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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 177
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Gnädiger Herr,

Wundern Sie sich etwan, was ich will? Mein Geld will ich haben. Ja, ja, im ganzen Ernste, mein Geld, das ich Ihnen so lange geliehen habe; und wenn ich das nicht kriege, so will ich Sie haben, oder es müßte keine Gerechtigkeit im Lande seyn. Tausend Thaler ist kein Pappenstiel, und ich habe Ihren Wechsel darüber, wissen Sie das wohl, Gnädiger Herr? Das ist keine Kunst, daß vornehme Leute in den Tag hinein borgen, und uns arme Leute hernach betrügen wollen. Sie haben mich nun seit zwo Messen bey der Nase herum geführt. Ich bin der Complimente satt. Geld, mein Herr, und kein Compliment, das will ich haben, oder Sie sitzen in vier und zwanzig Stunden zwischen vier Mauern. Und sollte ich Sie zu Tode füttern, so lasse ich Sie nicht aus dem Arreste, bis Sie zu Heller und Pfennigen bezahlt haben. Wie gesagt, das ist keine Kunst! Erst kommt ihr Herren, und strotzt von Gold und Silber, Gott weis, ob ein Dreyer darauf bezahlt ist! und da sind wir armen Kaufleute eure gute Freunde, eure Herzens gute Freunde, da herzt ihr und küßt uns, bis ihr das Geld habt. Und wenn ihr es denn habt, so hole der Teufel den verfluchten Juden, der es wieder haben will, wenn der Wechsel verfallen ist. Halten Sie mirs zu Gnaden, daß ich so deutsch weg rede; aber es ist schlimm genug, daß es wahr ist. Wir armen Kaufleute müssen es uns lassen blutsauer werden; und wenn wir mit Angst und Noth ein paar Thaler Geld zusammen geraspelt haben, so kommt so ein vornehmer Müßiggänger, und betrügt uns drum. Ich meine eben Sie nicht, Gnädiger Herr; aber meine tausend Thaler muß ich auf den Donnerstag haben, oder es wird nicht gut. Kurz! Geld oder Arrest! was Sie wollen. Ich bin

Ew. Gnad.

unterthäniger Diener
Hans Puff und Comp.
       

 

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