Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 7
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Memoires d'Amourette,

oder

Lobschrift auf Amouretten,

ein SchooßhündchenS. Belustigungen des Verstandes und Witzes, im Hornung 1741..

 

 

Geneigter Leser!

Die vornehmste Sorge eines Schriftstellers geht dahin, wie er sich des Beyfalls seiner Leser versichern möge. Die meisten schreiben heutiges Tages aus Hunger; viele suchen berühmt zu werden; einige wenige haben die Absicht zu erbauen; alle aber bemühen sich, ihre Schriften beliebt zu machen. Meine gegenwärtige Absicht ist keine von diesen dreyen. Ich schreibe einzig und allein darum, damit ich meine Gedanken will gedruckt lesen. Dieses ist meine vornehmste Leidenschaft. Ich habe dir es schon einmal gestanden; ich will es auch itzt nicht läugnen. Ist es ja eine Sünde, so ist es doch nur eine Erbsünde. Mein Vater ist ein Autor gewesen; mein Großvater hat Bücher geschrieben; von meines Urgroßvaters Fähigkeit habe ich gestern noch eine nicht übelgerathene Probe aus dem Würzladen bekommen; und bloß eine unvermuthete Feuersbrunst ist Schuld daran, daß wir den Fleiß meines Aeltervaters nicht bewundern können. Wird man es mir also wohl übel nehmen, wenn ich dem angebohrnen Triebe, zu schreiben, nicht widerstehen kann? Daß unsre Frauenzimmer noch itzt gern Liebesbriefe abfassen, solches kömmt uns gar nicht fremd vor. Denn schon Eva hat sehr zärtlich an ihren Adam geschrieben, wie man den Beweis davon in Zieglers Heldenliebe findet. Hier siehst du also, geneigter Leser, meine Befugniß zum Schreiben. Und ob ich gleich weder aus Geldgeitz, noch aus Ehrgeitz, noch dem Vaterlande zum Besten, sondern lediglich zu meiner eignen Beruhigung, schreibe: So erachte ich es doch der Höflichkeit gemäß zu seyn, daß ich mir dein Wohlwollen, und eine günstige Aufmerksamkeit ausbitte.

Ich kann dieses, als eine schuldige Gegengefälligkeit, von dir verlangen. Denn bloß dir zu Liebe habe ich mich überwunden, gegenwärtiger Arbeit den Titel der Memoires zu geben; einen Titel, dessen allgemeinen Gebrauch du nebst vielen dergleichen Wohlthaten dem Gehirne unsrer Nachbarn zu danken hast. Ich kenne die abgöttische Hochachtung, welche du für dergleichen Art von Schriften trägst, und weis deine Gütigkeit, welche die abgeschmacktesten Sachen bewundert, wenn sie nur diesen ansehnlichen Namen führen. Was hätte mich wohl sonst hierzu bewegen sollen? Ich bin vielleicht der erste, der von einem Thiere Memoires schreibt. Meine Amourette ist keine Marquisinn; und ich kann nicht behaupten, daß sie aus einer besonders ansehnlichen Familie erzeugt, oder von ihren Aeltern in der zarten Jugend verlohren, und erst nach späten Jahren durch viele Abentheuer wieder gefunden worden sey. Eben so wenig getraue ich mir, dieß zu bereden, daß sie ganz gemeiner Hunde Kind wäre, und nur durch ihre blitzende Schönheit, und eisenfeste Tugend einen irrenden Ritter ihres Geschlechts gefesselt habe. Du wirst weder Liebesstreiche noch Entführungen antreffen; und da es nur ein Werk von etlichen Blättern seyn soll, so siehst du wohl, wie wenig Aehnlichkeit es mit deinen Memoires habe, welche die Beständigkeit ihrer Helden nicht eher, als in dem achten, oder zwölften Bande, krönen. Bloß dir zu Liebe gebe ich meiner Schrift diesen Namen, und du würdest undankbar seyn, wenn du sie nicht mit geneigten Augen ansehen, und mit gebührender Ehrfurcht durchlesen wolltest.

Ich halte es für etwas überflüßiges, mein Verfahren zu rechtfertigen, daß ich auf einen Hund eine Lobschrift mache. Wer Amouretten von Person kennt, der weis, daß es ihre sonderbaren Eigenschaften wohl verdienen, an die Nachkommen gebracht zu werden. Wer sie aber nicht kennt, dem will ich sie durch die lebhaftesten Züge bekannt machen. Du kannst dich darauf verlassen, daß mir eine niederträchtige Schmeicheley die Feder nicht führen wird. Ich darf Amourettens Tugenden nur erzählen, so ist auch die Lobschrift fertig. Sollte ich etwan eine Leichenrede halten, oder einen Mäcenaten wegen seiner Freygebigkeit und Verdienste herausstreichen: So würde ich alle Künste der Beredtsamkeit anwenden müssen, um meinen Zuhörern eine verdächtige Sache wahrscheinlich zu machen. Aber, weil ich Amouretten loben will, so darf ich nur die Wahrheit reden lassen. Diese brauchet keine Schminke.

Von der Geburt unsrer Amourette kann ich nicht viel besonders sagen. Sie ist im Jahre 1735 in Cölln, einem Dorfe an der Elbe, auf die Welt gekommen. Ich nenne dieses Dorf um deswillen ausdrücklich, damit ich der Nachwelt einen Zweifel, den künftigen Geschichtschreibern eine mühsame Untersuchung, und den andern Dörfern selbiger Gegend einen hitzigen Wettstreit erspare, welches unter ihnen sich dieser Ehre anzumaßen habe. Bey der Geburt selbst hat sich eben nichts merkwürdiges zugetragen. Ein Winzer, ihr Pflegevater, sagte mir, daß sie gleich anfangs sehr gewinselt, und er daher befürchtet habe, es würde ihr in der Welt unglücklich gehen. Allein die Folge hat gewiesen, daß die abergläubische Meinung ungegründet gewesen ist. Ihre Mutter ist aus einem zwar guten, doch gemeinen Bürgerhause; und ihr Vater soll von einem adlichen Hofe seyn. Es ist eine Vermuthung, welche viele Umstände glaubwürdig machen. Die ganze Sache bleibt freylich eine Ungewißheit. Allein, dieses ist etwas gewöhnliches, und kann Amouretten bey vernünftigen Leuten nicht zum Vorwurfe gereichen. Sie hat noch zween Brüder gehabt, welche gleich nach der Geburt ersäuft worden sind, und meine Amourette würde ein gleiches Schicksal erfahren haben, wenn sie nicht ihre ehrliche und gute Gesichtsbildung davon befreyet hätte. Sie blieb also die einzige in ihrer Mutter Hütte; und es wäre daher kein Wunder gewesen, wenn man sie bey ihrer Auferziehung verzärtelt, und in aller üppigen Wollust und eigenwilliger Freyheit gelassen hätte. Allein dieses geschah nicht. Sie ward von ihrer Mutter geliebt, welche sie auch nicht einmal einer Amme anvertrauen wollte, sondern es für ihre Schuldigkeit hielt, sie selbst zu säugen. Bey zunehmendem Alter ward sie zu allen möglichen Hundetugenden angehalten. Ich verstehe darunter die Wachsamkeit, die Treue, ein freundliches Wesen, und die Reinlichkeit. In kurzer Zeit brachte sie es weit, und ihre besondre Fähigkeit, welche sie dabey zeigte, machte ihren Anverwandten manche Sorge, sie dürfte ihr Leben wohl nicht hoch bringen. Diese Sorge ist vergebens gewesen, und es dient solches alten Leuten zum kräftigen Troste, welche daraus abnehmen können, man müsse eben nicht dumm seyn, wenn man zu Jahren gekommen ist.

Kaum hatte sie es so weit gebracht, daß sie sich selbst forthelfen konnte: So trug ihre Mutter Bedenken, sie länger unter ihrer Aufsicht zu behalten. Sie mußte ihre Wohnung verlassen, und ward in ein Haus gebracht, wo man sie mit vieler Gütigkeit aufnahm. Ob ihre Mutter bey dem Abschiede dieser einzig geliebten Tochter sehr kläglich gethan, solches ist mir unbekannt. Dieses hat man wohl aus ihrer nachherigen Aufführung gesehen, daß sie derselben viele gute Lehren mit auf den Weg gegeben haben müsse. Ihr freundliches und dienstfertiges Bezeigen machte sie bey jedermann beliebt, und erwarb ihr den prächtigen Namen, den sie noch jetzt führt.

Einen Umstand darf ich nicht vergessen, welcher in ihrem Leben beynahe der merkwürdigste gewesen ist. Um meine Amourette recht vollkommen zu machen; so war man bedacht, sie auf Reisen zu schicken. So gefährlich dieses zu seyn schien, und so viel Furcht unzähliche Beyspiele deswegen erwecken können; so wenig ließ man sich doch davon abwendig machen. Man wußte sich auf ihre Tugenden zu verlassen, und lediglich diesen hat man es zuzuschreiben, daß alles nach Wunsche abgelaufen ist. Sie ward in die Fremde geschickt, wo schon viel iunge Hunde verführet worden sind. Amourette mußte ohne Hofmeister dahin gehen. Man hatte seine Ursachen. Sie hielt sich eine geraume Zeit daselbst auf, bis ein unvermutheter Zufall sie nöthigte, wieder in ihre Heimat zu kehren. Es traf ungefähr zu, daß ich gleich bey ihrer Rückkunft gegenwärtig war; und ich kann nicht läugnen, ich ward damals sehr erbaut: Denn Amourette brachte ihr redliches und unschuldiges Gemüthe wieder zurück. Sie hatte ihre Wohlthäter nicht verkennen lernen, und ersetzte mit doppelten Liebkosungen dasjenige, was sie bisher entbehren müssen. Sie hatte ihre Stimme nicht geändert; sie bellte noch eben so, wie vorher; und man merkte nicht die geringste lächerliche Nachahmung der Fremden an ihr. Ich kann nicht begreifen, wie es zugegangen ist, daß sie auf ihrer Reise keine Schulden gemacht hat. Anfänglich wollte man es gar nicht glauben; es befand sich aber in der That so. Ich vermuthe, daß sie keine Liebhaberinn vom Spielen, und von zärtlicher Gesellschaft, sondern lediglich auf die Beobachtung ihrer Schuldigkeit bedacht gewesen ist. Von Moden und andern galanten Neuigkeiten brachte sie gleichfalls nicht das geringste mit. Ich führe dieses um deswillen zu ihrem Lobe an, weil ich gehört habe, daß sich viele Hunde bey ihr nach dergleichen erkundigt haben, und ihr solches für eine Einfalt auslegen wollen.

Gestehe es nur, geneigter Leser, meine Erzählungen scheinen dir fabelhaft zu seyn. Von Reisen zu kommen; ohne Schulden, ohne Moden, mit unverschlimmertem Gemüthe? Dieses sind Sachen, welche wider alle Wahrscheinlichkeit laufen. Ich will dir nicht widersprechen. Ich behaupte aber doch, daß ich die Wahrheit geredet habe. Verlange keinen Beweis von mir. Du mußt mir glauben. Ich würde es ja nicht sagen, wenn es nicht wahr wäre! Ist dieses nicht Beweis genug?

Ich sehe schon, du wirst begierig, Amouretten genauer kennen zu lernen. Du willst ihre Gestalt wissen. Wie soll ich dir aber diese beschreiben, ohne daß es schmeichelhaft klinge? Wenn es unter den Hunden auch Poeten gäbe; so zweifle ich nicht, der sinnreichste unter ihnen würde sie also abmalen: »Ich soll dich besingen, bezaubernde Amourette! Aber flöße du mir zuvor das Feuer deiner Augen in meine Adern, damit ich mich recht lebhaft ausdrücken könne! Die Natur hat an dir alle Schönheiten verschwendet, und sich dergestalt erschöpft, daß sie in langer Zeit nicht vermögend seyn wird, wieder einen solchen Hund zu zeugen. Deine Haare, deine anbetenswürdige Haare, übertreffen die zarteste Seide des stolzen Persers. Auf deiner Stirne scherzen die Grazien, und deine zarten Ohren würden vollkommen seyn, wenn sie nicht immer bey unserm seufzenden Bellen taub wären. Deine Augen sind Sonnen, welche durch ihre freundlichen Stralen beleben, durch ihre erzürnten Blicke den zitternden Liebhabern Blicke, und donnerschwangre Wolken gebären. Deine korallne Schnauze übersteigt den Purpur der prangenden Morgenröthe. Deine weiße Brust übertrifft an Schönheit den ewigen Schnee, welcher auf den Gipfeln der unersteiglichen Alpen liegt. Was Wunder, wenn dein Herz von Eise ist? Deine wohlgebauten Pfoten tragen einen niedlichen Körper, welchen die Natur durch braune und weiße Flecke reizend gemacht hat. Glückselig ist der, welcher die äußerste Spitze deiner Krallen anrühren darf. Dein zierlich gelockter Schwanz ist der Sitz einer zärtlichen und aufgeweckten Seele, welche ihre Regungen durch freudiges Wedeln an den Tag legt. Verzeihe mir, Amourette, wenn ich mein Rohr niederlege! Meine Muse wird eifersüchtig. Sie verläßt mich!«

Dieses würde ungefähr der Ausdruck eines Hundepoeten seyn, und ich glaube, viele der unsrigen selbst könnten ihm das Feuer eines Dichters nicht gänzlich absprechen. Allein dieses ist zu weitläuftig. Ich will dir eine kürzere Beschreibung machen, wenn ich sage, daß Amourette einen artigen Kopf, ein weißes Fell mit braunen ordentlich gezeichneten Flecken, und alle Schönheiten eines Schooßhundes hat. Was Wunder, wenn in einem so schönen Körper auch eine schöne Hundeseele wohnt!

Amourette weis, daß sie schön ist. Dieses hat sie mit unserm Frauenzimmer gemein. Allein, ihre Schönheit macht sie weder hochmüthig noch lächerlich; und hierinnen ist sie von vielen unterschieden. Sie bringt nicht ganze Stunden vor dem Spiegel zu; sie schminkt sich nicht, und nahm es für den größten Schimpf an, als ich ihr nur im Scherze ein Schönpflästerchen unter das rechte Auge kleben wollte. Sie hat schon sechs neue Frauenzimmertrachten erlebt, ist aber nicht zu bewegen gewesen, die ihrige zu ändern, von welcher sie glaubt, sie sey die natürlichste.

Sie liebt Gesellschaft, sie stattet Besuch ab, und nimmt welchen an. Niemals aber hört man sie von ihrem Nächsten übel sprechen, oder mit einer boshaften Neugierigkeit nach andrer Hunde Umständen fragen. Sie redet auch nicht vom schönen Wetter; und ob sie gleich nicht spielt, so wird ihr doch die Zeit nicht lang.

Mit allen macht sie sich zwar nicht gemein; sie verachtet aber auch niemand. Der Rangstreit ist ihre kleinste Sorge, und ich habe es mit meinen Augen gesehen, daß sie einem Budel die Oberstelle ließ, von dem stadtkündig war, daß sein Vater nur ein Fleischerhund gewesen.

Aus dem Schmucke, oder andern Kostbarkeiten, macht sie sich wenig. Einige Halsbänder und zwey Betten sind ihre ganze Gerade. Ob der Korb, in dem sie liegt, auch dazu gehöre, das mögen die Rechtsgelehrten unter sich ausmachen.

Die Mäßigkeit, welche sie beobachtet, ist merkwürdig. Sie frißt nicht mehr, als ihr gut ist, und säuft nicht eher, als wenn sie durstet. Nur darinnen ist sie den Menschen ähnlich, daß sie eine Liebhaberinn vom Caffee ist.

Dieses sind die vornehmsten Tugenden, welche meine Amourette zieren. Es ist kein Zweifel, daß sie deren nicht noch mehr besitzen sollte. Allein, sie macht so wenig Rühmens von sich selbst, daß ich befürchte, ich würde ihre Sittsamkeit beleidigen, wenn ich sie weiter lobte.

Ich will unpartheyisch seyn. Ich will auch dasjenige von ihr anführen, was Uebelgesinnte für Fehler auslegen wollen. Zugleich aber werde ich zeigen, daß es Verleumdungen sind.

Man wirft ihr vor, sie schlafe zu lange; sie liege beständig im Bette. Ist denn dieses ein Fehler? Ist es nicht vielmehr ein untrügliches Zeugniß, daß sie, wenigstens von väterlicher Seite, aus einem vornehmen Hause sey?

Sie soll verliebt seyn. Man will unschuldige Kleinigkeiten beobachtet haben, aus welchen die Lästerzungen ganze Romane machen. Es geschieht ihr zu viel. Zwar zu gewissen Zeiten empfindet sie einige verliebte Schwachheiten. Aber, ein kleiner Zwang, und noch mehr ein freundliches Zureden, ist vermögend, sie von allen Unordnungen abzuhalten. Alsdann ist man erst tugendhaft, wenn man einen Trieb, zu fehlen, empfindet, wenn man Gelegenheit hat, solchen zu befriedigen, beydes aber großmüthig überwindet.

Sie soll neidisch seyn. Man will es daraus schlüßen, daß sie in einen heftigen Eifer geräth, wenn sich ein fremder Hund ins Haus schleicht. Ist denn dieses neidisch? Ist es nicht eine Probe ihrer Wachsamkeit? Jeder Hund muß den andern am besten kennen. Vermuthlich sieht sie, daß diese fremden Hunde nur die tückische Absicht haben, auszuforschen, was in einem Hause vorgehe, um bey der nächsten Zusammenkunft hämische Erzählungen davon zu machen.

Noch eins fällt mir ein. Es wollte vor einigen Tagen ein guter Freund behaupten, Amourette sey dumm. Ich lachte darüber; er aber blieb dabey. Er wollte wissen, daß sie vielmals ganz tiefsinnig, und ohne Gedanken läge, und sich zum öftern so weit vergäße, daß sie nicht einmal auf die Reinlichkeit ihres Felles genugsam bedacht wäre. Du irrest dich, mein Freund, sagte ich zu ihm. Dieses ist kein Zeichen einer Dummheit. Amourette ist tiefsinnig, und denkt vielleicht auf eine Wahrheit. Wer weis, ob sie nicht die Quadratur des Zirkels untersucht, oder gar mit einer philosophischen Spitzfindigkeit beschäfftigt ist? Ich werde in dieser Muthmaßung dadurch bestärket, weil sie ihre Gedanken nicht deutlich von sich geben kann, und ich unlängst selber gesehen habe, daß sie mit dem Kopfe wider die Wand anlief. Sind dieses nicht Spuren einer abstracten Gelehrsamkeit?

Es sey genug! Ich habe Amourettens Abkunft, ihre Schicksale, ihre Leibs- und Gemüthsgaben, kurz, ich habe Amourettens Leben und Thaten beschrieben. Sie lebt noch. Ich wünsche ihren Verdiensten eine Dauer von vielen Jahren. Sie ist es würdig. Allein, sie ist auch sterblich, und stirbt vielleicht eher, als mancher Mensch, der sich so vieler Tugenden nicht rühmen kann. O, ihr Dichter, die ihr so vielmals bey dem Grabe eines Lasterhaften euer eigennütziges Lob verschwendet! Sollte es geschehen; sollte meine Amourette sterben: Verehrt die Wahrheit! Streut nur eine Hand voll Cypressenreiser auf ihre Asche! Besingt ihre seltnen Eigenschaften! Amourette verdient es! Wenigstens werdet ihr von derselben mit gutem Grunde mehr sagen können, als daß sie geboren und gestorben sey.

Martin Scribler, der jüngere.

 << Kapitel 6  Kapitel 8 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.