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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 80
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Schreiben

des Herrn Hofraths R – – –

an die

Mademoiselle F – – –

»Der Tod meiner Frau, welche vor einem Jahre gestorben ist, hat mich in die Nothwendigkeit gesetzt, für meine ziemlich weitläuftige Wirthschaft, und für die Erziehung zweyer Kinder zu sorgen, wovon das älteste acht Jahre ist. Mein Amt, das ich verwalte, ist mit so vieler Unruhe verknüpft, daß ich mich nicht im Stande sehe, meinen häuslichen Angelegenheiten länger, wie bisher, allein vorzustehn, ob ich schon aus Liebe zu meinen Kindern wohl wünschte, den ganzen Tage auf ihre Zucht und Unterweisung wenden zu können, da ich, wenn ich mir als Vater nicht etwa zu viel schmeichle, so viel gutes in ihren jungen Gemüthern zu finden glaube, welches die Hoffnung sorgfältiger Aeltern mit der Zeit reichlich belohnen wird. Es ist um deswillen eine meiner wichtigsten Sorgen, wie ich diesen guten Kindern den Verlust ersetzen möge, den sie durch den Tod einer vernünftigen und liebreichen Mutter so früh erlitten haben. Die Gelegenheit, die ich gehabt, Ihren Herrn Vater seit langen Jahren zu kennen, ist Ursache, daß ich mir von Ihnen, Mademoiselle, nichts anders, als den Charakter eines vollkommen tugendhaften und artigen Frauenzimmers habe vorstellen können; und ich habe in der letztern Ostermesse in Ihrer Gesellschaft gefunden, daß Ihre Vollkommenheiten meine Vorstellungen weit übertreffen. Erlauben Sie also, Mademoiselle, daß ich aus Verlangen, mich selbst glücklich zu machen, und das Glück meiner Kinder zu befestigen, Ihnen sage, daß ich Sie aufrichtig, und mit Hochachtung liebe, und nichts auf der Welt so sehr wünsche, als einige Hoffnung Ihrer Gegenliebe zu erlangen. Sie allein, Mademoiselle, sind vermögend, mir das Andenken eines Verlustes vergessend zu machen, welcher mir in der That bis itzo noch empfindlich ist.

»Da meine Wahl so vorsichtig ist; so können Sie glauben, daß meine Liebe vernünftig und dauerhaft bleiben wird. Mein Amt, und meine übrigen Umstände sind einträglich genug, Ihnen alles dasjenige zu verschaffen, was Ihr Stand erfodert. Es wird im übrigen auf Sie ankommen, unter welchen Bedingungen Sie mir Ihre Hand überlassen wollen; denn ich verlange, daß Sie auch nach meinem Tode noch glücklich seyn sollen. Haben Sie die Gütigkeit, und melden Sie mir, ob ich hoffen darf; denn so werde ich nicht einen Augenblick anstehen, Ihrem Herr Vater von meiner Absicht Nachricht zu geben. Unter Erwartung einer gewünschten Antwort bin ich mit der größten Hochachtung,

Mademoiselle,

Dero

ergebenster Diener.
R. – – –
       

 

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