Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 84
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Dieser Brief setzte mich ganz ausser mir. Bey der närrischen Eigenliebe, die ich für mich, meine Schönheit, und Verdienste hatte, hielt ich ihn für eine völlige Liebeserklärung, für einen Ehecontrakt, und ich weis selbst nicht wofür. Steht wohl von allem diesen ein Wort darinnen? Nicht ein Wort. Wie blind sind wir Mädchen, wenn wir uns einmal von den albernen Schmeicheleyen der verführerischen Mannspersonen fangen, und uns von einer Liebe einnehmen lassen, von der uns unser Stand, und die Vernunft abhalten sollte! Mein Lieutenant kam, wie er versprochen hatte. Er sagte mir tausend läppische Sachen vor, die mir damals sehr wichtig vorkamen. Ich mußte mich in seiner Gegenwart hinsetzen, und an meinen Liebhaber folgenden Brief schreiben!

 

Hochzuehrender Herr Doctor.

»Wenn Sie sich auf den Puls nicht besser verstehn, als auf die Herzen der Mädchen; so sind Sie ein ziemlicher Pfuscher. Die Sorge für die Gesundheit meines Vaters hat mir Ihre Gegenwart etliche Monate über erträglich gemacht. Nun ist er wieder gesund, Sie sind für Ihre Mühe bezahlt; Haben Sie weiter einen Anspruch an ihn, oder soll er seine Gesundheit mit seiner Tochter erkaufen? Nein, Hocherfahrner Herr Doctor, dieser Kauf wäre zu theuer. Der Himmel erhalte meinen Vater beständig gesund? Bloß darum wünsche ich es, damit er Ihnen nicht vom neuen eine Wohlthat zu danken habe, für die Sie sich so wohl bezahlt zu machen suchen. Ich werde ihm Ihre grosse Aufmerksamkeit auf einen kranken Vater und seine gesunde Tochter zu rühmen wissen, damit er erfährt, warum er etliche Wochen länger das Bette hat hüten müssen. So gelehrt Sie seyn mögen, so wenig bin ich im Stande, Sie zu leiden. Ein Liebhaber, der nach Mosch und Ambra riecht, ist mir lächerlich: Aber Seufzer, die nach Rhabarbar und Essenzen riechen; sind mir gar unerträglich. Sind Sie böse, im Ernst böse? Geschwind nehmen Sie Cremor Tartari, oder sonst so was niederschlagendes ein; Sie werden am besten wissen, was wider den Zorn hilft. Ich weis, was wider die aufwallende Liebe gut ist. Nichts besser, als ein Brief, wie dieser. Recipe, mein Herr; frisch hinuntergeschluckt, und ein Glas Wasser darauf! Wohl bekomme es dem Herrn! Ich bin

– – –
am 8ten Februar
1738.
Ihre Dienerinn.
F – – –
       

 

 << Kapitel 83  Kapitel 85 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.