester hatten daher die Miene und die Sitten des Serails, und die itzt der Erste Oberpriester empfing, war eine Spröde, die Tages vorher erst in Ungnade gefallen war. Doch da sie viele Verdienste besaß, die ihr eine vorzügliche Tüchtigkeit zum Mitgliede eines Serails verschafften, so erhielt sie auch in ihrem neuen Stande noch viele heimliche und öffentliche Besuche von ihrem ehmaligen erhabnen Liebhaber, und je hartnäckiger ihre Sprödigkeit wurde, je hartnäckiger wurde die Liebe des Prinzen.

Der Zweite Oberpriester, der als ein Weltkenner allerhand nachteilige Folgen für das alte Gnaseg-chub aus dieser Verbindung besorgte und doch nach der bekannten Beobachtung, daß ein gelungner Versuch allen unsern übrigen noch so unbedeutenden Projekten, die nur einigen Zusammenhang mit jenem haben, eine Elastizität gibt, durch den für ihn glücklich ausgeschlagnen Biß angespornt wurde, sich dem Naseg-rub mit doppelter Stärke zu widersetzen – dieser Mann, sage ich, hielt es für außerordentlich nötig, eine Gegenmine anzulegen. Der böse Streich, den ihm das Volk spielte, da es bei seinem Ausrufe der Verbesserung des Oberpriesters folgte, zog Neid, Stolz, Rachsucht und sein ganzes Priesterherz mit ins Spiel. Eine solche Gegenmine glaubte er am besten bei dem neuen Iwal anzubringen. Dieses war ein guter, ehrlicher Mann, von einem planen, nicht gesunden und nicht kranken Verstande, der zwar mit kleinen Übeln und Beschwerungen behaftet war, die ihm zuweilen das Ansehn eines einfältigen Verstandes gaben, aber doch im ganzen nichts schadeten, mit einem Herzen, das zwar ziemlich stark empfand, aber seine ganze Empfindlichkeit auf die Seite der Frömmigkeit gelenkt hatte. Ein solcher Verstand und ein solches Herz in einem Iwalskleide waren die besten Gegenminen gegen alle vernünftige Anstalten, wenn man nur damit umzugehen wußte. Y-Zingu wußte es. Er stellte dem Iwal das Naseg-rub als eine eigenmächtige, vorwitzige, schädliche Veränderung in den öffentlichen Religionshandlungen vor, versicherte ihn, daß manches fromme Herz im stillen darüber seufzte und nur nicht wagte, in laute Klagen auszubrechen, daß der Erste Oberpriester wider alles Recht diese Veränderung ohne Zuziehung des Iwals und der übrigen Priesterschaft gewagt habe, daß die Erbauung gehindert, die Einfältigen geärgert, in ein Mißtrauen gegen ihre Priester, die Religion, den großen Tun, die ganze Welt – der Himmel weiß, gegen wen mehr versetzt würden; genug, mehr fehlte nicht, als daß er es ausdrücklich sagte, so mußte die ganze sichtbare Welt, das Firmament mit allen Sternen untergehen, wenn man nicht Gnaseg-chub, sondern Naseg-rub an dem großen Feste des großen Tun ausrief. Der Iwal, ohne die Priesterrhetorik dieses Mannes zu kennen, stellte sich zwar die Sache nicht völlig so schlimm vor, als er den Worten nach gesollt hätte, aber doch in dem höchsten Grade schlimm, zu dem er seine schlaffe Einbildungskraft anspannen konnte, und schlimm genug, um dem Naseg-rub den Krieg anzukündigen.

In seiner Unterredung mit dem Ersten Oberpriester darüber widerlegte dieser zwar mit vieler Richtigkeit und Deutlichkeit die Anschuldigungen seines Verleumders, besonders die, daß er seine Verbesserung ohne die Einwilligung seiner Mitpriester unternommen habe: Allein dem guten Iwal begegnete wider sein Wissen und Willen die nicht ungewöhnliche menschliche Schwachheit, daß der erste Eindruck die Herrschaft über ihn behielt, die Überzeugung von der Wahrheit dessen, was der ehrliche Tsi-gar für sich anführte, zwar nicht ganz hinderte, aber sie doch hinderte, auf seine Entschließung zu wirken. Er verwies den Ersten Oberpriester zur Ruhe und untersagte ihm nachdrücklich jede künftige Veränderung.

Diese Zurückweisung reizte den Stolz des Tsi-gar: Er hätte ein unempfindlicher, schläfriger Mann sein müssen, wenn diese Reizung bei der Anschwärzung einer so offenbar gerechten Sache außengeblieben wäre. Er schlug also, um seine Absichten seinem Verleumder zum Trotze durchzusetzen, einen Weg ein, dessen Wahl freilich nur insofern zu billigen war, weil ihn die feste Überzeugung von der Güte und Nützlichkeit seiner Unternehmung dazu bestimmte und er löbliche Absichten darauf zu verfolgen suchte.

Er gab seiner Frau den Auftrag, sich ihrer ehmaligen Vertraulichkeit mit dem Regenten zunutze zu machen, zu ihm zu gehn und ihn zu bitten, daß durch seinen ausdrücklichen Befehl das Gnaseg-chub förmlich des Landes verwiesen würde. Sie willigte gleich darein – denn sie war der Zweiten Oberpriesterin schon im Serail gram gewesen, weil sie einmal um ihrentwillen eine harte Demütigung ausstehn mußte. – Die gerechte Sache ward ihre Sache; sie ging geradesweges zum Regenten, stimmte ihre Sprödigkeit etliche Töne herunter, tat darauf ihre Bitte – »Herzlich gern!« war die Antwort. »Gleich soll mein Edikt auf allen Gassen und Kreuzwegen des Landes öffentlich abgesungen werden.«

Es geschah. Tsi-gar freute sich und lobte den großen Tun, daß er der guten Sache abermals aufgeholfen hätte.

Unterdessen hatte Y-Zingu auch die übrigen Oberpriester wider den Ersten aufgewiegelt. Der Dritte wurde ein geschworner Feind des Naseg-rub, weil es etwas Neues war; der Vierte ein noch größrer, weil er nicht der Urheber davon war. Jener eiferte auf der Stelle darwider und ließ es dabei bewenden; dieser lärmte wie ein kleiner mutwilliger Bologneser und biß endlich gar zu. Sie taten vereinigt dem Iwal eine Vorstellung wider den Befehl des Regenten, und dieser nahm es sehr übel, daß man seinen Regenten bewegt hatte, etwas ohne sein Vorwissen zu befehlen. Sie gewannen ihn ganz.

Der Iwal wußte wohl, daß Befehle des Regenten nur öffentlich abgesungen würden, um beizeiten den Leuten zu melden, daß man darauf sinnen müsse, wie man sie nicht halten und doch nicht bestraft werden könne, und war also wegen der Haltung dieses Ediktes nicht in der mindesten Unruhe: In zween Tagen hatte Regent und Untertan vergessen, daß es gegeben worden war. Er ließ deswegen bei der abermaligen Annäherung des größten Festes ein anders von seiner eignen Erfindung machen, worinne gerade das Gegenteil geboten wurde. Etliche alte Leute, die noch aus den vorigen einfältigen Zeiten übrig waren, hielten sich für verbunden, allein dem Befehle des Fürsten zu folgen; hingegen der erleuchtete Haufe richtete sich ohne fernere Nachfrage nach dem letzten Befehle, rühre er doch her, von wem er wolle.

Hieraus entstund ein allgemeiner Streit. Es wurden Parteien, die zwar nicht zu öffentlichen Tätlichkeiten griffen, aber doch in Privatgesellschaften einander mit den bittersten Anzüglichkeiten verfolgten. Wenn jemand um seine Tochter zur Ehe angesucht wurde, so war seine erste Frage, ob sein künftiger Schwiegersohn an dem größten Feste im Jahre Naseg-rub oder Gnaseg-chub ausrief, und sein Ja oder sein Nein richtete sich darnach, ob dieser ebenso ausrief als er selbst. Diese beiden Worte knüpften und zerrissen Freundschaft, machten zufriedne und mißvergnügte Ehen, verhalfen zu Ämtern und entfernten davon, verschafften und raubten Patrone, schlossen und verhinderten Käufe, machten Verträge, Kontrakte – mit einem Worte, sie waren die beiden Angeln, in welchen sich die Privatglückseligkeit der Hauptstadt und der benachbarten Städte und Dörfer herumdrehte. Man achtete sich es sogar für einen Schimpf, keinen Anteil an der allgemeinen Uneinigkeit zu nehmen, wenn man auch weiter keine Kenntnis von der Sache hatte.

Da die Hauptstadt nur eine mittelmäßige, beinahe kleine Stadt war, so kann man sich leicht einbilden, daß man in kurzem lächerliche und traurige, ungereimte und artige Geschichtchen auf Unkosten des Ersten Oberpriesters aussann, die sich so weit, als man nur vom Gnaseg-chub etwas wußte, schnell ausbreiteten; aber allezeit wurde der gute Mann in einem nachteiligen Lichte vorgestellt, weil er die unterliegende Partei war.

Man sagte, der große Tun habe ihn für seine Verwegenheit des Nachts gezüchtigt und ihn mit einer großen Narbe über der Nase gebrandmalt – die er doch seit seinem fünften Jahre von einem üblen Falle hatte.

Die sich klüger dünkten, erzählten sich mit vieler Ernsthaftigkeit, seine gegenwärtige Frau habe ihn zu dem Naseg-rub verleitet und dieses sei eine Bedingung gewesen, unter welcher sie versprochen habe, ihm in ihrer Ehe treu zu sein. – Warum? fragten Leute, die klug waren. Man verwunderte sich über ein solches übel angebrachtes Warum und ließ es bei der Versicherung bewenden, daß die Sache ihre völlige Richtigkeit habe – ohne sich an den chronologischen Einwurf zu erinnern, daß man schon Naseg-rub ausrief, ehe die gegenwärtige Frau seine Frau war.

Die witzigen Köpfe machten es sich zur Ehre, mit der ausgelassensten, oft ziemlich niedrigen Satire auf den armen Tsi-gar loszugehn. Sie schmiedeten ausdrücklich für ihn eine chronique scandaleuse; doch da es leidlicher ist, einfältige Sachen als fade zu hören, so möge die ganze Chronik meinetwegen in der Unbekanntschaft des Publikums bleiben.

Während dieser allgemeinen Bemühung, den armen Tsi-gar zu verkleinern, ermangelten die übrigen Oberpriester nicht, es auf ihre Art zu tun. Sie beschuldigten ihn verschiedener Irrtümer, die geradezu die Grundsäulen des Glaubenssystems umstießen. Selbst sein Naseg-rub war eine Erzketzerei, und hinter allem, was er tat, sollten böse, der Religion gefährliche, der Indifferentisterei, dem Synkretismus und andern polemischen Mißgeburten günstige Absichten lauschen, und – was gewiß die größte Verlegenheit in der Welt verursachen muß – er wurde genötigt, über Meinungen sich zu entschuldigen, die ihm als Irrtümer aufgebürdet wurden und vor seiner Vernunft die allein richtigen waren.

Neben der Frömmigkeit war in dem Herze des Iwals ein Kraut aufgewachsen, das gemeiniglich mit jenem in einem Boden fortkommt – der Stolz, und noch dazu die Art des Stolzes, die auf die äußerlichen Bezeugungen der Ehre und der Demütigung anderer ihre ganze Zufriedenheit beruhen läßt, Menschen als beifallswürdig oder als hassenswert dem Verstande vorstellt, nachdem sie sich durch äußerliche Unterwerfung mehr oder weniger erniedrigen, und nach diesem Maßstabe Gunst und Ungnade austeilt. Dem Y-Zingu kostete es bei seiner kriechenden, niedrigen Denkungsart nicht die geringste Überwindung, bei seinen Unterredungen mit dem Iwal nicht von der Erde aufzustehn, bei jedem Worte den Saum seines Kleides zu küssen und – welches das Zeichen der höchsten Ehrerbietung in diesem Lande war – den rechten Fuß dieses aufgeblähten Vorgesetzten bei dem Abschiede mit seiner Stirne zu berühren. Zu allem diesen konnte sich der Erste Oberpriester nicht verstehn: Er erwies dem Iwal den Grad der Ehrfurcht, den er ihm nach den Gesetzen und nach der hergebrachten Gewohnheit schuldig war, und jeden Schritt, den er darüber täte, hielt er für eine Beleidigung wider die Rechte der Menschheit und eine unanständige Verscherzung derselben. Man merkt es also, daß er den Stolz der Rechtschaffenheit besaß, der durch ein lebhaftes Gefühl seiner selbst erzeugt wird. Auch kann man zum voraus merken, was dieser Stolz, da er mit dem Stolze des Iwals zusammenstieß, der vorhabenden Sache für einen Ausschlag geben mußte. – Natürlicherweise keinen guten! keinen auf die Seite des Oberpriesters!

Der Iwal ging mit seinen Leidenschaften zu Rate. Die Frömmigkeit zwang ihn, sich der Sache anzunehmen, weil es eine Sache der Religion war, und sein Stolz faßte, ohne weitere Überlegung, das Urteil ab, daß der Erste Oberpriester unrecht haben müßte.

Dieses Urteil war der Leitfaden, den er bei seinen Untersuchungen darüber in die Hände nahm. Ein etwas klügerer Kopf tat den Vorschlag, beide Parteien, die nunmehr sehr erbittert gegeneinander waren und um soviel weniger nachgeben wollten, dadurch zum Stillschweigen zu bringen, daß er keinen von beiden recht behalten ließ: Er sollte weder Gnaseg-chub und Naseg-rub, sondern Ase-rub auszurufen befehlen, welches gleichfalls einen guten Verstand hätte, auf die Gelegenheit paßte und den Knoten der Uneinigkeit auf einmal entzweischnitte, besonders wenn man, wie es billig wäre, auf das übrige verleumderische Anbringen der Oberpriester, vornehmlich des Y-Zingu, weiter keinen Augenmerk richten und alle dergleichen in Zukunft verbitten wollte.

So gut der Rat war, so mißfiel er doch dem Iwal aus einem sehr menschlichen Grunde – weil er ihn sich nicht selbst gegeben hatte. Er setzte seine Untersuchungen unermüdet fort, scheute die Gefahr nicht, durch so viele Arbeiten sich um die Gewogenheit des großen Tuns, die an seinem Bauche sich herrlich offenbarte, auf lange Zeit zu bringen, und untersuchte mit einer phlegmatischen Bedächtlichkeit drei Jahre lang, ob man an dem größten Feste im Jahre Gnaseg-chub oder Naseg-rub singen sollte. Die Wahrheit war für ihn in einen so tiefen Brunnen gefallen und seine Entschlossenheit hinter ihr drein, daß er endlich mehr aus Überdruß als aus Überzeugung entschied, mehr weil er nicht länger untersuchen konnte, als weil er genug untersucht zu haben glaubte.

Nach drei Jahren Untersuchung, nach so vielen Feindseligkeiten, die die Priester sich angetan hatten, nachdem die öffentliche Meinung von dem ganzen Orden um vieles geschmälert, nachdem durch Zwiste das größte Fest im Jahr oft entheiligt worden war, befahl der Iwal, man sollte an dem größten Feste des großen Tuns singen – wie man vor tausend Jahren gesungen hatte.

»Wenn dieses die weiseste Entscheidung war, die man nach einer dreijährigen Untersuchung finden konnte, so hätte ich dem Iwal in einer Sekunde nach der Anlage des Zweiten Oberpriesters dazu verhelfen wollen«, sagte bei der Bekanntmachung dieses Befehles ein kluger Kopf.

»Ja, so hätte ja der Iwal die Ehre einer dreijährigen Untersuchung nicht gehabt«, sagte ein noch klügrer. Er untersuchte nicht, um entscheiden zu können, sondern – um zu untersuchen. –

So untersuche er dann in Ewigkeit! Der große Tun beschere ihm Uneinigkeiten und Priestergezänke genug dazu!

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