Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 49
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Gnädige Frau Amtmannin,

Der Teufel ist wieder einmal mit euerm Herrn gar los. Das bischen Dahlen wird doch den Hals nicht kosten sollen! Das Mensch sieht gut aus, es ist wahr, und ich traf sie auf der Panse allein an; und da habe ich nun so etwan mit ihr geschäkert. Gewiß, Frau Amtmannin, weiter habe ich nichts gethan, oder doch nicht viel mehr. Darüber hätte meine Frau nicht sollen ein solches Lärmen machen. Ich kann ja nichts dafür, daß sie häßlicher aussieht. Eine runde derbe Magd ist mir freylich lieber. Wir Bauern, wir haben Fleisch und Blut eben so gut, wie vornehme Leute. Und wenn man über so ein bischen Ehebrechen den Kopf verlieren soll, so möchte ich wissen, wie unser gnädiger Herr Amtmann seinen Kopf so lange durchgebracht hat. Mit einem Worte, Frau Amtmannin, ich sehe die Karte wohl. Mein Gütchen sticht euerm Herrn in die Augen. Wißt ihr was? ganz kriegt ers so nicht; ich will was übriges thun, es soll mir nicht darauf ankommen. Schelme muß man schmieren. Diese Wiese hinter euerm Vorwerke hat der Herr Amtmann schon lange gern von mir haben wollen. Ich will sie ihm geben; sie ist unter Brüdern zwey hundert Thaler werth. Ich will thun, als wenn ich sie ihm verkaufte. Da bleibt alles hübsch in seiner Ordnung. Aber darnach muß er mir auch das arme Mensch aus dem Gefängnisse lassen davon springen. Ich will sie schon wegbringen, daß sie nimmermehr wieder ins Amt kommen soll. Ueberlegt es immer, gnädige Frau Amtmannin, ich dächte nun so, es wäre ein Vorschlag zur Güte. Auf diese Art kriegt ihr die Wiese, und die Unkosten; und wenn ich zum Schwure käme, sagte mein Advocat, so kriegtet ihr nichts. Lest euch aus, was ihr wollt. Ich nähme die Wiese, wenn ich an eurer Stelle wäre. Gestern habe ich geschlachtet, da schicke ich euch ein halbes Rind, das mag ein gutes Wort für mich einlegen. Kurz und gut, Gnädige Frau Amtmannin, befehlt euerm Herrn, daß er mich ungeschoren läßt. Er mag immer einmal durch die Finger sehen; er hat es ja beym Schulzen auch gethan. Lebt wohl, Frau Amtmannin. An die Panse will ich gedenken. Seht immer, wie ihr mir dasmal raus helft. Braucht eure Tochter etwan einen Stein Flachs? Wie gesagt, lebt wohl. Ich bin,

Gnädige Frau Amtmannin,

Euer Hanns.

 << Kapitel 48  Kapitel 50 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.