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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 62
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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»Es setze sich ein Jeder in die Umstände des Beklagten. Die Sache ist auf dem Wege gewonnen zu werden. So viel ist gewiß: Wird der Vorschlag angenommen, so kann er versichert seyn, daß er in einer Stunde mehr gewinnt, als er in zehn Jahren durch die kostbarste Chicane nicht erlangt. Soll er seine Frau in das Cabinett schicken? Was soll ich ihm rathen? Gewiß, das weis ich nicht; so viel weis ich, daß ich lieber Richter, als Beklagter, seyn möchte.

»Wenn man das Wort bestechen im weitläuftigern Verstande, und zwar dafür annimmt, daß es eine Kunst sey, durch welche der Kläger oder der Beklagte sich der herrschenden Leidenschaften des Richters unmittelbar, der durch andre Personen dergestalt zu bemächtigen weis, daß er ihn auf seine Seite ziehen, und den Proceß nach seinen Absichten herum leiten, und zu Ende bringen kann, wenn es, sage ich, in diesem Verstande genommen wird, so kann man gar wohl behaupten, daß ein Richter auch durch die Furcht bestochen werden könne. Es giebt deren verschiedne, welche die Welt so wohl kennen, daß sie sich mehr vor ihren Obern, als vor ihrem Gewissen fürchten. Viele müssen stumm seyn, um bittre Vorwürfe zu vermeiden; noch andre sind in ihrer Wirthschaft gewissen Zufällen ausgesetzt, welche sie sehr zahm machen. Von einer jeden dieser Arten will ich eine Probe geben: ein billiger Client wird sie nicht misbrauchen, und kann er es ganz vermeiden, sie gar nicht gebrauchen.«

 

Mein Herr,

Ich habe gestern Mittags bey Seiner Excellenz, dem Herrn von – – gespeist. Die Gnade, welche dieselben seit vielen Jahren auf eine vorzügliche Art mir erzeigt, gab mir Gelegenheit, ihnen von der Verdrüßlichkeit Eröffnung zu thun, die mir durch den bewußten Hutungsproceß zugezogen wird. Ich war so glücklich, Seine Excellenz von der Billigkeit meiner Befugnisse durch ein kurzes promemoria zu überzeugen. Sie wunderten sich, wie bey diesen klaren Umständen die Sache so lange Zeit bey der Commißion unerörtert bleiben können. Als ein aufrichtiger Freund von Ihnen, mein Herr, nahm ich Gelegenheit Ihr Verfahren zu entschuldigen; ich war auch endlich so glücklich, Seiner Excellenz die widrige Meinung zu benehmen, zu welcher sie, wie dieselben sich gegen mich ausdrückten, schon seit einigen Jahren, und bey verschiednen Gelegenheiten gegründete Ursachen bekommen hätten. Haben Sie die Gewogenheit, und beschleunigen den Hauptbericht. Sie sind zu billig, und zu einsehend, als daß Sie ihn zu meinem Nachtheile abfassen sollten. Ich weis, darauf kann ich mich verlassen. Ich habe Seiner Excellenz Hoffnung gemacht, daß er längstens binnen drey Wochen von Ihnen eingesendet werden würde. Lassen Sie mich in meinem Versprechen nicht fallen; ich werde gewiß in drey Wochen Seiner Excellenz wieder aufwarten, und sodann das Vergnügen haben, Ihnen zu melden, wie der Bericht aufgenommen worden ist. Bin ich im Stande, Ihnen höhern Orts zu dienen, so versehen Sie sich zu meiner Freundschaft aller möglichsten Bereitwilligkeit. Ich verharre u. s. w.

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