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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 58
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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»Etliche Klaftern Holz vor die Thüre des Richters geführt, sie, ohne lange zu fragen, abgeladen, wieder fortgefahren, und sodann erst den Brief übergeben, thut bey einer geringen Sache seine gute Würkung. Was will ein gewissenhafter Richter in der Angst anfangen, wenn das Holz einmal da liegt, und niemand mehr da ist, der es wieder wegfahren will? Inzwischen muß man doch diesem Geschenke, so geringe es ist, einen gewissen Anstrich geben, damit es einen Werth erhält, und nicht beleidiget. Vielleicht geht es auf diese Art an.«

 

Mein Herr,

Es ist ein Misverständniß von meinem Verwalter gewesen, daß er Ihnen im vorigen Herbste nicht mehr, als eine Klafter Holz, ausgezeichnet hat. Hier sende ich deren noch viere. Ueber den Preis wollen wir uns auf die Ostermesse vereinigen. Ich bin ohnedem noch Ihr grosser Schuldner; aber ich werde auf Mittel denken, es nicht länger zu bleiben. Wird denn meine Sache bald zum Berichte reif seyn? Ich wünsche sehr daß ich endlich aus dem bösen Handel kommen möge. Mein einziger Trost ist noch dieser, daß ich mit einem ehrlichen Manne zu thun habe, der ein unparteyischer Richter, und mein Freund ist – –

A propos! Ich lasse sechs Mitteleichen fällen. Ich habe sie der Frau Liebste zu Ihrem neuen Gartenhause versprochen. Aber dafür behalte ich mir die Erlaubniß vor, auf Johanne einen frischen Hering darinne zu essen, wenn es fertig seyn wird. Sie sehn, daß ich nichts umsonst thue. Den Braten bringe ich selbst mit, und für Wein mag meine Frau sorgen. Ich bin mit der alten deutschen Redlichkeit,

Mein Herr,

Ihr guter Freund und Diener
—   —   —   —   —
       

 

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