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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 68
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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»Dieses wären also einige Formulare, die man brauchen kann, wenn ein Richter die Maschine der Gerechtigkeit ist, durch welche seine Frau die Processe der Parteyen nach ihrem Gutbefinden lenkt.

»In den Fällen, wo ein Richter dieses Directorium seinen Kindern aufgetragen hat, verfährt man auf eben diese Weise. Ist die Tochter an der Regierung; desto besser! Ich bin in einem Hause bekannt, wo die Tochter die Amtsstube, und der Vater die Küche besorgt; wo der Vater von den gangbaren Rechtshändeln, und den bey dem Amte vorfallenden Sachen nicht die mindeste Kenntniß, und die Tochter eben so wenig Erfahrung von der Küche hat; wo der Vater über der Mahlzeit entweder gar nichts spricht, oder es doch nur zu entschuldigen sucht, daß das Essen versalzen ist, die Tochter aber den Gästen erzählt, was sie seit fünf Jahren in ihrem Amte für casus in terminis erlebt hat. Mit einem Worte, die gütige Natur hat der Tochter den Verstand in ziemlich reichem Maasse gegeben, den sie, vielleicht aus weisen Ursachen, dem Vater entzogen. Alles dieses desto besser zu erläutern, will ich ein paar Briefe einrücken, die ich vor einiger Zeit an den Vater und an die Tochter geschrieben habe.«

 

Hochedelgebohrner Herr,
    Hochzuehrender Herr Amtmann,

Auf Dero geehrtestes vom sechzehnten dieses habe die Ehre Ihnen zu melden, daß wir heuer bey uns eben so schlechte Eichelmast haben, und was das schlimmste ist, so sagt man, daß an vielen Orten die Bräune unter die Sauen gekommen sey. Die Butter will noch nicht wohlfeil werden; sieben Groschen ist der genaueste Preis. Flachs die Menge! der Stein aufs höchste zween Thaler. Mit dem Unschlitt lassen Sie es immer noch anstehen. Es ist itzt in keinem Werthe. Ich kann es Ew. Hochedelgeb. wohl glauben, daß Sie vielen Verdruß mit den Mägden haben. Es ist leider bey uns nicht viel besser; das machen die wohlfeilen Zeiten! Spindeln habe ich Ihnen aus dem Gebirge verschrieben, und ich hoffe Sie itzt besser zu verwahren, als das letztemal. Eine gute Freundinn von mir möchte auf Weihnachten gern eine gesunde und gute Amme haben; wollten Ew. Hochedelgeb. nicht so gütig seyn, und uns eine vorschlagen? Die Frau Obristlieutenantinn ist mit der, die Sie ihr geschickt haben, ganz ungemein wohl zufrieden. Sie machen Ihnen mich dadurch sehr verbindlich, und können gewiß glauben, daß ich mit der größten Hochachtung sey,

Hochedelgebohrner Herr,
    Hochzuehrender Herr Amtmann,

u. s. w.

N. S. Inliegenden Brief bitte unverzüglich an die Mademoiselle Tochter zu übergeben. er betrifft Fatalia!

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