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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 52
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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»Diese beyden Briefe sagen in der That eben dasjenige, was die sagen, welche ich oben eingerückt habe. Sie drücken es nur auf eine feinere Art aus; und ein Richter muß in der That sehr unempfindlich, oder ganz altväterisch seyn, wenn er sich nicht auf diese Artgewinnen läßt.

»Es giebt noch eine feinere Art, den Richter zu bestechen. Dieses geschieht im Spielen. Ein Client hat viel gewonnen, wenn er es dahin bringen kann, daß er mit seinem Richter ein hohes Spiel spielt. Ein Richter, der sich so weit verläugnen kann, daß er Geschenke nimmt, wird gemeiniglich auch bey dem Spiele eigennützig genug seyn. Alsdann erfodert es die Klugheit, daß wir so viel verspielen, als nur möglich seyn will. Wir wagen nichts, wenn er unsre Absichten auch merkt. Es ist desto besser für uns. Er kann keinen anständigern Vorwand haben, unser Geld an sich zu bringen, als durch den Gewinnst: er sucht aber auch weiter nichts, als einen anständigen Vorwand, und ist wegen der Absichten unbekümmert, in denen wir es verspielen. Wir werden wohl thun, wenn wir ihm das Geld, das er gewonnen hat, nicht gleich bezahlen. Man schickt es den nächsten Morgen darauf, und thut, als ob man ungewiß wäre, wie viel man eigentlich verspielt habe. Bey dieser Ungewißheit bekömmt man Gelegenheit, ihm noch einmal so viel zu schicken, als er bekommen sollte. Ich würde ungefähr diesen Brief dazu schreiben.«

 

Mein Herr,

Sie werden Sich nun nicht mehr wundern, wenn ich Ihnen die Ursache sage, warum ich gestern Abend in einer beständigen Zerstreuung gespielt habe. Der Advocat meines Gegners ist bey mir gewesen, und hat mich so lange aufgehalten, bis ich zu Ihnen gieng. Der ungewissenhafte Mann! Seine Bosheit hat neue Waffen erdacht, mich nieder zu werfen. Bey der gerechtesten Sache, die ich habe, kann ich doch der unglücklichste Mann werden. Er macht gar kein Geheimniß daraus, daß er nicht eher ruhen will, bis er mich ganz mürbe gemacht. Seine Wut geht so weit, daß er selbst Sie, mein Herr, nicht schonet, und in allen Gesellschaften ungescheut vorgiebt, Sie wären der einzige, der sich einkommen liesse, ihn an seinem Rechte zu hindern. Ein solcher Vorwurf muß einen gerechten und unparteyischen Mann, wie Sie sind, mehr vergnügen, als kränken. Sie also, mein Herr, sind nach dem Bekänntnisse Ihrer und meiner Feinde noch der einzige, der meine gute Sache unterstützt. Wie glücklich bin ich, wenn Sie die Gütigkeit haben, und Sich derselben ferner annehmen? Es muß ihnen natürlich seyn, dieses zu thun, da Sie ein so billiger Mann sind. Wenigstens würden es meine Feinde für eine Frucht ihrer Drohungen halten, wenn Sie anfiengen, derselben mit wenigerm Eifer sich anzunehmen. Nein, das läßt sich von Ihnen gar nicht denken. Meine gerechte Sache, und mein gerechter Richter lassen mich dabey ganz ruhig seyn. Ich bin mit unveränderter Hochachtung.

Mein Herr &c.

N. S. Hier übersende meine gestrige Spielschuld. Meine Zerstreuung ist so groß gewesen, daß ich vergessen habe, wie viel sie eigentlich betragen. War es mehr, so bitte mir es zu melden; ich werde es mit Danke zahlen.

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