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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 32
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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»Der Schleifwege zum geistlichen Schafstalle sind so viel, daß jemand dieser Gegend sehr kundig seyn muß, wenn er es unternehmen will, sie alle, oder doch nur die meisten davon zu beschreiben. Eines der sichersten und gewöhnlichsten Mittel ist dieses, wenn sich der Candidat durch das Cammermädchen dem Herrn darstellen läßt. Ich glaube nicht, daß jemand so abergläubisch seyn und hierbey etwas bedenkliches finden wird. Wider das Recht der Natur läuft es wenigstens nicht, und die Kirchengeschichte unsrer Zeit rechtfertigt den Gebrauch. Die Gelegenheit und der Raum verstatten mir nicht, weitläuftig zu seyn; ausserdem würde ich mir Mühe geben, zu beweisen, daß die Vocation in der Hand eines solchen Frauenzimmers einen doppelten Werth erhalte. Ein Mann, der Muth genug hat, diesen Schritt zu wagen; den weder Exempel noch Vernunft abhalten können, sich mit einer Person auf ewig zu verbinden, welche zwar nicht allemal, doch sehr oft, von einer problematischen Tugend ist, und gewiß nicht vergessen wird, bey der geringsten Gelegenheit ihm vorzusagen, daß er durch sie Schutz und Amt gefunden hat; ein solcher Mann ohne Gefühle wird gewiß auch in seinem Amte standhaft, und immer unempfindlich bleiben; und die größten Verfolgungen, die über sein Amt ergehn, werden ihn nicht niederbeugen, da er weit grössere in seinem Hause zu erdulden gewohnt ist.

»Diese Betrachtungen bewegen mich, jungen Leuten wohlmeinend zu rathen, daß sie so bald, als es möglich ist, dergleichen Bekanntschaften suchen, um sich ihrem Glücke zu nähern. Ich will es beyden Theilen leicht machen, und für beyde ein Formular liefern, wie man sein Herz in dergleichen Fällen ausschütten müsse.«

An ein Kammermädchen.

Mademoiselle,

Da ich weis, wie viel Sie zu gewissen Stunden über den gnädigen Herrn vermögen, so glaube ich, daß ich mein Glück in keine bessern Hände, als in die Ihrigen, empfehlen kann. Ich wünsche mir, an die Stelle des vorigen Informators zu kommen; und dieses durch Ihren Vorspruch. Sie werden keine Ursache finden, es zu bereuen, da ich mir vorgesetzt habe, die Hochachtung mit Ihnen zu theilen, welche ich sonst der gnädigen Herrschaft ganz schuldig bin, und da ich mich von meinem Vorfahren wenigstens dadurch unterscheiden werde, daß ich weder zu mürrisch, noch zu pedantisch bin, Ihnen bey müßigen Stunden auf vielerley Art zu sagen, daß ich sey,

Mademoiselle,

der Ihrige.

N. S. Ich bin Magister, drey Ellen drey Zoll lang, sechs und zwanzig Jahr alt, habe, wie man mir sagt, einen feinen Fuß, und bin sehr geneigt, zu seiner Zeit in den Stand der heiligen Ehe zu treten.

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