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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 98
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Die Hoffnung, meinen zärtlichen und geliebten Arzt zu sprechen, machte, daß ich meine Krankheit weniger fühlte als sonst, und daß ich mit einer verliebten Ungeduld auf die Stunde wartete, in der ich mich mit ihm auszusöhnen hoffte. Wie sehr betrog ich mich! Er kam nicht, und schickte mir an seiner statt diese grobe und beleidigende Antwort:

 

Hochzuehrende Jungfer Lieutenantinn,

»Daß Sie eine Närrinn sind, das habe ich lange gewußt; aber das hätte ich mir niemals träumen lassen, daß Sie auch eine so dreiste und unverschämte Närrinn wären, als ich es nun erfahren muß. Wie können Sie es wagen, mich an Ihre Grobheit zu erinnern, die ich zu vergessen, mir, aus Hochachtung gegen Ihren seligen Herrn Vater, alle Mühe bisher gegeben habe? Damit ja kein Laster übrig bleibe, dessen Sie sich nicht schuldig machen, so erdenken Sie auch eine recht derbe, und ungeschickte Lügen. Wer war denn die gefährliche Freundinn, die Sie und mich betrog? Ihr herzallerliebster Lieutenant war es, Ihres Vaters Johann müßte blind, oder mehr verschwiegen gewesen seyn, wenn ich nicht hätte erfahren sollen, daß Sie den unbescheidnen Brief in seinen Armen an mich geschrieben. Nein, Mademoiselle, was für den Lieutenant zu schlecht ist, das ist auch für mich nicht gut genug. Ihr herrliches Recept wider die Liebe hat seine unvergleichliche Wirkung gethan. Es ist seit der Zeit, als ich es so frisch hinunter geschluckt, mir nicht einen Augenblick eingefallen, Sie hoch zu achten, geschweige zu lieben. Was bin ich doch mit allen meinen Arzeneyen für ein Pfuscher gegen Sie. Ich verwahre Ihren Brief noch sehr sorgfältig, als ein sichres Gegengift wider alle Liebe, dafern mir es ja wider Vermuthen einmal einfallen sollte, mich zu erinnern, daß Sie vor eilf Jahren, eine schrecklich lange Zeit, schön und reizend gewesen sind. Sie können leben oder sterben, wie es Ihnen gefällt. Aber bleiben Sie immer leben. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich Sie niemals sprechen werde. Ich rieche immer noch nach Rhabarbar und Essenzen. Erinnern Sie sich wohl, wie sehr Ihnen sonst davor ekelte? Der Himmel erwecke Ihnen doch bald wieder einen Officier, der sich überwinden kann, den traurigen Rest Ihrer Schönheit zu bewundern. Ein guter dauerhafter Lieutenant wird das beste Recept wider Ihre Krankheit seyn. Kömmt dieser nicht, so rathe ich Ihnen, nehmen Sie den ersten den besten Musketier. Es hilft gewiß, oder ich muß mein Handwerk gar nicht verstehn. Nicht wahr, das ist die beste Kur? Leben Sie wohl, und helfen Sie sich so gut, als Sie können. Alles, was ich thun kann, ist dieses, daß ich sage, ich sey,

Mademoiselle,

vom Hause,
am 8 Januarius
1749.

Ihr Diener.

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