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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 51
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Hochgeehrtester Herr Commissar,

Meine unruhigen Bauern haben wenig gewonnen, daß sie die Untersuchung an Sie ausgebracht haben. Meine Sache hätte in keine glücklichern Hände, als in die Ihrigen, fallen können, da Sie ein Mann sind, der Einsicht, Erfahrung und Billigkeit hat. Verzeihen Sie mir ein Lob, das ich Ihnen nicht unter die Augen sagen sollte, da ich Ihre Bescheidenheit kenne. Es ist das erstemal, daß ich die Ehre habe, an Sie zu schreiben, und es liegt mir daran, daß Sie wissen, wie genau ich Sie dem ungeachtet kenne. In der That sage ich nichts weiter, als was mich Ihre Obern von Ihnen weit umständlicher, und noch weit rühmlicher versichert haben. Darf ich es wohl gestehen, daß ich hohen Orts selbst Anlaß gegeben habe, Sie zum Commissar in dieser Sache zu erbitten? Vielleicht ist Ihnen die Arbeit sehr beschwerlich; aber entschuldigen Sie immer meine Freyheit. Rechtschaffne, und geschickte Männer, wie Sie sind, sucht man auch wider ihren Willen. Die Sache ist durch die Länge der Zeit, und die Bosheit der Gegner in der That sehr verworren; aber desto nöthiger ist mir der Beystand eines so unparteyischen Richters. Ich verursache Ihnen Mühe, für die ich gewiß erkenntlich seyn werde. Sollten Sie etwan baaren Verlag, oder sonst Aufwand nöthig haben; so übersende ich hier ein Dutzend Ducaten. Dem ungeachtet erwarte ich Ihre Liquidation vollständig. Bey einer so ausserordentlichen Arbeit, als diese ist, müssen Sie durch Ihren Fleiß und Unparteylichkeit den geringsten Schaden nicht leiden. Ich würde sehr gern sehen, wenn ich noch vor dem Termine aus der Sache mündlich mit Ihnen sprechen könnte. Meine Pferde sollen Sie abholen. Ich höre, Sie sind ein Liebhaber von der Jagd; halten Sie sich ein paar Tage bey mir auf, wir wollen uns wohl vergnügen. Ich sende Ihnen einen kleinen Frischling. Sehn Sie einmal, ob es sich nicht der Mühe verlohnt, sie zu schiessen. Ich erwarte Sie gewiß. Einen freundlichen Wirth, und ein gutes Glas Wein sollen Sie finden. Ich bin mit der aufrichtigsten Zuneigung,

Mein Herr,

Ihr Diener.

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