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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 3
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Da meine satirischen Schriften das Schicksal gehabt, daß andre den Schlüssel darzu gesucht, und sie auf so vielerley Art ausgelegt haben; so nahm ich schon vor einigen Jahren Gelegenheit, die Unbilligkeit dieses Verfahrens lächerlich zu machen, und mich durch einen meiner Freunde rechtfertigen zu lassen. Der Verfasser eines Wochenblatts, so der JünglingSiehe den Jüngling 1 Band, das 17 und 21 Stück. heißt, hat die Mühe auf sich genommen. Ich brauche zu meiner Vertheidigung weiter nichts zu thun, als daß ich es hier wiederhole.

* * *

Ich bin so glücklich mit meinen Blättern, daß sie Lesern in die Hände gekommen, welche eine so durchdringende Einsicht und Scharfsinnigkeit besitzen, daß sie sogleich die Originale zu den abgebildeten Charakteren wissen. Diese Scharfsinnigkeit macht so wohl denen, welche sie anwenden, als mir, viel Vergnügen. Ich sehe daraus, daß die Welt dergleichen Charaktere als Aufgaben ansieht, deren Auflösung in ihrer Gewalt ist. Ich habe vor andern Schriftstellern meiner Art den Vorzug, daß die Welt keinen Schlüssel zu meinen Arbeiten haben will. Was die lächerlichen Charaktere anbelangt, die ich abgebildet habe; so ist es mir gleichgültig, ob die Leser die Originale dazu kennen, oder nicht, wenn ich sie nur nicht kenne. Ich denke, daß sich allezeit ein Original zu dem Abgeschmackten finden wird, den man beschreibt; es fehlt ja in der Welt an solchen Leuten nicht. Man mag sich also immerhin in die Ohren sagen: Ja, ja, das ist das Frauenzimmer; es ist nach dem Leben getroffen; es ist, als wenn ich diesen Edelmann oder Bürger mit Augen vor mir sähe; wenn man Recht hat, so erfreut es mich, daß ich die Natur so glücklich treffe, und ich bedaure den, der das Original zu meiner Copie wird. Was die löblichen Charaktere betrifft; so versichre ich aufrichtig, daß ich alle diejenigen meine, welche die abgebildeten guten Eigenschaften besitzen. Ich bedaure weiter nichts, als daß sich meine Leser zuweilen nicht eher, als andre, nennen. Unterdessen will ich der Welt dieses Vergnügen gönnen, und ihnen daher heute einige Charaktere vorlegen, von denen ich gewiß bekräftigen kann, daß ich sie nicht erdichtet habe. Die abgebildeten Personen sind nach dem Leben gezeichnet. Ich will mich auch mit denen in einen vertrauten Briefwechsel einlassen, welche diese Personen kennen, damit sie zu einer ganz unstreitigen Gewißheit in ihren Auflösungen gelangen können.

Fa** ist schön; das wissen wir alle. Sie ist noch ein unschuldiges Frauenzimmer. Ja, ja! Sie ist reich; das läugnet niemand. Allein die gute Fa** lobt, aus grosser Begierde, gelobt zu werden, sich selbst allzusehr. Der Schade, den sie davon hat, ist sehr groß. Nunmehr will es niemand mehr glauben, daß sie schön, daß sie reich, daß sie ein unschuldiges Frauenzimmer ist.

Ich bedaure den armen Dichter: Alle Welt vermeidet seine Gegenwart; wo er hinkömmt, läuft man vor ihm. Er kann das nicht begreifen? Ich will es ihm sagen. Er ist gar zu poetisch. Ein großer Fehler! Man flieht ihn, wie die Pest. Es ist auch in der That keinem ehrlichen Manne zuzumuthen, daß er so viel ausstehen soll, als man bey dem Herrn C*** auszustehen hat. Wenn ich stehe, so liest er mir seine Gedichte vor; setze ich mich nieder, so liest er sie mir auch vor. Ich fange an zu laufen; er läuft nach, und liest mir immer hinten drein; bis auf den Abtritt verfolgt er mich mit seinen geistreichen Werken. Vielleicht bin ich in der Allee vor ihm sicher? Es hilft nichts; er liest immer vor. Ich eile auf die Reitbahn. Umsonst, er läßt mich nicht einmal auf das Pferd. Mich hungert; ich muß zu Tische; er hält mich immer noch auf. Ich reiße mich los, und setze mich nieder; auch vom Tische jagt er mich weg. Ich werfe mich aufs Bette, und schlafe ein. Er weckt mich auf, und liest mir seine Verse vor. Ist wohl etwas unerträglichers zu denken? Er ist ein billiger, rechtschaffner und braver Mann; ich gebe es zu; allein es hilft ihm alles nichts. Es scheut sich alle Welt vor seinen Versen.

Cliton hat in seinem ganzen Leben nicht mehr als zwo Verrichtungen gehabt, zu Mittage und zu Abend zu essen. Es scheint, daß er nur zur Verdauung geboren worden sey. Er spricht auch nur von Dingen, die dahin gehören. Er erzählt, wie viele Gerichte bey dem letzten Schmause aufgetragen, was für Essen, wie viel Essen, was für Braten und Beygerichte aufgesetzt worden sind. Er besinnt sich ganz genau darauf, was man für Gerichte bey dem ersten Aufsatze gebracht hat, und eben so gewiß besinnt er sich auf die Früchte, und Assietten. Er nennt alle Weine und gebrannte Wasser her, von denen er getrunken hat. Er versteht die Sprache der Küche vollkommen, und er macht mir Appetit, an einem guten Tische zu speisen, wo er nicht ist. Er ist ein ausserordentlicher Mann in seiner Art, der die Kunst, sich gut zu mästen, zur grösten Vollkommenheit gebracht hat. Er ist auch der Kenner guter Bissen; es wird kein Mensch wieder geboren werden, der so viel, und so gut ißt. Man darf auch selten dasjenige loben, was ihm misfällt. Er hat sich bis auf seinen letzten Hauch zu Tische tragen lassen; er gab eben an dem Tage, da er starb, einen Schmaus. Er mag seyn, wo er will, so wird er essen; und wenn er in die Welt zurückkehrt, so kömmt er zum Essen wieder.

Ka** befindet sich wohl auf, und sieht doch blaß. Er trinkt nicht viel, und sieht doch blaß. Er verdaut gut, und sieht doch blaß. Er hat eine junge artige Haushälterinn, und sieht doch blaß. Wo muß das herkommen?

Georg**an ist ungemein freygebig gegen abgelebte Greise und verschwendet seine Geschenke an alte reiche Wittwen. Verlangt Georg**an vielleicht, daß ich glauben soll, er thue solches aus Großmuth? Der Niederträchtige! Seine Geschenke sind Netze und Fallstricke, die er ihren Erbschaften legt. Will er seine Großmuth bezeigen; will er ohne Eigennutz schenken, so beschenke er mich; denn ich bin jung und munter, und sterbe ohne Testament.

Unser Wuchrer F** ist ein schlauer Kopf! Er hat eine Frau, die so reizend aussieht, daß ihn niemand zum Hahnrey gemacht haben würde, wenn er auch Geld dazu gegeben hätte. Der Zutritt war allen unverwehrt, und dennoch fand sich kein Mensch, welcher sich selbst so sehr verläugnen können, daß er auf diesen Einfall gekommen wäre. Was hat F** zu thun? Er wird eifersüchtig; er bewacht sie, und läßt sie von andern bewachen. Welcher Lärm! Es wimmelt unter seinen Fenstern von jungen Stutzern, die sich fast zu Krüpeln seufzen, und den halben Wechsel daran wenden, wenn sie nur eine einzige Nacht Herr F** seyn können. Herr F** hat seine Sachen vortrefflich gemacht.

Die Madame *** ist vorzeiten verbuhlt und fast ein wenig allzu galant gewesen. Man hat von ihr gesprochen, und dieses hat sie bewogen, sich den allzu lärmenden Ergetzlichkeiten der Welt zu entziehen. Sie ist eben noch so empfindlich, aber vorsichtiger. Sie hat eingesehen, daß Frauenzimmer ihre Ehre nicht sowohl durch ihre Schwachheiten, als durch ihre geringe Mäßigung in denselben, beleidigen, und daß die Entzückungen der Liebhaber immer sehr wirklich und angenehm sind, wenn sie gleich verschwiegen werden. Sie ist schön; aber ihre Schönheit ist majestätisch, die sich leicht Ehrerbietung zuwege bringen würde, wenn sie gleich kein ernsthaftes Wesen annähme. Sie kleidet sich nicht verbuhlt, aber doch nicht ohne Schmuck. Wenn sie sagt, daß sie nicht zu gefallen suche; so setzt sie sich allezeit in den Stand, zu rühren, und ersetzt dadurch die Reizungen sorgfältig, die ihr ihre vierzig Jahre genommen haben. Sie hat wenig Reizungen verloren, und wenn man die frische Farbe ausnimmt, die mit der ersten Jugend verschwindet, und welche die Frauenzimmer oft noch vor der Zeit verderben, indem sie dieselbe blendend zu machen suchen; so darf die Madame *** nichts bedauern, weil sie nichts verloren hat. Sie ist groß und wohlgebildet; sie hat eine angenommene Nachläßigkeit; ihre Gesichtsbildung und ihre Augen sind gezwungen ernsthaft. Wenn sie aber nicht darauf denkt, Achtung auf sich zu geben; so verrathen die Augen ein lustiges Wesen und Zärtlichkeit. Ihr Verstand ist lebhaft, ohne unbesonnen zu seyn, vorsichtig, und ein wenig zur Verstellung geneigt. Ob sie gleich ein sprödes Ansehen hat; so ist sie doch angenehm in Gesellschaften. Ihre Grundsätze verlangen nicht, daß ein Frauenzimmer keine Schwachheiten begehen müsse; sie verlangen nur, daß allein der Geschmack die Schwachheiten der Vergebung werth machen soll.

Herr G** hat sich einen ganz neuen Weg zu seinem Glücke gebahnt. Es giebt eine gewisse Art von Leuten, welche gern die Vornehmsten vor andern seyn wollen, und es nicht sind; diesen hängt er an. Er läßt sich zwar von ihnen nicht zum Narren gebrauchen; aber er lacht sie selbst freywillig an, und bewundert ihre großen Geister. Was sie sagen, lobt er: wenn sie es wieder läugnen; so lobt er dieses auch. Verneinen sie etwas; so verneint ers mit. Bejahen sie etwas; so sagt er auch Ja. Kurz, er hat sich das Gebot auferlegt, allen zu schmeicheln; denn das ist itzt das einträglichste Gewerbe. Er macht aus Narren Unsinnige. Wo er hinkömmt, läuft ihm alles entgegen, Köche, Weinschenken, Gastwirthe und Zuckerbecker. Sie grüßen ihn; sie stellen ihm zu Ehren eine Gasterey an, und wünschen ihm zu seiner Ankunft Glück. Man sehe, was der Müßiggang und fremdes Brodt thun kann. Hat Herr G** nicht einen ganz neuen Weg zu seinem Glück gefunden?

Die Mademoiselle *** ziehet einen Handschuh ab, uns eine schöne Hand zu zeigen, und sie vergißt es nicht, einen ganz kleinen Schuh zu entdecken, der einen kleinen Fuß voraus setzt. Sie lacht über lustige oder ernsthafte Dinge, um schöne Zähne zu verrathen; wenn sie ihr Ohr sehen läßt, so bedeutet solches das, daß es schön ist; und wenn sie niemals tanzt, so kommt es daher, daß sie, mit ihrer Gestalt wegen ihrer Dicke unzufrieden zu seyn, Ursache hat. Sie kennt alle ihre Vortheile, einen einzigen ausgenommen; die Mademoiselle *** redet beständig, und hat keinen Verstand.

Was? Der Madame *** sollte ein einziger Mann genug seyn? Gewiß? nur ein Mann ist für die Madame *** zu wenig. Man wird sie eher dazu nöthigen, daß sie sich an einem Auge begnügen lasse.

Der Herr Professor mag sprechen, oder Reden halten, oder schreiben; so will er citiren. Er läßt von dem Fürsten der Philosophen sagen, daß der Wein trunken macht, und von dem größten Redner der Römer, daß das Wasser denselben mildere. Wenn er sich in die Moral einläßt; so ists nicht er, sondern der göttliche Plato, welcher versichert, daß die Tugend liebenswürdig ist, und das Laster gehaßt zu werden verdient, oder daß aus dem einen sowohl, als aus dem andern, Fertigkeiten entstehen. Die gemeinsten und alltäglichsten Gedanken, und so gar diejenigen, die er selbst noch denken kann, will er den Alten, den Lateinern und Griechen schuldig seyn, nicht etwan, um dem, was er gesagt hat, mehr Gewicht zu geben, oder vielleicht mit seiner Wissenschaft sich ein Ansehen zu machen. Nein, er will citiren.

Sie bewundern allein die Alten, mein Herr ***, und loben nur die verstorbenen Poeten; allein ich bitte Sie, vergeben Sie mirs, mein Herr. Es ist der Mühe nicht werth, daß man stirbt, um Ihren Beyfall zu erhalten.

Der Herr Doctor liebt die Insecten; er sammlet ihrer alle Tage mehr. In Europa hat niemand so schöne Schmetterlinge von allerley Gestalten und Farben. Ach! zu was für einer Zeit besuchen Sie ihn itzt? Er ist in einen tödtlichen Kummer versenkt; er ist murrisch und finster; seine ganze Familie leidet darunter. Er hat auch einen entsetzlichen Verlust erlitten. Kommen Sie nur näher, und sehen Sie das an, was er Ihnen auf seinem Finger zeigt. Es hat kein Leben mehr, es ist ihm den Augenblick gestorben! Was ist es denn? Es ist eine Raupe. Was das für eine Raupe war!

Alter Narre! Merkst du nicht, warum dich P*** mit Geschenken überhäuft? Du bist reich, du gehst auf der Grube! Stirb! Verstehst du kein Deutsch?

* * *

Man wird sich vielleicht der Charaktere erinnern, die ich in einem meiner Blätter der Welt als Aufgaben vorgelegt habe, welche sie auflösen sollteS. den Jüngling, im 21 Stücke.. Ich und meine Verleger haben verschiedene Briefe erhalten, in welchen die Personen angegeben werden, die ich gemeint haben soll. Ich muß eilen, und diese Briefe beantworten; sonst bin ich in Gefahr, noch mehrere zu erhalten. Ich hätte nicht geglaubt, daß es eine so gefährliche Sache wäre, ein Autor zu seyn. Alle Leute, über die gelacht werden kann, halten einen Autor für ihren Feind, und ich kann bey meinem Vergnügen schwören, daß mir nichts lieber, als Ruhe und Friede, ist. Wenn ich glaubte, daß mein eigner Name bekannt seyn könnte; so traute ich mich nicht auf die Gasse und vor die Stadt. So werden die guten Absichten belohnt! Ich wollte zum Vergnügen der Welt schreiben, und man giebt mir Schuld, daß ich einige auf der Welt lächerlich machen wollte. Ich unschuldiger Jüngling! Doch ich will aufhören, mich zu beklagen. Hier sind die Briefe, aus welchen ich nur die Namen der Personen, die ich abgebildet haben soll, weggelassen habe.

Mein Herr,

Mit Ihrer Erlaubniß, daß ich Ihnen die reine Wahrheit sage. Sie sind für einen jungen Menschen zu boshaft. Ich habe Ihr siebzehntes Blatt mit Erstaunen gelesen. Im Anfange fand ich die Abbildung eines Poeten aus dem Martiale, der seinen Freunden mit seinen Gedichten zur Last wird

Occurrit tibi nemo quod libenter,
Quod, quocunque venis, fuga est, est ingens
Circa te, Ligurine, solitudo:
Quod si scire cupis, nimis poeta es.
Hoc valde vitium periculosum est.
Non tigris catulis citata raptis,
Non et ipsa medio perusta sole,
Nec sic scorpius improbus timetur.
Nam tantos, rogo, quis ferat labores?
Et stanti legis, & legis sedenti:
Currenti legis, & legis cacanti:
In thermas fugio, sonas ad aurem:
Piscinam peto, non licet natare:
Ad coenam propero, tenes euntem:
Ad coenam venio, fugas sedentem:
Lassus dormio, suscitas jacentem.
Vis, quantum facias mali, videre?
Vir justus, probus, innocens, timeris.
Mart. Libr. V. epigr. 89.
. Dieses brachte mich auf die Gedanken, daß Sie etwa derer, welche immer die Originale zu Ihren Charaktern finden wollen, spotten würden, indem Sie aus den Schriften der Alten lächerliche Charaktere übersetzten, ohne solches anzuzeigen. Ich wurde in dieser guten Meinung bestärkt, als ich gegen das Ende Ihres Blattes den Gnatho aus dem Terenze fand
Hoc novum est aucupium: Ego hanc primus inveni viam.
Est genus hominum, qui esse primos se omnium rerum volunt;
Nec sunt. Hos consector: hisce ego non paro me, ut rideant;
Sed eis ultro arrideo, et eorum ingenia admiror simul.
Quicquid dicunt, laudo; id rursum si negant, laudo id quoque;
Negat quis, nego; ait, ajo; postremo imperavi egomet mihi,
Omnia assentari. Is quæstus nunc est multo uberrimus etc.
Terentius in Eunuch. Act. II. Sc. I.
; denn ich wußte sowohl die Stelle aus dem Martile, als die Abbildung des Gnatho aus dem Terenze, noch von der Schule her, auswendig. Aber ich fand mich betrogen, nachdem ich alle meine Register von meinen Autoren nachgeschlagen, und in keinem die übrigen Charaktere gefunden hatte. Sie haben es also unter diesem Kunstgriffe nur verbergen wollen, daß Sie viel große und vornehme Männer lächerlich zu machen suchen. Das ist sehr boshaft! Wenn ich es nur wüßte, daß Sie mich unter dem Professor, der immer citirt, verstanden hätten, und mich lächerlich machen wollen, daß ich eine Professur suche! Ich wollte Ihrer spöttischen Zunge bald Einhalt thun. Die Universität sollte mir gewiß Recht schaffen. Doch ich will meinen Unwillen noch aufschieben. So viel sage ich Ihnen, reizen Sie mich nicht. Ich weis wohl mehr, als Sie denken.

Leipzig, den 29. April.

Z. A. M.

Dieß ist der listigste unter meinen Correspondenten! Er hat es gleich gemerkt, daß ich aus dem Martiale und Terenze einige Charaktere genommen habe. Er hat Recht, daß die übrigen in keinem Register stehen. Der Himmel weis, was ich mir in seiner Person für einen gelehrten und wichtigen Mann bey der Universität zum Feinde gemacht habe. Der Professor den ich meine, ist ein FranzosHerille, soit qu'il parle, qu'il harangue, ou qu'il écrive, veut citer. Il fait dire au Prince des Philosophes, que le vin enyvre, & à l'Orateur Romain, que l'eau le rempere; s'il se jette dans la morale, ce n'est pas lui, c'est le divin Platon, qui assure, que la vertu est aimable, le vice odieux, ou que l'un & l'autre se tournent en habitude: les choses les plus communes, les plus triviales, & qu'il est même capable de penser, il veut les devoir aux Anciens, au Latins, aux Grecs. Ce n'est ni pour donner plus d'autorité à ce qu'il dit, ni peut-être pour se faire honneur de ce qu il sçait. II veut citer. Bruy. p. 440. Bruyere hat ihn in seinen Charaktern abgebildet; daß ich keinen itzt lebenden Gelehrten meine, bestätiget nachfolgendes Schreiben.

Mein Herr Jüngling,

Da ich fast alle Häuser dieser Stadt kenne; so ist es mir nicht schwer geworden, diejenigen ausfindig zu machen, welche Sie in ihrem siebzehnten Blatte so wohl gezeichnet haben. Ich wollte Ihnen wohl alle Namen schreiben; aber ich befürchte, Sie möchten meinen Brief drucken lassen. Unterdessen kann ich doch nicht errathen, wer der Professor seyn soll, der immer citirt. Ich weis niemanden. Die hiesigen Gelehrten haben nicht darum studirt, daß sie citiren wollen. Sie lieben, so viel weis ich, alle die Alten wegen ihrer Wahrheiten, die sie vortragen, wegen der Schönheiten ihres Ausdruckes, wegen ihrer Kunst, mit der sie geschrieben haben, wegen der Geschichte, die man daraus lernen kann, und wegen andrer solchen Ursachen mehr. Ich wüßte hier keinen Pedanten. Unterdessen kann es seyn, daß Sie mehr Gelehrte kennen, als ich. Melden Sie mir doch den Namen dessen, den Sie abgebildet haben, durch einen kleinen Brief, den ich bey Ihrem Verleger abfordern lassen will. Ich wüßte niemanden. Ich bin,

Mein Herr Jüngling,

den 2. May, 1747. Ihr fleißiger Leser.
A.

Herr A. weis niemanden; ich auch nicht. In Leipzig haben wir keine Pedanten. Das ist gewiß!

Mein Herr Jüngling,

Sie sind ein loser Vogel. Ich habe Ihr siebzehntes Blatt mit Vergnügen gelesen. Sie sind ein Schriftsteller für mich. Da ich mit den hiesigen Frauenzimmern sehr vertraut bin; so hatte ich kaum von dem Charakter der Fa** die erste halbe Zeile gesehen, daß sie schön wäre, so wußte ich den Augenblick, daß Sie die Mademoiselle ** meinten. Es ist an dem, daß sie sich sehr gern lobt. Ich darf nur anfangen, ihr etwas von der neuen Art zu sagen, auf die ich meine Haare frisiren lasse; so redet sie gleich von einer neuen Mode, die sie erfunden haben will. Man kann von ihrem Eigenlobe nicht zum Worte kommen. Wenn ich ihr einige galante Schmeicheleyen sagen wollen; so ist sie oft so unverschämt gewesen, und hat zu mir gesagt: Ich hätte vollkommen recht, und sagte nur noch zu wenig. Und ma foi, ich sagte ihr so viel, daß sie hätte sollen roth werden. Habe ich da nicht stumm werden müssen? Kurz; Sie haben sie nach dem Leben gezeichnet. Die Madame ***, die vorzeiten verbuhlt und allzu galant gewesen, ist doch die Madame ** in der ** Straße? Habe ich nicht recht? Wahrhaftig Sie sind in Charaktern sehr glücklich. Ich bin

Mein Herr Jüngling,

den 4. May, 1747. der Ihrige
Jacob Flink.

Herr Flink irrt sich; es kann seyn, daß sich die Mademoiselle ** selbst lobt, weil er zu ihrem Lobe zu ungeschickt ist, und sie seinem unbescheidnen Lobe auf einmal Einhalt thun will. Ich habe aber weder die Mademoiselle ** noch die Madame ** abbilden wollen. Ich kenne sie nicht. Fa** ist eine Römerinn

Bella es, novimus, et puella, verum est,
Et dives, quis enim potest negare?
Sed dum te nimium, Fabulla, laudas,
Nec dives, neque bella, nec puella es.
Martial lib. I. ep. 29.
; die Madame *** aber die Madame Lürsay, eine Französinn, deren Geschichte Herr Crebillon der jüngere beschrieben hatCoquette jadis, même un peu galante, une avanture d' eclat, et qui avoit terni sa reputation, l' avoit degoutée des plaisirs bruyans du monde. Aussi sensible, mais plus prudente, elle avoit compris enfin, que les femmes se perdent moins par leurs foiblesses, que par le peu de menagement, qu' elles ont pour elles-mêmes; & que pour être ignorés, les transports d' un amant n' en font ni moins réels, ni moins doux. – Elle étoit belle, mais d' une beauté majestueuse, qui même, sans le serieux, qu'elle affectoit, pouvoit aisement se faire respecter. Mise sans coquetterie, elle ne negligeoit pas l'ornement. En disant, qu' elle ne cherchoit pas à plaire, elle se mettoit toujours en état de toucher; & reparoit avec soin ce que près de quarante ans, qu' elle avoit, lui avoient enlevé d' agrémens: elle en avoit pas même peu perdu; & si 1' on en excepte cette fraicheur, qui disparoit avec la premiere jeunesse, & que souvent les femmes flêtrissent avant le tems, en voulant la rendre plus brillante; Madame Lursay n' avoit rien à regretter. Elle étoit grande & bien faite; & dans sa nonchalance affectée, peu des femmes avoient autant de graces, qu' elle. Sa Physionomie & ses yeux étoient séveres forcément, et lors qu' elle ne songeoit pas à s' observer, on y voyoit briller l' enjouëment & la tendresse. Elle avoit l'esprit vif, mais sans étourderie, prudent, même dissimulé. Au reste, quoique prûde, elle étoit douce dans la societé. Son Systéme n' étoit point, qu' on ne dût pas avoir des foiblesses, mais que le sentiment seul pouvoit les rendre pardonnables. Crebillon dans ses égaremens de l' esprit et du cœur, p. 17.. Allein in meinem siebzehnten Blatte ist aus Versehen ein Charakter weggelassen worden, in welchem ich Herrn Flinken meinte. Weil ich nach seinem Urtheile so glücklich in Charaktern bin; so will ich denselben itzt noch nachholen.

Man sagt, daß Herr Flink schön sey; es sagen es viele, und niemand sagt es so oft, als er selbst. Aber warum sollte er wohl schön seyn? Warum er schön seyn soll? Sein Lackey frisirt ihm die Haare am besten; er ist immer wohlriechend; er ist so lange auf den Tanzboden gegangen, daß er endlich glaubt, er tanze am besten; er ist beständig unter Frauenzimmern, weil sich niemand die Mühe nehmen und ihm die Thüre weisen lassen will; er ist immer sehr vertraulich mit ihnen, und zischelt ihnen beständig etwas ins Ohr: er schreibt Briefe an sie, die er für sehr sinnreich und galant hält, weil ihm niemand darauf antwortet; er weiß genau, was ein jedes Frauenzimmer für einen Liebhaber hat; er läuft auf alle Gastereyen. Warum sollte Herr Flink nicht schön seyn? Ich will mich nicht länger bey ihm aufhalten, weil ich noch mehr Briefe mitzutheilen habe.

Leipzig, den 4. May 1747.

Monsieur,

Wenn ich viel esse, so esse ich für mich viel. Er ist ein junger Mensch, was hat er sich um mich zu bekümmern? Wir können freylich nicht alle so gelehrt sprechen, als er. Spreche er von seinen Büchern; ich will von meinen Braten sprechen. Er hat nichts darüber zu lachen. Ich muß den ganzen Tag über genug rechnen, ehe ich mich zu Tische setzen kann. Er wird in seinem ganzen Leben doch nicht so viel Geld verdienen, als ich in einem Monat ausleihe. Ich bin der Stadt nützlicher, als er. Ich bekümmere mich wenig um ihn. Ich bin noch nicht todt, wie er in seinem Blättchen von mir spricht, und ich will noch lange leben. Künftig habe er vor Leuten von meinem Alter mehr Respect. Deswegen habe ich an ihn geschrieben. Ich denke, wenn er mit seiner schmähsüchtigen Zunge fortfährt, daß er noch auf das Carcer gesetzt werden soll. Ich will mich einmal so nennen, wie er mich genannt hat.

Cliton.

Mich dünkt, daß zwischen denen, die viel essen, und zwischen den Clitons, welche BruyereCliton n' a jamais en toute sa vie, que deux affaires, qui est, de diner le matin & de souper le soir, il ne semble né que pour la digestion: il n' a même, qu'un entretien, il dit les entrées, qui ont été servies au dernier repas, où il s'est trouvé; il dit, combien il y a eu de potages ; il se souvient exactement, de quels plats on a rélevé le premier service; il n'a pas oublié le fruit & le assiettes; il nomme tous les vins, & toutes tes liquenrs, dont il a bû; il possede le langage des cuisines autant, qu'il peut s'étendre, & il me fait envie de manger à une bonne table, où il ne soit point. C'est un personnage illustre dans son genre, & qui a porté le talent de se bien nourir jusques où il pouvoit aller. On ne reverra plus un homme, qui mange tant, & qui mange si bien; aussi est-il l'arbitre des bons morceaux, & il n' est guéres permis d'avoir du gout pour ce qu'il desapprouve. Mais s'il n'est plus, il s'est fait du moins porter à table jusqu' au dernier soupir: il donnoit à manger le jour, qu'il est mort; quelque part où il soit, il mange; & s'il revient au monde, c'est pour manger. Bruyere p 397. beschreibt, noch ein ziemlicher Unterschied ist.

Mein Herr Jüngling,

Es ist wahr, Sie haben der Welt in ihrem siebzehnten Blatte schwere Räthsel vorgelegt. Man kennt ja den guten Herrn, der gut verdaut, und doch blaß aussieht, eine junge Haushälterinn hat, und doch immer blaß aussieht, überall. Sie hätten ihn eben dadurch nicht unkenntlich zu machen suchen dürfen, daß Sie seine Haushälterinn jung und artig nennen. Es ist nunmehr schon eine geraume Zeit, daß er gut verdaut, und doch blaß ausgesehen hat. Konnten Sie nicht zu gleicher Zeit seine Gebieterinn beschreiben? Sie war nicht reizend, und ward Haushälterinn; sie war schmutzig, und ward Haushälterinn; er hat nichts, und sie ist doch reich. Wo mag das herkommen?

Halle, am 3. May.

X.

N. S. Ich irre doch nicht, daß Sie vor etlichen Jahren hier in Halle studirt haben?

Das weis ich nicht. Die Haushälterinn, von der ich geredet habe, soll durchaus jung und artig seyn; ich will es so haben. Martial hat mich zu diesem Charakter veranlaßt

Pulcre valet Carinus, et tamen pallet.
Parce bibit Carinus, et tamen pallet.
Bene concoquit Carinus, et tamen pallet.
Tingit cutem Carinus, et tamen pallet.
Puellam amat Carinus, et tamen pallet.
Mart. lib. I. ep. 78.

Mein Herr Jüngling,

Ich merke, wer Sie sind; Sie mögen Sich verbergen, wie Sie wollen. Sie sind mein Landsmann, und dieses lasse ich mir nicht abstreiten, seitdem Sie ihr siebzehntes Blatt geschrieben haben. Wie glücklich haben Sie doch einen gewissen Heuchler getroffen, der in unsrer Stadt schon so viele Erbschaften erschlichen hat! Ich lobe Sie, daß Sie einen Mann dem Spotte Preis geben, den die Thränen so vieler Wittwen und Waisen noch nicht zur Reue und Erkenntniß seiner Ungerechtigkeiten gebracht haben. Der Niederträchtige! Er denkt, daß er für alle seine Ungerechtigkeiten genug thue, wenn er einige Stiftungen und Gebetbücher macht, und mit einem großen Lärmen alle Jahre einmal Allmosen austheilt. Habe ich den Georg**an nicht errathen? Ich bin,

Mein Herr Jüngling,

Aschersleben,
am 5 May, 1747.
Ihr aufmerksamer Leser,
Michael Gewiß.

Folgender Brief betrifft eben diesen Charakter.

Mein Herr Jüngling,

Fürchten Sie Sich denn vor keinem Processe? Wenn der Herr Licentiat ** keine Erbschaft von Jenen erschleichen kann; so kann er doch eine Rüge wider Sie machen. Er wohnt auf der ** Straße. Ich habe mich wohl nicht geirrt. Er ist eben der, welcher einen alten reichen Narren, der kein Deutsch versteht, mit Geschenken überschüttet, damit er sterben soll. Ich möchte sehr gern mit Ihnen bekannt seyn, mein Herr Jüngling. Ich wollte Ihnen auch die kleine kostbare Person mit der goldnen Uhr nennen, welche nur gern wissen will, ob sie von ihnen gemeint worden ist. Ich bin,

Mein Herr Jüngling,

Leipzig, am 6 May, 1747. Ihr fleißiger Leser,
T.

Nunmehr könnte ich die Welt wieder rathen lassen, welchen unter diesen beyden ich gemeint haben soll. Bald wird keine Stadt in Deutschland mehr seyn, wo meine Blätter gelesen werden, aus der ich nicht gebürtig bin. Es hat schon zu Martials Zeiten Leute genug gegeben, welche Erbschaften zu erschleichen gesucht haben

Munera quod senibus viduisque ingentia mittis:
  Vis te munificum, Gargiliane, vocem?
Sordidius nihil est, nihil est te spurcius uno:
  Qui potes insidias dona vocare tuas:
Sic avidis fallax indulget piscibus hamus,
  Callida sic stultas decipit esca feras.
Quid sit largiri, quid sit donare, docebo;
  Si nescis: dona, Gargiliane, mihi.
Martial. lib. IV. ep. 56.
Munera qui tibi dat locupleti, Gaure, senique:
  Si sapis, et sentis, hic tibi ait, morere.
Martial. libu VIII ep. 27.
.

Leipzig, den 29 April.

Mein Herr,

Ich will ihnen funfzig Thaler geben, wenn Sie mir den Namen des Verfassers vom Jünglinge nennen. Sie können nichts dafür, daß in diesem gottlosen Blatte rechtschaffne Leute verleumdet werden: das weis ich wohl. Daß ich Ursache habe, auf meine Frau eifersüchtig zu werden, und daß es von Stutzern unter meinen Fenstern wimmelt, ist leider der ganzen Stadt bekannt. Aber daß mich ein junger Mensch einen Wuchrer nennt, das ist eine Injurie! Die muß die Obrigkeit bestrafen! Funfzig Thaler wende ich daran, damit Sie sehen sollen, daß ich kein Wuchrer bin. Ich bin

G**

Herr G** muß mehr bieten, wenn der Verleger seinen Schriftsteller verrathen soll. Der Jüngling läßt sich um einen so geringen Preis nicht nennen. Ich könnte zwar sagen, daß ich den Charakter des G** aus dem Martiale

Nullus in urbe fuit tota, qui tangere vellet
  Uxorem gratis, Caeciliane, tuam,
Dum licuit; sed nunc, positis custodibus, ingens
  Turba futurorum est. Ingeniosus homo es.
Martial, libr. I. epigr. 74.
genommen: Allein, ich will noch einige Zeit mit der Erklärung verziehen, ob er es ist. Denn er versteht ohne Zweifel kein Latein, und kann also nicht wissen, ob ich nicht einige neue Züge hinzugesetzt habe.

Mein Herr Jüngling,

Wenn Sie nur nicht so viel von einem Frauenzimmer mit blauen Augen, und von einem mit schwarzen Augen redeten; so würden Sie ein hübscher frommer Mensch seyn, der es nicht so sehr mit der jetzigen argen und verderbten Welt hielte. Dieses habe ich daraus gesehen, daß Sie der eiteln Mademoiselle **, die ich auf ihre schönen Hände und Füße so schrecklich viel einbildet, und der Madame **, die mehr als einen Mann braucht, den Text so wohl gelesen haben. Ich habe recht meine Freude darüber. Ich sehe alle Tage mit inniger Betrübniß meines Herzens zu, wie viel junge Menschen bey ihnen aus- und eingehen. Ich weis nicht, wie der Himmel so lange zusehen kann. Er ist sehr langmüthig. Ach wie schlimm wird es noch werden! Ich bin,

Mein Herr Jüngling,

Am 5. May Ihre andächtige Leserinn,
Flavia.

N. S. Itzt gehen schon wieder zween Edelleute hin. Was wird noch aus der Welt werden?

Flavia könnte freylich am besten wissen, wen ich meinte, weil sie alt ist, und Neuigkeiten liebt, wenn ich nicht den Charakter der Mademoiselle ** aus dem BruyereArgyre tire son gant, pour montrer une belle main, & elle ne neglige pas, de decouvrir un petit soulier, qui suppose, qu'elle a le pied petit; elle rit de choses plaisantes ou serieuses, pour faire voir de belles dents; si elle montre son oreille, c'est qu'elle l'a bien faite, & si elle ne danse jamais, c'est qu'elle est peu contente de sa taille, qu'elle a épaisse; elle entend tous ses interêts à l'exception d'un seul, elle parle toujours, & n'a point d'esprit. Bruyere. p. 138. und eine Abbildung der Madame ** aus dem Juvenale

Unus Iberinae vir sufficit: ocyus illud
Extorquebis, ut haec oculo contenta sit uno.
Juvenal. Satyr. VI. v. 53.
genommen hätte.

Mein Herr Jüngling,

Sie haben einen Mann beschrieben, der allein die verstorbenen Poeten lobt. Wollen Sie Sich in einen bekannten Streit wagen?

Am 5 May.

Elias Eilig.

Ich bin zu friedfertig, als daß ich Lust hätte, mich irgend in einen Streit einzulassen. Derjenige, den ich meine, heißt Vacerra, und Martial hat ihn vor mir gemeint

Miraris veteres, Vacerra, solos,
Nec laudas nisi mortuos Poetas.
Ignoscas petimus, Vacerra; tanti
Non est, vt placeain tibi, perire.
Martial. libr. VIII. epigr. 69.
.

Mein Herr,

Weil sie keine Raupen sammlen, sollen solches darum andre Leute nicht thun? Der Herr Doctor, der die Insecten so sehr liebt, ist mein Freund; ich suche die Raupen mit ihm, und wenn er seine Familie jetzt ein wenig leiden läßt; so wird es ihr künftig desto besser gehen, wenn er sein Raupencabinet verkauft haben wird.

Am 8 May, 1747.

Thomas Raupe.

Ob ich gleich den Charakter dieses Doctors aus dem BruyereIl aime les insectes, il en fait tous les jours de nouvelles emplettes; c'est surtout le premier Homme de l'Europe pour les papillons; il en a de toutes les tailles et de toutes les couleurs. Quel tems prenés-vous pour lui rendre visite? Il est plongé dans une amere douleur, il a l'humeur noire, chagrine, et dont toute sa famille souffre; aussi a-t-il fait une perte irreparable; approchez, regardez ce qu'il vous montre sur son doigt, qui n' a plus de vie, et qui vient d'expirer, c'est une chenille, et quelle chenille! Bruyere, p. 283. genommen habe; so will ich doch den Freund des Herrn Thomas Raupe so lange meinen, bis er sein Raupencabinet verkauft hat, und bis es seiner Familie besser, als jetzt, geht.

Man wird aus den Stellen der angeführten Scribenten sehen, wie sehr sich diejenigen geirrt haben, welche die Originale zu meinen Charaktern errathen wollen. Ich habe einige gewöhnliche Charaktere in mein siebzehntes Blatt eingerückt, und doch haben sich einige gefunden, welche besondre Personen angeben, die ich in Gedanken gehabt haben soll. Ein Schriftsteller verspottet die Lächerlichen, ohne darauf zu denken, ob diese oder jene unter die Lächerlichen gehören. Ich will mich über eine so bekannte Wahrheit nicht mit Anmerkungen ausbreiten, und nur so viel sagen, daß ich künftig allezeit denjenigen gemeint haben will, der so dreist ist, daß er Originale zu meinen Charaktern angiebt. Was meine Leser denken wollen, das lasse ich ihnen frey; ich verlange nur, daß sie ihre Auslegungen nicht auf meine Rechnung bringen sollen.

* * *

Wie sehr werde ich nunmehr meinen künftigen Lesern ihre Mühe erleichtern! Sie können es sicher glauben, ich meine niemanden, als diejenigen, welche wissen, wen ich gemeint habe.

Leipzig, an der Ostermesse 1751.

Gottlieb Wilhelm Rabener.

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