Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 90
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Hätte ich diesen ungeschickten und pedantischen Brief etliche Jahre eher bekommen: so würde ich ihn gewiß, ohne mich lange zu besinnen, unter den Tisch geschmissen haben. Itzt war ich gedemüthiget genug, daß ich ihn zweymal durchlas, und unschlüßig blieb, was ich thun wollte. Die Gelübde, mich niemals zu verheirathen, fieng nach und nach an, mich zu gereuen. Mein Vater lag mir alle Tage in den Ohren, und er hätte, glaube ich, lieber gesehn, ich wäre selbst auf die Heirath ausgegangen.. Ich wies ihm den Brief. Er gestund, der Herr Advocatus immatriculatus sey ein Narr: er meinte aber auch, daß ich nicht die erste, und nicht die letzte Frau seyn würde, die einen Narren heirathe. Es kostete mich viel Ueberwindung, und doch war ich im Begriffe, auf Befehl meines Vaters diesem geschäfftigen Liebhaber Hoffnung zu geben, als ich, vielleicht zu meinem Glücke, noch beyzeiten erfuhr, daß eine Magd, mit der er auf Universitäten zu vertraut gelebt haben mochte, ihn auf die Ehe verklagen wollte. Ich war bey allem meinem Unglücke noch immer boshaft genug mich darüber zu freuen, und ich ergriff diesen Vorwand mit beyden Händen, mich von ihm loszureißen, und mit meiner gewöhnlichen Bitterkeit ihm also zu antworten:

 

Mein Herr,

»Was Dieselben in höchster Eil mir wegen der legalen und in allen Rechten gegründeten Gesinnung gegen meine Wenigkeit unterm 9ten Januar a. c. in Schriften vorzutragen, gelieben wollen, solches habe daraus allenthalben mit mehrern ersehn. Nun würde mir zwar eine besondre Ehre seyn, Ihrem petito geziemend zu deferiren; Wenn aber ich in glaubwürdige Erfahrung gebracht, daß allem Ansehen nach zu Dero werthesten Person und Liebe ein Concurs des schierstkünftigsten ausbrechen möchte, und mein Vater in Sorgen steht, daß ich wegen meine jüngern, und nicht dinglichen Rechte und Ansprüche an Sie gar leicht leer ausgehn, oder doch in die letzte Classe locirt werden dürfte: Als habe Kraft dieses, allen meinen An- und Zusprüchen, wie sie Namen haben möchten, hiermit zu Vermeidung unnöthigen, und auf geldsplitternde Weitläuftigkeit abzielenden Processes aufs feyerlichste renunciren sollen, wollen und mögen, mit der Versicherung, daß ich nicht gesonnen bin, einer Magd diejenigen Rechte streitig zu machen, welche sie noch von den Universitätsjahren her zu behaupten vermag. Die ich für die Person denenselben zu billigen Freundschaftsleistungen stets geflissen bin: Als

Meines Hochgeehrtesten Herrn,

– – –
am 30. Jan. 1743.
Dienstbereitwillige
F – –
       

 

 << Kapitel 89  Kapitel 91 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.