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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 92
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Sehn Sie, mein Herr, das war doch noch ein reeller Liebhaber, und der erste, der seinen förmlichen Liebesantrag mit einem Geschenke begleitete. Aber das war mir erschrecklich, daß ich in einem Marktflecken vor dem Laden stehn, und Schwefelfaden verkaufen sollte, da ich zu stolz gewesen war, einen Hofrath zu heirathen. Sie wissen wohl, was sich in kleinen Städten die Tochter eines fürstlichen Dieners für ein Ansehen zu geben weis; sollte ich nun meinen Rang und Stand so sehr verläugnen, und in R – – – eine elende Würzkrämerinn werden? Mein Vater fühlte es selbst, wie ungleich diese Heirath sey, und befahl mir, eine abschlägige Antwort zu ertheilen. Ich that es auf folgende Art:

 

    Ehrenvester, Fürnehmer,
Insbesonders großgünstig Hochgeehrter Herr,

Salut.

»Dessen geehrtes vom 7 passato ist mir, nebst dem Ränzlein, wohl worden, welches ich danknehmend zurückschicke, und meinem großgünstigen Herrn dafür verbunden bin. Beliebe der Herr a conto zu stellen. Mag annebenst demselben nicht verhalten, daß ich mich über meines Hochgeehrten Herrns Ansinnen gar höchlichen erfreuen thue. Weil aber mein Vater Bedenken trägt, mich von sich zu lassen; so kann ich demselben in dessen freundlichen Bitten so fort nicht fugen. Meine Freunde glauben überdieß, daß ich mit meinem Reifenrocke in Ihrem Würzladen nicht Raum haben werde. Sie hoffen, es werde Ihnen nicht an Gelegenheit fehlen, eine Frau zu bekommen, wenn es auch gleich keine Tochter eines Commißionraths sey. Unter Gottes Schutz verbleibende,

    Ehrenvester, Fürnehmer,
Insonders großgünstig Hochgeehrter Herr,

Dessen                      
gute Freundinn und Dienerinn.

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