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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 82
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Sie können sich vorstellen, daß der Herr Hofrath die Lust verlohr, noch einmal um so ein närrisches Ding, als ich war, anzuhalten. Er verheirathete sich anderwärts, und ich war mit meinem und seinem Entschlusse wohl zufrieden. Es vergieng mehr als ein Jahr, ohne daß sich Jemand um meine Liebe ernstlich bewarb. Denn die kleinen zärtlichen Kläffer rechne ich nicht, welche um mich herum sprangen, und seufzten. Ich sahe ihre Seufzer als eine Art Sportelen an, welche mir eben so wohl gehörten, als meinem Vater die Sporteln, die ihm seine gedemüthigten Bauern brachten. Ich würde unzufrieden gewesen seyn, wenn mich nicht diese kleinen süssen Würmer angebetet hätten. Ich wußte sie aber mit der Majestät einer Göttinn so zahm, und so sehr in ihrer Tiefe zu erhalten, daß sich keiner unterstand, zu vertraut zu reden; und es kostete mich nur ein Machtwort, nur einen gebieterischen Blick, so waren sie in ihr erstes Nichts verwandelt. Ich brauchte sie, die Zärtlichkeit meines Lieutenants in der Bewegung und lebhaft zu erhalten, von dem es mir schien, daß er zuweilen desto kaltsinniger ward, je vertrauter ich gegen ihn that. Es hatte seine gute Wirkung, und folgender Brief brachte ihn auf einmal ganz wieder zu mir:

 

Mademoiselle,

»Die langwierige Krankheit Ihres Herrn Vaters hat mir ein Glück verschafft, das ich nicht zu schätzen weis. Bey den öftern Besuchen, die ich, als sein Medicus ablegte, hatte die Sorge für seine Gesundheit, wenn ich es aufrichtig gestehen darf, nicht so viel Antheil, als das Verlangen, Sie, Mademoiselle, zu sehen. Sie haben mir es oft angemerkt, daß ich zerstreut war. Sie dachten, es geschähe aus Sorge für die bedenklichen Umstände Ihres Herrn Vaters. Sie dachten falsch. Vielmals bin ich mehr mit Ihnen beschäftigt gewesen, als mit dem Pulse des Kranken, den ich in Ihrer Gegenwart zu halben Stunden mit einer horchenden Miene hielt, um das stille Vergnügen zu haben, Sie unbewegt anzusehn, wenn Sie, ohne ein Auge von mir zu verwenden, mit einer kindlichen Zärtlichkeit den schrecklichen Ausspruch ängstlich erwarteten, den ich über das Leben, oder die Gesundheit Ihres Herrn Vaters thun würde. Entschuldigen Sie, Mademoiselle, meine Verwägenheit, die sich in der That mit nichts als Ihrer Schönheit, und meiner aufrichtigen Hochachtung gegen Sie, entschuldigen läßt. Da ich so offenherzig bin, alles dasjenige zu gestehn, was mir als ein Fehler ausgelegt werden konnte, wenn Sie weniger billig und gütig wären, als Sie sind; so wage ichs, ein Bekenntniß abzulegen, welches für mich das wichtigste ist, das ich jemals thun kann. Ich bin ein solcher Verehrer Ihrer Schönheit und Tugenden, daß ich nichts weiter als Ihre Erlaubniß erwarte, Sie von der Hand Ihres Herrn Vaters zu meiner beständigen Freundinn mir zu erbitten. Soll meine Liebe glücklich seyn? Ich erwarte Ihren Ausspruch. Sehn Sie nicht so wohl auf mein Vermögen und meine Einnahme, die zureichend sind, Ihnen und mir alle Bequemlichkeit zu verschaffen. Sehen Sie auf meine redliche und heftige Neigung, und machen Sie denjenigen nicht unglücklich, welcher nichts so sehr wünscht, als die Erlaubniß zu haben, Ihnen Zeitlebens zu sagen, daß er mit der zärtlichsten Hochachtung sey,

Mademoiselle,

am 3ten Februar,
1738.
der Ihrige.
D. Z. – – – –
       

 

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