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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 79
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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An den

Verfasser der satirischen Briefe.

Mein Herr,

Wenn es wahr ist, was man mich versichert, daß Sie künftige Messe den dritten Theil Ihrer satirischen Schriften herausgeben, und darinne eine Sammlung verschiedner Briefe der Welt mittheilen wollen; so nehme ich mir die Freyheit, für diejenigen um eine Stelle zu bitten, die ich Ihnen hier zu übersenden die Ehre habe. Es ist dies die einzige Gelegenheit, mein Gewissen zu beruhigen, da ich durch mein übereiltes Exempel viele meine Mitschwestern auf die Eitelkeit gebracht habe, eben so kostbar, und lächerlich zu thun, als ich gethan habe, und da ich zugleich hoffe, daß viele, die es noch nicht gethan haben, sich desto eher künftig vor diesen Fehlern hüten werden.

Damit Sie alles desto besser verstehen; so muß ich Ihnen melden, daß mein Vater ein fürstlicher Beamter gewesen ist, welcher die Kunst verstanden, reich zu thun, da er es nicht war; und welcher sich das gewöhnliche Vergnügen machte, in Gesellschaft der benachbarten Adlichen, das Geld, das er von den Bauern erpreßt hatte, zu verthun, um sich bey seinen Gästen ein gewisses Ansehn zu erwerben, welches nicht länger dauerte, als der Rausch, den sich seine hochadlichen Gäste bey ihm tranken. Da es einem jungen von Adel so wenig kostet, einem Bürgermädchen, daß noch so ziemlich gebildet ist, Schmeicheleyen vorzusagen; so können Sie wohl glauben, wie sehr dieses meiner natürlichen Eitelkeit gefiel, und ich ward so thöricht, ein jedes Compliment für einen zärtlichen Seufzer zu halten. In Gedanken war ich schon gnädige Frau, und um meiner neuen Würde keine Schande zu machen, gewöhnte ich mich, alle diejenigen verächtlich anzusehn, welche, nach meiner Meinung, der Himmel in seinem Zorne ohne Ahnen erschaffen hatte.

Dieses ist die wahre Quelle aller meiner Thorheiten. Wie sehr bin ich für meinen Stolz gedemüthiget worden! Alle Gelegenheiten, welche mir gegeben wurden, mich zu verheirathen, stieß ich auf eine übermüthige Art von mir, da es nur bürgerliche Hände waren, die man mir anbot. Hier sind die Briefe, und meine Antwort darauf, nach ihrer chronologischen Ordnung. Wie unvernünftig habe ich gehandelt!

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