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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 40
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Kleiner Narr,

Thust du doch so demüthig und ehrbar, als wenn wir einander erst gestern hätten kennen lernen. Verlaß dich auf mich! Habe ich dich das erstemal mit Ehren unter die Haube gebracht, so will ich dich auch itzt gewiß mit Ehren unter der Haube erhalten. Dein neuer Herr Candidat ist verflucht hitzig. Wer Teufel hat ihn so kirre gemacht? Ich glaube, wenn es nach ihm gienge, so machte er mit dir Hochzeit, ehe er noch die Gastpredigt thäte. Er wird auf den Sonnabend anmarschirt kommen. Neige dich fein tief, und werde hübsch roth, wenn er dir einen demüthigen Buckel macht. Aber, das rathe ich dir, Hannchen, gieb ja wohl auf deine schelmischen Augen acht. Dein schwarzer Ritter, so hitzig er ist, scheint mir kein solcher ehrfurchtsvoller Pinsel zu seyn, wie der selige gute Mann, dem ich wohl hätte ein längeres Leben wünschen wollen. Laß es gut seyn, wir wollen ihn schon dreßiren, wenn wir ihn nur einmal da haben, wo wir ihn haben wollen. Stelle dich ja recht züchtig und fromm; wenn er dein Mann ist, kannst du schon wieder einbringen, was du itzt versäumst. Fromme Wittwen, böse Weiber! nicht wahr? Kann ich Urlaub erhalten, so komme ich auf den Sonntag früh selbst. Da mußt du recht erschrecken, wenn ich komme. Je! Gnädiger Herr, mußt du rufen, und dich tief, tief bücken. Thu nur, als wenn du mir die Hand küssen wolltest. Ich werde kein Narr seyn, und es zulassen. Bedaure, daß du nicht im Stande wärest – daß du dir die hohe Gnade nicht versehen hättest – daß du, da ich dir das erstemal die Gnade meines Zuspruchs gönnete, so wenig geschickt – daß du bey deinen betrübten Umständen – (geschwinde fahre nach dem Schnupftuche, und reibe dir die Augen) daß dein seliger Mann – (immer besser geweint) daß du als eine unglückliche verlassene Wittwe – Siehst du, so mußt du recht bestürzt reden, immer von vorne anfangen, und nichts ausreden. Ich will dir zu rechter Zeit in die Rede fallen. »Meine liebe Frau Magistrinn, (will ich mit einem huldreichen Tone auf dich herab reden) fassen Sie sich, es ist Gottes Wille, und Sie sind eine zu gute Christinn, als daß Sie unter Ihrem Kreuze murren sollten. Tragen Sie es, als eine vernünftige Frau, in Geduld. Der Himmel, der Sie auf eine so schmerzliche Art betrübt hat, wird Sie vielleicht auf andere Art wieder erfreuen. Sie sind diese fromme Gelassenheit sich selbst, und Ihrem armen Kinde schuldig. Sind Sie bey Ihren glücklichen Umständen andern, als eine vernünftige Frau, ein Exempel gewesen, so seyn Sie es auch itzt bey ihrem Unglücke. Versichern Sie sich meiner Dienstbereitwilligkeit auf alle mögliche Art. Der Herr Candidat scheint mir ein vernünftiger Mann zu seyn, der gewiß keiner armen Wittwe Unrecht thun wird. Ich werde Ihnen die Freundschaft, die ich gegen Ihren seligen rechtschaffenen Mann gehabt, (geschwind wieder ein bischen geweint) gewiß niemals entziehen. Ihre Tugend und Ihr Unglück verdienen meine ganze Vorsorge.« Nun fahre mir hurtig nach der Hand, oder nach der Weste, was du am ersten kriegen kannst. Ich werde mich vornehm zurückziehen, und dir die Hand väterlich drücken. Siehst du, Hannchen, das ist ungefähr der Text zu unsrer Comödie. Spiele deine Rolle gut. Ich stehe dir für das übrige. Je klüger dein künftiger Mann ist, je lieber wollen wir ihn betrügen. Der vorige war, unter uns geredet, ein wenig gar zu dumm. Der Verwalter soll dir Fische und Wildpret geben, so viel du brauchst. Du weißt doch, daß auf dem Schlosse gebaut wird, und kein Zimmer für mich zu rechte gemacht ist. Weißt du das nicht? Im Ernst nicht? Freylich wird gebaut. Ich werde den Abend in der Pfarre bleiben müssen. Der Herr Candidat mag oben im Studierstübchen schlafen. Ich will mein Plätzchen schon finden. Verstehst du mich? Nun führe dich fein schlau auf. Es wird schon gehen. Lebe wohl. Es bleibt beym alten.

N. S. Zerreiß den Brief ja, der Teufel möchte sein Spiel damit haben.

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